Evaluation des vom Deutschen Walking Institut und Deutschen Turner Bund entwickelten Gesundheitssportprogramms "Nordic Walking"
- Art: Diplomarbeit
- Autor: C. Paetzold
- Abgabedatum: Oktober 2008
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Bayreuth Deutschland
- Bibliografie: ca. 50
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4120-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Paetzold, C. Oktober 2008: Evaluation des vom Deutschen Walking Institut und Deutschen Turner Bund entwickelten Gesundheitssportprogramms "Nordic Walking", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Nordic Walking, Gesundheitssport, Evaluation, Gesundheitssportprogramm, QuaGes
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Diplomarbeit von C. Paetzold
Einleitung:
Ein zunehmendes Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung und das Auftreten so genannter Zivilisationskrankheiten haben das Thema Gesundheit in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt.
‘Gesundheit ist die wichtigste Nebensache der Welt.’ (Dr. rer. pol. Gerhard Kocher).
Krankheitsbilder wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck oder Übergewicht treten vornehmlich in den Industrienationen auf. Hauptursache dafür sind unter anderem gesundheitsgefährdende Lebensstile, Verhaltensweisen und Umweltfaktoren.
Wenn man im alltäglichen Sprachgebrauch von Gesundheit oder gesund sein spricht, wird zumeist das Fehlen von Krankheiten gemeint. Diese Sichtweise ist jedoch zu eng und wurde durch die Definition von Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946 folgendermaßen verfasst: ‘Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen’ (Verfassung der WHO). Das Wechselspiel zwischen Gesundheit und Krankheit ist also ein mehrdimensionales, komplexes Geflecht. In der Gesundheitswissenschaft wird versucht, diese Wechselwirkungen abzubilden. Dazu wird die Gesundheit aus verschieden Perspektiven betrachtet. Zugänge zur Gesundheit können z.B. Risikofaktoren für Gesundheit oder Ressourcen von Gesundheit sein. Risikofaktoren sind Variablen, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit eine Krankheit hervorrufen. Mit Ressourcen von Gesundheit sind jene Faktoren gemeint, die Menschen gesund erhalten.
Risikofaktoren, wie Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Störungen des Fettstoffwechsels, Übergewicht oder neuromuskuläre Dysbalancen sind häufig Folgeerscheinungen eines zentralen Risikofaktors: körperliche Inaktivität. Bewegungsmangel bedeutet zu wenig bzw. gar keine Anforderungen an die Köpersysteme. Diese Unterforderung führt zwangsläufig zu Negativanpassungen, sowohl bei der Skelettmuskulatur als auch bei anderen wichtigen Organen und Systemen, wie Herz, Lunge oder das Blutgefäßsystem. Treten bestimmte Risikofaktoren gemeinsam auf, so spricht man vom Metabolischen Syndrom. Bei diesem Syndrom handelt es sich um eine Zusammenführung bisher getrennt betrachteter Krankheitsbilder wie Übergewicht mit männlicher Fettverteilung, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes zu einem klinischen Syndrom mit individuell wechselnder Zusammenstellung. Früher auch ‘Syndrom X’, ‘Tödliches Quartett’ oder ‘Wohlstandssyndrom’ genannt, bemisst sich ‘gesund sein’ aus dieser Sichtweise daran, ob und in welchem Ausmaß Risikofaktoren vorliegen.
Gut ausgebildete Gesundheitsressourcen hingegen befähigen Menschen, selbständig auf Veränderungen an sich und in ihrer Umwelt reagieren und diese regulieren zu können. Zentral für die Stärkung der physischen, psychischen und sozialen Potentiale sind gesunde Verhältnisse und entsprechend gesunde Verhaltensweisen.
Damit muss Gesundheitsförderung über die reine Prävention von Risikofaktoren hinausgehen. Im Fokus stehen vielmehr ein umfassendes Wohlbefinden sowie gesunde Verhältnisse und Verhaltensweisen.
Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes können gezielte Interventionsprogramme sein, die gesundheitsrelevante Kernziele ansteuern und möglichst evidenzbasiert sind, d.h. nachweislich gesundheitsfördernde bzw. –erhaltende Effekte erzielen können. Solche Gesundheitssportprogramme sind vorrangig an der Stärkung der Ressourcen ausgerichtet und bedeuten regelmäßige Anforderungen an die Körpersysteme. Somit kann auch dem im Jahre 2000 vom Gesetzgeber neu gefassten ‘Präventionsparagraphen’ im Sozialgesetzbuch V (§ 20) entsprochen werden. Dieser fordert und fördert sowohl Präventiv- als auch Rehabilitationsmaßnahmen, die den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern (SGB V § 20). Gefordert sind dabei nicht nur Maßnahmen, die lediglich auf Gesundheitswirkungen abzielen, sondern insbesondere auch solche, die auf das gesundheitsorientierte Verhalten der Bevölkerung und auf entsprechend gesunde Verhältnisse einwirken. Diesen vielfältigen Anforderungen wird im Gesundheitssport im Rahmen der sechs Kernziele von Gesundheit entsprochen. Vor diesem Hintergrund sollen hoch strukturierte, zielgruppenbezogene Gesundheitsportprogramme (1) physische Ressourcen stärken, (2) zur Prävention von Risikofaktoren beitragen, (3) psychosoziale Ressourcen stärken, (4) bei der Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden helfen, (5) Bindung an gesundheitssportliches Verhalten erreichen und (6) unterstützende Settings schaffen und optimieren. Diese Qualitäten sind durch diverse Wechselbeziehungen miteinander verknüpft.
Durch die Orientierung an diesen Kriterien kann den beteiligten Parteien gewährleistet werden, dass das bestehende Gesundheitssportprogramm qualitativ hochwertig ist. Zur Unterstützung dieser Qualitätssicherungsmaßnahmen entwickelten der Deutsche Turner Bund (DTB) und der heutige Deutsche Olympische Sport Bund (DOSB) Qualitätssiegel wie den Pluspunkt Gesundheit oder das Siegel Sport pro Gesundheit. Qualität wird allgemein definiert als ‘Die Gesamtheit von Merkmalen und Merkmalswerten einer Einheit bezüglich Ihrer Eignung, festgelegte Erfordernisse zu erfüllen’ (DIN EN ISO 8402: 1985-08). Im Rahmen der genannten Qualitätssiegel soll somit ein bestimmtes Interventionsprogramm geeignet sein, möglichst viele Aspekte von Gesundheit bei den Teilnehmern zu verbessern. Nur so kann die Qualität von Gesundheitssportprogrammen langfristig gesichert werden. Weitere Kriterien zur Bewertung von gesundheitsfördernden Interventionsmaßnahmen sind beispielsweise das Vorhandensein von entsprechend qualifizierten Übungsleitern, hoch strukturierten, schriftlich fixierten Interventionen und bestimmten Qualitätssicherungsmaßnahmen, vor allem bezüglich einer Evidenzbasierung auf der Input- (Programme/ Aktivitäten) und auf der Output-Seite (Effekte).
Entsprechend dieser Qualitätskriterien wurde unter dem Dach des DTB und des Deutschen Walking Institut (DWI) auch für die Trendsportart Nordic Walking ein Interventionsprogramm entwickelt. Das entstandene Kursleitermanual orientiert sich an den anerkannten Qualitäten von Gesundheitssport und fordert durch seine detailliert ausgearbeiteten Trainingseinheiten adäquat ausgebildete Übungsleiter.
Nordic Walking ist bei richtiger Ausführung ein effektives Ausdauer- und Ganzkörpertraining. Hierbei wird das Gehen bzw. Walken durch den Einsatz von zwei Stöcken unterstützt. Somit wird nicht nur die Beinmuskulatur trainiert und die entsprechenden Gefäße entlastet, sondern auch eine Kräftigung der Rücken-, Schulter-, und Armmuskulatur erzielt. Nordic Walking ist demnach ein ideales und effektives Vorsorgeprogramm für den gesamten Bewegungsapparat und für alle Zielgruppen geeignet; vor allem für Bevölkerungsteile, die einen bewegungsarmen Lebensstil führen.
