Europäische Immobilienbewertungsstandards
Die Wertermittlungsmethoden des Blue Book auf dem Prüfstand
- Art: Diplomarbeit
- Autor: David Lorenz
- Abgabedatum: Juni 2001
- Umfang: 100 Seiten
- Dateigröße: 963,3 KB
- Note: 1,2
- Institution / Hochschule: Duale Hochschule Baden-Württemberg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4492-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4492-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4492-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lorenz, David Juni 2001: Europäische Immobilienbewertungsstandards, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Immobilien, Immobilienbewertung, Immobilienwirtschaft, TEGoVA, Wertermittlung
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Diplomarbeit von David Lorenz
Einleitung:
Mit dem Zusammenwachsen Europas sowie der Einführung des Euro als gesetzliches Zahlungsmittel ab dem Jahre 2002 und dem damit verbundenen Wegfall der Währungsrisiken innerhalb der Europäischen Union wird ein Prozess eingeleitet, der in der Bildung eines einzigen europäischen Marktes seinen Abschluss finden wird. Im Zuge dieses Prozesses wird es zwangsläufig zu einer Harmonisierung der nationalstaatlich rechtlichen sowie steuerlichen und im Hinblick auf die Immobilienwirtschaft auch der immobilienbewertungstechnischen Standards kommen müssen.
Die Frage nach dem Wert einer Immobilie oder eines Grundstückes stellt sich zu den unterschiedlichsten Anlässen, sei es zur Fundierung von Ankaufs- oder Verkaufsentscheidungen, zur Festlegung von Beleihungsgrenzen im Rahmen einer Kreditvergabe, zu Bilanzierungs- oder Versicherungszwecken, zur Performancemessung, zur Festlegung von Abgabenlasten im Rahmen der Besteuerung von Immobilien oder auch im Zuge von Vermögensauseinandersetzungen bei Scheidungen oder Erbschaften.
Die Anlässe zur Bewertung von Immobilien sind europa- und auch weltweit größtenteils identisch; nicht jedoch die zur Wertermittlung herangezogenen Methoden und Verfahren. Die unterschiedliche kulturelle, politische und wirtschaftliche Geschichte in den einzelnen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union hat auch bei der Bildung der nationalen Immobilienmärkte zu unterschiedlichen Marktstrukturen, Geschäftspraktiken und Verhaltensweisen der Akteure auf dem Grundstücksmarkt geführt.
Diese Immobilienmärkte wurden und werden immer noch als nationale bzw. regionale Teilmärkte angesehen, weshalb es diesem Bereich der Wirtschaft auch gelang, sich lange Zeit der zunehmenden Globalisierung der Märkte zu entziehen. Die grenzenlose Mobilität des anlagesuchenden Kapitals sowie die damit einhergehende stetige Zunahme grenzüberschreitender Investitionen wird jedoch auch für die Immobilienmärkte zu einem steigenden internationalen Standortwettbewerb führen. Es zeigt sich, dass nationale Immobilienmärkte weder getrennt von anderen Ländern noch ohne Bezug zu den internationalen Finanzmärkten betrachtet werden können. Somit wird eine Vereinheitlichung oder zumindest ein Vergleichbarmachen der landestypischen Immobilienwertermittlungsstandards zunächst auf europäischer Ebene immer wichtiger.
