Existenzgründungen aus Hochschulen im regionalen Innovationsnetzwerk
Unter besonderer Berücksichtigung des Exist-Wettbewerbs
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Lutz Rumkorf
- Abgabedatum: Juni 2000
- Umfang: 113 Seiten
- Dateigröße: 2,1 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4688-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4688-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4688-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Rumkorf, Lutz Juni 2000: Existenzgründungen aus Hochschulen im regionalen Innovationsnetzwerk, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Innovationsnetzwerke, Gründungsforschung, Existenzgründung, Hochschulen, Exist-Wettbewerb
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Diplomarbeit von Lutz Rumkorf
Einleitung:
Seit mehreren Jahren ist die Verringerung der hohen Arbeitslosigkeit eines der brennendsten Themen in der deutschen Gesellschaft. Verschiedenste Maßnahmen wurden ergriffen, um für die Betroffenen und die Gesellschaft die damit verbundenen Probleme zu bekämpfen oder wenigstens abzumildern. Ziel der meisten Bemühungen ist es, in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen, die auch langfristig Bestand haben können. In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf die relativ geringe Selbständigenquote in Deutschland hingewiesen. Diese liegt mit knapp 10 % noch unterhalb des OECD-Durchschnitts, bzw. unterhalb des Durchschnitts der meisten europäischen Nachbarländer. In der Diskussion wird betont, dass in Deutschland zwischen 570.000 und 800.000 Unternehmen fehlen, was u.a. darauf zurückgeführt wird, dass hier kein gründerfreundliches Klima vorherrscht, sowie das Image des Unternehmers in der Öffentlichkeit relativ negativ belastet ist. Bei näherer Betrachtung der Zusammensetzung dieser Selbständigenquote stellt man zudem fest, dass nur ca. 15 % der Unternehmensgründer in Deutschland einen Hochschulabschluss besitzen. „Noch deutlicher wird das vorhandene Defizit, wenn die Grün-dungen direkt aus der Hochschule betrachtet werden, wo der Anteil bei verschwindend geringen 0,3 % (in den USA 17 %) liegt.“.
Dies wird allgemein als ein Manko des deutschen Hochschulsystems, bzw. der Hochschulausbildung angesehen. Fachlich hochqualifizierte Menschen, mit einem hohen Stand an technischem Wissen und Know-how ziehen es vor, ein (scheinbar) sicheres Beschäftigungsverhältnis in der privaten Wirtschaft oder dem öffentlichen Dienst anzutreten, als den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Zwar zeigen verschiedene Untersuchungen, dass viele der Hochschulmitarbeiter und Absolventen zeitweise mit dem Gedanken spielten sich selbständig zu machen, dies jedoch aufgrund verschiedener Aspekte meist nicht gewagt haben. Es herrscht also ein Defizit im Bereich der Unternehmensgründungen aus dem Hochschulbereich. Von diesen Gründungen wird erwartet, dass der Löwenanteil aus dem innovativen, technologieorientierten Bereich kommt. Dies ist umso schwerwiegender, da gerade diesen Gründungen eine große Bedeutung sowohl für die Regionalentwicklung als auch für die wirtschaftliche Entwicklung einer Nation beigemessen wird. Man erhofft, dass sie eine Stimulierung des Wettbewerbs bewirken, die Innovationspotentiale der Wirtschaft verbessern, neue innovative Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt bringen, dadurch einen Beitrag zum Strukturwandel leisten und letztlich zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen sowie den Schlüssel zur Erschließung der technologischen Wirtschaftsfelder der Zukunft darstellen.
