Europa – Einheit durch Vielfalt?
Herausbildung einer einheitlichen europäischen Kultur bzw. Identität versus kulturelle Vielfalt in Europa
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Oliver Vogel
- Abgabedatum: Juni 1999
- Umfang: 69 Seiten
- Dateigröße: 2,8 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7850-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7850-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7850-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Vogel, Oliver Juni 1999: Europa – Einheit durch Vielfalt?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sozialwissenschaft, Kulturraum, Wirtschaftsgeographie, Globalisierung, Integration
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Diplomarbeit von Oliver Vogel
Zusammenfassung:
Europa befindet sich auf der Suche nach einer einheitlichen europäischen Identität, d.h. nationale Kulturen weichen einer europäischen Kultur. Aber, gibt es überhaupt genug Gemeinsamkeiten in den verschiedenen, sehr heterogenen Kulturkreisen, die es ermöglichen, einen gemeinsamen Nenner, eine gemeinsame Identität zu schaffen?
Eine Frage, die für alle Europäer von zentraler Bedeutung ist, da die supranationale Ebene in immer mehr Lebensbereichen Einzug hält. Mit Schaffung des Europäischen Binnenmarktes kam es zur Liberalisierung der europäischen Wirtschaftsmärkte. So wird es in Zukunft als Folge der Liberalisierung der europäischen Arbeitsmärkte immer häufiger dazu kommen, dass Mitarbeiter unterschiedlicher Nationalitäten (und damit auch unterschiedlicher Kulturen) innerhalb eines Unternehmens miteinander arbeiten. Gerade hier auf der betrieblichen Ebene, beim direkten Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen bzw. Mentalitäten, wird es hilfreich sein, gemeinsame Werte zu finden, eine gemeinsame Identität herauszubilden.
Aber nicht nur im Bereich der Wirtschaft ist die Frage nach einer gemeinsamen europäischen Identität von zentraler Bedeutung. Auch im alltäglichen Leben wird es in Zukunft immer stärker zu einer Auseinandersetzung mit Europa kommen. Als ein weiterer Schritt dazu kann die europäische Währungsunion gewertet werden. Mit der Ablösung nationaler Währungen durch den Euro, wird es zu einer weiteren Angleichung zwischen den europäischen Staaten kommen. Für den Bürger bedeutet dies auf der einen Seite eine Erleichterung im zwischenstaatlichen Zahlungsverkehr, Wechselkurse entfallen und ein internationaler Preisvergleich wird erleichtert. Auf der anderen Seite verliert jeder Europäer einen Teil seiner Identität, war er doch durch die eigene Landeswährung von den Bürgern mit Nationalität abgegrenzt.
Die Medaille Europa hat seine zwei Seiten: einerseits kommt es durch die zunehmende Angleichung in den verschiedenen Bereichen, einhergehend mit einer zunehmenden Zentralisierung von Macht auf europäischer Ebene, zu einer Vereinfachung bzw. Erleichterung des täglichen Lebens. Andererseits gehen durch diese Vereinheitlichungen nationale Elemente verloren, die nationale Kultur weicht einer supranationalen Kultur. Die Frage wird sein, inwieweit ist jeder einzelne bereit, einen Teil seiner nationalen Identität zugunsten einer europäischen Identität aufzugeben. fraglich ist, welchen Weg Europa einschlagen wird. Folgende drei zentralen Möglichkeiten lassen sich als Antwort herauskristallisieren:
- Durch Europa entsteht eine neue Kultur (Entstehung) - Europa wird zu einer multikulturellen Gesellschaft (Vermischung) - In Europa existieren weiterhin eigene Kulturen, finden aber zu einem sich ergänzenden Nebeneinander (Schnittmenge) Die vorliegende Diplomarbeit will darauf eine Antwort finden. Ihr liegt dabei der folgende Aufbau zugrunde.
In Kapitel 2 wird die Entwicklung Europas zu einem Zentrum der Weltwirtschaft aufgezeigt. Dabei wird der Argumentation von JONES und WEEDE gefolgt. Ausgehend von geographischen und ökologischen Vorbedingungen (Kap. 2.1/2.2), die eine bestimmte Staatenbildung bzw. ein bestimmtes Staatensystem (Kap. 2.3) fördern, wird die Entstehung des modernen, kapitalistischen Europas erklärt. Gesondert wird auf die Rolle des Handels und das mit ihm verbundene Rechtssystems eingegangen (Kap. 2.4). Der Einfluß der Religion auf die Entstehung des modernen Kapitalismus wird in Kap. 2.5 anhand der von Max WEBER aufgestellten „Weberthese“ erläutert. In Kapitel 2.6 wird argumentiert, dass aus der Konkurrenzsituation der einzelnen Nationen innerhalb des europäischen Staatensystem heraus ein Klima für Innovationen entsteht. Abschnitt 2.7 analysiert die räumliche Schwerpunktbildung in Europa als eine langzeitliche Entwicklung.