Nordic Walking wurde Ende der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in Deutschland vorgestellt und avancierte rasch zu einer Trendsportart. Das DWI geht davon aus, dass zur Zeit mehr als eine Millionen Menschen Walking mit Stöcken betreiben, Tendenz steigend. Aufgrund dieser rasanten Entwicklung war es dringend notwendig ein qualitativ hochwertiges und gut strukturiertes Programm mit entsprechender schriftlicher Fixierung zu erarbeiten. Das dazugehörige Übungsleitermanual wurde am DWI von Dr. Petra Mommert-Jauch verfasst. Als Expertin auf dem Gebiet von Qualitätssicherung von Walking-Kursen konnte sie auch auf fachliche Erfahrungen von Kooperationspartnern des DWI wie die Universitäten Karlsruhe und Konstanz, das UKK-Institut in Tampere (Finnland) und die Sportverbände und Leistungserbringer im Gesundheitswesen zurück greifen.
Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird die Überprüfung der Qualität der Interventionsmaßnahme Nordic Walking in den Vordergrund gestellt. Das Programm ist bereits von diversen Einrichtungen als gesundheitsfördernd gemäß § 20 SGB V eingestuft und anerkannt. Jedoch mangelt es an einer wissenschaftlich fundierten Evaluation dieser zehn Einheiten umfassenden Maßnahme.
In diesem Rahmen sollen folgende Fragestellungen beantwortet werden:
1. Wie ist die Income-Evidenz des Nordic Walking Kursprogramms anhand des Analyseinstruments QUAGES zu bewerten?
2. Wie ist die Outcome-Evidenz des vom DWI und DTB entwickelten Nordic Walking Kursprogramms zu bewerten bzw. welchen Einfluss hat das 10 Einheiten umfassende Nordic Walking-Training unter Feldbedingungen auf die physische und psychische Gesundheit?
In Kapitel 2 werden zunächst theoretische Grundlagen zum Thema Gesundheitssport vermittelt. An dieser Stelle wird das Konzept der Kernziele von Gesundheitssport sowie deren Umsetzung anhand der ‘FITT-Empfehlungen’ und der ‘7-Sequenzen-Intervention’ detailliert dargestellt. Im Rahmen der Frage nach Qualitätssicherung und Evidenzbasierung wird anschließend das Instrument QUAGES zur Bewertung der Qualität von Gesundheitssportangeboten genauer vorgestellt.
Darauf aufbauend wird in Kapitel 3 das Gesundheitssportprogramm ‘Nordic Walking’ beschrieben. Anhand der zuvor gelegten Grundlagen bezüglich der Kernziele von Gesundheitssport wird dann hinterfragt, ob Nordic Walking ein Gesundheitssport ist. In diesem Zusammenhang wird auch das entwickelte Kursmanual mit seinen 10 Kurseinheiten beschrieben.
Das Kapitel 4 stellt die Analyse des Programms mit Hilfe des QUAGES - Konzeptes in den Fokus. QUAGES stellt ein Instrument zur Bewertung der Qualität von Gesundheitssportprogrammen dar. Anhand dessen soll die erste Fragestellung bezüglich der Income-Evidenz des Programms Nordic Walking beantwortet werden. Dazu werden die in Kapitel 2.4 dargelegten Bausteine einzeln betrachtet und ausgewertet.
Das Kapitel 5 beschäftigt sich darauf folgend mit der zweiten Fragestellung nach der Outcome-Evidenz des Gesundheitssportprogramms Nordic Walking. Dabei wird zunächst die Methodik der Untersuchung präsentiert (Kap. 5). Dies beinhaltet die Darstellung des Versuchsaufbaus und der Messinstrumente (5.1) sowie der Stichprobe (5.2). Zudem werden die speziellen Fragestellungen und die damit in Zusammenhang stehenden Grundannahmen vorgestellt (5.3).
Anschließend werden in Kapitel 6 die Ergebnisse bezüglich des physischen und psychischen Gesundheitszustands der Probanden vor (6.1) und nach (6.2) dem Zeitraum der Intervention anhand der gegebenen Instrumente dargestellt. Im Anschluss daran wird in Kapitel 6.3 auf die Verhältnisse der Programmdurchführung und dessen Bewertung durch die Probanden eingegangen.
