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Evaluierung und Erweiterung des Modells der Fertigung (MFERT)

Evaluierung und Erweiterung des Modells der Fertigung (MFERT)
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jan Petersen
  • Abgabedatum: Oktober 2004
  • Umfang: 85 Seiten
  • Dateigröße: 633,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8507-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8507-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8507-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Petersen, Jan Oktober 2004: Evaluierung und Erweiterung des Modells der Fertigung (MFERT), Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Fertigungsplanung und -steuerung, Produktionsplanung, Produktionssteuerung, Fertigungsprozesse, Fertigungsmodell

Diplomarbeit von Jan Petersen

Einleitung:

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungstendenzen eines sich verschärfenden Wettbewerbs, immer kürzerer Entwicklungs- und Produktzyklen wie auch komplexerer Produkte und Fertigungsprozesse werden für die Fertigung verbesserte Methoden und Werkzeuge zur Überwachung und Steuerung benötigt, die eine kostengünstige und prozesssichere Produktion gewährleisten. Durch die Entwicklung des Modells der Fertigung (MFERT) am Lehrstuhl „Wirtschaftsinformatik, insbesondere CIM“ von Professor Dangelmaier wird der Fertigung ein solches Werkzeug bereitgestellt.

In dieser Arbeit wurde, auf Basis einer Analyse der Anforderungen aus Sicht von Fertigung und Anwender, eine Evaluierung des Modells der Fertigung durchgeführt und Handlungsbedarf bei der Strukturierung und Kennzeichnung der Elemente des Modells ermittelt. Auf Basis der Geschäftsprozessmodellierung mittels Unified Language Modeling (UML) und eigener, durch den Umgang mit dem Modell der Fertigung entstandener Ideen wurde eine Erweiterung des Modells durchgeführt. Als Ergebnis dieser Diplomarbeit resultiert ein in Struktur und Übersicht verbessertes Modell der Fertigung.

Zusammenfassung:

Zunächst erfolgte eine Einführung in das am Lehrstuhl für „Wirtschaftsinformatik, insbesondere CIM“ von Professor Dangelmaier entwickelte Modell der Fertigung, kurz MFERT, das der Modellierung von Fertigungsabläufen dient. Das Modell ermöglicht die detaillierte Darstellung einer Fertigung mit allen seinen lenkungsrelevanten Merkmalen bzw. Zuständen in einem diskreten Zeitmodell. Das Modell der Fertigung setzt sich aus einem statischen und einem dynamischen Teil zusammen. Der statische Teil des Modells (die Ablaufstruktur) beinhaltet die F-Elemente und F-Vorgänge, die zu Klassen zusammengefasst und als Knoten im Fertigungsablauf visualisiert werden. Die einzelnen Knoten werden durch gerichtete Kanten miteinander verbunden, die die Austauschbeziehungen zwischen den Knoten repräsentieren. Zusätzlich können die Kanten auch an die Grenzen des Modells gehen, um Lenkungsanweisungen und Zustände zu übertragen. Durch die Schalterfunktion der FE-Knoten werden die F-Elementströme, die über die Kanten fließen, zusammengefasst und verteilt sowie mengenmäßige oder zeitliche Differenzen ausgeglichen. Die FV-Knoten hingegen synchronisieren die F-Elementflüsse. Durch die Darstellung der Zeit (orthogonal zur Ablaufstruktur) und der Ereignisse auf den Zeitachsen wird der dynamische Teil der Fertigung beschrieben. Die Visualisierung der Ereignisse auf den Zeitachsen ermöglicht die Modellierung der Vorgänge und Zustände eines Fertigungsablaufs. Abschließend werden in diesem Abschnitt zwei Beispiele erläutert, um die Anwendung des Modells der Fertigung zu erläutern.