In diesem Zusammenhang steht die Veröffentlichung der >>European Valuation Standards 2000<< der TEGoVA (The European Group of Valuers’ Associations). Dieses Regelwerk, das sogenannte >>Blue Book<< unternimmt in seiner 4. Auflage erstmals den Versuch, die in Europa zur Anwendung kommenden Immobilienbewertungsverfahren auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und damit einen für Europa einheitlichen Immobilienbewertungsstandard zu schaffen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Einleitung | 1 | |
| Thematische Abgrenzung und Zielsetzung | 2 | |
| Gang der Untersuchung | 2 | |
| 1. | Europäisches Sachverständigenwesen | 3 |
| 1.1 | Das deutsche Sachverständigenwesen | 3 |
| 1.2 | The Royal Institution of Chartered Surveyors – RICS | 4 |
| 1.3 | The European Group of Valuers Association – TEGoVA | 5 |
| 1.3.1 | Ziele und Aufgaben | 6 |
| 1.3.2 | Mitglieder | 6 |
| 2. | Einführung in die Wertelehre – Wertbegriffe und Wertdefinitionen | 7 |
| 2.1 | Der deutsche Verkehrswertbegriff | 7 |
| 2.2 | Der Open Market Value des Red Book (RICS) | 8 |
| 2.3 | Der Fair Value des International Accounting Standards Board | 9 |
| 2.4 | Die Wertelehre des Blue Book (TEGoVA) | 10 |
| 2.4.1 | Market Value – Marktwert | 10 |
| 2.4.1.1 | Problematische Ausführungen zum "date of valuation" | 11 |
| 2.4.1.2 | Die Erwerbsnebenkosten | 11 |
| 2.4.1.3 | Die Annahme der höchsten und besten Nutzung | 12 |
| 2.4.2 | Derivate des Market Value und sonstige Wertbegriffe | 12 |
| 3. | Die Wertermittlungsmethoden des Blue Book | 14 |
| 3.1 | The Comparative Method – Vergleichswertmethode | 15 |
| 3.1.1 | Darstellung des Verfahrens laut Blue Book | 15 |
| 3.1.2 | Abgrenzung zur deutschen und angelsächsischen Wertermittlungspraxis | 16 |
| 3.1.2.1 | Vergleichswertverfahren nach WertV | 16 |
| 3.1.2.2 | Angelsächsische Comparative Method | 19 |
| 3.2 | The Income Approach (1) bzw. Investment Method - Ertragswertverfahren | 20 |
| 3.2.1 | Ausführungen des Blue Book zum Income Approach (1) bzw. zur Investment Method | 20 |
| 3.2.2 | Vergleichende Darstellung von angelsächsischer Investment Method und deutschem Ertragswertverfahren | 21 |
| 3.2.2.1 | Ermittlung des Ertragswertes bzw. des Investment Value | 21 |
| 3.2.2.2 | Verwendete Zinssätze und Multiplikatoren | 24 |
| 3.2.2.3 | Zusammenfassung der festgestellten Unterschiede | 26 |
| 3.3 | Discounted-Cash-Flow-Method – Barwertmethode | 27 |
| 3.3.1 | Verfahrensgang laut Blue Book | 27 |
| 3.3.2 | Abgrenzung zur tatsächlichen Wertermittlungspraxis | 27 |
| 3.4 | The Income Approach (2) bzw. Profits Method - Gewinnmethode | 29 |
| 3.5 | The Cost Approach – Sachwertverfahren | 30 |
| 3.5.1 | Darstellung der Vorgehensweise laut Blue Book | 30 |
| 3.5.1.1 | Ermittlung des Bodenwertes | 30 |
| 3.5.1.2 | Ermittlung der Wiederherstellungskosten | 31 |
| 3.5.1.3 | Abschreibungen | 31 |
| 3.5.1.4 | Zusammenfügen und Gesamtprüfung | 32 |
| 3.5.2 | Vergleichende Darstellung von deutschem Sachwertverfahren und angelsächsischem Cost Approach | 32 |
| 3.5.2.1 | Ermittlung des Bodenwertes | 32 |
| 3.5.2.2 | Ermittlung der Wiederherstellungs- bzw. Baukosten | 32 |
| 3.5.2.3 | Anwendungsbereich und Anwendungshäufigkeit | 33 |
| 3.6 | The Residual Method – Residualwertmethode | 34 |
| 3.6.1 | Verfahrensgang laut Blue Book | 34 |
| 3.6.2 | Anmerkungen zur Residualwertmethode | 35 |
| 4. | Überprüfung bzw. kritische Betrachtung der Ausführungen des Blue Book | 36 |
| 4.1 | Die Wertelehre bzw. das Wertesystem | 37 |
| 4.2 | Die Wertermittlungsmethodik | 38 |
| 4.2.1 | Die Vergleichswertmethode | 38 |
| 4.2.2 | Der Income Approach bzw. die Investment Method | 39 |
| 4.2.3 | Discounted-Cash-Flow- bzw. Barwertmethode | 40 |
| 4.2.4 | Residual und Profits Method – Residualwert- und Gewinnmethode | 41 |
| 4.2.5 | Depreciated Replacement Cost – Sachwertverfahren | 42 |
| 5. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 42 |
| Anhang | 45 | |
