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Erwerbslosigkeit in Deutschland

Die Bedeutung des prozessual-systemischen Ansatzes in der Vermittlung von Arbeitssuchenden aus der Perspektive der sozialen Arbeit in Deutschland

Erwerbslosigkeit in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sven Petruschkat
  • Abgabedatum: Februar 2006
  • Umfang: 117 Seiten
  • Dateigröße: 428,0 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Erfurt Deutschland
  • Bibliografie: ca. 28
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0157-3
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0157-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Petruschkat, Sven Februar 2006: Erwerbslosigkeit in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitslosigkeit, Sozialarbeit, Arbeitsvermittlung, Sozialpädagogik, Zeitarbeit

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Diplomarbeit von Sven Petruschkat

Einleitung:

Seit Mitte der 70er Jahre ist in Deutschland eine starke Veränderung auf dem Arbeitsmarkt zu beobachten. Die Zeiten der Vollbeschäftigung, so wie sie im „Wirtschaftswunder“ nach dem Zweiten Weltkrieg bis Anfang der 70er Jahre auf dem Territorium der westlichen Siegermächte zu beobachten waren, sind vorbei. Wenn noch in den 60er Jahren von einem Arbeitskräftemangel ausgegangen werden konnte, hat sich die Situation, in der wir uns heute befinden, grundlegend verändert.

Diese strukturell gewachsene Erwerbslosigkeit in Deutschland wird Anfang des 21. Jahrhunderts durch das Phänomen der Globalisierung verstärkt. Immer mehr Unternehmen stehen in einem weltweiten Konkurrenzkampf mit ihren Produkten, dem sie nach eigenen Angaben oftmals nur mit der Verlagerung ihrer lohnintensiven Produktionsteile ins Ausland oder mit dem Verkauf von einzelnen Produktionssparten glauben begegnen zu können. Dies hat Entlassungen auch in Deutschland zur Folge.

Die Veränderung der wirtschaftlichen Gesamtsituation, insbesondere die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, hat die Staatskassen stark belastet und somit die Bundesregierung zum Umsteuern gezwungen. Die am 01.01.2005 in Kraft getretene letzte Stufe der „Hartz IV“- Reform ist nur ein Instrument, mit dem versucht wird, der Massenerwerbslosigkeit entgegenzuwirken und die Bundesrepublik Deutschland auf dem Weltmarkt neu zu platzieren.

Diese Veränderungen haben weitreichende Folgen für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft insgesamt. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat im Oktober des Jahres 2005 ihre Erwerbslosenzahlen veröffentlicht und geht von ca. 4,5 Mio. Erwerbslosen ohne die stille Reserve aus. Im Vergleich dazu stehen im selben Monat diesen Personen aber nur ca. 450 000 offene Stellen zur Verfügung.

4,5 Mio. Erwerbslose bedeuten viereinhalb Millionen Einzelschicksale mit ihren individuellen Bewältigungsstrategien, psychischen Auswirkungen für sie und ihre Angehörigen sowie materielle Nöte, aber auch viereinhalb Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weniger, welche Steuerausfälle und somit fehlende Investitionsmöglichkeiten des Staates zur Folge haben.

Problemstellung:

Arbeit spielt in modernen Gesellschaften eine zentrale Rolle in den Lebensläufen der Menschen. Dennoch ist festzustellen, dass der Arbeitsbegriff in den einzelnen Epochen der Menschheitsgeschichte sowie in den verschiedenen Gesellschaften unterschiedliche Bedeutung hatte und auch heute noch hat. Unser gegenwärtiges Verständnis von Arbeit beschränkt sich in erster Linie auf die Erwerbsarbeit, welche der Sicherung des Lebensunterhalts dient.

