Die Erzeugung von Flow-Erlebnissen in elektronischen Medien
Eine Analyse des Nutzerverhaltens mit Hilfe des Flow-Konstrukts am Beispiel des World Wide Web
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Astrid Peter
- Abgabedatum: Juni 2003
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 1,9 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Darmstadt Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7109-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7109-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7109-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Peter, Astrid Juni 2003: Die Erzeugung von Flow-Erlebnissen in elektronischen Medien, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Web-Design, Usability, Kognitionspsychologie, Unternehmenspsychologie, Nutzerverhalten
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Diplomarbeit von Astrid Peter
Zusammenfassung:
Die Flow-Theorie bietet möglicherweise einen zusätzlichen Ansatz zur Analyse des Nutzungs- und Informationsverhaltens im Internet, da diese Theorie auf den Motiven und Bedürfnissen der Konsumenten basiert und somit grundlegende Ursache-Wirkungsketten betrachtet. Die Marketing-Forschung hat zunehmendes Interesse an der Erforschung dieser „weichen“ Faktoren gezeigt, da sie scheinbar ein weiteres Potential der stärkeren Kundenbindung und Personalisierung für die Unternehmenswertschöpfung darstellen.
Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie Medienangebote gestaltet werden können, dass Flow-Erlebnisse bei den Nutzern entstehen können. Ziel ist es, durch die Erzeugung von Flow-Erlebnissen eine vermehrte und intensivere Nutzung der Informations- und Dienstleistungsangebote in elektronischen Medien herbeizuführen.
Das Internet wird hierzu durch seine mittlerweile hohe Verbreitung und seinen interaktiven Charakter beispielhaft herangezogen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind trotzdem medienübergreifend zu verstehen.
Meistens wurde in der Vergangenheit das Flow-Erlebnis im Allgemeinen auf das WWW, und nicht auf bestimmte Medienangebote hin untersucht. Die vorliegende Arbeit stützt sich auf zwei zum Erstellungszeitpunkt bekannte empirische Forschungen zum Thema Flow-Konstrukt auf einzelnen Websites.
Für die theoretische Auseinandersetzung in der vorliegenden Arbeit liefert die Flow-Theorie von Mihaly Csikszentmihalyi den Bezugsrahmen. Neben der Flow-Theorie werden zur Klärung der Fragestellung die Usability ISO Norm, ausschnittsweise kognitiv-psychologische Grundlagen, Hypertextgrundlagen und die in den betrachteten Untersuchungen verwendeten kausalanalytische Messverfahren herangezogen.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Themenfeld dieser Arbeit | 1 |
| 1.2 | Fragestellung dieser Arbeit | 3 |
| II. | Untersuchungsgegenstand World Wide Web | 4 |
| 2.1 | Die Bedeutung der Website als Instrument der Marktkommunikation | 4 |
| 2.2 | Die Erfassung des Nutzerverhaltens im WWW | 7 |
| 2.3 | Potentiale für die Kommunikation des Unternehmensimage | 9 |
| 2.4 | WWW-Angebote auf dem Prüfstand | 11 |
| 2.5 | Herausforderungen für WWW-Angebote | 14 |
| 2.6 | Abgrenzung des WWW zu anderen elektronischen Medien | 15 |
| 2.7 | Zusammenfassung von Kapitel II | 17 |
| III. | Theoretische Grundlagen | 18 |
| 3.1 | Usability als Erfolgsfaktor für WWW-Angebote?! | 18 |
| 3.1.1 | Richtige Technik als Voraussetzung für Usability | 20 |
| 3.2 | Die Flow-Theorie von Mihaly Csikszentmihalyi | 22 |
| 3.2.1 | Merkmale für Flow-Erlebnisse | 24 |
| 3.2.2 | Bedingungen für Flow-Erlebnisse | 26 |