Kapitel 3 legt den Fokus auf die verschiedenen kulturellen Ausprägungen in Europa. Zunächst wird Kultur als eine mentale Programmierung (Kap. 3.2) identifiziert, das heißt jeder Einzelne wird von Kindesbeinen an durch sein Umfeld mit einer bestimmten Kultur geprägt. Abschnitt 3.3 geht auf allgemeine kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Europa ein, bevor dann anhand des Konzeptes von HOFSTEDE vier Dimensionen von Kultur (Kap. 3.4) benannt und ihre jeweiligen länderspezifischen Unterschiede erläutert werden (Kap. 3.4.1 - 3.4.4).
In Kapitel 4 wird der Frage nachgegangen, ob es in Europa eine einheitliche europäische Identität gibt. Nach einer allgemeinen Einleitung (Kap. 4.1) wird zunächst der politische Identitätsbegriff erläutert (Kap. 4.2). Der genetische Identitätsbegriff (Kap. 4.3) zeigt anhand von vier Komponenten auf, wie sich Identitäten bilden können – durch äußere Abgrenzung (Kap. 4.3.1), innere Homogenisierung (Kap. 4.3.2), Inklusion (Kap. 4.3.3) oder den Ausgleich innerer Spannungen (Kap. 4.3.4).
Abschließend werden in Kapitel 5 die Argumentationsstränge wieder zusammen geführt. Ausgehend von den Wurzeln der westlichen Ethik (Kap. 5.1), über die Zukunft von Kulturunterschieden (Kap. 5.2) wird festgestellt, dass eine Einheit Europas nur in der Bewahrung und Pflege der Vielfalt liegen kann (Kap. 5.3).
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 1.1 | Aufbau | 6 |
| 2. | Die Entwicklung Europas | 7 |
| 2.1 | Geographie und Ökologie Europas | 10 |
| 2.2 | Katastrophen in Europa | 12 |
| 2.2.1 | geophysikalische und klimatische Katastrophen | 12 |
| 2.2.2 | biologische und soziale Katastrophen | 13 |
| 2.2.3 | Katastrophenschutz | 14 |
| 2.3 | Staatenbildung, Staatensystem und Verwaltung | 14 |
| 2.3.1 | Rivalität als Disziplinierungsinstrument | 16 |
| 2.3.2 | Aufbau öffentlicher Verwaltung | 16 |
| 2.4 | Die Rolle des Handels, Eigentum und Rechtssystem | 17 |
| 2.4.1 | Entwicklung des Fernhandels | 17 |
| 2.4.2 | Entstehung eines vorhersehbaren Rechtssystems | 18 |
| 2.5 | Religion, Kultur und Familiensystem | 19 |
| 2.5.1 | Die Weberthese – Der Einfluss von Religion auf die wirtschaftliche Entwicklung | 19 |
| 2.5.2 | Die europäische Familie | 23 |
| 2.6 | Innovation durch Konkurrenz und Rivalität | 23 |
| 2.6.1 | Wissensdiffusion durch Flüchtlinge | 25 |
| 2.7 | Schwerpunktbildung in Europa | 26 |
| 3. | Kultur | 29 |
| 3.1 | Einleitung | 29 |
| 3.2 | Kultur als mentale Programmierung | 31 |
| 3.2.1 | Manifestationen von Kultur | 32 |
| 3.2.2 | Kulturebenen | 34 |
| 3.3 | Kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede | 34 |
| 3.4 | Die vier Kulturdimensionen | 40 |
| 3.4.1 | Machtdistanz | 41 |
| 3.4.2 | Kollektivismus vs. Individualismus | 44 |
| 3.4.3 | Maskulinität vs. Femininität | 46 |
| 3.4.4 | Unsicherheitsvermeidung | 49 |
| 4. | Identität | 51 |
| 4.1 | Einleitung | 51 |
| 4.2 | Der politische Identitätsbegriff | 52 |
| 4.3 | Der genetische Identitätsbegriff | 53 |
| 4.3.1 | Identitätsbildung durch äußere Abgrenzung und Konfliktaustragung | 53 |
| 4.3.2 | Identitätsbildung durch innere Homogenisierung | 54 |
| 4.3.3 | Identitätsbildung durch Inklusion (innere Kolonialisierung) | 56 |
| 4.3.4 | Identitätsbildung durch Ausgleich innerer Spannungen | 57 |
| 5. | Schlussfolgerungen | 59 |
| 5.1 | Die Wurzeln der westlichen Ethik | 60 |
| 5.2 | Die Zukunft von Kulturunterschieden | 61 |
| 5.3 | Einheit durch Vielfalt | 62 |
| Literaturverzeichnis | 64 |
