Familienpolitische Regulierungen im internationalen Vergleich
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thomas Groß
- Abgabedatum: Oktober 2006
- Umfang: 122 Seiten
- Dateigröße: 383,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- Bibliografie: ca. 109
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0240-2
- ISBN (CD) :978-3-8366-0240-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Groß, Thomas Oktober 2006: Familienpolitische Regulierungen im internationalen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Familienpolitik, Regulierung, Gender Studies, Kinderbetreuung, Politikwissenschaft
In den Warenkorb
38,00 €
Diplomarbeit von Thomas Groß
Einleitung:
Die Wohlfahrtsstaaten Europas haben seit Mitte der 1970iger Jahre mit zwei gegenläufigen Trends zu kämpfen. In den letzten 30 Jahren sind in fast allen Ländern die Kinderraten erheblich zurückgegangen, mit den entsprechenden Folgen für die zukünftige Ausgestaltung der sozialen Sicherungssysteme, während die Frauenerwerbstätigenquoten überall erheblich gestiegen sind.
In der Diskussion über sinkende Geburtenzahlen und steigende Erwerbstätigenquoten von Frauen rücken zunehmend die sozialstaatliche Steuerung und Organisation von Familien- und Erwerbsarbeit in den Fokus des politischen und wissenschaftlichen Interesses. Dabei verdeckt die traditionelle Annahme des Prinzips „Kinder oder Karriere“, welches eine Unvereinbarkeit zwischen Erwerbs- und Familienarbeit signalisiert, häufig einen komplexen, wohlfahrtsstaatsspezifischen Wirkungsmechanismus. Die Entscheidung von Paaren für oder gegen ein Kind wird immer innerhalb eines spezifischen familienpolitischen Dreiecks getroffen. Dieses setzt sich aus den wohlfahrtsstaatlichen familienpolitischen Maßnahmen, der weiblichen Erwerbsneigung/-tätigenquote und der Realisierung des Kinderwunsches zusammen.
Gang der Untersuchung:
Diese Diplomarbeit untersucht, auch unter Rückgriff auf arbeitsmarktbezogene Variablen, den Einfluss verschiedener familienspezifischer Regulierungsmechanismen auf die Höhe der Kinderrate. Hierzu wird davon ausgegangen, dass die Kinderrate die abhängige Variable darstellt, die von einer Reihe Erklärungsfaktoren, auch unabhängige Variablen genannt, determiniert wird. Dies sind im Einzelnen: die staatlichen Sozialschutzausgaben, der Mutterschaftsurlaub, der Erziehungsurlaub, die Kinderbetreuungsquote, die Arbeitsmarktintegration von Frauen und das Steuersystem. Gerade die Auswirkungen der unterschiedlichen Steuersysteme (Individual-, Familienbesteuerung („Ehegattensplitting“)) auf die Kinderrate wurden bisher gar nicht untersucht. Diese Lücke soll durch die folgende Arbeit gefüllt werden.
Basis der umfangreichen empirischen Untersuchung sind 16 europäische Länder: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden und Spanien. Diese werden mit Hilfe der von Lasse Cronqvist entwickelten MVQCA-Methode (Multi-Value Qualitative Comparative Analysis), die eine modifizierte Version des QCA-Ansatzes darstellt, analysiert. Als theoretisches Gerüst dienen die normativen Grundannahmen des Ernährermodells, welches eine besondere, genderbezogene Sichtweise beinhaltet. Es wird gezeigt, wann und wie diese Ernährerstrukturen die wohlfahrtsstaatliche Politikausrichtung in den einzelnen Ländern bestimmen und welche Auswirkungen dies auf die Kinderrate hat. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Jahre 2000 bis 2004 und greift dabei hauptsächlich auf Datenmaterial der OECD, der Columbia University (Clearinghouse) und von Eurostat zurück.
Die Ergebnisse zeigen eindeutige ernährertypische Kausalitäten innerhalb der einzelnen, wohlfahrtsstaatlich determinierten, familien- und arbeitsmarktbezogenen Politiken. Es bilden sich spezifische Ländercluster, die folgenden Analyseergebnissen zugeordnet werden können: Erstens ist eine hohe Kinderrate nur über eine hohe Kinderbetreuungsquote oder eine qualitativ hohe Integration der Frauen/ Mütter in den Arbeitsmarkt zu erreichen, verbunden mit der gleichzeitigen Flankierung dieser Integration mit entsprechenden, die Vereinbarkeitsproblematik reduzierenden policies (u. a. Island, Norwegen, Frankreich).
