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Euthanasie – Geschichtlicher Hintergrund und Alternativen für ein menschenwürdiges Sterben

Euthanasie – Geschichtlicher Hintergrund und Alternativen für ein menschenwürdiges Sterben
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Angelika Muggi
  • Abgabedatum: Oktober 2010
  • Umfang: 40 Seiten
  • Dateigröße: 334,2 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Medizinische Universität Graz Deutschland
  • Bibliografie: ca. 20
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0921-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Muggi, Angelika Oktober 2010: Euthanasie – Geschichtlicher Hintergrund und Alternativen für ein menschenwürdiges Sterben, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Euthanasie, Sterbehilfe, menschenwürdig, sterben, Geschichte

Bachelorarbeit von Angelika Muggi

Einleitung:

In meiner vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema der Euthanasie auseinandersetzen. Mein Studium hat mich dazu angeregt, mich intensiv mit dem Sterben zu beschäftigen und Menschen, welche sich in ihrem letzten Lebensabschnitt befinden zu verstehen. Der Besuch im Albert Schweizer Hospiz, und auch mein Praktikum im Haus Elisabeth beweget mich dazu, geschichtliche Hintergründe der Euthanasie zu hinterfragen und die Veränderungen im Wandel der Zeit zu erkennen.

In meinem ersten Kapitel möchte ich mich mit dem Sterben und dem Tod im Wandel der Zeit auseinandersetzen, inwiefern Menschen in der Vergangenheit und der Gegenwart mit dem Sterben und dem Tod umgegangen sind und wie sie diese Begriffe möglicherweise in Zukunft handhaben werden. Im zweiten Kapitel werde ich gezielt auf verschiedene Abschnitte der Geschichte der Euthanasie eingehen. Hier hinterfrage ich, wann die Euthanasie zu dem Begriff geworden ist, den wir heute darunter verstehen. Im dritten Kapitel geht es um den Begriff der Euthanasie, welche Definition er trägt und welche Formen sich heute daraus entwickelt haben.

Des Weiteren empfinde ich es als wichtig, die rechtliche Lage in unserem Land, wo die Aktive Sterbehilfe untersagt ist, mit dem der rechtlichen Lage in den Niederlanden, wo sie seit 2001 legalisiert worden ist, zu vergleichen. In meinem vierten Kapitel geht es sich um Alternativen der aktiven Sterbehilfe in Österreich. Welche Angebote vorliegen und welche individuellen Bedürfnisse diese Alternativen für sterbende Menschen angeboten werden, um ihnen auch im letzten Abschnitt ihres Lebens Würde und Lebensqualität zu verschaffen. Im fünften Kapitel vergleiche ich verschiedene Standpunkte der Kirche, der Ärzteschaft und der Allgemeinheit. Und letztlich werde ich in meinem sechsten Kapitel über Vor- und Nachteile der aktiven Sterbehilfe diskutieren.

Meine Forschungsfragen lauten wie folgt:

Inwiefern haben sich Sterben und Tod im Wandel der Zeit und der Begriff der Euthanasie geschichtlich verändert?

Definition der Euthanasie, welche Formen es gibt und welche Alternativen in Österreich geboten werden?

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Standpunkte bezogen auf die Sterbehilfe?

Was spricht für und gegen die aktive Sterbehilfe?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Sterben und Tod im Wandel der Zeit 6
2.1 Sterben und Tod in der Vergangenheit 6
2.1 Sterben und Tod in der Gegenwart 8
2.2 Sterben und Tod in der Zukunft 9
3. Geschichte, Definition und Bedeutung des Begriffes Euthanasie 11
3.1 Begriffsgeschichte der Euthanasie in der Antike 11
3.2 Begriffsgeschichte der Euthanasie im Mittelalter 12
3.3 Begriffsgeschichte in der Aufklärung 13
3.4 Euthanasiegeschichte unter dem Naziregime 14
4. Euthanasie 16
4.1 Begriffsdefinitionen 16
4.2 Formen der Sterbehilfe 17
4.2.1 Reine Sterbehilfe 17
4.2.2 Passive Sterbehilfe 17
4.2.3 Aktive Sterbehilfe 18
4.2.4 Indirekte Sterbehilfe 19
4.2.5 Beihilfe zur Selbsttötung 19
4.3 Rechtliche Lagen in Österreich 20
4.3.1 Gesetze 20
4.3.2 Inhalte des neuen Patientenverfügungsgesetzes 20
4.4 Vergleich: Rechtliche Lage in Holland 21
4.4.1 Die Verantwortung des Arztes 21
5. Alternativen zur Euthanasie du ein menschenwürdiges Sterben 23
5.1 Würde des Menschen 24
5.2 Palliativmedizin und Begriffsdefinition 25
5.3 Geschichte der Hospizbewegung 26
5.4 Arten von Hospizen in Österreich 28
5.4.1 Ambulante/mobile Hospizdienste 29
5.4.2 Stationäre Hospizdienste 29
5.4.3 Tageshospiz 30
5.4.4 Palliativstationen 30
6. Verschiedene Standpunkte zur Sterbehilfe 31
6.1 Der Standpunkt der katholischen Kirche 31
6.2 Der Standpunkt der Ärzteschaft 32
6.3 Der Standpunkt der Allgemeinheit 32
7. Diskussion um die aktive Sterbehilfe 33
7.1 Pro aktive Sterbehilfe 34
7.2 Contra aktive Sterbehilfe 35
Resümee 36
Literaturverzeichnis 37

