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Facebook - Die Persönlichkeitsstruktur und Motive der Nutzer

Facebook - Die Persönlichkeitsstruktur und Motive der Nutzer
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Julia Haider
  • Abgabedatum: September 2011
  • Umfang: 77 Seiten
  • Dateigröße: 962,9 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Salzburg Österreich
  • Bibliografie: ca. 70
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-2152-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Haider, Julia September 2011: Facebook - Die Persönlichkeitsstruktur und Motive der Nutzer, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Facebook, Soziale Netzwerkseiten, Social Media, Motive, Persönlichkeit

Magisterarbeit von Julia Haider

Einleitung:

Soziale Netzwerkseiten – vor 10 Jahren noch eine Rarität und kaum verbreitet, boomt dieser Markt heutzutage und ein Abschwung ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Am 30. Juli 2011 sind 2.570.260 Nutzer aus Österreich bei dem Sozialen Online Netzwerk „Facebook“ registriert. 2,3 Millionen davon sind zwischen 14 und 49 Jahren alt.

Entworfen im Jahre 2004 als eine kleine, interne College Website der Universität Harvard, entwickelte sich „Facebook“ zu einer der größten Sozialen Netzwerkseiten weltweit. 2010 wird die Seite im Monat von 400 Millionen Nutzern besucht. Es wird gepostet, gechattet, Statusmeldungen/Fotos werden kommentiert, befürwortet oder abgelehnt, Freunde werden hinzugefügt, ja sogar Beziehungen werden per Facebook definiert – man präsentiert sich der Masse. Leichtfertig werden private Informationen freigegeben, den digitalen Fußspuren im World Wide Web wird häufig zu wenig Beachtung geschenkt, sie werden schlichtweg unterschätzt.

„Im Schnitt hat jeder Nutzer 130 Facebook-Kontakte – selbst wenn man seine Privatsphäre-Einstellungen so strikt regelt, dass nur diese 130 Personen die persönlichen Informationen sehen dürfen, ist das für viele Menschen eine ungewohnt große Menschenmenge. Das ist, als würde man vor vier Schulklassen ein Referat über sich selbst halten. Zudem gibt es die Einstellungen, dass Inhalte sichtbar für ‚Freunde von Freunden‘ sind – das sind im Schnitt 16.900 Facebook-Nutzer, also quasi eine Kleinstadt, vor der man sich entblößt. Privatsphäre bei Facebook ist eine Illusion – übrigens auch rechtlich gesehen“, so Jakob Steinschaden in einer Presseinformation für sein 2010 erschienenes Buch „Phänomen Facebook“.

Doch welche Persönlichkeit steckt hinter solchen Nutzern, die ihre privatesten Informationen preisgeben? Was sind deren Motive für die aktive Partizipation?

Sind es extravertierte Persönlichkeiten, die ihre Bühne brauchen, nach Selbstbestätigung suchen? Oder geht es eher in die andere Richtung: Sehen Menschen mit einem niedrigen Selbstwert ihre Chance in Facebook soziale Beziehungen aufzubauen? Wer profitiert von der schnellen, unkomplizierten Kontaktaufnahme?

Diesen Fragen soll unter anderem in meiner Untersuchung nachgegangen werden. Entworfen wurde ein Online Fragebogen, welcher die Persönlichkeitsmerkmale, das Selbstkonzept, die Motive und die Facebook-Nutzungsintensität der Nutzer misst.

Im zweiten Kapitel wird vorerst auf die Bedeutung sozialer Beziehungen eingegangen. Das Sozialkapital und dessen verschiedene Formen werden erläutert. Außerdem wird der Einfluss des Internets auf die sozialen Netzwerke näher betrachtet.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den sozialen Netzwerkseiten im Internet. Der Wandel vom Web 1.0 zu Web 2.0 wird veranschaulicht. Des Weiteren wird auf die Daten, Fakten und Funktionen von Facebook eingegangen. Außerdem wird auf die Unterschiede des Freundschaftsbegriffes im realen Leben und im virtuellen Raum Bezug genommen. Die Bedeutung von Motiven und Motivationstheorien von Maslow und Kollock bilden den Abschluss dieses Kapitels.

