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Die Erstellung vergleichender Energiebilanzen von Holzwerkstoffen für den Einsatz im Passivholzhausbau auf Grundlage von Herstellerinformationen

Die Erstellung vergleichender Energiebilanzen von Holzwerkstoffen für den Einsatz im Passivholzhausbau auf Grundlage von Herstellerinformationen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Tobias Luthe
  • Abgabedatum: Dezember 2001
  • Umfang: 122 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 103
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0463-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Luthe, Tobias Dezember 2001: Die Erstellung vergleichender Energiebilanzen von Holzwerkstoffen für den Einsatz im Passivholzhausbau auf Grundlage von Herstellerinformationen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ökobilanz, Außenbeplankung, Passivholzhausbau, Energie, Wohngesundheit

Diplomarbeit von Tobias Luthe

Einleitung:

Am Anfang dieser Arbeit stand die Aufgabe, in einem Zeitraum von sechs Monaten zu 21 verschiedenen Werkstoffen und Bauteilen Vergleiche mit ökologischer Aussage zu erstellen. Auftraggeber ist Holzfachhandel Wickert in Landau, Pfalz, an dessen Standort die zu betrachtenden Produkte im Passivholzhausbau eingesetzt werden sollen.

Nach ausgiebiger Literaturrecherche wurde deutlich, dass diese Aufgabe nur basierend auf Sekundärinformationen zu bewältigen war. Entsprechende Arbeiten zu diesem Thema hatten maximal ein einzelnes Produkt bilanziert, sodass ein Vergleich nach unterschiedlichen Gesichtspunkten nicht möglich gewesen wäre. Vergleichende Studien existierten lediglich zu Datenmittelwerten von OSB, MDF und Spanplatte. Mögliche Einschränkungen des Untersuchungsrahmens wurden überlegt und geprüft, was schliesslich zu einer Fokussierung auf Energiebilanzen führte.

Gang der Untersuchung:

Der methodische Ansatz dieser Arbeit beruht auf der Recherche nach Sekundärinformationen, die hauptsächlich durch Versenden einer detaillierten Matrix an die Herstellerfirmen erhoben wurden. Diese Datenrecherche gestaltete sich als sehr zäh und zeitaufwendig. Hauptgründe für die schwierige Datenrecherche waren die mangelnde Motivation der Hersteller, interne Daten zu veröffentlichen sowie die noch zu verbessernde Kooperation innerhalb einiger Firmen, einen verantwortlichen und kompetenten Ansprechpartner zu benennen und Daten zu erarbeiten. Die Datenquantität und –qualität wurden hierdurch gemindert, sind insgesamt jedoch ausreichend, um der Aufgabenstellung des ökologischen Vergleiches mehrerer Holzwerkstoffe zu entsprechen. Der methodische Ansatz wurde somit passend gewählt, da letztendlich fünf Produkte bilanziert werden konnten, für die nach viermonatiger Informationsrecherche Daten von den Firmen bereitgestellt wurden. Der Untersuchungsrahmen wurde den zur Verfügung gestellten Daten angepasst, daher wurden keine Hilfs- und Zusatzstoffe, insbesondere Leime und Kleber, berücksichtigt.

