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Der Erwerb des Emotionsvokabulars

Der Erwerb des Emotionsvokabulars
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Daniela Stankova-Gerth
  • Abgabedatum: Januar 2000
  • Umfang: 103 Seiten
  • Dateigröße: 5,3 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2502-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2502-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2502-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stankova-Gerth, Daniela Januar 2000: Der Erwerb des Emotionsvokabulars, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wortschatzerwerb, Spracherwerb, Interaktionismus, Emotion, "theory of mind"

Magisterarbeit von Daniela Stankova-Gerth

Einleitung:

Emotionen sind ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Existenz, und als solche werden Emotionen und Gefühlszustände täglich ausgedrückt und thematisiert. Das Emotionsvokabular bietet vielfältige sprachliche Mittel zum kommunikativen Ausdruck von Emotionen, seien es einzelne Wörter, feste Ausdrucksformen oder metaphorische Bezeichnungen. Um so erstaunlicher ist die Tatsache, daß das Erforschen des Emotionsvokabulars und seines Erwerbs im frühen Kindesalter bisher weitgehend vernachlässigt wurde. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten wird ein wachsendes Interesse am Verbalisieren von Emotionen von Kleinkindern beobachtet, vorwiegend im angloamerikanischen Raum. Das Emotionsvokabular nimmt eine Schlüsselposition zwischen Kognition und Emotion, zwischen Individuum und seiner Umwelt ein. Aus diesem Grund können die Befunde, die Aufschluß über dieses wenig erforschte Gebiet geben, für neue Erkenntnisse in der kognitiven und sozioemotionalen Entwicklung beitragen.

Gang der Untersuchung:

Das Thema der vorliegenden Arbeit ist der Erwerb des Emotionsvokabulars im frühen Kindesalter. Im ersten Kapitel wird das Emotionsvokabular im Rahmen des gesamten Wortschatzes in der frühen Kindheit betrachtet. Die Annahmen, der Wortschatz des Kindes bestehe anfangs ausschließlich aus Objektwörtern, kann aufgrund neuer Forschungsergebnisse nicht mehr gehalten werden. Es gilt als gesicherter Befund, daß Kinder bereits im zweiten Lebensjahr ihre eigenen inneren Zustände und diese von anderen Menschen verbal äußern. Wie allerdings der Erwerb von Emotionswörtern stattfindet, ist bisher nicht eindeutig geklärt.

Eine explizite Theorie über den Erwerb des Emotionsvokabulars existiert bisher nicht, in einer möglichst weitreichenden Übersicht im zweiten Kapitel erfolgt jedoch eine Darstellung kognitivistischer und interaktionistischer Annahmen über die semantische Entwicklung, den frühen Wortschatzerwerb und Aspekten, die besonders für das Emotionsvokabular relevant sind. In den kognitiv-konstruktivistischen Ansätzen wird von einem anfangs egozentrischen, adualistischen Zustand des Kindes ausgegangen. Erst in aktiven manipulativen Auseinandersetzungen mit Objekten wird die Ausbildung von Bedeutungen vollzogen. Neuere kognitiv-interaktionistische Ansätze setzen den Schwerpunkt weiterhin auf den kognitiven Aspekt, ziehen jedoch auch die Umwelteinflüsse als wichtige Variablen für den Bedeutungs- und Wortschatzerwerb in Betracht. In den interaktionistischen Ansätzen wird von einem präverbalen Dialog zwischen Mutter und Kind ausgegangen, in dem die Grundlagen für die spätere Bedeutungsentwicklung und den Spracherwerb gelegt werden. Dabei spielen Umwelteinflüsse, wie Sprachinput, kontextuelle Merkmale u.a. eine wichtige Rolle. Das interaktionistische Konzept wird ausschließlich aus der Sicht von Bruner vorgestellt, es werden aber auch die neueren Ansätze von Nelson und Bruner herangezogen, die insbesondere die kulturellen Aspekte in Erwägung ziehen und den Wortschatzerwerb als sozial konstruiert erklären. Ein dritter Ansatz, das Konzept der theory of mind, untersucht im Rahmen einer früh ausgebildeten naiven Alltagstheorie die Sprache für innere Zustände, bekannt als internal state language. Obwohl das theory of mind-Konzept strenggenommen der Forschungstradition der sozialen Kognition zuzuordnen ist und vordergründig die Entwicklung von Repräsentationen für psychische Zustände erforscht, sind daraus wichtige Ergebnisse zur sprachlichen Entwicklung und zum emotionalen Verständnis zu entnehmen.

Das dritte Kapitel ist den Ergebnissen der Emotionsforschung gewidmet. Im ersten Teil wird auf die Definitions-Problematik des komplexen Phänomens Emotion eingegangen. Als gängige Ansätze zur Strukturierung von Emotionen haben sich in der Emotionsforschung der dimensionale und der diskrete Ansatz durchgesetzt. Da beide Auffassungen Vor- und Nachteile aufweisen, ist es sinnvoll, sich bei einer Analyse nicht nur ausschließlich auf einen zu stützen. Empirische Ergebnisse zum mimischen Emotionsausdruck mit seinen universellen und kulturellen Merkmalen werden in einem gesonderten Abschnitt erläutert. Der zweite Teil des Kapitels bietet einen Einblick in die Ontogenese des Emotionsausdrucks und Emotionsverstehens. Dank verbesserter Meßmethoden in der Säuglingsforschung erfolgte in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung, die bisher verborgene Aspekte der Wahrnehmungs- und Emotionswelt von Neugeborenen und Säuglingen aufdeckte. Ein besonderes psychisches Konstrukt, das die emotionale Entwicklung kennzeichnet, ist das Konzept der frühen Bindung. Schließlich werden gängige Auffassungen zur Entwicklung emotionaler Konzepte diskutiert.