Im folgenden vierten Kapitel gilt die Aufmerksamkeit dem Forschungsprojekt. Forschungsfragen und Hypothesen werden zu Beginn aufgestellt. Anschließend wird die Methodik erläutert, dies beinhaltet auch die Beschreibung des Messinstruments und die verwendeten Skalen.

Der Ergebnisteil, Kapitel Nummer fünf, gliedert sich in die Beschreibung der Stichprobe und die Prüfung der Hypothesen auf.

Die anschließende Diskussion verbalisiert die gewonnenen Ergebnisse und beleuchtet die Hypothesen kritisch. Kritik an der Studie und Anregungen für weitere Forschung bilden den Schlusspunkt dieser Arbeit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 7
2. Soziale Netzwerke 10
2.1 Bedeutung sozialer Netzwerke 10
2.2 Sozialkapital 12
2.2.1 Definitionen 12
2.2.2 Starke vs. Schwache Bindungen 13
2.3. Soziale Netzwerke und das Internet 14
3. Soziale Netzwerkseiten 16
3.1 Bedeutung sozialer Netzwerkseiten 16
3.2 Web 2.0 18
3.3 Facebook 20
3.3.1 Daten und Fakten 20
3.3.2 Funktionen 21
3.3.3 Freundschaftsbegriff 22
3.4 Motivationstheorien 25
3.4.1 Bedeutung von Motiven 25
3.4.2 Maslow’s Bedürfnispyramide 26
3.4.3 Theorie von Kollock 28
3.4.4 Soziale Verstärkungshypothese 29
3.4.5 Soziale Kompensationshypothese 29
4. Forschungsprojekt 31
4.1 Forschungsfragen und Hypothesen 31
4.2 Methodik 37
4.2.1 Messinstrument 37
4.2.2 Erhobene Konstrukte 37
4.2.2.1 Persönlichkeitsmerkmale 38
4.2.2.2 Selbstkonzept 39
4.2.2.3 Nutzungsintensität Facebooks 39
4.2.2.4 Motive der Nutzung 40
4.2.2.5 Facebook am Mobiltelefon 41
5. Ergebnisse 42
5.1 Beschreibung der Stichprobe 42
5.1.1 Soziodemographische Daten 43
5.1.2 Mitgliedsdauer 43
5.1.3 Anzahl der Facebook Freunde 44
5.1.4 Nutzungsintensität 45
5.1.5 Persönlichkeitsstruktur 47
5.1.6 Kommunikationstools 47
5.1.7 Mobiltelefon Applikation 51
5.2 Prüfung der Hypothesen 52
5.2.1 Extraversion 52
5.2.2 Kontakt- und Umgangsfähigkeit 54
5.2.3 Offenheit für Erfahrungen 55
5.2.4 Selbstwert 55
5.2.5 Neurotizismus 56
5.2.6 Verwendung von Mobiltelefon 57
5.2.7 Motive der Nutzung 58
6. Diskussion 61
7. Literatur 66
8. Anhang 72

Textprobe:

Kapitel 3.3.3, Freundschaftsbegriff:

Die Bezeichnung „Freunde“ wurde etwas unglücklich gewählt, da in unserem Sprachgebrauch dieser Begriff eher für Menschen gewählt wird, zu denen eine innige Verbindung besteht. So hat im realen Leben aber wohl kaum jemand 130 beste Freunde, wie sie ein durchschnittlicher Facebook User hat, mit denen Freud und Leid geteilt wird. Christakis und Fowler widmeten sich mit ihrer Studie dem Thema der Freundschaft in Online Netzwerken und kamen zu dem Ergebnis, dass lediglich 6,6 Kontakte als echte Freunde einzustufen sind. Die beiden Autoren erklären sich diese doch geringe Zahl im Anbetracht zu den durchschnittlichen 130 Freunden folgendermaßen:

„Online-Netzwerke vergrößern offenbar die Zahl der uns nahestehenden Menschen nicht, und sie tragen auch nichts zur Verbesserung unserer engsten Beziehungen bei. Sie erlauben uns lediglich, mit einer größeren Zahl von oberflächlichen Bekannten zu kommunizieren.“.