Der Vergleich der untersuchten Holzwerkstoffe nach ökologischen Gesichtspunkten ist vielschichtig und das Resultat abhängig von der Sichtweise, aus der ein Produkt betrachtet wird. Der Gesamtvergleich der Energiebilanzen ist konkret relevant für den Einsatz am Standort Wickert. Dennoch sind die Ergebnisse geeignet, allgemeine Ausagen beim Vergleich der Module Produktion und Vorketten, beim Vergleich der Speicherkapazität von Kohlendioxid sowie zum Vergleich der Gesamtenergiebilanzen zu treffen - wie in Kapitel 5.2.3 erläutert, würde die Rangfolge der Bilanzen auch bei Betrachtung abgeschnittener Submodule unverändert bleiben. Wie die einzelnen Vergleiche letztendlich gewichtet werden ist eher sekundär, wenn ökologische Untersuchungen nach nachvollziehbaren Richtlinien überhaupt und vermehrt gerade von Produktherstellern angestrengt werden, wodurch deren Qualität weiter verbessert werden kann. Wie eingangs beschrieben stehen wir mit unseren finanziellen und technischen Möglichkeiten in der Verantwortung für minder bemittelte Länder und uns selbst, besondere Anstrengungen bei der Lösung ökologischer Problemfelder sowohl durch eigene Bemühungen der Produzenten als auch durch ein bewussteres Nachfrageverhalten der Konsumenten zu unternehmen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 6
1.1 Kontext 6
1.2 Aufgabenstellung 8
2. Stand des Wissens 10
2.1 Grundlagen der ökologischen Bewertung 10
2.1.1 Methodik der Ökobilanzierung 10
2.1.2 Entstehung und Abgrenzung 11
2.1.3 Anwendungsmöglichkeiten 13
2.1.4 Normung der Ökobilanzierung
2.1.5 Inhalt und Aufbau von Ökobilanzen 15
2.1.5.1 Definitionen von Ziel und Untersuchungsrahmen 16
2.1.5.2 Sachbilanz 18
2.1.5.3 Allokation 19
2.1.5.4 Wirkungsabschätzung 20
2.1.5.5 Auswertung 21
2.2 Methodik bisher erstellter Ökobilanzen zu Holzprodukten 23
3. Methode und Material dieser Untersuchung 26
3.1 Zielsetzung 26
3.2 Untersuchungsrahmen 26
3.2.1 Produkte der Untersuchung 26
3.2.1.1 Datenrecherche und Eingrenzung 31
3.2.2 Beschreibung der Module 35
3.2.3 Datengrundlagen
3.2.4 Abschneidekriterien 42
3.2.5 Allokation 45
3.2.6 Funktionale Einheit 46
4. Ergebnisse 47
4.1 Produktgruppe Aussenbeplankung 47
4.1.1 Multiplex Top von Gutex 47
4.1.1.1 Vorketten 48
4.1.1.2 Transportmodule 49
4.1.1.3 Produktion 49
4.1.1.4 Verwertung 50
4.1.1.5 Bilanz 51
4.2 Produktgruppe Innenwandverkleidung 51
4.2.1 Livingboard V100 von Kunz
4.2.1.1 Vorketten 51
4.2.1.2 Transportmodule 54
4.2.1.3 Produktion 54
4.2.1.4 Verwertung 56
4.2.1.5 Bilanz 57
4.2.2 OSB 3 von Kronospan
4.2.2.1 Vorketten 58
4.2.2.2 Transportmodule 59
4.2.2.3 Produktion 60
4.2.2.4 Verwertung 61
4.2.2.5 Bilanz 62
4.2.3 Fichte-3-Schicht Platte von Tilly
4.2.3.1 Vorketten 63
4.2.3.2 Transportmodule 64
4.2.3.3 Produktion 65
4.2.3.4 Verwertung 67
4.2.3.5 Bilanz 67
4.2.4 Fermacell von Fels
4.2.4.1 Vorketten 70
4.2.4.2 Transportmodule 71
4.2.4.3 Produktion 71
4.2.4.4 Verwertung 73
4.2.4.5 Bilanz 74
5. Diskussion der Ergebnisse 74
5.1 Bezug der Energiebilanzen auf die Einbaustärken 74
5.2 Vergleich der Werkstoffe 75
5.2.1 Ressourcenverbrauch im Lebensweg der Holzwerkstoffe 81
5.2.2 Holzwerkstoffe als CO² - Senke 89
5.2.3 Rangfolge der Werkstoffe in den einzelnen Vergleichen 90
5.3 Informationsbereitstellung der Herstellerfirmen 90
5.3.1 Zeitliche Entwicklung 90
5.3.2 Quantität, Qualität und Transparenz der Herstellerinformationen 92
5.3.2.1 Allgemeine Informationen aus Broschüren und Handzetteln 92
5.3.2.2 Spezifische Informationen aus Fragebögen 93
5.3.2.3 Weitere Allgemeininformationen 94
6. Abschliessende Bewertung und Schlussfolgerung 95
6.1 Bewertung des methodischen Ansatzes 95
6.2 Bewertung der Datenqualität und –quantität 96
6.3 Schlussfolgerung 101
7. Zusammenfassung 102
Anhang
A.1 Tabellenverzeichnis 105
A.2 Abbildungsverzeichnis 107
A.3 Energiedaten aus der KEA – Datenbank 108
A.4 Aufteilung der Energiebilanzen auf die Energiequellen 109
A.5 Protokoll der Recherche 110
A.6 Fragebogen/ Matrix 112
A.7 Literaturverzeichnis 116

Textprobe:

Kapitel 4.2.4.1, Modul ‚Vorketten’:

Laut IKP 1998 fällt bei der Herstellung von 1 KJ Strom unter anderem durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern 3,208E-6 kg Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen an. Dieser Gips ist ein Rest- oder Abfallstoff, weswegen er keinen ‚ökologischen Rucksack’ trägt (siehe Kapitel 2). Ausgehend von 35% REA-Gips Anteil werden 327,096 kg/m³ REA – Gips benötigt. Diese Menge Gips fällt bei einer Produktion von 101,9625935 GJ elektrischer Energie an.

Für die Kalzinierung von einer Tonne REA-Gips werden 0,280 MJ (MORSCHEID 2001) elektrische Energie aufgewendet. Bezogen auf einen Kubikmeter Fermacell ergeben sich 0,09158688 MJ bzw. 0,3042753488 MJ[Äq] Primärenergie.

Transportdaten standen zu diesem Submodul nicht zur Verfügung, weshalb von einer beispielhaften Entfernung von 100 km und einem LKW mit zulässigem Gesamtgewicht von 38 t bei einer Auslastung von 50 % (Hinweg 100%, Rückweg leer) ausgegangen wurde. Die benötigte Primärenergie ist in Tabelle 39 aufgeführt.

