Europäische Werte und ihre Herausforderung durch islamische Traditionen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefanie Agerer
- Abgabedatum: Mai 2001
- Umfang: 60 Seiten
- Dateigröße: 541,6 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Passau Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4843-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4843-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4843-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Agerer, Stefanie Mai 2001: Europäische Werte und ihre Herausforderung durch islamische Traditionen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Islam, Europa, Kultur, Westen, Verwestlichung
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Diplomarbeit von Stefanie Agerer
Zusammenfassung:
Die Arbeit behandelt die Frage, ob europäisch-westliche Werte prinzipiell mit islamischen Traditionen vereinbar sind. Ausgangspunkt dabei ist die schwierige Aufgabe, "europäische" Werte zu definieren, wobei zunächst geklärt wird, ob die europäische Gesellschaft abseits von formal-politischer und wirtschaftlicher Einheit auch eine einheitliche kulturelle Identität besitzt und wie diese charakterisiert werden kann. Worüber definiert sich "Europa", und speziell: Über welche Werte definiert sich Europa? Welches sind typische Merkmale der europäischen Kultur und wie sehr machen diese Merkmale, zu denen z.B. auch das Christentum gehört, heute Europa überhaupt noch aus.
Um den angepeilten Vergleich zwischen islamischen und europäisch-westlichen Werten einzuleiten, wird anschließend auf die islamische Geschichte eingegangen, die von islamischer Dominanz über mehr oder weniger gleichberechtigte Koexistenz mit Europa bis hin zu einem erdrückenden Übergewicht der westlichen Welt reicht. Hieran wird geschildert, wie Differenzen aus der Geschichte die heutigen Spannungen entstehen lassen konnten bzw. sie immer noch beeinflussen.
Das Hauptkapitel besteht in einem konkreten Vergleich der identifizierten europäischen Werte mit islamischen Traditionen und Wertvorstellungen. Inwiefern und in welcher Form sind Konzepte wie der Nationalstaat, die Demokratie oder die Rechtsstaatlichkeit in islamischen Traditionen verankert, inwieweit könnten sie sich heute auch in islamisch geprägten Gesellschaften festsetzen, wo liegen Probleme, oder ist diese Perspektive gar völlig illusorisch?
Die Arbeit versucht nicht zuletzt, sich anhand des gewählten Themas mit den Thesen aus Samuel P. Huntingtons "Clash of Civilizations" auseinander zu setzen, der in seinem Buch immerhin die Konfliktpotentiale zwischen dem Westen und der islamischen Welt als besonders gefährlich einstuft. Deshalb widmet sich die Arbeit in einem abschließenden Teil auch realpolitischen Aspekten, z.B. der Migrationsproblematik in Europa und nicht zuletzt den Gefahren des islamischen Fundamentalismus, die der Welt gerade mal wenige Monate nach Fertigstellung der vorliegenden Arbeit deutlich vor Augen geführt wurden.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | EINLEITUNG | 3 |
| II. | HAUPTTEIL | 3 |
| 1. | Europäische Werte? | 4 |
| 1.1 | Europäische Identität | 5 |
| 1.2 | Historische Wurzeln | 6 |
| 1.3 | Rationale und kulturelle Wertegemeinschaft | 7 |
| 2. | Historische Beziehungen zwischen Europa und dem Islam | 10 |
| 2.1 | Arabische „Dominanz“ | 10 |
| 2.2 | Euro-arabische Geschichte | 16 |
| 2.3 | Europäische Dominanz | 19 |
| 3. | Europäische und islamische Werte im Vergleich | 23 |
| 3.1 | Europa und Islam - Grundlagen | 24 |
| 3.2 | Der Islam und der Nationalstaat | 28 |
| 3.3 | Der Islam und der Krieg | 31 |
| 3.4 | Der Islam und die Demokratie | 32 |
| 3.5 | Der Islam und das Recht | 37 |
| 3.6 | Der Islam und die Menschenrechte | 41 |
| 4. | Realpolitische Implikationen | 44 |
| 4.1 | Islamischer Fundamentalismus im 20. Jahrhundert | 45 |
| 4.2 | Entwestlichung der Welt | 46 |
| 4.3 | Probleme der Migration in Europa | 47 |
| 4.4 | Die Probleme der EU mit dem Beitrittskandidaten Türkei | 50 |
| III. | SCHLUSSBETRACHTUNG | 52 |
schriften des Koran mit den Erfordernissen des modernen Zeitalters in Einklang bringen können«.114 Bevor wir aber diese Frage zu klären versuchen, sollten einige zentrale Begriffe erläutert werden. Ein zentraler Begriff im Islam ist sicher der Imam, was so viel wie ›Anführer‹ bedeutet. Gemäß der islamischen Tradition ist diese Führerschaft sowohl religiös als auch politisch und militärisch und wird im Namen Allahs ausgeübt. Der Imam ist dabei lediglich dem Wort und Urteil Allahs unterworfen und sozusagen dessen Sprachrohr auf Erden. Er ist das Staatsoberhaupt der islamischen Umma, was die »religiös-politische Gemeinschaft aller Muslime« meint. Begründet wurde die islamische Umma einst vom Propheten Mohammed; in der Theorie ist die Umma eine einzige, riesige Einheit, welche alle Muslime auf der Welt umfasst; sie