Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Tino Kanicke
- Abgabedatum: September 2005
- Umfang: 115 Seiten
- Dateigröße: 1,5 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9622-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9622-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9622-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kanicke, Tino September 2005: Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: arbeitslos, Entlassungsverhalten, Quersubvention, Finazierungssystem, temporary layoff
In den Warenkorb
74,00 €
Diplomarbeit von Tino Kanicke
Zusammenfassung:
Mit über 4,7 Millionen registrierten Arbeitslosen erfährt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit seine schwerste Krise seit Ende des zweiten Weltkriegs. Eine oft genannte Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit ist die Entwicklung der Weltwirtschaft. Dies scheint jedoch nicht die alleinige Erklärung zu sein. Bei einem Vergleich der Arbeitslosenquoten der Vereinigten Staaten von Amerika und der Deutschlands über den Zeitraum der letzten zehn Jahre verdeutlicht, dass die der Vereinigten Staaten weitaus geringere Schwankungen aufweist. Eine allgemeingültige Erklärung dafür ist schwerlich zu geben, vielmehr sind es eine ganze Reihe von Faktoren die diesen Unterschied zur Entwicklung in Deutschland beeinflussen.
Als bedeutende Faktoren sind dabei die Ausgestaltung der US amerikanischen Arbeitslosenversicherung sowie die der sonstigen sozialen Sicherungssysteme zu nennen. Ausgehend von der durchschnittlich weitaus niedrigeren Höhe des Lohnersatzes sowie deutlich kürzeren Maximalbezugszeiten ist davon auszugehen, dass die Versicherten in den Vereinigten Staaten einen größeren Anreiz haben, zum einen eine mögliche Arbeitslosigkeit zu verhindern und zum anderen im Fall der Arbeitslosigkeit sich möglichst intensiv um eine neue Beschäftigung zu bemühen. Jedoch wurde vor allem mit dem „Vierten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ ein erster wichtiger Schritt zur stärkeren Motivation der deutschen Versicherten gemacht, die Wahrscheinlichkeit und Dauer einer möglichen Arbeitslosigkeit zu reduzieren.
Aus dem Vergleich der Arbeitslosenversicherungen in Deutschland und den Vereinigten Staaten ergibt sich jedoch noch ein weiterer und wie sich zeigen wird ein nicht unbedeutender Unterschied. Dieser liegt in der Finanzierung der Arbeitslosenversicherung. Während in Deutschland der für alle Beitragszahler einheitliche Beitragssatz zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern entrichtet wird, sind in den Vereinigten Staaten allein die Unternehmen für die Mittelaufbringung verantwortlich, wobei sich jedoch ihre Beiträge unterscheiden. Die Ursache für diese Beitragsdifferenzierung liegt in dem so genannten experience rating. Diese Methode der Beitragsberechnung berücksichtigt die der Arbeitslosenversicherung durch die von einem Unternehmen bisher entlassenen Mitarbeiter verursachten Kosten sowie die von ihm eingezahlten Beiträge. Daher verändert sich die Höhe der Arbeitslosensteuer eines Unternehmens jeweils zum Jahresanfang in Abhängigkeit davon, in welchem Umfang es Mitarbeiter entlassen hat. Die Unternehmen sind somit gezwungen, in ihre Entlassungsentscheidung die Kosten einer daraus resultierenden Steuererhöhung mit in ihr Kalkül zu ziehen.
Dagegen existiert für deutsche Unternehmen, zumindest in Bezug auf den Beitragssatz, kein Anlass, die durch eine Entlassung hervorgerufene Kostenerhöhung für die Arbeitslosenversicherung zu berücksichtigen. Der für jeden Versicherten einheitliche und seit Jahren durch Bundeszuschüsse konstant gehaltene Beitragssatz, erlaubt es ihnen diese Kosten vollständig auf die Gesamtheit der Beitragszahler umzulegen. In seinem Gutachten von 2003 kritisiert der Sachverständigenrat diese Quersubventionierung und schlägt eine stärkere Beitragsdifferenzierung auch in Deutschland vor. In diesem Zusammenhang wird auf die positiven Erfahrungen mit dem experience rating in den Vereinigten Staaten hingewiesen.