Zum Schluss der Arbeit werden (Kap. 7) deren Verlauf und Ergebnisse rekapituliert und auf Chancen und Möglichkeiten weiterführender Untersuchungen und Entwicklungen hingewiesen. Weiterhin werden mögliche Hinweise zur Optimierung der Inhalte des Kursprogramms vermittelt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Inhaltsverzeichnis | 2 |
| 2. | Gesundheitssport und Gesundheitssportprogramme | 7 |
| 2.1 | Die sechs Kernziele von Gesundheitssport | 9 |
| 2.2 | ‘FITT-Empfehlungen’ und ‘7-Sequenzen-Intervention’ | 10 |
| 2.3 | Qualitätssicherung und Evidenzbasierung | 11 |
| 2.4 | QUAGES: Bewertung von Gesundheitssportprogrammen | 12 |
| 3. | (Nordic-) Walking | 13 |
| 3.1 | Nordic Walking: Gesundheitssport? | 14 |
| 3.2 | Das Kursmanual | 14 |
| 4. | Income-Evidenz: Kursmanual | 17 |
| 4.1 | Domäne 1: Allgemeine übergreifende Kriterien | 17 |
| 4.2 | Domäne 2: Programmziel und -inhalte: Stärkung physischer Gesundheitsressourcen | 18 |
| 4.3 | Domäne 3: Programmziel und -inhalte: Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen | 18 |
| 4.4 | Domäne 4: Programmziel und -inhalte: Verminderung von Risikofaktoren | 18 |
| 4.5 | Domäne 5: Programmziel und -inhalte: Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden | 18 |
| 4.6 | Domäne 6: Programmziel und -inhalte: Aufbau von Bindung an gesundheitssportliche Aktivität | 19 |
| 4.7 | Domäne 7: Programmziel und -inhalte: Verbesserung der Bewegungsverhältnisse | 19 |
| 4.8 | Domäne 8: Spezielle Ziele | 19 |
| 4.9 | Domäne 9: Methodik | 19 |
| 4.10 | Domäne 10: Teilnehmermaterialien | 19 |
| 4.11 | Domäne 11: Evaluation | 20 |
| 4.12 | Zusammenfassende Bewertung der Income-Evidenz des Kursprogramms | 20 |
| 5. | Outcome-Evidenz: Methodik | 21 |
| 5.1 | Versuchsplan & Messinstrumente | 21 |
| 5.2 | Stichprobe | 23 |
| 5.3 | Spezielle Fragestellungen der Evaluation | 26 |
| 6. | Outcome-Evidenz: Ergebnisse | 26 |
| 6.1 | Gesundheit und Verhalten zu t1 | 26 |
| 6.1.1 | Physische Ressourcen - Fitness: Tests | 27 |
| 6.1.2 | Physische Ressourcen - Fitness: Selbsteinschätzung | 30 |
| 6.1.3 | Risikofaktoren | 30 |
| 6.1.4 | Beschwerden und subjektive Bewertungen | 31 |
| 6.1.5 | psychosoziale Ressourcen | 34 |
| 6.1.6 | Verhalten und Erfahrung | 39 |
| 6.2 | Gesundheit und Verhalten im Zeitvergleich (t1- t2) | 40 |
| 6.2.1 | Physische Ressourcen - Fitness: Tests | 40 |
| 6.2.2 | Physische Ressourcen - Fitness: Selbsteinschätzung | 45 |
| 6.2.3 | Risikofaktoren | 46 |
| 6.2.4 | Beschwerden und subjektive Bewertungen | 47 |
| 6.2.5 | Gesundheitliche Situation: Psychosoziale Parameter | 52 |
| 6.2.6 | Verhalten und Erfahrungen | 59 |
| 6.3 | Verhältnisse bei der Durchführung vom Programm Nordic Walking und deren Bewertung | 62 |
| 7. | Zusammenfassung und Ausblick | 66 |
| Literatur | 70 | |
| Tabellen- und Abbildungsverzeichnis | 73 | |
| Tabellen | 73 | |
| Abbildungen | 77 | |
| Anhang | 78 | |
| Eingangsfragebogen | I | |
| Ausgangsfragebogen | XIII | |
| Fragebogen – Kursausstieg | XXVIII | |
| DBS!-Test – Erfassungsbogen | XXIX |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Nordic Walking: Gesundheitssport?:
Die bisherigen Ausführungen deuten darauf hin, das Nordic Walking nur ein Gesundheitssport sein kann, wenn es möglichst viele Facetten von Gesundheit der Teilnehmer anspricht. Demzufolge sollte Nordic Walking nicht nur physische, sondern auch psychische Ressourcen von Gesundheit ansprechen. Mit anderen Worten müsste sich ein regelmäßiges Nordic Walking – Training an den sechs Kernzielen von Gesundheitssport orientieren. Damit der Trainierende diese dann auch erreichen kann, sollte er sich mit dem Thema Nordic Walking und dessen Effekten eingehend in Theorie und Praxis vertraut machen. Die bereits beschriebenen FITT-Empfehlungen können ihm für die Praxis einen Anhaltspunkt zur richtigen Trainingssteuerung geben. Da die Zielgruppe von GesundheitssportMenschen mit Bewegungsmangel, Aktivitätseinsteiger und –wiederein-steiger ist, wäre es jedoch sinnvoll, sich gleich einem qualitätsgesicherten und geprüften Sportangebot anzuschließen. Dort sollten gut geschulte Übungsleiter entsprechendes Wissen über gesundheitsförderliche Effekte und die richtige Ausführung vermitteln. Nur so können die genannten Ziele schnell und sicher erreicht werden.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Nordic Walking bei richtiger Ausführung ein gesunder Sport sein kann und gerade für die genannte Zielgruppe eine gute Möglichkeit darstellt, den bewegungsarmen Lebensstil zu beenden. Dabei sollten sich die Teilnehmer an qualitativ hochwertige Angebote, wie es das folgend vorgestellte ist, halten.