Gerade in Zeiten, in denen sich die Produktlebenszyklen stetig verkürzen und technologische Neuerungen und Innovationen einen wesentlichen Aspekt für die Konkurrenzfähigkeit von Unternehmen - und somit letztlich auch von Volkswirtschaften - darstellen, ist es wichtig, diese technologieorientierten Unternehmensgründungen aus Hochschulen zu „pushen“. Denn durch diese können neueste Forschungserkenntnisse und Innovationen in neue innovative Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden. Sie zeigen eine hohe Wachstumsdynamik und tragen in besonderem Maße zur Schaffung neuer Arbeitsplätze bei. „Die Beherrschung der Innovation als belebender Faktor der Wirtschaft beinhaltet vor allem die schnellere Umsetzung neuester Forschungsergebnisse in marktfähige technologische Produkte und innovative Dienstleistungen“. Nicht selten wird als „goldenes“ Beispiel für eine solche Entwicklung das Silicon Valley Gebiet mit der Stanford Universität oder auch die Greater Boston Region mit der Harvard Universität oder dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) angeführt. Heute weltbekannte Unternehmen wie beispielsweise Hewlett Packard oder Apple wurden von Absolventen oder Mitarbeitern regionaler Hochschulen gegründet und entwickelten sich innerhalb kürzester Zeit zu erfolgreichen Großunternehmen. Neben diesen Paradebeispielen gab es in diesen Regionen eine Vielzahl weiterer Existenzgründungen aus Hochschulen, die z.B. die Regionalentwicklung des Silicon Valley vom ehemaligen Farmenland zu einer der weltweit bedeutendsten High-Tech-Regionen führten. Wie eine Untersuchung der Boston Bank zeigte, wurden durch MIT-Studierende oder Fakultätsmitglieder insgesamt ca. 4.000 Unternehmen gegründet. Diese Unternehmen beschäftigen zusammen etwa 1,1 Mio. Arbeitnehmer und haben einen jährlichen Umsatz von 232 Mrd. US-$. Vor diesem Hintergrund kam es in vielen Ländern zu einem Wandel hinsichtlich der Bedeutung von Hochschulen. Es wurden Förderprogramme und Initiativen entwickelt, deren Ziel es war, Entwicklungen ähnlich derer im Silicon Valley oder der Greater Boston Area zu stimulieren.
Eines der jüngsten deutschen Beispiele ist der vom BMBF initiierte EXIST-Wettbewerb. In diesem Regionenwettbewerb soll die Stimulierung von Existenzgründungen aus Hochschulen forciert werden, indem u.a. die allgemeinen Rahmenbedingungen verbessert und regionale Netzwerkstrukturen aufgebaut werden, um ein gründungsfreundliches Klima zu schaffen. Mit Hilfe dieser regionalen Netzwerke sollen Studenten und andere Hochschulangehörige sowie Absolventen für eine Unternehmensgründung interessiert, ausgebildet, unterstützt und in die Selbständigkeit begleitet werden. Die Umsetzung der durch EXIST geförderten fünf Konzepte hat erst 1998 begonnen. Es liegen momentan noch keine empirisch gesicherten Ergebnisse über eventuelle Veränderungen des Gründungsgeschehens o.ä. in den jeweiligen Regionen vor. Insofern soll es sich bei dieser Arbeit auch um keine Wirkungsanalyse handeln, sondern um eine Darstellung der einzelnen Konzepte und um eine Betrachtung und Bewertung der bereits vorhandenen Maßnahmen und Initiativen. Da es sich im Bereich der Netzwerkökonomik um ein relativ weites Arbeitsgebiet handelt, können in dieser Arbeit nur einige regionale Netzwerkansätze näher erläutert werden. Keine Beachtung wird z.B. globalen Netzwerken oder reinen Zulieferer – Abnehmer Kooperationen geschenkt. Des Weiteren ist es nicht möglich, die einzelnen Akteure innerhalb der Netzwerkbeziehungen ausführlich zu analysieren. Unberücksichtigt bleiben müssen auch andere regionale Gründungsaktivitäten, die nicht durch das EXIST-Projekt abgedeckt werden. Auch können Aspekte der Gründungsforschung nur randläufig angeschnitten werden, auf vertiefende Literatur wird an entsprechender Stelle verwiesen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Abgrenzung des Themas | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und methodisches Vorgehen | 4 |