| Literaturverzeichnis | 87 |
Ermittlung des internen Zinsfußes: Steht der Kaufpreis des Objektes zum Beginn des Investitionszeitraumes fest, so kann der interne Zinsfuß ermittelt werden, der die Effektivverzinsung des Investitionsobjektes bzw. die Verzinsung des im Investitionsobjekt gebundenen Kapitals wiedergibt. „Der interne Zinsfuß ist hierbei definiert als der Diskontsatz, der bei einer periodengerechten Anwendung auf den gesamten Zahlungsstrom den Barwert Null ergibt.“3 Falls mehrere Investitionsmöglichkeiten zur Auswahl stehen, so ist diejenige mit dem höchsten internen Zinsfuß zu präferieren. Mit der DCF-Methode wird in der Praxis nicht das Ergebnis bzw. der Marktwert gesucht, sondern ein offeriertes oder bereits feststehendes Preisangebot anhand der selbst gesetzten Entscheidungsparameter dahingehend überprüft, ob es den eigenen Renditeerwartungen entspricht bzw. ob es als günstig oder ungünstig einzustufen ist.4 „Es geht also nicht darum, einen statischen >>Immobilienwert<< zu ermitteln, sondern eine liquiditätsorientierte Kennziffer für die Rentabilität einer Investition zu gewinnen, aus der sich dann im Rückschluss – je nach Renditeanforderung des potentiellen Investors – der maximal angemessene Kaufpreis ergibt.“5 (Eine Beispielrechnung findet sich auf S. 71 f., Anlage 9) [...]
Anders als im Blue Book geschildert, wird die DCF-Methode in der Praxis vor allem von Investoren und Projektentwicklern als Entscheidungsgrundlage für Immobilieninvestitionen eingesetzt.2 Folgende Frage wird mit der Anwendung der DCF-Methode beantwortet: „Wie viel bin ich als Investor in der Lage zu bieten, ohne dass meine eigenen, selbst gesetzten Ertrags- und Gewinnerwartungen innerhalb einer angedachten Laufzeit des Investments zunichte gemacht werden?“3 Es ist klar, dass das hierbei erzielte Ergebnis nicht unbedingt marktorientiert sein muss, sondern lediglich die Einschätzungen und Risikostruktur eines einzelnen Investors widerspiegelt. So kann zum Beispiel für einen risikofreudigen Investor der maximale Kaufpreis weit über dem Marktniveau liegen. [...]
Eine weitere Form der ertragsorientierten Immobilienbewertung stellt die Discounted-Cash-Flow- bzw. Barwertmethode dar. Sie wird laut Blue Book benutzt, um entweder den Gebrauchswert oder bei Verwendung marktorientierten Parameter den Marktwert einer Immobilie zu berechnen. Um zum Immobilien- bzw. Investitionswert zu gelangen, werden die erwarteten Einnahmen und Ausgaben, die während des zuvor festgelegten Berechnungszeitraumes (in der Regel 5-10 Jahre) anfallen, für jedes Jahr einzeln berechnet, auf den Bewertungsstichtag abgezinst und addiert. Hinzugezählt wird der ebenfalls auf den Bewertungsstichtag abgezinste, geschätzte Verkaufserlös der Immobilie am Ende des Berechnungszeitraumes. Dieser Restwert wird durch Kapitalisierung als ewige Rente der im ersten Jahr nach Ablauf des Berechnungszeitraumes oder der im letzten Jahr des Berechnungszeitraumes anfallenden Reinerträge und anschließende Abzinsung auf den Bewertungsstichtag ermittelt. Eine weitere Möglichkeit der Restwertermittlung besteht in der Schätzung des Immobilienwertes auf der Grundlage des jetzigen Wertes unter Berücksichtigung eventueller Wertzunahmen oder –abnahmen sowie der Veralterung während des Berechnungszeitraumes. Die für Diskontierung und Kapitalisierung verwendeten Zinssätze müssen laut Blue Book mit den allgemein akzeptierten Renditeerwartungen für Vergleichsobjekte übereinstimmen und somit marktorientiert sein. Es handelt sich um dieselben Zinssätze, die auch bei der Marktwertermittlung mit Hilfe des Income Approach (1), dem klassischen Ertragswertverfahren verwendet werden.1 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832444921
Arbeit zitieren:
Lorenz, David Juni 2001: Europäische Immobilienbewertungsstandards, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Immobilien, Immobilienbewertung, Immobilienwirtschaft, TEGoVA, Wertermittlung



