Erstellung eines Konzeptes zum informatorischen Unbundling in einem mittelständischen, vertikal integrierten Energieversorgungsunternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marc Börgartz
- Abgabedatum: Juli 2005
- Umfang: 80 Seiten
- Dateigröße: 2,1 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: FOM - Fachhochschule für Oekonomie und Management Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9051-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9051-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9051-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Börgartz, Marc Juli 2005: Erstellung eines Konzeptes zum informatorischen Unbundling in einem mittelständischen, vertikal integrierten Energieversorgungsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Liberalisierung, SAP IS-U, Strom, EnWG, Entflechtung
In den Warenkorb
98,00 €
Diplomarbeit von Marc Börgartz
Einleitung:
Bis zur Liberalisierung des europäischen Strom- und Gasmarktes im Jahre 1998 agierten Energieversorgungsunternehmen als Monopolisten mit unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen. Für den Kunden war ein Anbieterwechsel nicht möglich. Er musste seine Energie, von dem ihm zugeteilten Versorgungsunternehmen und zu einem vorgegebenen Preis beziehen, der sich kostenorientiert gestaltete und bei Tarifkunden von einer staatlichen Preisaufsicht genehmigt werden musste. Die Öffnung der Elektrizitäts- und Erdgasmärkte auf Grundlage der EU-Richtlinien von 1996 und 1998 hatte zum Ziel, die Effizienz im Energiesektor und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu verbessern und letztlich auch den Preis für den Endkunden zu senken.
Es hat sich jedoch im Laufe der Jahre gezeigt, dass die Struktur des deutschen liberalisierten Strom- und Gasmarktes nach wie vor nicht marktwirtschaftlich ausgerichtet ist. Die bis heute beibehaltene Wertschöpfungskette Erzeugung, Handel, Übertragung und Vertrieb in demselben vertikal integrierten Energieversorgungsunternehmen schafft den Unternehmen Anreize, ihre Monopolstellung gegen Wettbewerber weiterhin einzusetzen. Sie sind somit in der Lage, den funktionierenden Wettbewerb zum Nachteil fremder Netznutzer auf verschiedene Art und Weise zu stören und hemmen damit den Wettbewerb.
Um dem entgegenzuwirken, haben das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union neue Richtlinien über gemeinsame Vorschriften für den Elektrizitäts- und Erdgasbinnenmarkt (Beschleunigungsrichtlinien) erlassen. Sie fordern eine Trennung der einzelnen Geschäftsbereiche zum gesellschaftsrechtlichen, organisatorischen, buchhalterischen und informatorischen Unbundling. Hierdurch entstehen neue Unternehmenstypen, die sich unabhängig voneinander im Energiemarkt bewegen.
Obwohl die wesentlichen Regelungsvorgaben zum Unbundling in der nationalen Umsetzung der Beschleunigungsrichtlinien - dem Zweiten Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts - festgelegt sind und diese ca. 95% der internen Unternehmensausrichtung umfassen, warten viele Energieversorger mit dem Beginn der Umsetzung dieser Vorschriften ab. Diese Tendenz ist gerade im Bereich des informatorischen Unbundling zu erkennen und das, obwohl die Entflechtung gravierende Auswirkungen auf die Informationstechnologie hat.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Diplomarbeit setzt sich im speziellen mit dem Themengebiet des informatorischen Unbundling auseinander. Ziel soll es sein, ein Konzept zu erstellen, das es mittelständischen, vertikal integrierten Energieversorgungsunternehmen erleichtert, die gesetzlichen Anforderungen zum informatorischen Unbundling effizient zu erfüllen.