Zweitens ist eine niedrige Kinderrate immer feststellbar, wenn sich starke Ernährerstrukturen in den jeweiligen wohlfahrtsstaatlichen Regulierungsstrukturen widerspiegeln, wie fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen, lange Erziehungsurlaube mit geringem Leistungsniveau oder die gemeinsame Veranlagung beider Ehepartner im Einkommensteuerrecht (u. a. Deutschland, Österreich, Griechenland).
Die Arbeit beinhaltet einen 13-seitigen Datenanhangsteil. Dieser enthält zahlreiche Tabellen mit umfangreichem Zahlenmaterial zu den einzelnen Variablen und Ländern.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Abbildungsverzeichnis | 5 | |
| Tabellenverzeichnis | 6 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 7 | |
| Einleitung: Why fertility matters? | 8 | |
| 1. | Theoretische Ansätze zur Erklärung internationaler Unterschiede bei der Familienpolitik und der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt | 17 |
| 1.1 | Der Regimeansatz von Gösta Esping-Andersen | 18 |
| 1.2 | Familienpolitik als Geschlechterpolitik: Gender-Ansätze in der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung | 22 |
| 1.2.1 | Die grundlegenden genderspezifischen Kritikpunkte an den drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus | 22 |
| 1.2.2 | Die Erklärungskraft des Ernährermodells - "A husband away from poverty"!? | 27 |
| 2. | Der aktuelle Forschungsstand: Wirkungsanalysen von Familienpolitik | 31 |
| 2.1 | Anne H. Gauthier und Jan Hatzius (1997) | 32 |
| 2.2 | Francis G. Castles (2003) | 33 |
| 2.3 | Tony Fahey und Zsolt Spéder (2003) | 33 |
| 2.4 | Joelle Sleebos (2003) | 34 |
| 2.5 | Volker Meier (2005) | 34 |
| 2.6 | Sibylle Hardmeier und Angelika von Wahl (i. E.) | 35 |
| 3. | Der methodische Aufbau der empirischen Untersuchung | 37 |
| 3.1 | Der Vergleich in der Politikwissenschaft | 37 |
| 3.2 | Die angewandte Methode: MVQCA | 40 |
| 3.2.1 | Die methodische Basis von MVQCA: Ragins QCA-Ansatz (1987) | 40 |
| 3.2.2 | MVQCA und Tosmana als Erweiterungen des klassischen QCA-Ansatzes | 41 |
| 3.2.3 | Eine Einführung in die Terminologie und Funktionsweise von MVQCA | 42 |
| 3.2.4 | MVQCA/ Tosmana in der Anwendung | 46 |
| 3.3 | Die Variablenauswahl | 46 |
| 3.4 | Die Fallauswahl | 51 |
| 3.5 | Die Daten- und Literaturlage | 53 |
| 4. | Familienpolitische Regulierungsmuster im Vergleich | 55 |
| 4.1 | Die Kinderrate | 55 |
| 4.2 | Die nationalen Steuersysteme | 58 |
| 4.3 | Die Höhe der Sozialausgaben für den Bereich Familien und Kinder | 61 |
| 4.4 | Die Höhe und Dauer des Mutterschutzes | 65 |
| 4.5 | Die Höhe und Dauer des Erziehungsurlaubes | 69 |
| 4.6 | Die Kinderbetreuungsquoten | 73 |
| 4.7 | Die Arbeitsmarktintegration von Frauen | 77 |
| 5. | Die Datenanalyse mit Tosmana - Zu den Bestimmungsfaktoren der Kinderrate | 82 |
| 5.1 | Die Ergebnisse der MVQCA | 82 |
| 5.2 | Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum aktuellen Forschungsstand | 91 |
| 6. | Das Ernährermodell als effektive familienpolitische Strategie!? | 94 |
| Anhangstabellen | 99 | |
| Tosmana-Ausdruck | 111 | |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 113 |
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Abbildungsverzeichnis | 5 | |
| Tabellenverzeichnis | 6 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 7 | |
