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Extremsport und Geschlecht

Eine sozialpsychologische Untersuchung am Beispiel des Ultra-Triathlons Quelle Challenge Roth

Extremsport und Geschlecht
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Beritt Bellstedt
  • Abgabedatum: November 2005
  • Umfang: 125 Seiten
  • Dateigröße: 2,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9448-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9448-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9448-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bellstedt, Beritt November 2005: Extremsport und Geschlecht, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Motivation, Psychologie, Triathlon, Sportsoziologie, Sportart

Diplomarbeit von Beritt Bellstedt

Zusammenfassung:

Extremsport ist ein Phänomen, das fast ausschließlich in modernen Industriegesellschaften anzutreffen ist. Immer mehr Menschen setzen sich nicht nur extremen körperlichen und seelischen Anstrengungen aus, sondern auch völlig unkalkulierbaren Risiken. Nach soziologischen und psychologischen Erkenntnissen bietet das alltägliche Leben (fast) keine existenziellen Risiken mehr. Jedoch hat der Mensch ein elementares Bedürfnis nach einem gewissen Spannungs- und Aufregungsniveau, das in den immer populäreren Extremsportarten befriedigt wird. Eine breite Masse von Freizeitsportler/innen vollbringt physische und psychische Höchstleistungen, die früher einmal der Elite von Leistungssportler/innen vorbehalten waren.

Besonders deutlich wird dies bei der Betrachtung aktueller Teilnehmerzahlen von Marathon- und Triathlonveranstaltungen. Marathon ist im 21. Jahrhundert bereits zum Volkssport avanciert, galt er doch vor nicht allzu langer Zeit als der ultimative und extreme Ausdauertest. Inzwischen verzeichnen Ultralangdistanzen ähnlich großen Zulauf, denn Quereinsteiger vom Marathon bilden das Potenzial, aus dem sich der „Nachwuchs“ für den Ultrasport rekrutiert. Folgende Fragestellung ergibt sich daher für meine Arbeit: Warum liegen Extremsportarten in der heutigen Gesellschaft im Trend? Warum tun sich Männer und Frauen derartige Strapazen an und setzen sich lebensgefährlichen Abenteuern aus?

Bei der Betrachtung der relevanten Fachliteratur zum Thema Extremsport wird deutlich, dass diese keine einheitliche Struktur aufweist und unzählige definitorische Auslegungsversuche der Autoren zur generellen Verwirrung führen. Daher ist in dieser Arbeit ein neuer Kategorisierungsansatz extremer Sportarten unternommen worden. Auffällig in der Literatur ist, dass Unterschiede bezüglich des Geschlechts nie differenziert werden. Generell wird nur auf die männliche Variante des Extremsportlers zurückgegriffen. Untersuchungen zu geschlechtsspezifischen Aspekten im Extremsport fehlen gänzlich.

Dabei gilt als erwiesen, das Männer und Frauen sich nicht nur in ihrem Wesen, sondern auch in ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit und ihrer gesellschaftlichen Prägung bzw. Rollenverteilung unterscheiden und es in unserer Gesellschaft unterschiedliche geschlechtsspezifische Stereotypisierungen gibt. Aus diesem Grund ergibt sich für mich ergänzend folgende Fragestellung: Betreiben Frauen Extremsport aus den gleichen Gründen wie Männer? Und gibt es Unterschiede hinsichtlich der Motive zwischen Männern und Frauen? Ist die Ausübung extremer Sportarten vom Geschlecht abhängig?

Da es in der Fachliteratur zu diesem Thema bisher keine konkreten Antworten gegeben hat, wurde eine Stichprobenuntersuchung bei dem „Quelle Challenge“ in Roth 2004 durchgeführt, der ein traditioneller Ultra-Triathlon Wettkampf in Deutschland ist. Vor Ort wurden an ca. 200-250 Triathleten/innen Fragebögen ausgehändigt. Mit der empirischen Bearbeitung dieses Themas ist von mir der Versuch unternommen worden, einen ersten wissenschaftlichen Ansatz im Bereich des extremen Ausdauersports und seiner geschlechtspezifischen Ausdifferenzierung zu liefern. Es bleibt zu hoffen, dass durch meine Arbeit weitere geschlechtsspezifische Forschungsvorhaben im gesamten Bereich des Extremsports angeregt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 3
2. EXTREMSPORT 6
2.1 Definition des Extremsportbegriffs 6
2.2 Kategorisierung extremer Sportarten 10
2.3 Gründe für die Entwicklung extremer Sportarten 18
2.4 Typisierungsmöglichkeiten des Extremsportlers 22
2.5 Sportkarrieren: Als Extremsportler geboren? 29
3. MOTIVE EXTREMEN SPORTTREIBENS 32
3.1 Allgemeine Begriffsbestimmung 33
3.1.1 Motiv 33
3.1.2 Motivation 33
3.2 Theoretische Ansätze zur Erklärung motivierten Verhaltens 34
3.3 Intrinsische und extrinsische Motivationen 36
3.3.1 Leistungsmotive 37
3.3.2 Das Flow-Konzept 38
3.3.3 Grenzsuche 40
3.3.4 Risikosuche 43
3.3.5 Angstlust 44
3.3.6 Sinnliche Erfahrungen 46
3.3.7 Soziale und gesundheitliche Motive 47
3.4 Motivationsprozesse in extremen Sportarten 48
3.5 Extremsport - eine Sucht? 51
3.5.1 Lauf und Ausdauersucht 53
3.5.2 Die Endorphinhypothese 54
3.5.3 Negative Sportsucht und Entzugserscheinungen 56
4. SPORT UND GESCHLECHT 58
4.1 Gesellschaftliche Rollenverteilung 59
4.2 Frauen im Sport - Zur Leistungsfähigkeit der Frau 64
4.3 Unterschiede im Sportengagement 68
5. Methode 73
5.1 Untersuchungshypothesen 73
5.2 Untersuchungsvorbereitungen 74
5.3 Untersuchungsablauf 75
5.4 Statistische Verfahren 75
6. Ergebnisse 76
6.1 Soziodemographische Daten 76
6.2 Sportverhalten 74
6.3 Motivation 82
6.4 Soziale Aspekte und Triathlon 83
6.5 Verletzungsrisiko im Sport 86
7. Diskussion 87
8. Schlussbetrachtung 94
9. Literaturverzeichnis 98
ANHANG 99
I. Abbildungsverzeichnis
II. Tabellenverzeichnis
III. Fragebogen
IV. Untersuchungsdaten