Das Kursmanual:
Zu einer zentralen Aufgabe dieser Arbeit zählt die Überprüfung der Evidenz des vom DWI und DTB entwickelten Gesundheitssportprogramms und dessen Übungsleitermanual. Aus diesem Grund wird das Manual an dieser Stelle ausführlicher vorgestellt.
Das Manual orientiert sich am Modell der Qualitäten von Gesundheitssport und wird anhand der FITT-Empfehlungen und der 7 Sequenzen-Intervention strukturiert. Nach einer kurzen Einführung werden die 10 Kurseinheiten á 90 Minuten detailliert beschrieben. Dazu wird zu jeder Einheit zunächst eine Übersicht gegeben, die es dem Leser möglich macht, einen Überblick über die gesamte Einheit mit seinen sieben Sequenzen zu bekommen. Hierzu gehören nicht nur Informationen über Inhalte, sondern auch über Ziele der Sequenz, benötigte Materialien und die Dauer des Teilabschnitts. Weiterhin wird jede Beschreibung der Kurseinheit mit Organisationshinweisen und/ oder Hintergrundinformationen eingeleitet. Dabei werden beispielsweise Hinweise für eine geeignete räumliche und sächliche Ausstattung gegeben oder auf wichtige Gesichtspunkte für die jeweilige Kurseinheit aufmerksam gemacht. Im Anschluss wird jede Einzelne Sequenz umfassend beschrieben und deren Inhalte erläutert, um dem Übungsleiter eine verständliche Grundlage für die Durchführung seines Kurses an die Hand zu geben.
Die Kurseinheit 1, ‘Vom Walking zum Nordic Walking – in der Walk-Schule’, soll die Teilnehmer an das Thema Walking und Nordic Walking heranführen. Dazu werden in der Einstiegssequenz zunächst Informationen über Kleidung, Schuhwerk und Zubehör gegeben. Die folgende Erwärmungssequenz wird dann genutzt, um alle Teilnehmer auf spielerische Art miteinander bekannt zu machen und sie auf die kommenden Abschnitte vorzubereiten. Die dritte Sequenz ‘Technik’ thematisiert die Walking-Basistechnik und deren Modifikationen für das Nordic Walking. In der folgenden Ausdauersequenz können sich die Teilnehmer dann auf einem größeren Platz frei bewegen. Anschließend steht im Abschnitt fünf, ‘Regeneration/ Entspannung/ Atmung’, das richtige Atmen unter verschiedenen Bedingungen im Vordergrund. Darauf folgend werden im Teil ‘Funktionelle Übungen’ Hinweise zur Ausführung von Dehnübungen gegeben. Abschließend soll die Kurseinheit reflektiert und die Teilnehmer mit der Hausaufgabe verabschiedet werden.