Um Anregungen für eine Erweiterung und Modifizierung des Modells der Fertigung zu sammeln, wurde im zweiten Abschnitt die Geschäftsprozessmodellierung auf Basis der UML beschrieben. Ein zentrales Element der Geschäftsprozessmodellierung auf Basis der UML ist der Akteur, auch Ereignis genannt. Der Akteur interagiert mit dem modellierten System und kann in aktive und passive Geschäftspartner und innen- und außenorientierte Geschäftsmitarbeiter unterschieden werden. Zur Geschäftsprozessmodellierung werden die Modelle Anwendungsfall-, Aktivitäts- und Geschäftsklassenmodell verwendet. Um die Beziehungen zwischen Anwendungsfällen und Akteuren darzustellen, wird sich des Anwendungsfallmodells bedient. Es beschreibt einen Arbeitsablauf aus Sicht der Akteure und verwendet zur Strukturierung und Vereinfachung der Darstellung die Elemente „Spezialisierung“, „Realisierung“, „Enthält- und Assoziationsbeziehung“. Das Anwendungsfallmodell beinhaltet für eine detaillierte Darstellung der Beziehung zu den Akteuren verschiedene Anwendungsfälle. Um komplexe Vorgänge eines Unternehmens darzustellen, wird das Aktivitätsmodell verwendet. Dazu werden die Abläufe mit Hilfe von Aktivitäten und Transitionen beschrieben. Weiterhin werden Aktivitäten mit einer Aktivitätsbeschreibung spezifiziert sowie zur hierarchischen Strukturierung im Aktivitätsmodell die Generalisierung bzw. Spezialisierung hinzugezogen. Abschließend wird das Geschäftsklassenmodell erläutert, das die existierenden geschäftlichen Konzepte und Gegenstände sowie deren Beziehungen zueinander beschreibt. Dazu werden Klassen definiert, die Objekte, die die gleichen Attribute, Operationen und Semantik beinhalten, zusammenfassen. Zusätzlich erfolgt eine separate Darstellung der Zuständigkeiten bzw. Verantwortlichkeiten einer Klasse. Um das Geschäftsklassenmodell vereinfachen und strukturieren zu können, werden die Spezialisierung, Enthält- und Assoziationsbeziehung sowie Schnittstellen verwendet.

Systematisch wurden im dritten Abschnitt die Anforderungen, die aus Sicht der Fertigung und des Anwenders an das Modell der Fertigung gestellt werden, ermittelt und beschrieben. Nachfolgend wurde das Modell der Fertigung auf Basis dieser Anforderungen evaluiert und der Handlungsbedarf für die Erweiterung und Modifizierung ermittelt. Die Anforderungen aus Sicht der Fertigung sind eine eindeutige Darstellung der Erzeugnisstruktur, der Fertigungsauslösung und der Dispositionsart. Aus Sicht des Anwenders ergeben sich zusätzliche Anforderungen hinsichtlich Übersichtlichkeit und Strukturierbarkeit des Modells der Fertigung sowie der eindeutigen Kennzeichnung von Ereignissen, FV- und FE-Knoten. Auf Basis der ermittelten Anforderungen in Kapitel 4.3 wird weiterhin die Evaluierung des Modells der Fertigung durchgeführt und abschließend der Handlungsbedarf aus Sicht von Fertigung und Anwender präzisiert.

Die Erweiterung und Modifizierung des Modells der Fertigung war Gegenstand des vierten Abschnitts. Der ermittelte Handlungsbedarf in Kombination mit Anregungen aus der UML und eigenen Ideen bildete die Grundlage dafür. Um eine übersichtlichere Darstellung der FV-Knoten unter Einbeziehung der Knotenpunkte und Zeitachsen zu erreichen, wird die Anzahl der Knotenpunkte von drei auf fünf verringert. Dazu werden die Knotenpunkte „Zugang“ und „beginnende Transformation“ sowie „endende Transformation“ und „Abgang“ für die Darstellung zusammengefasst, dennoch als eigenständige Punkte am Knoten behandelt. Dementsprechend wird die Definition „Punkte an Knoten“ für die veränderte Darstellung der FV-Knoten erweitert. Ebenso erfolgt eine eindeutige Kennzeichnung der FV-Knoten, indem eine Kennzeichnungssystematik unter Berücksichtigung der DIN 8580 „Einteilung der Fertigungsverfahren“ zur Anwendung kommt. Diese setzt sich zusammen aus eindeutigen Symbolen auf Basis der DIN 8580 sowie einer individuellen Möglichkeit der Erweiterung und einem Nummernsystem, ähnlich den in Firmen verwendeten Nummernsystemen, um eine logische Identifizierung zu gewährleisten. Um dem Anwender eine weitere verbesserte Darstellung des Modells zu ermöglichen, wird zum einen der Transportvorgang so definiert, dass Leerfahrten vom Fahrzeugpuffer zum Startpunkt des Transportvorgangs und vom Zielpunkt zum Fahrzeugpuffer Berücksichtigung finden, und zum anderen eine Kennzeichnung von Engpässen eingeführt, die Probleme im Fertigungsablauf signalisiert. Für die FE-Knoten findet eine der Kennzeichnung von FV-Knoten ähnliche Systematik Verwendung. Hier werden die FEV- und FEG-Knoten durch ein jeweiliges Symbol differenziert und zusätzlich durch ein logisches Nummernsystem gekennzeichnet. Weiterhin werden die möglichen Richtungen von Ein- und Austritt der FEG-Elemente am FV-Knoten erweitert. Die Darstellung der Kanten erhält dahingehend eine Modifizierung, indem der Hauptfertigungsablauf von den ihn unterstützenden Prozessen visuell unterschieden wird, mehrfach identisch vorhandene Elemente des Modells ausgegliedert und in der Legende abgebildet, die Zuständigkeiten für Bring- oder Holpflicht der Knoten dargestellt und Kanten, die an die Grenzen des Modells gehen, als Schnittstellen eindeutig definiert und abgebildet werden. Die von den FV-Knoten übernommenen Aufgaben der Teilung, Synchronisation und Verzweigung von F-Elementflüssen an die nachfolgenden FE-Knoten werden bei Bedarf im Modell abgebildet, um kritische Vorgänge im Fertigungsablauf zu verdeutlichen. Zur expliziten Darstellung der Ereignisse auf den Zeitachsen wird ein einfaches Nummernsystem eingeführt, das dem Anwender nun eine eindeutige Identifizierung der Ereignisse ermöglicht. Abschließend werden ausgewählte Vorschläge zur Erweiterung und Modifizierung der Ablaufstruktur des Modells der Fertigung in zwei Abbildungen miteinander verglichen und erläutert.