Die vorliegende Arbeit zielt daher darauf ab, die Versicherungssysteme, insbesondere die Art deren Finanzierung, in den genannten Ländern zu vergleichen, um die Vorteile der vom Sachverständigenrat vorgeschlagenen Reform der Finanzierung der deutschen Arbeitslosenversicherung zu verdeutlichen. Es lässt sich analytisch wie auch empirisch zeigen, dass eine experience rating - basierte Finanzierung zu deutlich niedrigeren Arbeitslosenzahlen und einer höheren Gesamtwohlfahrt in einer Volkswirtschaft führt. Daher wird der Vorschlag des Sachverständigenrats begrüßt und bestärkt. Wie jedoch gezeigt wird, stellt auch die Ausgestaltung der US amerikanischen Arbeitslosenversicherung eine Quelle möglichen Fehlverhaltens von Seiten der Versicherten und Unternehmen dar. In diesem Zusammenhang wird in der angelsächsischen Literatur vor allem die Existenz eines Höchststeuersatzes kritisiert. Unternehmen, die bereits mit diesem besteuert werden, haben analog zu den deutschen Arbeitgebern keinen Anlass, mögliche Entlassungen in Bezug auf deren Entlassungskosten zu überdenken. Vielmehr kommt es zum auch in Deutschland bekannten Phänomen der vorübergehenden Entlassungen während wirtschaftlich schwacher Zeiten. Um dieselben Fehlanreize bei einer möglichen Einführung eines experience rating in die Beitragsbemessung der deutschen Arbeitslosenversicherung zu verhindern, werden die Ursachen und mögliche Verbesserungen präsentiert.
Analog zum Sachverständigenrat wird jedoch auch in dieser Arbeit darauf hingewiesen, dass eine Reform der Arbeitslosenversicherung neben einer Veränderung der Finanzierung auch eine weitere Anreizsteigerunge für die Versicherten selbst verlangt.
Abstract:
Due to the fact that unemployment insurance is financed through a uniform rate of contribution, an increase in its costs caused by a layoff has to be distributed among all contributors. In opposite to this, employers in the United States face different rates. The individual contribution rate will be determined by a method that is called experience rating and depends on employer’s prior taxes and benefits paid to its former employees.
Beside explaining the effectiveness of experience rating this paper will show that its implementation into unemployment insurance financing in Germany could lead to a significant decrease in unemployment. Furthermore, proposals are submitted to what extent the financing in Germany should differ from that in the United States in order to avoid some disincentives still existing there.
Inhaltsverzeichnis:
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | II | |
| TABELLENVERZEICHNIS | IV | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | V | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | DIE DEUTSCHE UND US AMERIKANISCHE ARBEITSLOSENVERSICHERUNGEN | 3 |
| 2.1 | DIE DEUTSCHE ARBEITSLOSENVERSICHERUNG | 3 |
| 2.1.1 | Die Geschichte der deutschen Arbeitslosenversicherung | 3 |
| 2.1.2 | Die Leistungen der deutschen Arbeitslosenversicherung | 6 |
| 2.1.3 | Die Finanzierung der deutschen Arbeitslosenversicherung | 10 |
| 2.2 | DIE ARBEITSLOSENVERSICHERUNG DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA | 14 |
| 2.2.1 | Die Leistungen der Arbeitslosenversicherungen in den Vereinigten Staaten | 16 |
| 2.2.2 | Die Finanzierung der Arbeitslosenversicherungen in den Vereinigten Staaten | 18 |
| 2.3 | VERHALTENSRISIKEN IN DER ARBEITSLOSENVERSICHERUNG | 23 |
| 2.3.1 | Moral hazard der Versicherten | 24 |
| 2.3.2 | Moral hazard der Unternehmen | 26 |
| 2.3.3 | Moral hazard der Gewerkschaften | 27 |
| 3. | EINHEITLICHE LOHNSUMMENSTEUER VERSUS EXPERIENCE RATING | 28 |
| 3.1 | EFFEKT DER BERÜCKSICHTIGUNG DER ARBEITSLOSENVERSICHERUNGSKOSTEN | 29 |
| 3.1.1 | Annahmen des Modells | 29 |
| 3.1.2 | Keine Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Arbeitslosenversicherung | 30 |
| 3.1.3 | Berücksichtigung der Auswirkungen auf die Arbeitslosenversicherung | 39 |
| 3.1.4 | Wohlfahrtseffekte einer Internalisierung der Kosten | 44 |
| 3.2 | DAS MODELL VON ALBRECHT UND VROMAN | 54 |
| 3.2.1 | Annahmen des Modells | 54 |
| 3.2.2 | Das Anstrengungsniveau | 55 |
| 3.2.3 | Arbeitsnachfrage und Lohnsetzung | 60 |
| 3.2.4 | Das Gleichgewicht | 66 |
| 3.2.5 | Numerische Lösung | 72 |
| 3.3 | DISKUSSION DER ERGEBNISSE | 81 |