Andere Tätigkeiten, wie beispielsweise Familienarbeit, gemeinnützige Arbeit oder Beziehungsarbeit, werden als weniger bedeutsam angesehen, da sie oftmals unentgeltlich verrichtet werden und weniger Ansehen haben. Deutlich wird dies beispielsweise beim Bewerbungsschreiben, in welchem insbesondere Frauen versuchen die Erziehungszeit zu umschreiben, da dies eine Zeitspanne darstellt, welche für manche Arbeitgeber negativ besetzt ist – obwohl jede/r, die/der Kinder hat, weiß, wie anstrengend, anspruchsvoll und letztlich auch verantwortungsvoll diese Aufgabe für die Eltern und wie wichtig sie für eine Gesellschaft ist.

Die Arbeitsethik, mit welcher wir uns heute konfrontiert sehen, stellt für den Fall der Erwerbslosigkeit keine adäquaten und sinnstiftenden Alternativen zur Verfügung. Dies ist beispielsweise durch psychische Probleme, Drogenkonsum oder Desillusionisierung belegbar.

Für die in der Praxis anfallenden Probleme der Sozialen Arbeit werden verschiedene Handlungsmöglichkeiten benötigt, um den individuellen Anforderungen professionell gerecht zu werden. Daraus resultierend erfordert die Lösung der Phänomene in modernen Gesellschaften wie der unseren auch theoretische Erklärungsansätze, welche dieser Komplexität gerecht werden können. Hierbei nehmen vor allem die Systemtheorien eine besondere Stellung für die Soziale Arbeit ein.

Da im Systemischen die Wechselwirkungen zwischen den Menschen als Teil eines Ganzen, welches wiederum Teil eines größeren Ganzen ist, gesehen werden, hat dies eine Bedeutung insbesondere für die gesamte Soziale Arbeit. Der prozessual-systemische Denkansatz von Silvia Staub-Bernasconi ist ein Versuch der Wissenschaft der Sozialen Arbeit, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Die Erfahrungen, welche ich bei der Arbeit im Praxissemester in Bezug auf die Vermittlung von Langzeiterwerbslosen gemacht habe, bewegten mich dazu, die Arbeitsmarktproblematik unter dem systemischen Blick zu betrachten. Des Weiteren ergibt sich durch den Auftrag der Sozialen Arbeit, soziale Ungleichheiten zu bekämpfen, infolge der aktuellen Ereignisse (zum Beispiel „Hartz IV“) in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ein großer Handlungsbedarf für unsere Profession.

In dieser Arbeit soll versucht werden, die Bedeutung des prozessual-systemischen Ansatzes für die Soziale Arbeit mit Langzeiterwerbslosen unter den folgenden Fragestellungen aufzuzeigen: Welche ökonomischen Ursachen können für die Erwerbslosigkeit in Deutschland ausgemacht werden? Welche Möglichkeiten und Grenzen hat der prozessual-systemische Ansatz von Staub-Bernasconi für die praktische Soziale Arbeit mit Langzeiterwerbslosen? Welche Aufgaben/Ziele kann sich die Soziale Arbeit in der Arbeitsvermittlung setzen?

Gang der Untersuchung:

Um diese Fragen mit dem Anspruch der Ganzheitlichkeit zu beantworten, soll zu Beginn dieser Arbeit ein historischer Überblick auf die Entwicklung des Arbeitsbegriffes gegeben werden. Hierbei wird nach der hermeneutischen Erkenntnismethode vorgegangen. Es werden die Texte in einem sinnhaften Zusammenhang gedeutet, ausgelegt und interpretiert, um die erkenntnisleitenden Fragen logisch zu beantworten. Ausgehend von der griechisch-römischen Antike und deren Verständnis von Arbeit werden weiterführend die Auffassungen im Mittelalter und dem damit verbundenen scholastischen Arbeitsverständnis, insbesondere von Thomas von Aquin, beleuchtet. Abschließend soll ein Blick zurück in die Neuzeit den Wandel des Arbeitsbegriffes unter der aufkommenden Industrialisierung deutlich machen, da dieser bis in unsere Zeit Auswirkungen hat.