Die in dieser Diplomarbeit erarbeiteten Vorschläge zur Erweiterung des Modells der Fertigung ermöglichen eine verbesserte Darstellung des statischen und dynamischen Teils einer Fertigung. Dem Anwender werden verschiedene Möglichkeiten gegeben, um eine Fertigung strukturierter darzustellen. Weiterhin ist eine eindeutige Kennzeichnung und Identifizierung der Ereignisse sowie der FV- und FE-Knoten gegeben.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problematik 2
1.2 Zielsetzung 2
1.3 Vorgehen 3
2. Modell der Fertigung (MFERT) 5
2.1 Aufbau des Modells der Fertigung 5
2.2 Die Elemente der Ablaufstruktur 7
2.2.1 Fertigungselement und Fertigungselementklasse 8
2.2.2 Fertigungsvorgang und Fertigungsvorgangsklasse 9
2.2.3 Knoten und Kanten 11
2.3 Zeit 13
2.4 Ereignisse und Zustände 13
2.4.1 Ereignisse und Zustände im Modell 13
2.4.2 Ereignisse und Zustände an Knoten 16
2.5 Flüsse von Fertigungselementen 19
2.6 Modellierungsbeispiel für das Modell der Fertigung 20
3. Unified Modeling Language (UML) in der Geschäftsprozessmodellierung 23
3.1 Akteur 23
3.2 Anwendungsfallmodell 24
3.3 Aktivitätsmodell 28
3.4 Geschäftsklassenmodell 32
4. Anforderungen und Evaluierung des Modells der Fertigung 37
4.1 Anforderungen an das Modell der Fertigung aus Sicht der Fertigung 37
4.2 Anforderungen an das Modell der Fertigung aus Sicht des Anwenders 38
4.3 Evaluierung des Modells der Fertigung (MFERT) 39
5. Erweiterung des Modells der Fertigung (MFERT) 43
5.1 Verringerung der Knotenpunkte im Fertigungsvorgangsknoten 43
5.2 Modifizierte Darstellung der FV-Knoten in der Ablaufstruktur 46
5.3 Modifizierte Darstellung der FE-Knoten in der Ablaufstruktur 51
5.4 Modifizierte Darstellung der Kanten in der Ablaufstruktur 54
5.5 Zusammenführung und Splittung von F-Elementflüssen 60
5.6 Modifizierung der Darstellung von Ereignissen 64
5.7 Vergleich der modifizierten mit der klassischen Ablaufstruktur 66
6. Zusammenfassung 73
7. Literaturverzeichnis 77