| 2. | Theoretische Einordnung der Netzwerk-Ansätze - Entstehung, Entwicklung und Modifikation | 7 |
| 2.1 | Ursprünge des Netzwerk-Ansatzes | 7 |
| 2.2 | Merkmale, Bestandteile und Bildung von regionalen Netzwerken | 9 |
| 2.3 | Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für regionale Netzwerke | 17 |
| 2.4 | Akteure in regionalen Netzwerken | 22 |
| 2.4.1 | Kleine und mittlere Unternehmen in regionalen Netzwerken | 22 |
| 2.4.2 | Großunternehmen in regionalen Netzwerken | 23 |
| 2.4.3 | Existenzgründer in regionalen Netzwerken | 24 |
| 2.4.4 | Kapitalgeber in regionalen Netzwerken | 25 |
| 2.4.5 | Öffentliche Forschungseinrichtungen in regionalen Netzwerken | 26 |
| 2.4.6 | Beratungs- und Dienstleistungsanbieter in regionalen Netzwerken | 28 |
| 2.5 | Darstellung verschiedener regionaler Netzwerk-Ansätze | 28 |
| 2.5.1 | Industrielle Distrikte | 29 |
| 2.5.2 | Ökonomische Cluster | 31 |
| 2.5.3 | Innovative Milieus | 33 |
| 2.5.4 | Regionale Innovationsnetzwerke | 34 |
| 2.6 | Zusammenfassung und Bewertung | 37 |
| 3. | Das Gründungsgeschehen aus deutschen Hochschulen | 40 |
| 3.1 | Rolle der Hochschulen im deutschen Innovationssystem | 40 |
| 3.2 | Der Einfluss hochschulinterner und -externer Rahmenbedingungen auf das Gründungsgeschehen aus Hochschulen | 41 |
| 3.3 | Gründungspotentiale an Hochschulen | 44 |
| 3.4 | Existenzgründungen aus deutschen Hochschulen | 46 |
| 3.4.1 | Quantität des Gründungsgeschehens aus Hochschulen | 47 |
| 3.4.2 | Merkmale von Existenzgründern | 50 |
| 3.4.3 | Finanzierung von Existenzgründungen | 54 |
| 3.4.4 | Wachstum technologieorientierter Unternehmensgründungen | 56 |
| 3.4.5 | Qualifizierung und Sensibilisierung potentieller Gründer | 58 |
| 3.5 | Zusammenfassung und Bewertung | 59 |
| 4. | Der EXIST-Wettbewerb - Ein Instrument zur Stimulierung des Gründungsgeschehens? | 61 |
| 4.1 | Ausgangslage und Rahmenbedingungen des EXIST-Wettbewerbs und der fünf Siegerregionen | 61 |
| 4.2 | Charakteristika der einzelnen Netzwerke - Konzeptionen, Aufbau und Pflege | 64 |
| 4.3 | Exemplarischer Vergleich gründungsstimulierender / -fördernder Maßnahmen und Aktivitäten der einzelnen Initiativen | 70 |
| 4.3.1 | Hochschulinterne Maßnahmen und Aktivitäten | 70 |
| 4.3.2 | Hochschulexterne Maßnahmen und Aktivitäten | 73 |
| 4.4 | Mögliche Reichweite und Wirksamkeit der Maßnahmen | 77 |
| 4.5 | „Gründungshilfe“ durch Netzwerkstrukturen? | 80 |
| 4.6 | Hochschulen als Inkubator innovativer Existenzgründungen – Motor für eine verbesserte Regionalentwicklung? | 82 |
| 5. | Zusammenfassende Bewertung - Regionalpolitisch relevante Ergebnisse | 86 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 90 |
| 7. | Anhang | 96 |
