Europäischer Verfassungsvertrag
Eine systemtheoretische Implementierungsstrategie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Markus Schuller
- Abgabedatum: Juni 2004
- Umfang: 110 Seiten
- Dateigröße: 1,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Johannes Kepler Universität Linz Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8882-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8882-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8882-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schuller, Markus Juni 2004: Europäischer Verfassungsvertrag, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Integration, Vision, Partizipation, Europäische Union, Politik
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Diplomarbeit von Markus Schuller
Einleitung:
Europa - ein geeintes, ein wiedervereintes, ein nie vereint gewesenes Europa. Wir stehen nun inmitten einer weiteren eruptiven Phase der europäischen Integrationsbewegung. Eine Bewegung, die seit dem Ende des 2. Weltkrieges nur eine von Institutionen getriebene Richtung kannte. „The bigger, the better!“ Europa vereint sich selbst, sui generis, wie es in den Verträgen heißt. Ein tautologisches Schauspiel des Selbstbetruges, seit nunmehr 50 Jahren. Im Sinne der Bewegungsrichtung vollzieht die Europäische Union am 1. Mai 2004 offiziell einen Erweiterungsschritt um 10 Nationalstaaten. Eine Union von 25 wird Bestand haben.
Eine Union von 25 hatte bereits Bestand. Sie lebte und erlebte „etwas“ Verbindendes im Zuge der Konventsperiode. Die Mitglieder staunten über sich selbst, indem sie im Laufe der Plenartage Herkunft und Mandat weitgehend ablegten und anfingen europäisch zu denken. Rätselraten um dieses „etwas“. Sind es nun die gemeinsamen Projektionen in das Transzendentale, gemeint das Christentum? Oder ist es die gemeinsame Angst vor dem und den Anderen, die uns verbindet?
Nationalspezifisches Reflektieren über das Einende und das Trennende stand am Beginn des Verfassungskonvents. Transnationales Reflektieren der Konventsmitglieder an seinem Ende. Doch was sagen Frau und Herr Europäer dazu. 450 Millionen Menschen werden ab Mitte 2004 innerhalb der Unionsgrenzen ihr Leben führen. Werden sie es nach den Werten gestalten, die von 105 Personen im Konvent erdacht wurden? Werden sie es nach den Werten führen, in die die Staats- und Regierungschefs einwilligten ohne via Referenda Rückfrage zu halten, ob die Menschen diese Normen überhaupt für lebenswert halten?
Mein Menschenbild wehrt sich gegen diese deduktive Indoktrination von Lebensrichtlinien. Es ruft nach Partizipation. Es sehnt sich nach Kommunikation.
Ich zeige mit dieser Arbeit einen Weg, wie die Einführung der Europäischen Verfassung im Sinne eines partizipativen Entwicklungsansatzes vollzogen werden kann, um Commitment zur Reflexion über die Normvorgaben der Verfassung zu erlangen. Dazu werden Anknüpfungspunkte für mögliche weitere Integrationsschritte gesetzt.
Begleiten wird mich bei dieser Strategiereise die Allgemeine Systemtheorie Luhmannschem Geiste. Sie ermöglicht mir einen Sprachraum, mit dem ich aufzeige, dass sich die Europäische Union ohne einen breit getragenen Lustsog in die weltpolitische Bedeutungslosigkeit verlieren wird. Sie ermöglicht mir zu zeigen, dass Komplexitätsreduktion in Form von Gesellschaften auch anders gestaltet sein kann als in nationalstaatlicher Prägung.
In dem Bewusstsein, dass das Gelingen des Integrationsprojektes Europa kein gott-intendiertes Muss ist, und die Relevanz dieses Lebensraumes in seiner internationalen Bedeutung bedingt selbstbestimmt sein kann, hänge ich meine Gedanken, weshalb Europa in konsolidierter Form Verantwortung auf dem Weg zur Weltgesellschaft übernehmen soll, an eine These: Die Historie und seine Konsequenzen. Europa kann aus eigenen Erfahrungen im Umgang mit Konflikten und Konfliktbewältigung der internationalen Gemeinschaft Beispiele geben.