| 4. | EMPIRISCHE EVIDENZ UND DISKUSSION | 84 |
| 5. | SCHLUSSBEMERKUNG | 91 |
| 6. | QUELLENVERZEICHNIS | 93 |
| 7. | MATHEMATISCHER ANHANG | 96 |
| 8. | TABELLENANHANG | 105 |
| 9. | EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG | 106 |
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass im vorgestellten Modell eine Internalisierung der Kosten der Arbeitslosenversicherung in die Kostenfunktion der Unternehmen sowohl positive Beschäftigungs- und somit Einkommenseffekte für die in der Ökonomie lebenden Individuen als auch eine wohlfahrtserhöhende Wirkung für die Unternehmen hat. Auch lassen sich durch ein System, in dem diese Kosten berücksichtigt werden, die Folgen eines exogenen Preisschocks für die Ökonomie deutlich abschwächen. Dieses Modell kann jedoch aufgrund der starken Annahmen nur begrenzt auf die Realität übertragen werden. Zu den starken Annahmen ist sicherlich die lebenslange Zurechenbarkeit eines Arbeiters zu einer Firma zu nennen. Auch sind der konstante Mindestlohn und die Homogenität der Arbeiter und Unternehmen nur bedingt geeignet, um die Wirklichkeit wiederzuspiegeln. Ziel dieses Modells war es jedoch vielmehr einen grundlegenden Eindruck über die Wirkungsweise eines Systems zu vermitteln, das die Unternehmen dazu zwingt, die durch ihr Entlassungsverhalten verursachten Kosten in ihr Optimierungskalkül mit einzubeziehen. Es zeigt, dass eine Berücksichtigung der Arbeitslosenversicherungskosten gesamtwirtschaftliche wünschenswert ist, da das effizientere Entlassungsverhalten die Einkommen aller Wirtschaftssubjekte erhöht. Wie im Teil 2 dieser Arbeit bereits beschrieben wurde, ermöglicht die experience rating basierte Finanzierung der Arbeitslosenversicherung die direkte Internalisierung der durch eine Entlassung verursachten Kosten in die Kostenfunktion der Unternehmen. Im folgenden Abschnitt werden die kritisierten Annahmen des bisher betrachteten Modells innerhalb eines Effizienzlohnmodells von Albrecht und Vroman (1999) mit heterogenen Unternehmen und Arbeitern realitätsnäher definiert. Ziel des Modells ist es, ein System einheitlich lohnsummensteuerfinanzierter Arbeitslosenunterstützung mit einem experience rating basierten Finanzierungssystem und deren Beschäftigungs- und Produktivitätseffekte zu vergleichen. [...]
Abbildung 10 nur geringe Veränderungen in der Region 2 zum Vor-Schock-Zustand beobachten. Hier beträgt das Einkommen der Unternehmen AC N und das der Individuen ist gekennzeichnet durch die Flächen E O S K und P RT S , dem Arbeitseinkommen und der Arbeitslosenunterstützung. Der Wohlfahrtsverlust in Region 2 ist wiederum durch die Flächen C N O E , N Q P und −Q RT dargestellt. Nachdem die Auswirkungen eines plötzlichen Preissturzes auf die Wohlfahrt einer Ökonomie, in der die Kosten der Arbeitslosenversicherung nicht von den Unternehmen antizipiert werden, verdeutlicht wurden, soll im Folgenden gezeigt werden, dass die negativen Einkommenseffekte in einer Volkswirtschaft bei Berücksichtigung dieser Kosten in der Kostenfunktion der Unternehmen weitaus geringer ausfallen. Da annahmegemäß jedes [...]
Das numerische Beispiel zeigt, dass nach einem Schock in nur einer Region der Ökonomie, in der die Unternehmer und Individuen enorme Wohlfahrtseinbußen hinnehmen müssen, auch die Individuen und Unternehmer der Region 2 Einkommen verlieren. Jedoch fällt dieser Einkommensverlust in Region 1 bedeutend stärker aus. So verlieren die Unternehmer im Vergleich zum Vor-Schock-Zustand 73,43 Prozent und die Individuen 12,17 Prozent ihres Einkommens. Nach einem Schock in Region 1 verlieren die Individuen in Region 2 nur rund einen Prozent des vorhergehenden Einkommens, während deren Unternehmer 4,26 Prozent verlieren. Der Rückgang der Gesamtwohlfahrt beträgt 54,25 Prozent in Region 1 und 3,23 Prozent in Region 2. Diese Ergebnisse werden in Abbildung 11 verdeutlicht, indem die Einkommen in den beiden Regionen nach dem Schock gegenübergestellt werden. [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832496227
Arbeit zitieren:
Kanicke, Tino September 2005: Experience Rating in der Arbeitslosenversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
arbeitslos, Entlassungsverhalten, Quersubvention, Finazierungssystem, temporary layoff