Danach wird der Gegenstand Arbeit im Verständnis der heutigen Zeit skizziert werden. Hierbei wird auf die Unterteilung in geistige und körperliche Arbeit sowie auf die Bedeutung der Erwerbsarbeit besonders eingegangen.

Die andere Seite der Erwerbsarbeit, der freiwillige oder unfreiwillige Ausschluss von derselben, wird anschließend beschrieben. In diesem Zusammenhang wird versucht, die verschiedenen Aspekte der Erwerbslosigkeit für den einzelnen Menschen sowie ihre ökonomischen Ursachen in der Gesellschaft herauszuarbeiten.

Um nicht nur eine Zustandsbeschreibung in dieser Arbeit zu geben, sondern auch Handlungsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit aufzuzeigen, ist es wichtig sich mit den Aufgaben der Sozialen Arbeit zu beschäftigen. Hierzu soll zuerst ein Einstieg in eine Handlungstheorie unserer Profession gegeben werden. Der Fokus ist dabei auf die prozessual-systemische Betrachtungsweise von Silvia Staub-Bernasconi (1986) im Umgang mit Langzeiterwerbslosen gerichtet. Dieser beinhaltet die Frage nach den Menschenrechten, das Verständnis von Ethik sowie die Darstellung des Menschenbildes in der Sozialen Arbeit.

Nachdem die verschiedenen Aspekte des Phänomens Erwerbslosigkeit aus den unterschiedlichen Sichtweisen vorgestellt wurden, geht es in den abschließenden Teilen der Arbeit darum, das Wissen für die Soziale Arbeit und für die betroffenen Menschen nutzbar zu machen. Die Beantwortung der Fragestellungen sowie die Schlussfolgerung daraus werden den Abschluss dieser Arbeit bilden.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 5
1.1 Problemaufriss 6
1.2 Fragestellungen 7
1.3 Darstellung der Vorgehensweise 7
2. Historische Entwicklung des Arbeitsbegriffes 8
2.1 Zum Verständnis von Arbeit in der griechisch-römischen Antike 8
2.2 Arbeit im Kontext der Bibel 10
2.3 Arbeit im Mittelalter 13
2.4 Arbeit in der Neuzeit 18
3. Begriffsklärung: Gegenstand Arbeit in modernen Gesellschaften 21
3.1 Was ist unter Arbeit zu verstehen? 22
3.2 Was ist Erwerbsarbeit? 25
3.3 Verschiedene Formen von Arbeitsverhältnissen 27
4. Aspekte der Erwerbslosigkeit in unserer Gesellschaft 28
4.1 Was bedeutet Erwerbslosigkeit? 28
4.2 Zugangsrisiko und Verbleibsrisiko in der Erwerbslosigkeit 31
4.3 Risikogruppen 32
4.4 Mögliche individuelle Folgen von Erwerbslosigkeit 33
5. Erwerbslosigkeit und ihre ökonomischen Ursachen in modernen Gesellschaften 35
5.1 Erwerbslosigkeit aus makroökonomischer Sicht 35
5.1.1 Neoklassische Arbeitsmarkttheorie 36
5.1.2 Keynesianische Beschäftigungstheorie 37
5.2 Erwerbslosigkeit aus mikroökonomischer Sicht 38
5.2.1 Segmentationstheorie 39
5.2.2 Suchtheorie 40
6. Handlungstheorie und Gegenstandsbestimmung in der Wissenschaft der Sozialen Arbeit 41
6.1 Braucht die Soziale Arbeit Handlungstheorien? 42
6.2 Was ist eine Handlungstheorie und welche Bedeutung hat diese für die Soziale Arbeit 43
6.3 Gegenstand der Sozialen Arbeit 46
7. Bedeutung der Menschenrechte und deren Anwendung in der Sozialen Arbeit 48
7.1 Was sind Menschenrechte? 48
7.2 Soziale Arbeit als eine „Menschenrechtsprofession“ 49
7.3 Kann ein Recht auf Arbeit durchgesetzt werden? 51
7.4 Bedeutung der Ethik, Werte, Gerechtigkeit und Menschenbilder in der Sozialen Arbeit 51
8. Aspekte des Systemischen Denkens 54
8.1 Systemtypen 56
8.2 Wo endet ein System und wo fängt die Umwelt an? 57
8.3 Selbstreferentialität und Autopoiesis 58
8.4 Kommunikation in Systemen 59
8.5 Warum Systemtheorie? 61
9. Prozessual-systemische Betrachtungen 62
9.1 Wissensbereiche der Sozialen Arbeit 63
9.2 Bedürfnisse des Menschen 64
9.3 Vorgehensweise bei sozialen Problemen 66
9.4 Ziele für die Soziale Arbeit 67
9.5 Ressourcenerschließung der Klientel 69
10. Bezug auf die Soziale Arbeit als Profession 70
10.1 Fallbeispiel 70
10.2 Wissensebenen im Bezug zur Erwerbslosigkeit 71
10.3 Bedürfnisse und Ziele der Erwerbslosen nach gesellschaftlicher Teilhabe 73
10.4 Abgeleitete Ziele der Sozialen Arbeit 77
11. Schlussfolgerung 78
11.1 Die ökonomische Ausgangssituation 78
11.2 Soziale Arbeit am Arbeitsmarkt - Möglichkeiten und Grenzen unserer Profession 81
11.3 Aufgaben der Sozialen Arbeit bei der Vermittlung von Langzeiterwerbslosen 86
11.4 Ausblick 89
12. Zusammenfassung 91
Literaturverzeichnis 94
Internetadressen 96
Anhang 97