schungsarbeit wesentlich zur Generierung von codifiziertem aber auch tacidem Wissen beitragen. KOSCHATZKY / ZENKER (1999) heben hervor, dass sich Netzwerke in der Regel unter Akteuren mit einem ähnlichen sozialen und kulturellen Hintergrund bilden, was auch die weitere Entwicklung des Netzwerks unterstützt. Die Region wird als geeigneter räumlicher Rahmen für Kooperationsbeziehungen betrachtet, besonders wenn räumliche Nähe zwischen den Akteuren Informations-, Kosten- und Wettbewerbsvorteile verspricht. „Räumliche Nähe ist aber allein als kooperationsförderndes Element nicht ausreichend. Wichtig ist, dass Akteure zusammentreffen, deren gegenseitige Interessen in Einklang gebracht werden können, die sich für die Bedürfnisse der anderen öffnen und die den Eindruck gewinnen, dass die Vorteile der Netzwerkteilnahme über die Überwindung einzelbetrieblicher bzw. institutionenspezifischer Wissensengpässe hinausgehen“ (KOSCHATZKY / ZENKER 1999: 5). Bei STERNBERG (1995b: 55-56) findet sich folgende Auflistung von Punkten, die als günstige Rahmenbedingungen für die Bildung und Entwicklung von Netzwerken angesehen werden: „komplementäres Wissen (sog. „complementary assets“) und ein breites Kompetenzspektrum der Beteiligten als wichtige Inputs der Generierung neuen technischen Wissens oder neuer Technologien, enge und persönliche Beziehungen zwischen den Akteuren (zumeist in Form von face-to-face Kontakten), ökonomische Instabilität, technologische Unsicherheit und schnelle Nachfrageänderungen, die kurzfristiges Reagieren erfordern und ‚reciprocity‘ und Vertrauen in die potentiellen Partner, die sich zudem auf die Sanktionierung eines opportunistischen Verhaltens verlassen können müssen.“ [...]
hingehende Vorteile für die Unternehmen, dass durch Informationsaustausch mit Netzwerkpartnern ein Großteil der Unsicherheit abgebaut werden kann. (Siehe auch Punkt 2.3 „Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für regionale Netzwerke“). Als förderlich für die Bildung von Netzwerken hat sich der Aspekt der räumlichen Nähe erwiesen. Zwar ist räumliche Nähe nicht zwingend notwendig für das Zustandekommen von Netzwerkbeziehungen, sie muss aber trotzdem als begünstigender Faktor gewertet werden. FRITSCH weist in seiner Untersuchung sogar darauf hin, dass räumliche Nähe für das Zustandekommen von Kooperationen von erheblichem Vorteil ist. Des weiteren stellt er die besondere Bedeutung der räumlichen Nähe hinsichtlich des Transfers von „tacit knowledge“ heraus. Im Gegensatz zu codifiziertem Wissen spielt sie beim Transfer von tacidem Wissen eine ungleich größere Rolle, da tacides Wissen nicht oder nur mit großem Aufwand codifiziert werden kann und somit an Personen gebunden ist und face-to-face-Kontakte voraussetzt. [...]
Die OECD weist darauf hin, dass Netzwerke eine wichtige Komponente im nationalen und regionalen Innovationssystem darstellen. Innerhalb dieser regionalen Innovationsnetzwerke nehmen Hochschulen eine bedeutende Stellung ein. Aufgrund der Vielzahl der Fächer aus den Natur-, Geistes- und Ingenieurwissenschaften dienen sie u.a. als eine zentrale Anlaufstelle für vielfältigste Forschungskooperationen. Nicht nur Großunternehmen können von diesen Kooperationen profitieren, sondern besonders auch KMU, die normalerweise nur über begrenzte eigene Forschungskapazitäten verfügen. Durch Kooperationen mit Hochschulen können sie Zugang zu ungleich größeren Wissensquellen erhalten. Neben diesem Technologie- und Wissenstransfer sind Hochschulen auch ein wichtiger Inkubator potentieller technologieorientierter Unternehmensgründungen. Die Studierenden, Absolventen, Dozenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter stellen ein großes -zur Zeit ungenutztes- Gründungspotential dar, woraus sich eine Vielzahl innovativer technologieorientierter Unternehmen bilden könnte. Auf diese Aspekte wird jedoch vertiefend in Kapitel 3 eingegangen. Als eine wichtige Aufgabe der Wissenschafts- und Technologiepolitik wird aus diesem Grunde auch die Stärkung existierender innovations-basierter Netzwerke angesehen. In [...]
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