Die Arbeit soll und kann jedoch kein allgemeingültiges „Rezept“ sein, da hierfür die Strukturen der mehr als 1.700 deutschen Strom- und Gasnetzbetreiber zu unterschiedlich sind. Vielmehr soll dem Leser ein Leitfaden zur Vorgehensweise mit typischen Beispielen dargelegt werden, der es ihm ermöglicht, durch organisatorische und informationstechnische Maßnahmen, die gesetzlichen Anforderungen zum informatorischen Unbundling zu erfüllen. Das Thema informatorisches Unbundling soll jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern in Verbindung mit Wechselwirkungen angrenzender Themenfelder, wie z. B. dem organisatorischen Unbundling, Kostengesichtspunkte und Synergieeffekte.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich im Wesentlichen in die vier Blöcke Ausgangslage / Abgrenzung, Grundlagen, Konzept und Bewertung. Nach der Einführung in Kapitel 1 werden die Grundlagen in Kapitel 2 gelegt und stellen sowohl die rechtlichen als auch die sachlichen Voraussetzungen für diese Arbeit dar. Nach der Konkretisierung des Begriffs „Unbundling“ im Allgemeinen und „informatorisches Unbundling“ im Speziellen wird die Vorgehensweise zur Erstellung des Umsetzungskonzepts erläutert. Diese Vorgehensweise wird in dem Block „Konzept“ aufgegriffen und beginnt in Kapitel 3 mit der Identifikation von kritischen Geschäftsprozessen. Anhand von drei ausgewählten Prozessen findet eine Prozessbewertung hinsichtlich des Einflusses auf das informatorische Unbundling statt.
Die Erkenntnisse hieraus werden in eine allgemeine, die Organisation und Anwendungssysteme betreffende Problematik, überführt. Die betroffenen Anwendungssysteme werden anschließen in Kapitel 4 sowohl einzeln als auch in Abhängigkeit untereinander beschrieben. In Kapitel 5 werden die zuvor erworbenen Erkenntnisse im Rahmen eines Umsetzungskonzepts zusammengeführt und Handlungsempfehlungen ausgesprochen. Das 6. Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse in Form eines Fazits zusammen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | V | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Ausgangslage | 1 |
| 1.2 | Thematische Abgrenzung und Vorgehensweise | 2 |
| 2. | Grundlagen | 5 |
| 2.1 | Rahmenbedingungen der deutschen Energiewirtschaft | 5 |
| 2.2 | Ziele des Unbundling | 8 |
| 2.3 | Formen des Unbundling | 10 |
| 2.4 | Anforderungen an das informatorische Unbundling | 13 |
| 2.5 | Vorgehensweise zur Erstellung eines Umsetzungskonzepts | 16 |
| 3. | Geschäftsprozessanalyse | 19 |
| 3.1 | Identifikation der kritischen Geschäftsprozesse | 19 |
| 3.2 | Hausanschlusswesen | 25 |
| 3.2.1 | Prozessbeschreibung | 26 |
| 3.2.2 | Prozessbewertung | 27 |
| 3.3 | Lieferantenwechsel | 28 |
| 3.3.1 | Prozessbeschreibung | 29 |
| 3.3.2 | Prozessbewertung | 30 |
| 3.4 | Verbrauchsabrechnung | 31 |
| 3.4.1 | Prozessbeschreibung | 33 |
| 3.4.2 | Prozessbewertung | 34 |
| 3.5 | Betroffene Organisationseinheiten und Anwendungssysteme | 35 |
| 4. | Systemanalyse | 38 |
| 4.1 | Abrechnungssystem | 38 |
| 4.1.1 | Beschreibung des Systems | 38 |
| 4.1.2 | Zukünftige Weiterentwicklung seitens der Anbieter | 40 |
| 4.2 | Customer-Relationship-Management-System | 41 |
| 4.2.1 | Beschreibung des Systems | 41 |
| 4.2.2 | Zukünftige Weiterentwicklung seitens des Anbieters | 43 |
| 4.3 | Energiedatenmanagement-System | 44 |
| 4.3.1 | Beschreibung des Systems | 44 |
| 4.3.2 | Zukünftige Weiterentwicklung seitens der Anbieter | 45 |
| 4.4 | Abhängigkeiten und Schnittstellen der Systeme | 45 |
| 5. | Umsetzungskonzept | 48 |
| 5.1 | Kriterien zum Umsetzungskonzept | 48 |
| 5.2 | Organisatorische Maßnahmen | 49 |
| 5.2.1 | Grundsätzliche Lösungsalternativen | 50 |
| 5.2.2 | Handlungsempfehlungen | 53 |
| 5.3 | Informationstechnische Maßnahmen | 54 |
| 5.3.1 | Abrechnungssystem | 55 |
| 5.3.2 | Customer-Relationship-Management-System | 59 |
| 5.3.3 | Energiedatenmanagement-System | 62 |
| 5.4 | Zusammenfassung der Maßnahmen | 64 |
| 6. | Fazit | 66 |
| Literaturverzeichnis | 67 | |
| Rechtsprechungsverzeichnis | 75 |
im EDM- und Abrechnungssystem verarbeitet, auf denen sowohl der Vertrieb als auch der Netzbetrieb Zugriff hat. Je nach Ausgestaltung des Abrechnungssystems hat der Vertrieb hierdurch die Möglichkeit, Vertrags- und Verbrauchsdaten über den neu geschlossenen Vertrag der Netznutzung mit dem Fremdlieferanten in Erfahrung zu bringen. Ebenso besteht die Möglichkeit, über das EDM-System direkt Verbrauchsdaten über den fremdversorgten Kunden zu sichten und auszuwerten. Diese Daten versetzen ihn in die Lage, den ehemaligen Kunden gezielte Angebote zu unterbreiten und somit u. U. zurückzugewinnen. Der Einblick in Verbrauchs- und Abrechnungsdaten ist ab dem Zeitpunkt der Fremdbelieferung somit nicht unbundlingkonform.76 Somit ergeben sich folgende Diskriminierungspotenziale: • Der Vertrieb erhält Informationen über fremdversorgte Kunden im EDMSystem. • Der Vertrieb erhält Informationen über fremdversorgte Kunden im Abrechnungssystem. [...]
