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Ethnische Konflikte im Transkaukasus

Ursachen - Lösungsstrategien - wirtschaftliche Entwicklungschancen

Ethnische Konflikte im Transkaukasus
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Rupert Stöger
  • Abgabedatum: September 1996
  • Umfang: 150 Seiten
  • Dateigröße: 9,3 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0220-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0220-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0220-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stöger, Rupert September 1996: Ethnische Konflikte im Transkaukasus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Erdöl, ethnische Konflikte, Kaukasus, Politisches System, Wirtschaftsentwicklung

Magisterarbeit von Rupert Stöger

Einleitung:

Innerstaatliche, kriegsähnliche Auseinandersetzungen lassen sich nach Gantzel/Siegelberg grundsätzlich in zwei Arten gliedern: Zum einen in die sogenannten Anti-Regimekriege, die meist einen Befreiungskampf von einer Kolonialmacht darstellen, und zum anderen in die Seperations- bzw. Autonomiekriege. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit der letztgenannten Form, also mit ethnisch strukturierten Konflikten im Transkaukasus, die zu Separations- bzw. Autonomiebestrebungen führen und schließlich in gewalttätigen Auseinandersetzungen eskalieren.

Die wachsende Zahl ethnisch strukturierter Konflikte auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion lassen wissenschaftliche Fragen nach dem Wesen dieser Konfliktart, den Ursachen- und Wirkungszusammenhängen, den Konfliktparteien, den eskalationsbefördernden Mechanismen und schließlich den deeskalierenden und konfliktlösenden Antworten um so brennender erscheinen. Nur wenn analytische Klarheit darüber herrscht, welche Interessen, Ziele und Mittel aufeinandertreffen und angeblich unvereinbar sind, kann der Diskurs über einen gerechten Ausgleich und Lösungsvorschläge beginnen. Es gilt allerdings zu beachten, daß es hierbei als Grundlage zuerst einer eindeutigen Klärung der Genese ethnisch strukturierter Konflikte bedarf. Sollten diese wirklich in ethnischen Unterschieden ihren tieferen Ursprung haben, werden jegliche Lösungsansätze zur Wirkungslosigkeit verdammt, da die Auseinandersetzungen immer wieder aufbrechen werden bis zum absoluten und dauerhaften Sieg einer Partei.

Gerade die Konflikte um Berg Karabach sowie um Abchasien bieten sich als Fallbeispiele an, da ihr Inhalt, das Verhalten der Eliten, der Konfliktverlauf und die Rolle äußerer Mächte als typisch für ähnlich gelagerte Spannungen im Transkaukasus herangezogen werden können und daher eine geeignete Grundlage für mögliche Lösungsansätze bieten. Die Behandlung gemeinsamer Ursachen unter Punkt 5.2. werden ihre Beispielfunktion unterstreichen. Daneben riefen diese beiden Fälle das meiste internationale Echo hervor, sind von großer regionalpolitischer Bedeutung und führten zu den schwerwiegendsten Belastungen für die jungen Republiken.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit gliedert sich in sechs Kapitel. Steht zunächst die theoretische Behandlung der Frage nach den Hintergründen und Eskalationsursachen ethnisch strukturierter Konflikte im Mittelpunkt, wird im Punkt 3 auf die historischen und politischen Entwicklungen im Transkaukasus eingegangen, die zur heutigen Herrschaftssituation führten. Da die Identitäten und Forderungen der Ethnien auf die Geschichte bezogen sind, ist eine Darstellung der wichtigsten Ereignisse nötig, um die Argumentation der Parteien nachvollziehen zu können. Doch ist es an dieser Stelle in Anbetracht der Problemstellung nicht erforderlich, auf alle ethnischen Gruppen des Transkaukasus einzugehen und einen erschöpfenden Abriß über ihre Geschichte zu leisten. Die Ausführungen sollen vielmehr einen möglichst runden Gesamtüberblick über die heterogene ethnische Situation und die aktuelle politische Lage geben, als essentiellen Informationsrahmen für die ausgewählten Fallbeispiele und Grundlage möglicher Lösungen.

Dafür gibt der Anhang im Anschluß an diese Arbeit einen Überblick über alle ethnischen Gruppen des gesamten Kaukasus bezüglich ihrer Hauptsiedlungsgebiete, ihrer Religion sowie Sprache und ihrer Größe. Da die Auseinandersetzungen nicht isoliert ablaufen, werden unter Gliederungspunkt 4 die Bedeutung und Interessen der wichtigsten Mächte für diese Region untersucht.