Möglicherweise fungieren die sozialen Netzwerkseiten tatsächlich dazu den Begriff von Freundschaft und Bekanntschaft in Zukunft verschmelzen zu lassen. Die Facebook Administratoren haben auf diese Begriffsproblematik reagiert - seit Dezember 2007 ist es den Nutzern selber vorbehalten, ihre Freunde in Listen einzuordnen um eine Abgrenzung zwischen besten Freunden und Bekannten vornehmen zu können. Da es durchaus auch völlig unbekannte Menschen schaffen in die Freundschaftslisten von manchen aufgenommen zu werden, stellt sich die Frage wozu dies von beiden Seiten angestrebt bzw. akzeptiert wird?

boyd erfuhr aufgrund ihrer Studie hinsichtlich der Motive des „Sich-anfreundens“ folgendes: So sind es aktuelle Freunde, Bekanntschaften, Familienmitglieder, die als Freunde hinzugefügt werden. Des Weiteren finden die Nutzer der Studie es einfacher und auch moralisch vertretbarer, Freundschaftseinladungen zu bejahen als zu verneinen. Außerdem wird man aufgrund eines umfangreichen Freundeskreises als beliebter eingestuft, man kann mehrere Profile einsehen und seine Bewunderung für eine Person/Gruppe in der Öffentlichkeit ausdrücken. Rosen spricht davon, dass Nutzer von sozialen Netzwerkseiten sehr wohl unterscheiden zwischen virtuellen und realen Freunden. Jedoch gäbe es genug Nutzer, die glauben, mit einer langen Freundesliste ihren Status erhöhen zu können.

Donath und boyd gehen davon aus, dass auch Freundschaftseinladungen akzeptiert werden um mehr über diejenige Person in Erfahrung bringen zu können. Schließlich sind die Profilseite und Fotoalben in den meisten Fällen der Nutzer nur für Freunde zugänglich. Laut Stefanone, Lackaff und Rosen weist eine umfangreiche Freundschaftsliste in jedem Fall auf eine große soziale Vernetzung hin, jedoch ist die Bedeutung vieler Verbindungen zu hinterfragen und vermutlich nicht mit den Werten einer echten Freundschaft zu vergleichen.

Doch was macht eine Freundschaft überhaupt aus? boyd spricht von einer Beziehung, die auf Werte wie Zuneigung oder Bewunderung basiert. Härtwig definiert in ihrer Untersuchung Freundschaft als „eine auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruhende persönliche Beziehung von unbegrenzter Dauer, die durch Austausch intimer Gedanken und Gefühle, und ein hohes Maß an Vertrauen gekennzeichnet ist.“.

Brian Boyd hingegen, findet die Unterteilung zwischen Online und Offline Freunden schwierig, wenn nicht sogar unnötig. So wird Boyd in dem Artikel von Ellison, Lampe, Steinfield und Vitak hinsichtlich des Freundschaftsbegriffes wie folgt zitiert:

„What does it mean, then, to be on someone’s ‚Buddy List‘, or to be ‚friended‘, by contrast to what it means to be a friend? And will the rising generation be able to tell the difference?“.

danah boyd meint, dass eine lange Freundschaftsliste bei sozialen Netzwerkseiten einerseits auf Popularität andererseits aber auch auf Oberflächlichkeit und offensichtliche Status Gier hindeutet. Allerdings weist die Autorin auch auf die Schwierigkeit hin, jemanden als Freund abzulehnen, obwohl einem selbst die Person bekannt ist, da ein negativer Eindruck wie zum Beispiel Arroganz des Ablehnenden entstehen könnte.

Arbeit zitieren:
Haider, Julia September 2011: Facebook - Die Persönlichkeitsstruktur und Motive der Nutzer, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Facebook, Soziale Netzwerkseiten, Social Media, Motive, Persönlichkeit

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