nächste Saat- bzw. Ernteperiode) ließ die Kerngebiete zu relativ wohlhabenden Zonen aufsteigen. Durch natürliche Grenzen, wie unwegsames Gelände, Wälder, Sümpfe, Gebirgsketten sowie Flüsse waren die Kerngebiete von einander getrennt, obwohl sie relativ dicht beieinander lagen. Kurze Distanzen zwischen den verschiedenen Kernregionen konnten nur mit großen Anstrengungen überwunden werden. Hinzu kamen sprachliche und ethnische Grenzen, die bis in die Zeit früher Stammeswanderungen sowie der Anfänge der Siedlungsgeschichte zurückreichen. Europa bestand „aus einer Reihe von bevölkerten Inseln in einem Meer von Wald und Heide“ (ebd.: S. 123). Diese Inseln waren das Fundament auf welchem die herrschenden Familien ihre politische Zukunft bauten, Vermögen und Macht stiegen mit der Zeit. Durch die Akkumulation von Macht wurden Expansionsimpulse erzeugt, welche dazu führten, daß sich die Inseln vergrößerten und damit die Kerngebiete zu Staaten und später zu Nationalstaaten anwuchsen. So begannen um 900 n. Chr. die ersten Staaten zu entstehen, im 14. Jahrhundert gab es rund tausend selbständige Gemeinwesen. [...]
Europa war und ist gekennzeichnet durch ein stabiles System rivalisierender, miteinander in Konkurrenz stehender Staaten. Das es nicht zu der Herausbildung eines einzigen, großen europäischen Staates kam, erklärt Jones aus den regionalen geographischen Besonderheiten: „Grundtatsache und Voraussetzung des Systems war die Streuung der Regionen mit einem hohen agrarischen Nutzungspotential über einen Kontinent von Ödland und Wald“ (JONES, 1991: S. 122). Die Besiedlung der Kernregionen läßt sich zurückverfolgen bis zu den Ackerbau- und Jägerkulturen um 3000 v. Chr. Die Siedlungsdichte war hier bedeutend höher als in anderen Regionen. Leichter zu erwirtschaftende Überschüsse der Nahrungsmittelproduktion in der Agrarwirtschaft (z.B. in Form von Bevorratung von Saatgut für die [...]
Eine Besonderheit Europas waren die schon sehr früh staatlich angeordneten und von staatlichen Einrichtungen durchgeführten Maßnahmen zur Katastrophenbewältigung. Schon im Mittelalter wurde der Deichbau vorangetrieben, um Überschwemmungen zu verhindern. Hinzu kamen die schon genannten Brandschutzmaßnahmen sowie Maßnahmen zur Verhinderung bzw. Eindämmung von Tierseuchen und Epidemien. In der Vielfalt seiner Maßnahmen zur Katastrophenbekämpfung überrundete Europa Asien und die übrige Welt (JONES, 1991: S. XVI). Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß Europa insgesamt geringere Verluste durch Katastrophen erlitt als Asien. In Europa waren im Unterschied zu Asien die Arbeitskräfte stärker von Katastrophen betroffen als die Kapitalgüter. Erstere waren in der Regel schneller und leichter wieder ersetzbar, so daß nach einer großen Katastrophe die Wirtschaft ihre volle Leistungskraft wiedererlangte. „Weil europäische Kriege und Katastrophen häufig mehr Menschen als Kapital vernichteten, waren hinterher die wirtschaftlichen Erholungschancen besser als in Asien, wo Mensch und Kapital meist gleichermaßen dezimiert wurden“ (WEEDE, 1988: S. 176). Das Kapitalisierungspotential war in Europa wesentlich höher als in Asien. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832478506
Arbeit zitieren:
Vogel, Oliver Juni 1999: Europa – Einheit durch Vielfalt?, Hamburg: Diplomica Verlag
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Sozialwissenschaft, Kulturraum, Wirtschaftsgeographie, Globalisierung, Integration