Im letzten Kapitel der Arbeit erfolgt eine Übersicht der empirischen Studien zum Erwerb und Gebrauch von sprachlichen Emotionsausdrücken unter verschiedenen Aspekten. Das Emotionsvokabular stellt ein junges Forschungsgebiet dar und seine Untersuchung ist mit erheblichen methodischen Schwierigkeiten verbunden. Als methodische Vorgehensweisen haben sich Datenkorpora und standardisierte Tests durchgesetzt. Neben den Stadien, in denen sich der Erwerb des Emotionsvokabulars vollzieht, werden auch Studien zur Funktion von Emotionswörtern referiert. Von besonderem Interesse sind neben normativen und deskriptiven Befunden auch Ergebnisse, die auf spezifische interindividuelle Unterschiede hinweisen. In diesem Zusammenhang werden empirische Studien zu kulturellen und sprachspezifischen Einflüssen, zur Rolle des sprachlichen Inputs seitens der Mutter, zur Abhängigkeit des Erwerbs des Emotionsvokabulars von der Bindungsqualität des Kindes und schließlich zum Geschlecht als wichtige Einflußgröße präsentiert.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 3
1. Das Emotionsvokabular im Rahmen des Wortschatzerwerbs 6
1.1 Zeitlicher Ablauf des frühen Wortschatzerwerbs 6
1.2 Inhaltliche Gliederung des frühen Wortschatzes 6
2. Theorien über die semantische Entwicklung und den frühen Wortschatzerwerb 9
2.1 Piagets kognitive Theorie des Bedeutungserwerbs 10
2.1.1 Der Egozentrismus 12
2.1.1.1 Der Egozentrismus auf physikalischer Ebene 13
2.1.1.2 Der Egozentrismus auf psychischer Ebene 14
2.1.2 Zusammenfassung und Auswertung 15
2.1.3 Neuere kognitiv-interaktionistische Ansätze 18
2.2 Interaktionistische Konzepte 20
2.2.1 Vorsprachlicher Bedeutungserwerb 21
2.2.2 Bedeutungserwerb im Dialog 23
2.2.3 Auswertung der interaktionistischen Konzepte 26
2.2.4 Neuere interaktionistische Theorien 27
2.2.4.1 Die Theorie der kulturellen Sinnherstellung 27
2.2.4.2 Die Ereignisrepräsentationstheorie 29
2.3 Das theory of mind - Konzept 30
2.3.1 Annahmen und methodisches Vorgehen innerhalb der theory of mind - Forschung 31
2.3.2 Die Entwicklung einer theory of mind 34
2.3.3 Intersubjektivistische Theorien in der ToM-Forschung 35
2.3.3.1 Die Entwicklung des Selbst 36
2.3.3.2 Intersubjektive Bezogenheit und Affektabstimmung 37
2.3.4 Die Sprache für innere Zustände (internal state language) 39
2.4 Zusammenfassung und Bewertung 44
3. Emotionen und ihre ontogenetische Entwicklung 45
3.1 Definition des Konstruktes Emotion 45
3.1.1 Strukturierung der Emotionen 46
3.1.1.1 Die Theorie der diskreten Emotionen 47
3.1.1.2 Die dimensionale Strukturierung von Emotionen 48
3.1.1.3 Vitalitätsaffekte 49
3.1.2 Der Ausdruck von Emotionen 49
3.1.2.1 Die Universalität mimischer Ausdrücke 50
3.1.2.2 Kulturelle Einflüsse auf Emotionen und ihren Ausdruck 51
3.2 Entwicklung der Emotionen in der Ontogenese 54
3.2.1 Das mimische Verhalten 55
3.2.1.1 Wahrnehmungsfähigkeiten 55
3.2.1.2 Emotionsdifferenzierung 56
3.2.2 Emotionale Entwicklung 57
3.2.2.1 Social referencing 58
3.2.2.2 Die Bindungsentwicklung 59
3.3 Auffassungen über die Entwicklung von Emotionskonzepten 63
4. Empirische Studien zum Erwerb des Emotionsvokabulars 66
4.1 Methoden zur Erhebung des kindlichen Emotionsvokabulars 66
4.2 Anfänge und Funktionen des frühen Emotionsvokabulars 68
4.3 Interindividuelle Unterschiede beim Erwerb von Emotionsausdrücken 73
4.3.1 Der Einfluß des mütterlichen Sprachangebotes 74
4.3.2 Kulturelle und sprachspezifische Differenzen 78
4.3.3 Der Einfluß der Bindungsqualität 80
4.3.4 Geschlechtsspezifische Unterschiede 82
5. Zusammenfassung 89
Literaturverzeichnis 92

Arbeit zitieren:
Stankova-Gerth, Daniela Januar 2000: Der Erwerb des Emotionsvokabulars, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wortschatzerwerb, Spracherwerb, Interaktionismus, Emotion, "theory of mind"

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