Evaluation der Kundenkarte im Multichannelmarketing als kanalübergreifendes Instrument der Kundenbindung im Handel
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Jochen Meyer
- Abgabedatum: März 2003
- Umfang: 104 Seiten
- Dateigröße: 697,4 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7730-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7730-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7730-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Meyer, Jochen März 2003: Evaluation der Kundenkarte im Multichannelmarketing als kanalübergreifendes Instrument der Kundenbindung im Handel, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: CRM, Marketing, Einzelhandel, Mehrkanalfähigkeit, Multichannel
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Diplomarbeit von Jochen Meyer
Einleitung:
Kundenbindung gehört im Handel in jüngster Zeit zu den zentralen Themen. Gründe dafür können in einem verschärften (Preis-) Wettbewerb aufgrund gesättigter und stagnierender Märkte, nachlassender Kundenloyalität und einer steigenden Homogenisierung der Warenangebote gesehen werden. In vielen Handelsunternehmen hat sich die Ansicht durchgesetzt, dass Kundenbindung gegenüber einer Neukundengewinnung ökonomische Vorteile aufweist. Dabei wird unter Kundenbindung vereinfacht die Aufrechterhaltung einer Geschäftsbeziehung zwischen Anbieter und Kunde verstanden, die durch eine nicht zufällige Folge von Transaktionen gekennzeichnet ist. Nach einer Studie von Reichheld und Sasser bewirkte bei den beobachteten Unternehmen aus der Dienstleistungs- und Handelsbranche eine Senkung der Kundenabwanderungsrate um fünf Prozent eine Steigerung des Gewinns um 25 bis 85%.
Um eine Kundenbindung zu erreichen, werden im Handel zunehmend mehrere Absatzwege parallel eingesetzt wobei der parallele Einsatz von Be- und Vertriebstypen im Einzelhandel in dieser Arbeit als Multichannelmarketing bezeichnet wird. Den Bedürfnissen der Konsumenten soll durch ein Angebot des Sortiments in verschiedenen Kanälen entsprochen werden.
Weiterhin versuchen viele Händler eine Kundenbindung durch den Einsatz bestimmter Kundenbindungsinstrumente zu erzielen. Hierzu zählen insbesondere Kundenkarten, die im deutschen Einzelhandel weit verbreitet sind. In Deutschland sind im Jahr 2002 schätzungsweise 50 Mio. Kundenkarten im Umlauf und im Laufe des Jahres sollen weitere 10 Mio. hinzukommen.
Das Ziel dieser Arbeit ist, zu untersuchen, ob und unter welchen Voraussetzungen Kundenkarten ein geeignetes Instrument der Kundenbindung im Multichannelmarketing darstellen. In dieser Arbeit wird nur die direkte Möglichkeit der Kundenbindung durch eine Kundenkarte betrachtet. Indirekte Kundenbindungswirkungen, die aus einer verbesserten Kundenkenntnis durch die Kundenkarte und daraus abgeleiteter Aktionen herrühren sind nicht Gegenstand dieser Arbeit.
Das zweite Kapitel befasst sich mit Kundenbindung im Handel. Nach einer Bestimmung der begrifflichen und theoretischen Grundlagen werden die Ziele erläutert, die Unternehmen mit einer Kundenbindung verfolgen. Weiterhin werden Strategien und Instrumente der Kundenbindung im Handel dargestellt. Zusätzlich wird auf die Kontrolle der Kundenbindung eingegangen. Darauf folgend werden die Gründe für das Entstehen von Mehrkanalsystemen im Handel dargelegt. Nach einer Definition von Multichannelmarketing werden die Chancen und Risiken einer solchen Strategie erläutert.
Im dritten Kapitel, das sich mit Kundenkarten im Handel auseinandersetzt, wird zunächst eine Definition und Abgrenzung des Begriffs Kundenkarte vorgenommen. Es erfolgt ein Überblick über verschiedene Typen von Kundenkarten. Außerdem werden ausgewählte Leistungen, die mit einer Kundenkarte verknüpft sein können, dargestellt. Zusätzlich werden die Ziele genannt, die Unternehmen mit der Ausgabe von Kundenkarten verfolgen und es erfolgt eine Einordnung der Kundenkarte in das Instrumentarium der Kundenbindung von Handelsunternehmen.
Im vierten Kapitel werden die zur Evaluation der Kundenkarte als Kundenbindungsinstrument im Multichannelmarketing verwendeten Kriterien hergeleitet. Der Kundenvorteil dient als notwendige Bedingung dafür, dass der Kunde bereit ist, sich auf eine Bindungsmaßnahme des Händlers einzulassen. Daneben wird die Wirtschaftlichkeit als hinreichendes Kriterium der Kundenbindung herangezogen. Als drittes Kriterium wird in dieser Arbeit die Mehrkanalfähigkeit der Kundenkarte überprüft. Diese dient als Sammelbegriff für verschiedene Anforderungen, die sich an Kundenbindungsinstrumente durch ein Multichannelmarketing ergeben.