Submodul ‚Gipsabbau’:

Der Primärenergieaufwand zur Bereitstellung von 1 kg Naturgips ohne biologische und geologische Produktion beträgt 3,312 MJ [Äq] (KEA Datenbank, siehe Anhang 4). Entsprechend einem Naturgipsanteil von 65 % (607,464 kg) werden für einen Kubikmeter Fermacell 2011,920768 MJ [Äq] Primärenergie benötigt. Im kumulierten Energieaufwand sind Transporte als EU-Mittel bereits enthalten.

Submodul ‚Papierherstellung und Altpapierbereitstellung’:

Für die Bereitstellung von 1 kg Altpapier werden 0,432 MJ Primärenergie (KEA Datenbank) benötigt, dies entspricht 100,93248 MJ für 233,64 kg Altpapiereinsatz/m³ Fermacell. Im kumulierten Energieaufwand sind die anteiligen Energieinputs für die Papierherstellung und Transporte als EU-Mittel bereits enthalten.

Kapitel 4.2.4.2, Modul ‚Transporte’:

Die Transporte von Naturgips und Altpapier sind in den KEA Daten als gemittelte Werte für die EU bereits enthalten. Genaue Angaben zu Entfernungen und Transportmittel für die Altpapiersammlung und für den Gipstransport standen nicht zur Verfügung. Die Eingangsdaten für das Submodul ‚Transport der Fermacellplatten von Fels zu Wickert’ wurden mit Hilfe eines Routenplaners aus dem Internet generiert.

Kapitel 4.2.4.3, Modul ‚Produktion’:

Zur Produktion von einem Kubikmeter Fermacell werden 100 KWh oder 360 MJ elektrische Energie eingesetzt. Thermische Energie von 450 KWh wird zu je 50 % aus Erdöl und Erdgas hergestellt. Für die Bereitstellung von entsprechend 810 MJ Energie aus Erdgas werden 994,4046 MJ[Äq] Primärenergie, für 810 MJ Energie aus Erdöl 1016,9793 MJ[Äq] (Tabelle 12) benötigt.

Insgesamt werden für den Produktionsprozess von 1m³ Fermacell 3207,397189 MJ Primärenergie aufgewendet.

Kapitel 4.2.4.4, Modul ‚Verwertung’:

Fermacell besteht zu etwa 80 % aus anorganischem Gips und ist als Platte trotz des zwanzigprozentigen Anteils an aufgeschlossenen Altpapierfasern nicht brennbar. Eine thermische Verwertung scheidet aus diesem Grund aus.

Stattdessen können Gipsplatten grundsätzlich vollständig in den normalen Produktionsprozess rückgeführt werden, vorausgesetzt, es sind keine störenden Kontaminationen vorhanden. Gipsabfälle werden nach dem Abfallartenkatalog der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall bzw. nach der Europäischen Abfallkatalog-Verordnung (EAKV) durch Schlüsselnummern klassifiziert (LAGA):

Bei vielen Bauschuttaufbereitungsunternehmen werden heute bereits die stückigen Gipsplattenreste aussortiert und getrennt behandelt. Zur Rückführung des Materials in den Produktionskreislauf werden die Platten zunächst zerkleinert bzw. aufgemahlen, wobei sich Gips und Karton mechanisch weitestgehend trennen. Der weitere Verwertungsweg hängt von den sortenfremden Verunreinigungen ab.

Beschichtete oder angestrichene Platten bedingen Verunreinigungen vom Anstrich oder dem Beschichtungsmaterial. Hier bietet sich eine Weiterverwendung nach dem Müller-Kühne-Verfahren an (HAASE 1997). Nach Müller und Kühne wird Gips bzw. Calciumsulfat bei Temperaturen oberhalb von 700 0C reduzierend gespalten. Als Produkte entstehen Schwefelsäure und Zement, die bestimmungsgemäss in der chemischen Industrie und der Baustoffindustrie verwendet werden.

Falls die Plattenreste frei von Kontaminationen sind, kann auch direkt eine Wiederverwertung durch die Gipsindustrie erfolgen. Dazu erfolgt zweckmässig eine Trennung von Gips und Karton. Der Karton besteht aus einer zweiseitigen dünnen Schutzbeschichtung der Platten; aufgrund des äusserst geringen Massenanteils an einer Fermacellplatte wird dieser Anteil bei den Überlegungen zu einer möglichen thermischen Verwertung vernachlässigt. Es wird vermutet, dass der Aufwand zur Trennung des Kartons von der Platte nicht durch eine thermische Verwertung wettgemacht würde.

Ausgehend von diesen Informationen kann kein Energieoutput durch eine thermische Verwertung von Fermacell berechnet werden.

Arbeit zitieren:
Luthe, Tobias Dezember 2001: Die Erstellung vergleichender Energiebilanzen von Holzwerkstoffen für den Einsatz im Passivholzhausbau auf Grundlage von Herstellerinformationen, Hamburg: Diplomica Verlag

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