| 3.2.3 | Untersuchungen hinsichtlich Flow Erlebnissen | 28 |
| 3.3 | Prozess der Informationssuche im Hypertextsystem | 29 |
| 3.3.1 | Kognitionspsychologische Grundlagen: Mentale Modelle | 31 |
| 3.3.2 | Einfluss von Linktypen auf das Nutzerverhalten | 33 |
| 3.3.3 | Einfluss von Stimmungen auf die Informationsverarbeitung | 36 |
| 3.4 | Zusammenfassung von Kapitel III | 40 |
| IV. | Flow als Determinante des Nutzerverhaltens im WWW | 42 |
| 4.1 | Flow bei der Nutzung von WWW-Angeboten: exploratives Verhalten | 42 |
| 4.1.1 | Positive Stimmung im WWW | 43 |
| 4.1.2 | Ausgewogenheit von Fähigkeiten und Herausforderungen im WWW | 43 |
| 4.1.3 | Navigation, Interaktion, Lernprozess und Flow | 44 |
| 4.1.4 | Mögliche Flow-Störfaktoren im WWW | 45 |
| 4.2 | Die Rolle von Flow im Web-Design | 46 |
| 4.2.1 | Orientierungshilfen für eine flow-fördernde Gestaltung | 46 |
| 4.2.2 | Ein Interview mit Mihaly Csikszentmihalyi | 48 |
| 4.2.3 | Modell für Flow bei der Nutzung einer Website | 49 |
| 4.3 | Die Messung von Flow-Erlebnissen | 50 |
| 4.3.1 | Die Experience Sample Method (ESM) nach Csikszentmihalyi | 50 |
| 4.3.2 | Kritik an der ESM | 51 |
| 4.3.3 | Verbesserungsmöglichkeiten der Flow-Messung | 52 |
| 4.3.4 | Die Messung komplexer psychologischer Konstrukte | 53 |
| 4.3.5 | Generalisierbarkeit von WWW-Umfragen | 53 |
| 4.3.6 | Beurteilung von Kausalanalysen | 54 |
| 4.4 | Zusammenfassung von Kapitel IV | 56 |
| V. | Flow-Studien über einzelne Websites | 57 |
| 5.1 | Flow-Erlebnisse auf der Website einer Konzertagentur | 57 |
| 5.1.1 | Struktur der Website IN CONCERT | 58 |
| 5.1.2 | Die Hypothesen | 58 |
| 5.1.3 | Die Konzeptionierung des Flow-Konstruktes | 61 |
| 5.1.4 | Indikatoren für Flow | 62 |
| 5.1.5 | Untersuchungsergebnisse | 65 |
| 5.1.6 | Diskussion zur Vorgehensweise | 66 |
| 5.2 | Flow Erlebnisse auf der Website eines Luftfahrtunternehmens | 68 |
| 5.2.1 | Struktur der Website InfoFlyway | 68 |
| 5.2.2 | Die Konzeptionierung des Flow-Konstruktes | 69 |
| 5.1.4 | Indikatoren für Flow | 62 |
| 5.1.5 | Untersuchungsergebnisse | 65 |
| 5.1.6 | Diskussion zur Vorgehensweise | 66 |
| 5.2 | Flow Erlebnisse auf der Website eines Luftfahrtunternehmens | 68 |
| 5.2.1 | Struktur der Website InfoFlyway | 68 |
| 5.2.2 | Die Konzeptionierung des Flow-Konstruktes | 69 |
| 5.2.3 | Die Hypothesen | 70 |
| 5.2.4 | Untersuchungsergebnisse | 72 |
| 5.2.5 | Fazit der Untersuchung auf der Website InfoFlyway | 73 |
| 5.3 | Zusammenfassung und Diskussion von Kapitel V | 75 |
| VI. | Beispiel für ein flow-förderndes Internetunternehmen | 76 |
| 6.1 | Das Unternehmen Amazon | 76 |
| 6.2 | Amazon.de Website Features | 77 |
| 6.2.1 | Flow-fördernde Web-Site Features von Amazon | 77 |
| 6.2.2 | Flow-fördernde Navigationselemente | 79 |
| 6.2.3 | Tiefergehende, flow-fördernde Navigationsstrukturen | 81 |
| 6.2.4 | Serviceleistungen von Amazon | 82 |
| 6.2.5 | Sonstige Leistungen | 83 |
| 6.3 | Zusammenfassung von Kapitel VI | 84 |
| VII. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 85 |
| VIII. | Literatur- und Quellenverzeichnis | 88 |
| IX. | Anhang | 94 |
| 9.1 | Online-Quellen zum Thema Usability | 94 |
| 9.2 | Kausalanalyse: das lineare Strukturgleichungsmodell | 94 |
| 9.3 | Untersuchung IN CONCERT: Ergebnisse der Analyse | 96 |
| 9.4 | Untersuchung InfoFlyway: Ergebnisse der Analyse | 98 |