Die Kurseinheit zwei, ‘Der 2000-m-Walking-Test: Wie fit bin ich?’, stellt den aktuellen Ausdauerzustand der Teilnehmer in den Mittelpunkt. Zunächst wird die Bedeutungund Organisation des Walk-Tests besprochen. Mit dem folgenden Walking-Test können nun Informationen zum Fitnessstand der Teilnehmer gewonnen werden. Zur Einordnung der erhobenen Parameter können Normtabellen aus dem Manueal herangezogen werden. Der folgende Regenerationsteil lässt die Anstrengung vergessen und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Entspannung der Muskulatur. In der Sequenz ‘Funktionelle Dehnübungen’ kommt es nun erstmals zum Kontakt mit den Nordic Walking – Stöcken. Sie werden aktiv in die Dehnübungen einbezogen. Zum Schluss erfolgt eine kurze Reflexion der Einheit und die Vergabe einer kleinen Hausaufgabe.
Die Kurseinheit 3, ‘Der richtige Stockeinsatz 1: Der lockere Armschwung’, beginnt mit der Begrüßung und der Abfrage der Hausaufgaben. Diese Besprechung bildet die Grundlage für die anschließende Klärung von Gefahren aufgrund falscher Techniken und Fehlerbilder beim Nordic Walking. Nach der Erwärmung sollen die Teilnehmer beim anschließenden Techniktraining Schritt für Schritt an die richtige Nordic Walking – Technik herangeführt werden. Dabei wird auf die richtige Armführung, den bewussten Einsatzes des Stockes nach hinten und die Rotation der Schulterachse hingewiesen. In der folgenden Ausdauersequenz können die Teilnehmer bei moderater Intensität walken. Nach der Regenerationsphase werden im Abschnitt ‘Funktionelle Übungen’ Hinweise zur Ausführung von Stabilisations- bzw. Kräftigungsübungen vermittelt. Nach weiteren Dehnungsübungen wird der Kurs reflektiert und der Übungsleiter verabschiedet sich mit einer Hausaufgabe.
Die Kurseinheit 4, ‘Der richtige Stockeinsatz 2: Wie der Nacken entlastet wird’, soll zur Stabilisation und Erweiterung der vermittelten Grundlagen beitragen. Die Hausaufgabe bildet erneut die Basis für die erste Sequenz ‘Einstieg/ Information’. Der richtige funktionelle Rumpfeinsatz kann Verspannungen im Nackenbereich mildern oder verhindern. Nachdem sich alle Teilnehmer erwärmt haben wird wieder an der optimalen Technik gearbeitet. Die richtige Schulterblattbewegung, Arm- und Stockführung sowie Kopf- und Oberkörperhaltung werden vorrangig geschult. Anschließend heißt es: Nordic Walking bei einer Intensität von 60-70% des individuellen Belastungspulses. Dem folgend werden bei der Regeneration und Entspannung hauptsächlich Übungen für den Nacken- und Schulterbereich vorgestellt. Das Gleiche gilt auch für die Kräftigung und Dehnung im Teil ‘Funktionelle Übungen’. Die Kurseinheit wird wie immer mit der Vergabe von Hausaufgaben beendet.
Die Kurseinheit 5, ‘Belastungssteuerung 1: Die richtige individuelle Belastung’, rückt die Wahrnehmung und Einordnung verschiedener Pulsschläge bei unterschiedlichen Belastungen in den Fokus. Im Einstiegsteil wird die Herzfrequenz als Belastungskriterium erörtert. Anschließend wird eine spielerische Erwärmungsform mit Stöcken oder Theraband durchgeführt. Die Techniksequenz wird in den Ausdauerteil integriert, wobei der Übungsleiter in der Einwalkphase Individualkorrekturen vornimmt. Nach dem Eingehen sollen die Teilnehmer mit unterschiedlichen Intensitäten walken. Nach Regeneration und Entspannung werden gezielt der Rücken gekräftigt und die Brustmuskulatur gedehnt. Reflexion und Hausaufgaben bilden den Abschluss der Einheit.
Die Kurseinheit 6 ist mit ‘Belastungssteuerung 2: Koordination und Propriozeption’ überschrieben. Die Funktionsweise von Koordination und Steuerung des Zusammenspiels von Reizen, Nerven und Muskulatur wird zu Beginn der Einheit besprochen. Anschließend werden speziell Aufwärmübungen unter dem Aspekt der ‘Propriozeption’, d.h. der Körperwahrnehmung, ausgeführt. An dieser Stelle sollen nochmals Technikkorrekturen erfolgen. In der Ausdauersequenz wird in unebenem Gelände die Koordination der Teilnehmer weiter beansprucht. Nach langsamem Auswalken und entspannenden Atemübungen werden nochmals Kraft und Propriozeption gefordert. Nach den folgenden Dehnübungen wird dann der Kurstag wie immer abgeschlossen.