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die bedarfsorientierte Fertigung wird dadurch charakterisiert, dass die Bestände nicht bis zu ihrem Maximum aufgefüllt werden, sondern versucht wird, für den zukünftig anstehenden Bedarf eine Fertigung termingerecht anzustoßen, so dass Liefertreue bei minimalen Beständen realisiert werden kann (Just-in-Time). Eine bedarfsorientierte Fertigung setzt voraus, dass das vorhandene Modell der Fertigung im IT-System sowohl die Relationen zwischen den einzelnen Fertigungsstufen als auch die zur Fertigung bzw. Wiederbeschaffung erforderlichen Dauern kennt und dies in Fertigungstermine umsetzen kann. Im Gegensatz zur verbrauchsorientierten Fertigung, bei der der aktuelle Zeitpunkt betrachtet wird, ist es bei der bedarfsorientierten Fertigung erforderlich, ein beliebiges internes Zeitmodell zu wählen. Die Dispositionsart wird unterschieden in Kundenauftragsfertigung und kundenanonyme Fertigung. Die Kundenauftragsfertigung wird gekennzeichnet durch einzelne Fertigungsaufträge, die zu einem Kundenauftrag verknüpft werden. Hierbei werden die benötigten Teile eines Produkts kundenspezifisch gefertigt und gelagert. Das Kommissionieren entfällt. Bei der Bestandsführung und der Fertigungsdurchführung gibt es nur die Zustände 0 oder 1, sprich das Teil existiert im Bestand oder nicht bzw. der Arbeitsvorgang ist in Arbeit oder nicht. Die kundenanonyme Fertigung wird geprägt durch einen erzeugnisorientierten, kundenunabhängigen Ablauf, der über die Zeit mehrfach instanziiert wird. Teil der Fertigungsphilosophie ist die Mehrfachverwendung von Teilen und das damit verbundene Kommissionieren. Die Mehrfachverwendung führt zum einen zur Konkurrenzsituation zwischen einzelnen Fertigungsprozessen, die im Modell der Fertigung auch dargestellt werden muss. Zum anderen ist der Durchlauf eines Teils durch die Fertigung nicht mehr wesentlich vorherbestimmt. Das Fertigungslenkungssystem kann nur dann eine konkrete Aussage treffen, wenn das ihm zugrunde liegende Modell der Fertigung die begrenzte Verfügbarkeit aller Potentialfaktoren korrekt beschreibt. Sinnvoll ist hierbei eine differenzierte Darstellung von Material, Fertigungsmitteln und Informationen, um ihre spezifischen Eigenschaften darstellen zu können. [DaWa97, S. 16f] 4.2 Anforderungen an das Modell der Fertigung aus Sicht des Anwenders [...]

Um ein universelles Modell der Fertigung entwerfen zu können, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Hierzu gehören der Aufbau der Erzeugnisstruktur45, die Art der Auslösung und die Dispositionsart46. [DaWa97, S. 15f] Die Erzeugnisstruktur wird unterschieden in einstufige und mehrstufige Fertigung, wobei sich die einstufige Fertigung im Wesentlichen als „Blackbox“ mit Inund Output darstellt. Bei der mehrstufigen Fertigung werden Modellelemente zur Darstellung der einzelnen Fertigungsstufen benötigt, die zur Modellierung der gesamten Fertigung kombiniert werden. [DaWa97, S. 15] Bei der Art der Auslösung wird zwischen verbrauchsorientiertem und bedarfsorientiertem Anstoß der Fertigung unterschieden. Bei einer verbrauchsorientierten Fertigung werden die Elemente Material, Teile, Baugruppen usw. isoliert voneinander kontrolliert. Der Bestand dieser Elemente liefert dann die einen Auftrag auslösenden Kontroll- und Steuergrößen. Vorraussetzung für eine verbrauchsorientierte Fertigung ist in der Regel eine Fertigung in größeren Stückzahlen, so dass der Verbrauch a priori bestimmt werden kann, sowie das Bekanntsein aller für die Fertigung nötigen Informationen, auch wenn diese nicht im Modell enthalten sind. [...]

Um das Modell eines Fertigungsablaufs darstellen zu können, ist es wichtig, verschiedene Faktoren aus Sicht der Fertigung und Anwendung zu berücksichtigen. Dies bedingt aber, dass die Anforderungen beider Sichten bekannt sind, um sie im Referenzmodell44 einbeziehen zu können. Problematisch wird hierbei sein, die jeweiligen Anforderungen miteinander zu vereinen, was zwangsläufig immer zu einem Kompromiss führen muss. In den folgenden Kapiteln werden die Anforderungen aus der Sicht der Fertigung und der Anwendung beschrieben und das Modell der Fertigung abschließend evaluiert, um in Kapitel 5 dementsprechende Vorschläge zur Modifikation zu machen. 4.1 Anforderungen an das Modell der Fertigung aus Sicht der Fertigung [...]

Arbeit zitieren:
Petersen, Jan Oktober 2004: Evaluierung und Erweiterung des Modells der Fertigung (MFERT), Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Fertigungsplanung und -steuerung, Produktionsplanung, Produktionssteuerung, Fertigungsprozesse, Fertigungsmodell

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