| Einleitung: Why fertility matters? | 8 | |
| 1. | Theoretische Ansätze zur Erklärung internationaler Unterschiede bei der Familienpolitik und der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt | 17 |
| 1.1 | Der Regimeansatz von Gösta Esping-Andersen | 18 |
| 1.2 | Familienpolitik als Geschlechterpolitik: Gender-Ansätze in der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung | 22 |
| 1.2.1 | Die grundlegenden genderspezifischen Kritikpunkte an den drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus | 22 |
| 1.2.2 | Die Erklärungskraft des Ernährermodells - "A husband away from poverty"!? | 27 |
| 2. | Der aktuelle Forschungsstand: Wirkungsanalysen von Familienpolitik | 31 |
| 2.1 | Anne H. Gauthier und Jan Hatzius (1997) | 32 |
| 2.2 | Francis G. Castles (2003) | 33 |
| 2.3 | Tony Fahey und Zsolt Spéder (2003) | 33 |
| 2.4 | Joelle Sleebos (2003) | 34 |
| 2.5 | Volker Meier (2005) | 34 |
| 2.6 | Sibylle Hardmeier und Angelika von Wahl (i. E.) | 35 |
| 3. | Der methodische Aufbau der empirischen Untersuchung | 37 |
| 3.1 | Der Vergleich in der Politikwissenschaft | 37 |
| 3.2 | Die angewandte Methode: MVQCA | 40 |
| 3.2.1 | Die methodische Basis von MVQCA: Ragins QCA-Ansatz (1987) | 40 |
| 3.2.2 | MVQCA und Tosmana als Erweiterungen des klassischen QCA-Ansatzes | 41 |
| 3.2.3 | Eine Einführung in die Terminologie und Funktionsweise von MVQCA | 42 |
| 3.2.4 | MVQCA/ Tosmana in der Anwendung | 46 |
| 3.3 | Die Variablenauswahl | 46 |
| 3.4 | Die Fallauswahl | 51 |
| 3.5 | Die Daten- und Literaturlage | 53 |
| 4. | Familienpolitische Regulierungsmuster im Vergleich | 55 |
| 4.1 | Die Kinderrate | 55 |
| 4.2 | Die nationalen Steuersysteme | 58 |
| 4.3 | Die Höhe der Sozialausgaben für den Bereich Familien und Kinder | 61 |
| 4.4 | Die Höhe und Dauer des Mutterschutzes | 65 |
| 4.5 | Die Höhe und Dauer des Erziehungsurlaubes | 69 |
| 4.6 | Die Kinderbetreuungsquoten | 73 |
| 4.7 | Die Arbeitsmarktintegration von Frauen | 77 |
| 5. | Die Datenanalyse mit Tosmana - Zu den Bestimmungsfaktoren der Kinderrate | 82 |
| 5.1 | Die Ergebnisse der MVQCA | 82 |
| 5.2 | Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum aktuellen Forschungsstand | 91 |
| 6. | Das Ernährermodell als effektive familienpolitische Strategie!? | 94 |
| Anhangstabellen | 99 | |
| Tosmana-Ausdruck | 111 | |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 113 |
Textprobe:
Kapitel 4., Familienpolitische Regulierungsmuster im Vergleich: Nachdem in den vorausgegangenen Kapiteln zum einen der theoretische Hintergrund und zum anderen die zugrunde gelegte Methodik dargestellt worden sind, erfolgt in diesem Kapitel die Analyse der einzelnen familienpolitischen Maßnahmen anhand der MVQCA-Methode. Für jede einzelne im Methodenteil beschriebene Variable werden nun die jeweiligen nationalen Besonderheiten hinsichtlich ihrer Merkmalsausprägungen dargestellt und entsprechend codiert. Dabei werden die einzelnen Familienpolitiken entsprechend der herausgearbeiteten theoretischen Annahmen des Ernährermodells untersucht. Es gilt zu analysieren, welche Politiken in den einzelnen Ländern charakteristisch für ein starkes oder für ein schwaches Ernährermodell sind. Dieser deskriptive Teil ist die Basis für die im Anschluss vorgenommene Datenauswertung mit Tosmana.