Beim Erkunden des WWW sind innerhalb kürzester Zeitspannen große Informationsmengen zu bewältigen und sehr viele Entscheidungen zu treffen. Dies macht nicht nur den einzigartigen Reiz des Surfens aus, es unterscheidet das WWW auch von allen anderen elektronischen Medien, vor allem vom Radio und Fernsehen. Jeder Mausklick, jede neue Website die erreicht wird, eröffnet neue Alternativen und kann die Situation, in der sich ein Benutzer befindet, völlig verändern. Dies ist eine sehr anspruchsvolle, aber eben auch eine sehr interessante Aufgabe mit hohem Potential für Flow-Erzeugung. Andererseits gibt es Störfaktoren, die das spielerische, explorative Erkunden im WWW unterbrechen und jeden Flow sofort im Keim ersticken können. Der Kommunikationsdesigner Dr. Thomas Wirth beschreibt Flow-Störungen folgendermaßen: [...]
Das bedeutet, dass die Personen im Vorfeld die Wahrscheinlichkeit einschätzen müssen, ob der ausgewählte Link zur gesuchten Information führt. Dieser aufwändige kognitive Prozess, der im Kopf erst mental konstruiert werden muss, wird als Bildung eines probabilistisch mentalen Modells bezeichnet. Mentale Modelle finden sich in der Bildung von Analogien und Schemata wieder, die eine Überlastung des menschlichen Gehirns verhindern Die Erstellung der Navigationslinks erfordert demzufolge vom Autor, dass er die komplexen Strukturen in eine für den Nutzer nachvollziehbare Abfolge ordnen muss. Die Websitestruktur muss in Teilen mit dem Vorstellungsvermögen des Nutzers kompatibel sein. Dazu stehen drei Linktypen zur Verfügung: 1. die Navigations-Relation, welche stets auf allen Seiten eines Auftritts eingeblendet ist, 2. die assoziative Navigationsrelation, die meist durch unterstrichene Worte innerhalb des Textdokumentes repräsentiert wird und 3. die hierarchischen Navigation, die meistens den Ober- und Unterbegriffsrelationen folgt. Es kann angenommen werden, weil probabilistisch mentale Modelle die Linkselektion steuern, haben hierarchische Links eine größere Auswahlchance. Die Navigationsrelation steigert die Effizienz der Informationssuche, während assoziative Links die Informationssuche erschweren, sich aber positiv auf Flow auswirken. Es kann aufgrund der Kognitionspsychologie weiterhin die Annahme getroffen werden, dass die beste Linkstruktur für eine Website diejenige ist, welche alle der drei oben genannten Navigations-Relationen beinhaltet. Ein hierarchischer Aufbau auf einer Website für die Informationssuche förderlich, um ein adäquates mentales Modell zu entwickeln, anhand dessen die Linkselektion erfolgen kann. Für das Zustandekommen von Flow-Erlebnissen ist der hierarchische Aufbau ebenfalls nötig, da sie den Nutzer überhaupt erst in die Lage versetzen die Informationssuche zu bewältigen. Assoziative Links folgen nicht dem Prinzip der Ober- und Unterbegriffsrelation, was bedeutet, dass assoziative Links die Informationssuche erschweren, aber als hervorgehobene Navigationselemente die Aufmerksamkeit des Nutzers auf sich ziehen und dadurch die situationalen Handlungsanforderungen steigern. Die kognitiv-psychologischen Theorien hinsichtlich der Wechselwirkungen von Stimmungen zeigen, dass Personen in guter Stimmung weniger gerne auf aufwändige Verarbeitungsprozesse zurückgreifen. Allerdings gehen diese Rückgriffe auf solche Heuristiken zurück, wenn die Personen nur genügend Zeit zur Verfügung haben. Für die Nutzung des Internets könnte hier durchaus an das Kosten = Zeit Prinzip im WWW gedacht werden. Personen in schlechter Stimmung dagegen suchen gerade solche Situationen auf, die durch kognitive Anforderungen gekennzeichnet sind, um einen positiven Zustand zu erreichen. Die Erzeugung von Flow könnte demnach Personen, die sich in schlechter Stimmung befinden, in einen guten Stimmungszustand versetzen. [...]