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 1
1. Einleitung 5
1.1 Problemaufriss 6
1.2 Fragestellungen 7
1.3 Darstellung der Vorgehensweise 7
2. Historische Entwicklung des Arbeitsbegriffes 8
2.1 Zum Verständnis von Arbeit in der griechisch-römischen Antike 8
2.2 Arbeit im Kontext der Bibel 10
2.3 Arbeit im Mittelalter 13
2.4 Arbeit in der Neuzeit 18
3. Begriffsklärung: Gegenstand Arbeit in modernen Gesellschaften 21
3.1 Was ist unter Arbeit zu verstehen? 22
3.2 Was ist Erwerbsarbeit? 25
3.3 Verschiedene Formen von Arbeitsverhältnissen 27
4. Aspekte der Erwerbslosigkeit in unserer Gesellschaft 28
4.1 Was bedeutet Erwerbslosigkeit? 28
4.2 Zugangsrisiko und Verbleibsrisiko in der Erwerbslosigkeit 31
4.3 Risikogruppen 32
4.4 Mögliche individuelle Folgen von Erwerbslosigkeit 33
5. Erwerbslosigkeit und ihre ökonomischen Ursachen in modernen Gesellschaften 35
5.1 Erwerbslosigkeit aus makroökonomischer Sicht 35
5.1.1 Neoklassische Arbeitsmarkttheorie 36
5.1.2 Keynesianische Beschäftigungstheorie 37
5.2 Erwerbslosigkeit aus mikroökonomischer Sicht 38
5.2.1 Segmentationstheorie 39
5.2.2 Suchtheorie 40
6. Handlungstheorie und Gegenstandsbestimmung in der Wissenschaft der Sozialen Arbeit 41
6.1 Braucht die Soziale Arbeit Handlungstheorien? 42
6.2 Was ist eine Handlungstheorie und welche Bedeutung hat diese für die Soziale Arbeit 43
6.3 Gegenstand der Sozialen Arbeit 46
7. Bedeutung der Menschenrechte und deren Anwendung in der Sozialen Arbeit 48
7.1 Was sind Menschenrechte? 48
7.2 Soziale Arbeit als eine „Menschenrechtsprofession“ 49
7.3 Kann ein Recht auf Arbeit durchgesetzt werden? 51
7.4 Bedeutung der Ethik, Werte, Gerechtigkeit und Menschenbilder in der Sozialen Arbeit 51
8. Aspekte des Systemischen Denkens 54
8.1 Systemtypen 56
8.2 Wo endet ein System und wo fängt die Umwelt an? 57
8.3 Selbstreferentialität und Autopoiesis 58
8.4 Kommunikation in Systemen 59
8.5 Warum Systemtheorie? 61
9. Prozessual-systemische Betrachtungen 62
9.1 Wissensbereiche der Sozialen Arbeit 63
9.2 Bedürfnisse des Menschen 64
9.3 Vorgehensweise bei sozialen Problemen 66
9.4 Ziele für die Soziale Arbeit 67
9.5 Ressourcenerschließung der Klientel 69
10. Bezug auf die Soziale Arbeit als Profession 70
10.1 Fallbeispiel 70
10.2 Wissensebenen im Bezug zur Erwerbslosigkeit 71
10.3 Bedürfnisse und Ziele der Erwerbslosen nach gesellschaftlicher Teilhabe 73
10.4 Abgeleitete Ziele der Sozialen Arbeit 77
11. Schlussfolgerung 78
11.1 Die ökonomische Ausgangssituation 78
11.2 Soziale Arbeit am Arbeitsmarkt - Möglichkeiten und Grenzen unserer Profession 81
11.3 Aufgaben der Sozialen Arbeit bei der Vermittlung von Langzeiterwerbslosen 86
11.4 Ausblick 89
12. Zusammenfassung 91
Literaturverzeichnis 94
Internetadressen 96
Anhang 97