Zuerst wird die zu erklärende Variable - die Kinderrate - analysiert, bevor die einzelnen unabhängigen Variablen - Steuersystem, Sozialausgaben, Mutterschutz, Erziehungsurlaub, Kinderbetreuungsquote, Erwerbstätigenquote - untersucht werden.
Die Kinderrate: Der Rückgang der durchschnittlichen Kinderzahl pro Frau ist ein weltweites Phänomen. Gleichwohl kann dieser Entwicklungstrend aus unterschiedlichen Analyseperspektiven betrachtet werden. Allgemein betrachtet sind niedrige Kinderraten ein Indikator für gesellschaftliche Veränderungsprozesse und somit die Folge eines ökonomischen Veränderungsprozesses hin zu einer postindustriellen Wirtschaftsform. Die dabei auftretenden Anpassungsprobleme wie hohe Arbeitslosenzahlen, ein sinkendes Lohnniveau oder lose Formen des partnerschaftlichen Zusammenlebens führen zu einem Rückgang der Kinderzahl.
Ausgehend von der dieser Arbeit zugrunde gelegten zentralen Fragestellung und Arbeitshypothese ist meines Erachtens der konstatierte Rückgang der Kinderraten Ausdruck eines gesellschaftlichen Vereinbarkeitsproblems, das sich zwischen der beruflichen und der privaten Sphäre herausgebildet hat und von dem hauptsächlich Frauen betroffen sind. Basierend auf diesen Annahmen ist eine geringe Kinderrate somit auch ein Indikator für die Nichtvereinbarkeit dieser beiden Sphären, wobei eine hohe Kinderrate als Ausdruck einer weitgehenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf verstanden werden kann.
In der Einleitung wurde bereits im Rahmen der Beschreibung des Entwicklungstrends der letzten 30 Jahre der jetzige Stand der nationalen Kinderraten kurz angeschnitten, ohne jedoch auf die einzelnen Werte einzugehen. Trotz des beschriebenen allgemeinen Rückgangs der Kinderraten in allen untersuchten Ländern existieren auf Basis der heutigen Werte zwischen den einzelnen Ländern doch erhebliche Unterschiede.
Die vorgefundenen Werte schwanken zwischen 1,97 als oberer und 1,25 als unterer Grenzwert. Die niedrigsten und somit unterhalb des Mittelwertes (von 1,61) befindlichen Kinderraten erreichen die deutschsprachigen Länder Österreich (1,39) und Deutschland (1,32) sowie die südeuropäischen Staaten Portugal (1,47), Italien (1,28), Spanien (1,27) und Griechenland (1,25). Knapp über dem Durchschnitt liegen Schweden (1,64), Belgien und Großbritannien (beide 1,66). Mit etwas Abstand folgen die Niederlande, Finnland (je 1,72), Dänemark (1,75) und Norwegen (1,79). Die höchsten Kinderraten weisen die Länder Frankreich (1,87), Irland (1,94) und Island (1,97) auf. Letztere erreichen fast die Reproduktionsrate, die bei durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau im gebärfähigen Alter liegt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Bevölkerung in allen Ländern zurückgehen wird, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß und Tempo.
In Anlehnung an Ostners Typologie und Pinls Annahmen kann vorab, ohne Analyse der unabhängigen Variablen, vorläufig folgendes charakteristisches Ländermuster identifiziert werden: Wohlfahrtsstaaten mit starken Ernährerstrukturen (Portugal, Österreich, Deutschland, Italien, Spanien, Griechenland) haben im Vergleich zu Ländern mit moderaten (Frankreich, Belgien) oder schwachen Ernährerstrukturen (Island, Norwegen, Dänemark, Finnland, Schweden) geringere Kinderraten. Überraschend hat Großbritannien, das von Ostner zu den starken Ernährertypen gezählt wird, eine höhere Kinderrate als diejenigen Länder, die ebenfalls zu dieser Gruppe gehören.
In den Warenkorb
38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836602402
Arbeit zitieren:
Groß, Thomas Oktober 2006: Familienpolitische Regulierungen im internationalen Vergleich, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Familienpolitik, Regulierung, Gender Studies, Kinderbetreuung, Politikwissenschaft