Lesen Sie die folgenden Seiten vor dem Hintergrund dieser einleitenden Gedanken und seien Sie sich bewusst, dass dies keine wissenschaftliche Aufzählung von vermeintlichen Fakten, sondern ein Strategieleitfaden für die Verantwortungsträger innerhalb Europäischen Union sein soll.
Inhaltsverzeichnis:
| Prolog | 6 | |
| 1. | Europa – eine Analyse | 8 |
| Kulturelles Subsystem | 8 | |
| Bundesstaat vs. Staatenbund | 8 | |
| EU-Osterweiterung | 9 | |
| Militärstrategie á la Solana | 11 | |
| Militärische Historie der Europäischen Union | 11 | |
| Europäische Sicherheitsstrategie | 13 | |
| Lissabon Strategie | 15 | |
| Merkmale der Strategie | 15 | |
| Aktueller Stand | 17 | |
| Soziales Subsystem | 21 | |
| Die bestehenden Institutionen | 21 | |
| Konvent zur Zukunft der Europäischen Union | 23 | |
| Konventsstruktur | 24 | |
| Arbeitsweise | 25 | |
| Ergebnis | 27 | |
| Weiterführende Debatte | 31 | |
| Technisch-Instrumentelles Subsystem | 32 | |
| Budget der EU | 32 | |
| Finanzielle Vorschau | 34 | |
| 2. | Eine Theorie voller Systeme | 36 |
| Menschenbild | 36 | |
| Die Differenz macht den Unterschied | 37 | |
| Organisation vs. Struktur | 39 | |
| Kontrolle vs. Autonomie | 40 | |
| Autopoiese vs. Allopoiese | 42 | |
| Konsequenzen für Begriffswelt | 44 | |
| Vertrauen | 44 | |
| Macht & Vertrauen | 45 | |
| Macht | 45 | |
| Verantwortung | 47 | |
| Konflikt | 48 | |
| Lebensphasen | 51 | |
| Beziehung emergenter Ebenen | 53 | |
| Bewusstsein | 53 | |
| Kommunikation | 55 | |
| Sprachen | 57 | |
| Interpenetration | 58 | |
| Strategien horizontaler und vertikaler Integration | 59 | |
| Strategischer Orientierungsrahmen | 60 | |
| Strategische Verhaltensweisen | 61 | |
| 3. | Die Implementierungsstrategie | 64 |
| Phase I – Organ konstituieren | 64 | |
| Phase II – Kooperationen bilden | 66 | |
| Kooperation mit Kommission | 67 | |
| Kooperation mit Medien | 69 | |
| Kooperation mit Zivilgesellschaft | 73 | |
| Aufgabe des Organs | 75 | |
| Monitoring | 75 | |
| Innen-/ Außensicht | 76 | |
| Bezugspunkt der Intervention | 77 | |
| Phase III – Irritation stiften | 78 | |
| Dekonstruktion | 79 | |
| Strategiewahl | 81 | |
| Mythen | 83 | |
| Chimaira USA | 83 | |
| Chimaira Demokratiedefizit | 90 | |
| Ablauf von Phase III | 92 | |
| Phase IV – Selbstreflexion ermöglichen | 93 | |
| Rolle der Kommission | 94 | |
| Rolle des Organs | 96 | |
| Rolle der Medien | 97 | |
| Rolle der nationalen, politischen Systeme | 97 | |
| Phase V – Selbststeuerung institutionalisieren | 98 | |
| Epilog | 101 | |
| Literaturverzeichnis | 103 | |
| Interviewverzeichnis | 108 |
In seiner Aufgliederung der autopoietischen Systemtypen bricht Luhmann mit der humanistischen Tradition, den Menschen als Teil der sozialen Ordnung zu sehen (Niklas Luhmann, 1987a). Dies geschieht, indem er den Menschen als Verbindung von zwei Systemtypen konstruiert. Psyche und Leben. Kommunikation, als dritter autopoietischer Systemtypus, verläuft unabhängig von der unmittelbaren Zurechnung auf den Menschen. Demnach ist der Mensch nicht weiterhin das Maß der Gesellschaft, sondern Bedingung für ihr Zustandekommen. Kommunikation und Bewusstsein sind in Form von Interpenetration verknüpft. Gemeint ist damit eine Relation von Autopoiesis und struktureller Koppelung. Durch das gegenseitige zur Verfügung stellen von