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Erzählverfahren im Montage-Film von Alexander Kluge

Am Beispiel von "Die Macht der Gefühle"

Erzählverfahren im Montage-Film von Alexander Kluge
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Lutz Nitsche
  • Abgabedatum: September 1996
  • Umfang: 136 Seiten
  • Dateigröße: 9,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Eberhard Karls Universität Tübingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-0022-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-0022-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-0022-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Nitsche, Lutz September 1996: Erzählverfahren im Montage-Film von Alexander Kluge, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Alexander Kluge, Erzähltheorie, Filmisches Erzählen, Oper, Theorie der Gefühle

Magisterarbeit von Lutz Nitsche

Zusammenfassung:

Obwohl Spielfilme seit geraumer Zeit ein dominantes Medium der Vermittlung von literarischen Stoffen darstellen, sind systematische Untersuchungen zum Problem der Erzählverfahren von Seiten der Literatur- wie auch der Filmwissenschaft kaum angestellt worden. In der Tat stellt sich ein Zuständigkeitsproblem insofern, als im Spielfilm das geschriebene Wort als narrativer Code um die audiovisuellen Codes des Filmbildes erweitert werden. Das hat maßgebliche Auswirkungen auf die Organisation des Materials, die Bedingungen der Rezeption wie auch auf die Möglichkeiten seiner intentionalen Gestaltung durch den Autor, bzw. Regisseur. Der erste Teil der Arbeit untersucht auf Grundlage der narratologischen Positionen Hayden Whites und Gerard Genettes die Parameter der literarischen Erzählens, um - mit David Bordwell - diese anschließend auf ihre Gültigkeit für das filmische Erzählen zu prüfen.

Am filmischen Oeuvre von Alexander Kluge werden die theoretischen Überlegungen erprobt, wobei sich unter Berufung auf Bordwells Kategorie des Art Cinema zeigt, daß bei Kluges Montage-Filmen zusätzlich das Moment der Intertextualität als wichtiges Konstitutionsmerkmal der Filme berücksichtigt werden muß. Es stellt sich die Frage, ob mit der von Kluge ästhetisch begründeten assoziativen Montage die narrative Organisation des Stoffes einen Grenzwert erreicht, nach dessen Überschreitung eine Kohärenzbildung kaum länger möglich wäre.

In graduellem Unterschied zu früheren Spielfilme von Kluge ergibt sich in Die Macht der Gefühle (1982) der Befund einer sukzessiven Reduktion der narrativen Strukturierung. An die Stelle einer Geschichte - im Sinne eines kohärenten Handlungsverlaufs - tritt die achronologische, assoziative Montage von Bild-, Ton- und Sprachelementen, die nurmehr eine thematische Bindung erfahren. Das Gravitationsfeld dieser offenen Montage wird bestimmt durch das Thema Gefühle, exemplifiziert an der dramaturgischen Instrumentalisierung von Gefühlsklischees in der Oper des 19. und im Film des 20. Jahrhunderts. Ohne eine Theorie der Gefühle zu entwickeln, deutet der Film auf die politische Dimension kollektiver Gefühlshaushalte u.a. in Propagandafilmen des 3. Reiches hin. Dabei folgt die heterogene Montage einer gezielt antiaristotelischen Dramaturgie.