Die Kurseinheit 7, ‘Belastungssteuerung 3: Varianten des Nordic Walking’, stellt die diversen Abwandlungen von Nordic Walking in den Mittelpunkt. Nach der Besprechung der Hausaufgaben werden diverse Varianten des Nordic Walking vorgestellt. In der anschließenden Erwärmungsphase werden dann sowohl standardisierte Übungen, als auch Übungen in der Bewegung zur Vorbereitung des Doppelstockeinsatzes durchgeführt. Danach werden im Abschnitt ‘Technik’ weitere Abwandlungen eingeführt. In der Ausdauersequenz sollen die Teilnehmer nun in Intervallen immer verschiedene Techniken einsetzen und trainieren. Zur Entspannung wird danach langsam ausgewalkt und dann eine kleine Massageübung am Ort getätigt. Abschließend werden noch Dehnübungen wiederholt und die Teilnehmer wie bekannt verabschiedet.
Die Kurseinheit 8, ‘Nordic Walking als Gesundheitssport 1: Zur Entspannung’, rückt in der Sequenz ‘Einstieg/ Information’ die Bedeutung von Nordic Walking als Entspannungs-training in den Fokus. Auch die Erwärmung ist von Übungen zur Entspannung und dem richtigen Atmen beim Walking geprägt. Der Technikabschnitt wird in den Ausdauerteil integriert, der das Motto ‘50 Minuten Nordic Walking zur Entspannung’ trägt. Dabei können die Teilnehmer selbständig über Intensitäten und Techniken entscheiden. In der anschließenden Sequenz ‘Regeneration/ Entspannung/ Atmung’ wird in dieser Kurseinheit u.a. eine Qigongübung vorgestellt, die zur Atementspannung beitragen kann. Nach Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen wird der Kurs reflektiert und mit der Vergabe von Hausaufgaben hinsichtlich des kommenden Themenschwerpunkts abgeschlossen.
Die Kurseinheit 9, ‘Nordic Walking als Gesundheitssport 2: Die Topten des erfolgreichen Trainings’, wird genutzt, um vorrangig Informationen zu den Effekten von regelmäßigem Ausdauersport und der Gesundheit zu vermitteln. Nach den Lieblingsaufwärmübungen der Teilnehmer sollen diese möglichst sechzig Minuten ununterbrochen bei einer Intensität zwischen sechzig und achtzig Prozent der maximalen Herzfrequenz walken. In diese Phase werden vom Übungsleiter intervallartig immer wieder Kräftigungs- und Koordinations-übungen eingestreut. Nach dem langsamen Auswalken wird dann die progressive Muskelrelaxation der Beine als Entspannung durchgeführt. Nach diversen Beweglichkeits- und Kräftigungsübungen wird die Einheit wie gehabt beendet.
Die Kurseinheit 10, ‘Der 2.000-m-Walking-Test: Wie fit bin ich jetzt?’, fordert noch einmal die Ausdauerfähigkeit der Teilnehmer. Nach einer Zusammenfassung zum Thema ‘Die Trainingsparameter für mein persönliches Training’ kommt es zur Erwärmung. In der anschließenden Techniksequenz werden nochmals die wichtigsten Details der Walk-Schule besprochen bevor der ‘Re-Walk-Test’ durchgeführt wird. Im Abschnitt ‘Regeneration/ Entspannung/ Atmung’ sollen die Teilnehmer gemeinsam auswalken und dabei Atem- und Entspannungsübungen durchführen. Den Abschluss bilden dann wiederum Kräftigungs- und Flexibilitätsübungen und die Reflexion des Walking-Tests. Zu guter letzt werden noch mal Tipps für das zukünftige Training gegeben.
Im Anhang des Kursmanuals befinden sich weitere Literaturhinweise für die Kursleiter.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836641203
Arbeit zitieren:
Paetzold, C. Oktober 2008: Evaluation des vom Deutschen Walking Institut und Deutschen Turner Bund entwickelten Gesundheitssportprogramms "Nordic Walking", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Nordic Walking, Gesundheitssport, Evaluation, Gesundheitssportprogramm, QuaGes