Textprobe:

Kapitel 5., Erwerbslosigkeit und ihre ökonomischen Ursachen in modernen Gesellschaften: Nachdem verschiedene Aspekte, wenn auch nicht alle, der Erwerbslosigkeit betrachtet wurden, ist es wichtig zu klären, welche Ursachen für die Erwerbslosigkeit verantwortlich gemacht werden. Auch hier ist es nicht möglich, alle vorzustellen, und deshalb soll sich auf die folgenden volkswirtschaftlichen Gründe beschränkt werden. Relevant für diese Arbeit sind hierbei diejenigen, die in der Fachliteratur als nützlich zur Erklärung der Erwerbslosigkeit beschrieben werden und auch eine Bedeutung für diese Arbeit besitzen.

Zuerst einmal soll kurz die makroökonomische und mikroökonomische Sicht vorgestellt werden. Die makroökonomischen Analysen der Erwerbslosigkeit werden bei Zerche, Schöning, Klingenberger dadurch charakterisiert, dass sie von einem volkswirtschaftlichen Problem ausgehen. Sie versuchen dabei die verschiedenen Aspekte der gesamtwirtschaftlichen Situation unter Berücksichtigung der Bereiche Wachstum, Konjunktur und Inflation unter anderen zu erklären. Die mikroökonomische Analyse beleuchtet dagegen nur einzelne Segmente, Wirtschaftssubjekte oder Gruppen des Marktes, aber nicht die Gesamtzusammenhänge. Sie kommt dann zu Einsatz, wenn ganz bestimmte Verhaltensweisen erklärt werden sollen.

Aus ökonomischer Sicht gibt es zwei große Theorieansätze, welche die Wechselwirkungen zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt und in der Makroebene erklären. Diese werden von Keller in „Einführung in die Arbeitspolitik“ folgendermaßen beschrieben. Einerseits gibt es einen neoklassischen Ansatz, der sich mehr mit der Angebotsseite auseinander setzt und andererseits den keynesianischen Ansatz, welcher mehr auf die Nachfrageseite eingeht. Dabei kommt den Arbeitsmärkten als gesellschaftliche Institutionen eine zweifache Bedeutung zu: Sie vermitteln Angebot und Nachfrage von Arbeitskräften Ausgleichsfunktion und verteilen damit zugleich individuelle und gesellschaftliche Chancen materieller und immaterieller Art auf die Arbeitskräfte und die übrigen Individuen Verteilungsfunktion.