richtet sich nicht nach Ethnie, Sprache oder ähnlichem, sondern lediglich nach dem Glauben, dem ein Mensch angehört. In der Praxis ist die Umma seit dem Tode Mohammeds mehr oder weniger gespalten. Seitdem gibt es immer wieder Streitigkeiten darüber, wer der wahre Imam ist. Die innerislamischen Kriege gipfeln zum ersten Mal in der großen Fitna von 656. Spätestens seitdem ist die Einheit aller Muslime unter einem Imam ein nicht mehr realisierter Traum. Kündigt ein Muslim die Unterwerfung unter die Umma auf, so begeht er Riddah, worauf nach Koranischem Recht die Todesstrafe steht. So richtet sich das muslimische Leben nach den Prinzipien des Korans, der Sunna (der mündlichen und schriftlichen Überlieferung Mohammeds), der Schari’a (ihre Elemente werden in 3.5 näher erläutert) und ihrer Interpretation durch die Rechtsgelehrten.115 Die Welt ist in der Vorstellung des Islam zweigeteilt: Auf der einen Seite befindet sich das Dar al-Islam, das ›Haus des Islam‹, auf der anderen Seite das Dar al-Harb, das ›Haus des Krieges‹. Dar al-Islam steht gleichzeitig für das ›Haus des Friedens‹ und bezeichnet die islamische Gemeinschaft, während Dar al-Harb den Rest der Menschheit beschreibt, die noch nicht zum Islam bekehrt wurden. Zur allmählichen Einverleibung der nicht-muslimischen Bevölkerungen in das Dar al-Islam wird der Djihad geführt, was fälschlicherweise mit ›Heiliger Krieg‹ übersetzt wird, in Wahrheit lediglich alle jene ›Anstrengungen‹ meint, die nötig sind, um den Islam auf der Welt zu verbreiten; freilich können diese Anstrengungen auch kriegerischer Natur sein. Neben dem Djihad gibt es allerdings noch eine weitere ›Methode‹, um den Islam zu verbreiten: die Hidjra, was so viel bedeutet wie ›Auswanderung‹. Muslime haben seit jeher die Pflicht zur Hidjra, d.h. sie müssen in die Welt hinaus wandern, um sich als Migranten niederzulassen (früher bezog sich dies v.a. auf zuvor militärisch eroberte Gebiete, [...]
Auch heute dient diese Verschwörungstheorie islamischen Führern wie Saddam Hussein, die muslimische Bevölkerung gegen den ›kriegszüglerischen‹ Westen aufzuhetzen.113 Problembeladen ist auch die Tatsache, dass die Trennung von Staat und Politik, eine so fundamental wichtige Voraussetzung für Modernisierung, bis heute nicht sonderlich populär im Islam ist. Auch der seit längerem im Laufen begriffene Prozess der Entsäkularisierung in vielen islamischen Staaten ist dafür nicht sonderlich förderlich. Das Problem hierbei ist ebenso, dass die islamischen Wissenschaften religiös definiert sind, d.h. »den religiösen Traditionen unterworfen« sind und folglich keinerlei reflexive Behandlung zulassen. Allerdings ist es eines der grundlegenden modernen Prinzipien, dass alles reflexiv, das heißt dem Primat der Vernunft unterworfen ist. Für moderne Muslime stellt sich somit die Frage, »wie sie die Vor- [...]
losophie kann sich nicht durchsetzten, wird nie tiefer institutionalisiert und verschwindet folglich wieder aus dem Bewusstsein der Muslime. Bezeichnenderweise hat die europäische Zivilisation in der Renaissance genau jene rationalistischen Werte aus der islamischen Zivilisation entnommen, die in ihr selbst keine Wurzeln schlagen konnten und auch heute vom wiedererstarkten politisch-fundamentalistischen Islam abgelehnt werden.112 So ist das Verhältnis zwischen Islam und Christenheit (um Bernhard Lewis Begrifflichkeit zu verwenden) ein schwieriges. Es wird durch etliche historische Tatsachen darüber hinaus belastet. Die Europäer mussten »fast tausend Jahre lang, von der ersten Landung der Mauren in Spanien bis zur zweiten Belagerung Wiens durch die Türken« mit der islamischen Bedrohung leben. Diese Angst vor den ›muslimische Armeen‹ spielt sicher auch heute noch eine Rolle bei den aktuellen Diskussionen um Einwanderung und muslimischer Migration (siehe 4.3). Auf der anderen Seite müssen die Muslime, welche die Europäer in ihrer eigenen zivilisatorischen Hochphase mit »leicht amüsierter Verachtung« betrachten und auf deren deutlich niedrigeres zivilisatorisches Niveau herabblicken konnten, mit einer Reihe von Erniedrigungen im Laufe der gemeinsamen Geschichte durch eben jene Europäer zurechtkommen. Dies beginnt bereits mit den Kreuzzügen, in denen der Islam noch triumphiert (freilich erst nach zwei Jahrhunderten), zieht sich über die fehlgeschlagene Belagerung von Wien über jene demütigenden Verträge von Karlowitz und Passarowitz, hin bis zum islamischen Aufstand gegen die Türken 1916 und dem Sykes-Picot-Geheimabkommen, das bis heute als europäische Verschwörung gegen den islamischen Orient betrachtet wird. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832448431
Arbeit zitieren:
Agerer, Stefanie Mai 2001: Europäische Werte und ihre Herausforderung durch islamische Traditionen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Islam, Europa, Kultur, Westen, Verwestlichung