3.3.1 Prozessbeschreibung Der Wechsel eines Kunden vom eigenen Vertrieb zu einem Fremdlieferanten beginnt mit dem Eingang der Kündigung bei der Abteilung Vertrieb. Die Kündigung erfolgt i. d. R. durch den Fremdlieferanten, der die Formalitäten für den Kunden abwickelt und zeitgleich die Netznutzung anmeldet (AS 1).73 Die Abteilung Abrechnung prüft die Kündigung unter Zuhilfenahme des Energiedatenmanagement-Systems (EDM-System) und Abrechnungssystems und kennzeichnet diese bei ordnungsgemäßer Abmeldung entsprechend im System (AS 2). Die Versendung der Kündigungsbestätigung an den Fremdlieferanten und der Abmeldung an den Netzbetrieb zusammen mit der Anmeldung des Fremdlieferanten zur Netznutzung erfolgt im Anschluss durch den Vertrieb (AS 3 und AS 4).74 Die Prüfung der Ab- bzw. Anmeldung des Fremdlieferanten zur Netznutzung wird netzseitig durch die Abteilung Netzmanagement durchgeführt. Hierbei erfolgt eine EDM- und Abrechnungssystemgestützte Kontrolle hinsichtlich der Identifizierbarkeit der betroffenen Zählstelle und der Vertragssituation mit dem Neulieferanten (AS 5). Bei erfolgreicher Prüfung versendet das Netzmanagement eine Bestätigung zur An- bzw. Abmeldung an den Fremdlieferanten und den Vertrieb (AS 6). Ferner beauftragt sie die Abteilung Abrechnung mit der Ablesung des Zählerstandes, der über das EDM-System im Abrechnungssystem hinterlegt wird (AS 7).75 Anschließend wird der neue Vertrag durch das Netzmanagement im EDM- und Abrechnungssystem aktiviert und somit einer [...]
Der Prozess Lieferantenwechsel ist der Wechsel einer Lieferstelle von einem Altlieferanten zu einem Neulieferanten.71 Er zählt zu den komplexesten Prozessen, die durch die Deregulierung entstanden sind, da mit mehreren Marktpartnern kommuniziert werden muss und i. d. R. mehrere Geschäftsbereiche innerhalb des Unternehmens betroffen sind.72 Auch der Lieferantenwechselprozess lässt sich in drei Konstellationen aufteilen: (a) Eine vom eigenen Vertrieb belieferte Verbrauchsstelle im eigenen Netz wird ab einem bestimmten Termin von einem Fremdlieferanten beliefert (Erstwechsel). (b) Eine von einem Fremdlieferanten belieferte Verbrauchsstelle im eigenen Netz wird ab einem bestimmten Termin von einem anderen Fremdlieferanten beliefert (Zweitwechsel). (c) Eine von einem Fremdlieferanten belieferte Verbrauchsstelle im eigenen Netz wird ab einem bestimmten Termin vom eigenen Vertrieb beliefert [...]
In den Warenkorb
98,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832490515
Arbeit zitieren:
Börgartz, Marc Juli 2005: Erstellung eines Konzeptes zum informatorischen Unbundling in einem mittelständischen, vertikal integrierten Energieversorgungsunternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Liberalisierung, SAP IS-U, Strom, EnWG, Entflechtung