Textprobe:

3.1, Begriffsgeschichte der Euthanasie in der Antike:

Die Euthanasie hat ihre historischen Wurzeln in der griechischen Antike. Dieser ‘Begriff wurde schon in der Antike mehrdeutig verwendet und konnte schon in verschiedenste Kontexte eingesetzt werden. Gemeinsam ist jedoch allen Stellen, dass der ‘gute Tod’ sich immer auf die Perspektiven des betroffenen Subjekts bezog (…) Insbesondere wurde der Begriff nicht im medizinischen Kontext – etwa in Bezug auf die Handlung eines Arztes - gebraucht. Wichtiger vielleicht als diese Befunde ist, dass ‘euthanasia’ und verwandte Bildungen in den antiken Texten nahezu durchgängig ein Wunschbild und nicht etwa einen ‘wirklichen’ Tod (…) umschrieben’.

Den ersten Beweis findet man beim griechischen Komödiendichter Krations etwas 500 – 420 v.Chr., wobei das Adverb ‘euthanatos’ verwendet wird. Hier wird im Gegensatz zum todkranken und schwer krank sterbenden der ‘gute Tod’ als ‘leichter Tod’, als ein Tod ohne vorhergehende ‘lange Krankheit’ wohl auch als schnelles Sterben bezeichnet.

Circa um 300 v. Chr. scheint zum ersten Mal das Substantiv ‘euthanasia’ in einer Komödie von Myrmex des Dichtern Poseidippos auf. Wie bei Krations wird hier der ‘gute Tod’ ebenfalls als leichter Tod verwendet. Diese Wortbildung lässt sich auch später bei den Philosophen und Historikern finden.

200 – 115 v. Chr. wird der ‘Euthanasiebegriff’ im Sinne eines rechten beziehungsweise würdigen Todes bezeichnet, vom hellenistischen Historiker Polybios: ‘In dieser Lage und voll schlimmster Erwartungen für das, was ihm bevorstand, entschloss er sich, das Äußerste zu wagen, nicht als ob er auf ein Gelingen gehofft hätte – denn die Aussichten waren in der Tag gering-, vielmehr wünschte er, einen ehrenvollen Tod zu finden und nichts erdulden zu müssen, was seiner und seiner tapferen Taten unwürdig wäre, wohl auch, so scheint mir, weil ihm, wie es bei den Männern hohen Sinnes der Fall ist, jene Verse als Wahlspruch vor Augen standen. Doch nicht kampflos will ich noch ruhmlos finden mein Ende / sondern nach mutiger Tat, von der einst die Enkel noch künden’.

Doch die wichtigste Stelle der Begriffsbildung zur Euthanasie ist der ‘gute Tod’ des Kaisers Augustus etwa 14 Jahre nach Christus. 70- 140 nach Christus berichtet Sueteon, ein römischer Historiker, in seinem Werk ‘Cäsarenleben’ um 120 nach Christus vom letzten Tag des Kaisers, welcher auf einer Schiffsreise ein schweres ‘Darmleidern’ mit Durchfall erlitt. Hier wird der ‘gute Tod’ von Augustus als ein leichter, schmerzloser und schneller Tod ohne Qualen im Kreise seiner Familie beschrieben.

In der Antike ist auch die Idee, ein sinnlos gewordenes Leben bewusst zu beenden, verankert. Vor allem die Philosophenschule der Stoiker propagierte den Suizid wie auch den assistierten Suizid, wenn ein Leben nicht als ‘naturgemäß’ erschien. Man muss jedoch beachten, dass ein wichtiger Unterschied zu dem, was bei der Verwendung des Euthanasie- Begriffs im Bergleich zu dem antiken Begriff heute gemeint ist: Heutzutage versteht man darunter die ‘Hilfe zum Sterben’, so dass es semantisch klarer und historisch genauer ist, den deutschen Begriff der Sterbehilfe zu verwenden.

Alles im allen bliebt der Begriff der ‘Euthanasie’ bis zum 19. Jahrhundert letztlich positiv besetzt.

3.2, Begriffsgeschichte der Euthanasie im Mittelalter:

Die philosophische beziehungsweise religiös gefärbte ars moriendi, im heidnischen Mittelalter wie auch im Christentum, welche die Todesfurcht reduzieren und in das Leben intensivieren sollte, spielte eine große Rolle. Die christliche, jüdische, islamische als auch die scholastische Position schloss bei Schwerkranken und Sterben eine aktive Lebensbeendigung wie auch den Selbstmord aus. Maimonidas verdeutlichte den Gedanken der Tötung schwerkranker Menschen. Die Gedanken an Krankentötung waren im christlichen Mittelalter undenkbar, nachdem der Kirchenvater Thomas von Aquin begründet hatte, dass nicht nur die Tötung, sondern auch Selbsttötung eine Todsünde wäre.

Arbeit zitieren:
Muggi, Angelika Oktober 2010: Euthanasie – Geschichtlicher Hintergrund und Alternativen für ein menschenwürdiges Sterben, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Euthanasie, Sterbehilfe, menschenwürdig, sterben, Geschichte

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