Automatisiert erstellter Textauszug:

Dazu W. Güllich (in Hepp 1993, 85): „…Wenn du lernst deine Ängste und Emotionen auszuloten bzw. zu kanalisieren, die natürlichen Stressreaktionen des Körpers in den Griff bekommst, dann kannst du sie in eine neue Energiequelle umsetzen.“ W. Güllich war sich bewusst, das er ohne Seil die „subtile Balance ‚objektiv gefährlich, aber dennoch subjektiv sicher’ in riskanter Weise strapazierte“ (ebd.). 98 W. Güllich (Kletterer): „Schwitzend tropft der Körper, die Anstrengung blockiert die Nervensysteme und das Zittern des Körpers ist kaum unter Kontrolle zu bringen. Ganz ruhig - die Gedanken geben Kommando“ oder „Der Wille…unterdrückt den peinigen Schmerz“ (aus: Hepp 1993, 84) 99 Dazu die Ultra-Marathon-Läuferin Sigrid Lomsky (50 Jahre): „So viele Menschen in meinem Alter ersticken in Routine – ich nicht. Ich finde es immer wieder toll, zurück an die Arbeit zu gehen. Ich bringe [...]

Erklärungsansatz mit seinem Buch „Die Lust an der Angst“ entwickelt. Seiner Meinung nach sind Risikosucher nicht todessehnsüchtig, sondern Menschen, „die einer gefährlichen Tätigkeit nachgehen, sich ihrer Gefährdung bewusst sind und auf diese Gefährdung ganz normal und vernünftig reagieren, nämlich mit Angst“ (15). Sich einer gefährlichen und risikoreichen Situation zu stellen sei „ein hervorragendes Mittel gegen die Angst vor der Angst. Durch den Erwerb von Fähigkeiten, die ein Kontrollieren der Gefahr ermöglichen, verliert die Angst ihren Schrecken. Als Risikosucher lebt man besser mit ihr, weil man gelernt hat mit ihr umzugehen“ (159).97 Wer sich somit Angstsituationen aktiv stellt, strebt nicht nur die Überwindung der Angst an, sondern das Ziel, trotz der Angst handlungsfähig zu bleiben.98 Ebenso stellen sich Freude- und Glücksgefühle ein, wenn sich das Subjekt den Herausforderungen gewachsen fühlt und fähig ist potentielle Gefahrensituationen zu kontrollieren (Allmer 1998, 71; siehe auch 3.3.2 Das Flow-Konzept). Als positiven Nebeneffekt glaubt Semler einen Transfer auf alltägliche Lebenssituationen zu vermuten: „Wer mit den gefährlichsten Situationen zwischen Himmel und Erde zurechtkommt, wird nicht an banalen Alltagsproblemen scheitern“ (66).99 Wenn die Angst jedoch nicht überwunden [...]

Aus: Nachtclub: „Grenzgänger – zwischen Gipfelglück und Absturz ins Nichts“, BR III, 23.09.1994. Zitiert in: Hartmann 1995, 92 88 Zitat entnommen aus dem Stern Interview vom 5.9.2002, 212 89 A. Huber auf die Frage im BR online Interview (2004) wie weit er noch von seiner Leistungsgrenze entfernt sei: „ Man kann nicht über seine Leistungsgrenze hinausgehen, man kann sich nur annähern.“ 90 Dazu der Extrembergsteiger H. Kammerlander: „Wenn das Ziel erreicht ist, ist das nicht die Grenze. Ich weiß auch nicht wann ich zu weit ans Limit gehe. Wo ist denn das Limit? Das herauszufinden wird irgendwann einmal mein Tod sein“ (aus: Baumeister 1999, 171). [...]

Arbeit zitieren:
Bellstedt, Beritt November 2005: Extremsport und Geschlecht, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Motivation, Psychologie, Triathlon, Sportsoziologie, Sportart

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