Dennoch sind Unterschiede zwischen Arbeitsmarkt und beispielsweise Geldmarkt oder Gütermarkt festzustellen, denn bei ersterem werden nicht die Menschen gehandelt, sondern nur deren Arbeitsleistung.

Das angebotsorientierte neoklassische Modell, geht davon aus, dass der Arbeitsmarkt ein Auktionsmarkt ist, welcher durch Markt-Preis-Mechanismen gesteuert wird. Das Ziel dieser Steuerungen ist ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, wobei dem Lohn eine ausgleichende Rolle zukommt, denn hohe Löhne sind in diesem Kontext als Bedingung von Vollbeschäftigung zu sehen.

In dieser Argumentation kommt durch das Gleichgewicht keine unfreiwillige Erwerbslosigkeit vor, wenn doch Erwerbslosigkeit eintritt, liegt dies an den Einflüssen außerhalb oder der Unvollkommenheit innerhalb des Marktes. Weiterhin wird unter anderem in diesem Modell von totaler Lohnflexibilität, vollkommener Mobilität der Arbeitskräfte und von der Ausklammerung sämtlicher Institutionen ausgegangen. Letzteres bedeutet nichts anderes, als dass der Staat seine Aufgaben darin sehen sollte, den wirtschaftlichen Rahmen zu setzen und zu überwachen, aber nicht mit Subventionen beispielsweise oder anderen Regularien mehr als nötig einzugreifen.

Je mehr der Staat in die Abläufe der Unternehmen eingreift, umso weiter wird sich von der neoklassischen Unternehmerformel: „…höhere Unternehmensgewinne = höhere Investitionen = Schaffung von mehr Arbeitsplätzen bzw. Abbau von Arbeitslosigkeit…“ entfernt. Dennoch werden kurzzeitige Ungleichgewichtssituationen mit der Folge von vorübergehender oder freiwilliger Erwerbslosigkeit nicht ausgeschlossen.

Bei der neoklassischen Theorie kommt es darauf an, dass es einen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt gibt und flexible Reallöhne vorhanden sind, beide Voraussetzungen ermöglichen Vollbeschäftigung derer, die arbeiten wollen. Somit ist das Ziel der Vollbeschäftigung zweitrangig, denn oberste Priorität hat die Steuerung des Preisniveaus, das durch Angebot und Nachfrage geschieht, wobei Arbeitskräfteüberschuss den Lohn senkt.

Der zweite Ansatz ist das keynesianische Modell, welches die Behauptung des „Sayschen Theorems“, Angebot schafft die Nachfrage, umkehrt und sich vorrangig mit der Nachfrageseite beschäftigt. Ungenügende effektive Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt erzeugt Erwerbslosigkeit, welche nur durch die Gesamtnachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern verhindert werden kann. Die Beschäftigungshöhe wird bestimmt durch das Produktionsaufkommen der Unternehmen. Der Umfang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage hängt wiederum stark von der Höhe des Volkseinkommens ab, welches wiederum von der Beschäftigungshöhe abhängt.

Somit schließt sich der Kreislauf, und die Nachfrage nach Konsumgütern wird durch das verfügbare Einkommen der Bevölkerung bestimmt. Konsum und Ersparnis werden komplementär verstanden. Sinkende Löhne werden in diesem Kontext als durchaus kontraproduktiv gesehen, da sie die Nachfrage reduzieren können.

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Arbeit zitieren:
Petruschkat, Sven Februar 2006: Erwerbslosigkeit in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitslosigkeit, Sozialarbeit, Arbeitsvermittlung, Sozialpädagogik, Zeitarbeit

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