Im fünften Kapitel wird zunächst die methodische Vorgehensweise bei der Evaluation aufgezeigt. Daraufhin erfolgt die Beurteilung der Kundenkarte anhand der entwickelten Kriterien. Es wird überprüft, für welche Unternehmen in welcher Situation, mit welchen Leistungsbestandteilen Kundenkarten ein sinnvolles Instrument der Kundenbindung im Multichannelmarketing darstellen können. Die Arbeit endet im sechsten Kapitel mit einer Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und einem Ausblick. Ferner werden die Zukunftsaussichten von Kundenkarten kritisch betrachtet.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Anhangverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Kundenbindung im Handel | 4 |
| 2.1 | Begriffliche und theoretische Grundlagen der Kundenbindung | 4 |
| 2.2 | Kundenbindung im Zielsystem der Handelsunternehmung | 6 |
| 2.2.1 | Ziele der Kundenbindung | 6 |
| 2.2.2 | Strategien der Kundenbindung | 9 |
| 2.2.3 | Instrumente der Kundenbindung | 11 |
| 2.2.4 | Kontrolle der Kundenbindung | 12 |
| 2.3 | Multichannelmarketing als Strategie der Kundenbindung im Handel | 14 |
| 2.3.1 | Gründe für Mehrkanalsysteme im Handel | 14 |
| 2.3.2 | Begriffsbestimmung und Systematisierung | 15 |
| 2.3.3 | Chancen und Risiken des Multichannelmarketing | 17 |
| 3. | Kundenkarten im Handel | 22 |
| 3.1 | Begriffliche Grundlagen | 22 |
| 3.2 | Differenzierung von Kundenkarten | 23 |
| 3.3 | Ziele von Kundenkarten und Einordnung in das Instrumentarium der Kundenbindung von Handelsunternehmen | 27 |
| 4. | Herleitung von Kriterien zur Evaluation von Kundenbindungsinstrumenten im Multichannelmarketing | 29 |
| 4.1 | Kundenvorteil als notwendige Bedingung des Kundenbindungsinstruments | 29 |
| 4.2 | Wirtschaftlichkeit als hinreichende Bedingung des Kundenbindungsinstruments | 31 |
| 4.3 | Mehrkanalfähigkeit als strategische Voraussetzung des Kundenbindungsinstruments | 32 |
| 5. | Evaluation von Kundenkarten als Instrument der Kundenbindung im Multichannelmarketing | 36 |
| 5.1 | Methodische Vorgehensweise | 36 |
| 5.2 | Kundenvorteil durch Kundenkartentypen | 38 |
| 5.2.1 | Erfüllung der Anforderungen nach einem Kundenvorteil durch Kundenkartentypen | 38 |
| 5.2.2 | Ausgewählte Einflussfaktoren auf den Kundenvorteil bei Kundenkarten | 43 |
| 5.3 | Wirtschaftlichkeit von Kundenkartentypen | 50 |
| 5.3.1 | Kosten von Kundenkartentypen | 50 |
| 5.3.2 | Effektivität von Kundenkartentypen | 53 |
| 5.4 | Mehrkanalfähigkeit von Kundenkartentypen | 56 |
| 5.4.1 | Mehrkanalfähigkeit ausgewählter Leistungskomponenten | 56 |
| 5.4.2 | Mehrkanalfähigkeit aus Sicht des Unternehmens | 59 |
| 5.5 | Abschließende Beurteilung | 61 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 65 |
| Anhang | 67 | |
| Literaturverzeichnis | 86 |
30 Kosten entstehen für den Kunden aus mit dem Instrument wahrgenommenen Nachteilen (z.B. Herausgabe persönlicher Daten, Clubbeitrag). Die Differenz aus beiden muss positiv sein, damit ein Kundenvorteil entsteht und der Kunde bereit ist, sich auf eine Bindungsmaßnahme einzulassen. Damit das Instrument in der Lage ist diesen Nutzen zu stiften, müssen die mit dem Instrument verbundenen Leistungen für den Kunden von Bedeutung sein. Daher muss bei für den Kunden subjektiv wichtigen Leistungsmerkmalen angesetzt werden. Mit Leistungsbestandteilen, die in den Augen des Kunden von geringer Bedeutung sind, lässt sich ein entsprechender Kundenvorteil nicht erzielen.147 Der Kundenvorteil muss zudem vom Kunden wahrgenommen werden. Dies bedarf einer zielorientierten Kommunikation mit dem Kunden, da nicht objektive Gegebenheiten wie z.B. ein faktisch höherer Rabatt, sondern die subjektive Überzeugung des Kunden entscheidend ist.148 Ein subjektiv wahrgenommener Vorteil drückt sich in höherer Zufriedenheit mit der Gesamtleistung (Grundleistung und Leistungen in Verbindung mit dem Instrument) und/oder in Form von Wechselhemmnissen (ökonomischer, sozialer oder psychischer Art) aus.149 Damit der wahrgenommene Kundenvorteil im Sinne des Unternehmens auch handlungswirksam wird, muss er zusätzlich höher sein als der Kundenvorteil von den vom Kunden wahrgenommenen Alternativen. Angenommen die Grundleistung zweier Anbieter stiftet für den Kunden den gleichen Nettonutzen (der Nutzen der Leistung des Unternehmens abzüglich der entstehenden Kosten). Der Kunde wird sich in diesem Fall für den Anbieter entscheiden, bei dem er sich durch das Instrument den höheren Kundenvorteil verspricht.150 Weiterhin muss das Kundenbindungsinstrument einen Kundenvorteil auch auf Dauer bieten können. Dies bedeutet, dass es nicht ohne weiteres durch [...]