Komplexität, können die Grenzen des eines Systems in den Operationsbereich des anderen Systems eingehen. Erst an diesem Punkt werden die Eingangsgrößen zu Information spezifiziert. Somit bleiben die Systeme einerseits funktional autonom, andererseits erhöhen sie durch diese KoEvolution die jeweilige Abhängigkeit. Zugleich steigern sie ihre Unabhängigkeit gegenüber „dritter“ Systeme. Durch Interpenetration wird der gordische Regressknoten der doppelten Kontingenz durchschlagen. Indem sie auf wechselseitige Inanspruchnahme verweist, schließt sie bisher verwendete Formen wie “die Natur des Menschen“ oder „Subjektivität des Bewusstseins“ aus. Produziert wird die Differenz der Systeme im Prozess des Interpretierens. Demzufolge ist Interpenetration keine Kommunikation, die lediglich als Operationsmodus sozialer Systeme dient, sondern eine abstrakte Form der Koordination von System und Umwelt, die erst dadurch zustande kommt, weil sie Ereignisse simultan setzt. Die binäre Schematisierung Luhmanns, die sich an Parsons Normenschema von Konformität und Abweichung anlehnt, ermöglicht nun, dass ein System die die Komplexität eines anderen Systems für den eigenen Aufbau nutzen kann. Die - 58 - [...]
Diplomarbeit „Europäischer Verfassungsvertrag – Eine Implementierungsstrategie“ Luhmann versteht Kommunikation als emergente Realität. Er nennt es „einen Sachverhalt sui generis“. Er zeigt damit auf, dass Kommunikation sich dadurch auszeichnet, indem sie sich der unmittelbaren Zurechnung auf psychische Systeme entzieht. Kommunikation ist zwar ohne Bewusstsein nicht möglich, durch die begriffliche Differenz der beiden wird jedoch gezeigt, dass Bewusstsein, zum Beispiel neben Erdmagnetismus, nur eine Voraussetzung für Kommunikation ist. Luhmanns Begründung: "Man kann angesichts der Komplexität der Welt nicht alle Bedingungen der Möglichkeit eines Sachverhalts in den Begriff dieses Sachverhalts aufnehmen; denn damit würde der Begriff jede Kontur und jede theoriebautechnische Verwendbarkeit verlieren."(Niklas Luhmann, 2002b, S.132) Maturana unterstreicht diese Argumentation durch seine Annahme, dass zwischen alter und ego keine direkte Übertragung stattfindet, sondern dass bei mindestens zwei selektierenden Einheiten, die miteinander in Beziehung treten, lediglich [...]
Diplomarbeit „Europäischer Verfassungsvertrag – Eine Implementierungsstrategie“ bietet. Die Beziehung zur Umwelt besteht in Form des Zusammenhangs, dass jedes Bewusstseinssystem in einem lebenden System verankert ist. Auf Basis seiner eigenen Strukturdeterminierung produziert das Bewusstsein Information. Es bekommt keine Information aus der Umwelt. Ebenso wenig erhält es eine Zufuhr an Kommunikation oder Bewusstsein aus der Umwelt. Sämtliche Stimulus – Response - Modelle werden dadurch zu möglichen Beschreibungen eines Beobachters, der damit die Funktionsweise des Bewusstseins nicht erfasst. In Heinz von Foersterschem Sinne heißt das, dass dieser Beobachter die Leistung eines Bewusstseins signifikant trivialisiert. Gleiches gilt für die Beziehung von Bewusstsein und Kommunikation. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832488826
Arbeit zitieren:
Schuller, Markus Juni 2004: Europäischer Verfassungsvertrag, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Integration, Vision, Partizipation, Europäische Union, Politik