In Abschnitt 5 werden die Fallbeispiele sowohl in ihrem Verlauf dargestellt, als auch nach ihren spezifischen Hintergründen untersucht. Zur besseren Herausstellung der Unterschiede lehne ich mich an eine Typologie von Uwe Halbach an, der nach interethnischen und interrepublikanischen Gebietskonflikten sowie nach Autonomiekonflikten innerhalb einer Republik unterscheidet. In diesem Teil steht nicht die vollständige historische Genese im Mittelpunkt, sondern es sollen die aktuelle Konfliktentwicklung und die Ursachen, unter Berücksichtigung der wichtigsten historischen Komponenten, betrachtet werden. Untersucht man eine komplizierte soziale Erscheinung wie sie der Karabach Konflikt und die Auseinandersetzungen um Abchasien darstellen, können durch die zahlreichen Zusammenhänge, die sich über einen langen Zeitraum erstrecken, keine Angaben über primäre Problemkomplexe gegeben werden. Je nach Standpunkt des Betrachters können verschiedene Ausgangspunkte gewählt werden. Ein zu globales Herangehen birgt die Gefahr in sich, an die Stelle der Analyse ein universales Schema zu stellen und letztendlich zu der pessimistischen Schlußfolgerung zu kommen, die Region sei schon immer Schauplatz von Konflikten gewesen. Die Auseinandersetzungen müssen dann ihrem Schicksal überlassen werden, und eine Lösung erscheint unmöglich. Daher konzentriere ich mich in der Analyse der Entstehung der Konflikte nur auf die Faktoren, die auch in der Gegenwart noch aktuell sind. Eine Untersuchung im Rahmen der Geschichte der UdSSR, unter Berücksichtigung der wichtigsten historischen Ereignisse, verfügt demnach über die größte Erklärungskraft. In Unterpunkt 2 dieses Abschnitts werden die Konfliktursachen zusammengefügt, Gemeinsamkeiten herausgestellt und der Frage nachgegangen, warum sich die Prozesse der nationalen Bewegungen von der größten Antriebskraft zum hartnäckigsten Hindernis der demokratischen Umgestaltung wandelten. Dabei ist zu beachten, daß die meisten Ursachen auch Folgen sind. Die gemeisamen Hintergründe der Auseinandersetzungen sollen nicht nur die Spannungen zu erklären versuchen, sondern auch die Auslöser der gewalttätigen Eskalation näher durchleuchten.

In dem Versuch auf dieser Grundlage in Punkt 6 Lösungskonzepte herauszuarbeiten, gilt mein Interesse den Strategien, die nachhaltig die Konfliktgründe bekämpfen und auf eine Versöhnung der ethnischen Gruppen abzielen. Dabei gehe ich sowohl auf innerstaatliche, als auch länderübergreifende Ansätze ein.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 1
1. Einleitung 2
1.1 Zum Thema 2
1.2 Fragestellung und Vorgehensweise 3
1.3 Zum Stand der Forschung 5
2. Zur Entstehung ethnisch strukturierter Konflikte 6
2.1 Theoretische Erörterung von Ethnizität 6
2.1.1 Zum Stand der Theorie 6
2.1.2 Ethnizität als menschliche Urbindung oder Produkt der Moderne? 7
2.1.3 Begriffsbestimmungen 8
2.1.4 Ethnizität und Nationalismus 13
2.2 Die Rolle der Eliten 18
2.3 Zur Dynamik ethnisch strukturierter Konflikte 20
3. Der Transkaukasus als Erbe der Sowjetunion 22
3.1 Die Herausbildung wichtiger kulturgeographischer Merkmale im historischen Prozeß 22
3.2 Die multiethnische Stratifikation 24
3.3 Die Rolle der sowjetischen Territorialgliederung und die Auswirkungen der Nationalitätenpolitik 27
3.4 Die Entwicklung zu den aktuellen Herrschaftssystemen der transkaukasischen Staaten als innerer Konfliktrahmen 36
3.4.1 Armenien 36
3.4.2 Aserbaidschan 37
3.4.3 Georgien 39
3.4.4 Die Bedeutung demokratischer Institutionen in den transkaukasischen Republiken 42
4. Die regionale und internationale Interessenkonstellation als äußeres Bedingungsfeld 45
4.1 Die rußländische Transkaukasuspolitik . 46
4.2 Die Interessen der Regionalmächte Türkei und Iran 52
4.3 Der Energiereichtum der Region als Bühne internationaler Interessen 57
5. Konflikttheoretische Einordnung der ethnisch strukturierten Konflikte 61
5.1 Konfliktinhalte und -parteien ausgewählter Fallbeispiele 61
5.1.1 Der Berg Karabach Konflikt als interethnischer und interrepublikanischer Gebietskonflikt 61
5.1.1.1 Die Eskalation bis zur aktuellen Konstellation 61
5.1.1.2 Konflikthintergründe 69
5.1.2 Die Auseinandersetzungen zwischen Georgien und Abchasien als Autonomiekonflikt innerhalb einer Republik 72
5.1.2.1 Die Eskalation bis zur aktuellen Konstellation 72
5.1.2.2 Konflikthintergründe 82
5.2 Gemeinsame Konfliktursachen 85
5.2.1 Politische Komponente 86
5.2.2 Ökonomische Komponente 88
5.2.3 Soziale und historische Komponente 89
5.2.4 Fazit 91
6. Strategien zur Überwindung ethnisch strukturierter Konflikte 93
6.1 Innerstaatliche Ansätze 94
6.1.1 Minderheitenschutz und die Chance der Demokratie in ethnisch heterogenen Gesellschaften 94
6.1.2 Das Selbstbestimmungsrecht der Völker innerhalb bestehender Staaten 98
6.2. Regionale Kooperation und Integration zur Sicherung der wirtschaftlichen Entwicklung 103
6.3 Ethnisch strukturierte Konflikte als Herausforderung an das internationale Krisenmanagement 112
7. Schlußbemerkung 117
Literaturverzeichnis 118
Anhang

Arbeit zitieren:
Stöger, Rupert September 1996: Ethnische Konflikte im Transkaukasus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Erdöl, ethnische Konflikte, Kaukasus, Politisches System, Wirtschaftsentwicklung

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