Für den Konsumenten bedeutet Wettbewerb, dass sich die Anbieter um ihn bemühen und sich bei den Angeboten überbieten. Damit der Konsument die Wahlfreiheit des Marktes (für einen Zeitraum) aufgibt, muss dem Kunden ein besonderer Vorteil geboten werden.143 Ein Kundenvorteil stellt folglich die aus Kundensicht notwendige Voraussetzung dafür dar, dass sich dieser auf eine Bindungsmaßnahme einlässt. Nur wenn diese erfüllt ist, kann der Kunde bezüglich seiner Verhaltensweisen (Kaufverhalten und Weiterempfehlung) sowie seiner Verhaltensabsichten (Wiederkaufabsicht, positiv Cross-Buying-Absicht im Sinne der und Weiterempfehlungsabsicht)144 beeinflusst werden. Der hier beschriebene Kundenvorteil umfasst nur einen Kundenvorteil, der durch das Kundenbindungsinstrument alleine und nicht durch andere Maßnahmen des Unternehmens entsteht. Eine Zufriedenheit mit der Grundleistung des Unternehmens wird als Voraussetzung angesehen.145 Ein Kundenvorteil bedeutet, dass der durch den Kunden wahrgenommene Nutzen durch das Instrument größer ist, als die von ihm mit dem Instrument verbundenen Kosten. Es können faktische oder emotionale Bindungsmaßnahmen an das Instrument gekoppelt sein um den Kundenvorteil zu beeinflussen. Der Nutzen entsteht durch wirtschaftliche, qualitätsbezogene, servicebezogene, emotionale oder soziale Vorteile durch das Instrument.146 Unternehmensziele [...]
28 Parfumhändlers) erreicht werden. Eine emotionale Kundenbindung kann auch durch Prestige und Privilegien erfolgen, wenn die Kundenkarte nur ausgewählten Kundengruppen zugänglich ist (z.B. eine „Platin-Kundenkarte“ für die umsatzstärksten Kunden134).135 Neben einer Kundenbindung werden weitere Ziele mit der Ausgabe von Kundenkarten verfolgt. Dazu gehören die Gewinnung neuer Kunden und die Erzielung einer direkten Umsatz- oder Marktanteilssteigerung. Ein weiteres Ziel ist die Generierung aktueller Informationen136 (Kunden- und Transaktionsdaten) und der Aufbau bzw. die Optimierung einer Kundendatenbank. Bei der Antragstellung für die Kundenkarte können durch einen vom Kunden auszufüllenden Fragebogen soziodemografische und psychografische Daten erfasst werden.137 Durch Scannerkassen können verkaufte Waren den einzelnen Kunden zugeordnet und diese Informationen in einem Data Warehouse138 gespeichert und analysiert werden.139 Ein damit verbundenes Ziel ist die Nutzung dieser Informationen im Rahmen eines Database-Marketing.140 Durch die Adressen und die durch die in der Datenbank zur Verfügung stehenden Informationen können Kunden direkt und individuell angesprochen werden. Auf diese Weise wird die Kundenkarte von den Unternehmen auch als Instrument der Marktforschung verwendet.141 Weiterhin hoffen Unternehmen mit der Ausgabe von Kundenkarten einen positiven ImageEffekt erzielen zu können.142 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832477301
Arbeit zitieren:
Meyer, Jochen März 2003: Evaluation der Kundenkarte im Multichannelmarketing als kanalübergreifendes Instrument der Kundenbindung im Handel, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
CRM, Marketing, Einzelhandel, Mehrkanalfähigkeit, Multichannel