Resümierend zeigt sich, daß im Falle dieses komplexen Montage-Filmes eine sinnvolle Integration der Elemente in einen narrativen oder auch nur thematischen Horizont ohne Zuhilfenahme der von Kluge eigens publizierten Filmbücher kaum erfolgen kann. In gewisser Weise handelt es sich bei dem Konzept einer assoziativen Montage um eine kalkulierte Überforderung des Zuschauers mit dem Ziel, Wahrnehmungskonventionen zu hinterfragen und eine. engagierte Rezeptionsweise zu provozieren. Erzählen findet in diesem Film Kluges nur mehr rudimentär statt. Der Zuschauer wird zu der Instanz, die entweder subjektiven Sinn zu stiften vermag oder aber den Film in seiner, wie Kluge formuliert, Rauhheit beläßt.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung
1. Die Macht der Gefühle - Erzählfilm oder Montage-Film? 5
2. "Erzählen" in der Literatur 6
2.1. Erzählen als universeller Metacode 6
2.2. Kommunikationsniveaus des Erzähltextes nach Kahrmann / Reiß / Schluchter 9
2.3. Geschehen, Geschichte und Text der Geschichte nach Karlheinz Stierle 11
2.4. "Zeit" als dominanter Parameter des Erzähltextes nach Gerard Genette 12
3. Erzählen im Film 13
3.1. Eigenschaften des filmischen Codes 13
3.2. Dominanz des Raumes 17
3.3. Denotation und Konnotation im Film 17
3.4. Das Problem der Erzählinstanz im Film 19
3.5. Der rezeptionsästhetische Ansatz von David Bordwell 20
3.6. Intertextualität 23
3.7. Narrativität im Film als graduelles Phänomen 26
4. "Das Verlassen der Gartenwege"- Erzählen in Filmen von Alexander Kluge 28
4.1. Auswahl und Kontext der Filme 28
4.1.1. Die Filmbücher 28
4.1.2. Die werkimmanente Intertextualität im Oeuvre Alexander Kluges 29
4.2. "Abschied von gestern" 31
4.3. "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" 32
4.4. "Die Patriotin" 34
4.5. Die narrative Struktur der Filme, Zum Verhältnis von Fabel und Thema 36
II. Werkanalyse des Films „Die Macht der Gefühle“
1. Einleitung zur Werkanalyse 40
1.1. Entstehung und Titel 40
1.2. Synopsis des Films"Die Macht der Gefühle 41
1.3 "lntolerance" als Prätext und strukturelles Vorbild 45
2. Vorspann und erste Sequenz als Exposition des Films 43
2.1. Der Vorspann als externe Exposition 46
2.1.1. Das Motiv der Stadt 47
2.1.2. Der Zeitraffer 49
2.1.3. Das Motiv des Erwachens 50
2.2. "Im V. Akt" - Die erste Sequenz als interne Exposition 50
2.2.1. Der Stummfilm-Charakter der Kriegsszenen am Anfang des Films 53
2.2.2. Kreisblenden und Farbfilter 54
2.2.3. Trauerfeier 55
2.2.4. "Stuka" und "Morgenrot" 56
2.2.5. "Rigoletto" 57
2.2.6. Interview mit dem Kammersänger B 58
2.2.7. Blaue Stunde und Schiffsuntergang 60
2.3. Intertextualität in der Exposition und die Bedingungen ihrer Dechiffrierung 61
2.4. Die Exposition als Exempelreihe 65
3. Geschlossene Kurzgeschichten in "Die Macht der Gefühle" 66
3.1. Die "Lust aufs Unwahrscheinliche" 66
3.1.1. "Der Schuß" 67
3.1.2. "In ihrer letzten Stunde" 68
3.1.3. "Abbau eines Verbrechens durch Kooperation" 70
4. Alexander Kluge und die Oper 72
4.1. Oper als "Kraftwerk der Gefühle" 72
4.2. Die Oper als Motiv in früheren Filmen Kluges 73
4.3. Die Bedeutung der Oper in "Die Macht der Gefühle" 75
4.4. Die Auswahl der Opern 78
4.5. Formen der Auseinandersetzung mit der Oper 79
4.5.1. Opern - Dokumentationen 79
4.5.2. Parameter der Oper 82
4.5.3. Experimente an der Opernhandlung am Beispiel von "Aida" 83
4.5.4. Fiktionale Reflektorfiguren im Kontext der Oper 85
4.5.4.1. Feuerwehrkommandant Schönecke 88
4.5.4.2. Heiratsvermittlerin Bärlamm 89
4.5.4.3. Die Verfremdung des Parameters der Figur 92
4.6. Zur Verwendung von Musik in "Die Macht der Gefühle" 93
4.6.1. Opernmusik 94
4.6.2. Populäre Musik 96
5. Verfilmte Gefühle in "Die Macht der Gefühle" 97
5.1. Anti - aristotelische Darstellung von Gefühlen 97
5.2. Die Funktion der Off-Stimme in der Erzählung von Gefühlen 99
5.3. Aristotelische Gefühle. Fragmente einer Ästhetik des Schreckens 102
5.4. "Babylon" und "Die Vertreibung aus dem Paradies" als Metaphern der Gefühle 104
5.5. Der Film als implizite "Theorie der Gefühle" 107
III. Zusammenfassung 109
1. Erzählverhalten und Montageverfahren in "Die Macht der Gefühle" 109
2. Omnipräsenz des Autoren und Ende der Autorschaft 113
2.1. Alexander Kluge als Autor und Erzähler 113
2.2. Der Autor zwischen Intertextualität und Subjektivismus 114
3. Der Zuschauer als Telos der Montage - Filme 118
4. "Die Babylonisierung" der Montage 124
IV. Quellenverzeichnis
1. Filmographie 126
2. Bibliographie 126
2.1. Alexander Kluge - Verwendete Literatur 126
2.1.1. Selbständige Publikationen 126
2.1.2. Unselbständige Publikationen 127
2.2. Allgemeines Literaturverzeichnis 128

Arbeit zitieren:
Nitsche, Lutz September 1996: Erzählverfahren im Montage-Film von Alexander Kluge, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Alexander Kluge, Erzähltheorie, Filmisches Erzählen, Oper, Theorie der Gefühle

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