Das WWW bietet eine Fülle von Informationen, jedoch führt der komplexe Hypertext-Charakter des Internets dazu, dass oftmals die gesuchten Informationen nicht gefunden oder nicht optimal genutzt werden können. Als Voraussetzung für die optimale Nutzung elektronischer Medien wird deren Benutzerfreundlichkeit angesehen. Dabei spielt u.a. der richtige Technikeinsatz wegen der verschiedenen Plattformen der Nutzer eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die in letzter Zeit entstandenen Usability-Richtlinien können allerdings nicht alle Anforderungen an einen erfolgreichen Internetauftritt erfüllen, da eine „All-in-one-Lösung“ wegen der unterschiedlichen Ziele der Website Betreiber und Besucher nicht ausreichend zu sein scheint. Insbesondere betrifft dies die unterschiedlichen Bedürfnissen und Stimmungen der potentiellen Nutzer im Zuge der stärker gewünschten individualisierten Kundenansprache und Werbung. Es kann daher bei der Beurteilung der Websiteangebote durch Usability-Experten eine gewisse „Betriebsblindheit“ unterstellt werden. Die Flow-Theorie von Mihaly Csikszentmihalyi wird in jüngster Zeit verstärkt als Motivationstheorie zur Konsumentenforschung herangezogen und kann somit zur optimalen Gestaltung von Internetauftritten beitragen. Aus der Flow-Theorie geht hervor, dass die Handelnden bei einem Flow-Erlebnis ihre Tätigkeit als angenehm empfinden, in ihrer Tätigkeit aufgehen, die Umgebung nur eingeschränkt wahrnehmen und dadurch das Zeitgefühl verlieren. Ein Indiz für Flow liegt in der Beobachtung eines besonders lang anhaltenden und intensiven Aktionsprozesses vor. Als weitere Konsequenz von Flow gelten eine positive Stimmungslage, gesteigertes Lernen und der subjektive Eindruck von Kontrolle während einer Aktivität. Für die Entstehung von Flow müssen allerdings bestimmte Bedingungen vorherrschen. Die Fähigkeiten des Nutzers müssen im Einklang mit den an ihn gestellten Anforderungen liegen. Mehr noch: sie müssen sich auf einem ansteigenden Niveau befinden, sonst entsteht Langeweile. Umgekehrt verhält es sich, wenn die Anforderungen zur Bewältigung der Aufgabe zu hoch sind und dadurch Angst entsteht. Das ursprüngliche Informationsbedürfnis eines Nutzers imWWW kann während einer Flow-Phase in den Hintergrund treten. Dies wird als exploratives Verhalten bezeichnet, das sich durch erhöhte Seitenaufrufe und längere Verweildauer auf den Webseiten äußert. Die Informationssuche im WWW wird jedoch als Auslösebedingung für das Aufsuchen einer Website im WWW und somit als Vorbedingung für das Entstehen von Flow angesehen. Der Prozess der Informationssuche in elektronischen Medien wird daher als Problemlösungsprozess verstanden. Da in der Regel das genaue Ziel der gesuchten Site im WWW unbekannt ist, beschränkt sich der Vorgang der Suche meist auf das Auswählen geeigneter Links. [...]
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Arbeit zitieren:
Peter, Astrid Juni 2003: Die Erzeugung von Flow-Erlebnissen in elektronischen Medien, Hamburg: Diplomica Verlag
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Web-Design, Usability, Kognitionspsychologie, Unternehmenspsychologie, Nutzerverhalten



