Ermittlung zuschauerorientierter Leistungen im Fußball mittels adaptiver Conjoint Analyse
Eine sozioökonomische Untersuchung am Beispiel des Fußballzweitligisten Mainz 05
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Norman Hänsler
- Abgabedatum: November 2000
- Umfang: 160 Seiten
- Dateigröße: 2,2 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4510-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4510-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4510-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hänsler, Norman November 2000: Ermittlung zuschauerorientierter Leistungen im Fußball mittels adaptiver Conjoint Analyse, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Conjoint-Analyse, Fußballzuschauer, Mainz 05, Marketing im Fußball, Präferenz- und Bedürfnisstruktur
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Magisterarbeit von Norman Hänsler
Einleitung:
Welche Nutzenvorstellungen haben Fußballzuschauer im Stadion?
Im Rahmen der Magisterarbeit wurden die Präferenzen der derzeitigen und potentiellen Kunden des Produktes „Fußballereignis Mainz 05“ mit Hilfe eines conjoint-analytischen Verfahrens untersucht, da auf diesem Weg eine intensive Orientierung an den Bedürfnissen der Zuschauer bzw. Kunden eine entsprechend hohe Zahl von potentiellen Fußballzuschauern zum Besuch eines Spiels bewegt werden kann.
Um langfristig höhere Zuschauerzahlen und infolgedessen finanzkräftige Sponsoraktivitäten realisieren zu können, die den sportlichen Erfolg der Mannschaft fördern, bedarf es fundierter Kenntnisse über die Präferenzstruktur der Kunden bzw. Zuschauer – auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Freizeit- und Unterhaltungsangebots.
Es ist also für Vereine wichtig, Informationen über den Nutzen, den Zuschauer aus einem Stadionbesuch ziehen, zu erhalten. Ziel der Arbeit war es, aus solchen Nutzenvorstellungen der Zuschauer die einzelnen Merkmalswichtigkeiten des Produktes „Fußballereignis Mainz 05“ zu bestimmen. Der Zuschauer bzw. seine Bedürfnisse stellen in diesem Fall das zentrale Element bei der Gestaltung des Erlebnis- und Unterhaltungsproduktes „Fußball“ dar. Dieser Sachverhalt erfordert ein kunden- bzw. zuschauerorientiertes Handeln, denn die Geschäftsgrundlage bleibt die Begeisterung der Massen, trotz des zunehmenden Big Business’.
Eine aus Nutzenvorstellungen und Zuschauerbedürfnissen gewonnene Informationsbasis liefert wichtige Erkenntnisse zur erfolgreichen Umsetzung marketingpolitischer Aktivitäten, wie beispielsweise Produkt-, Kommunikations- und Preisgestaltung. Das Vereinsumfeld ist derart zu gestalten, daß sich ein für alle Beteiligten lohnender Kontakt zum Verein ergibt, das heißt: ökonomischer Nutzen in den Augen der Geldgeber, so daß auch in Zeiten wirtschaftlicher Krisen der Finanzfluß durch den Sponsor nicht zum Erliegen kommt, und ein bedürfnisbefriedigendes Erlebnis in den Augen der Zuschauer. Dadurch können wirtschaftliche Interessen mit den Ansichten der Kunden – also der Fans – in Einklang gebracht werden.
Somit dürfte sich die empirische Untersuchung von Merkmalswichtigkeiten des Produktes „Fußballereignis“ insbesondere für jene Anbieter bzw. Fußballvereine als äußerst relevant für die Rekrutierung neuer Kunden erweisen, die eher nur geringe Zuschauerzahlen in Stadien aufweisen und damit eine unzureichende Produktnachfrage in diesem Segment des Konsums von Spielereignissen zu beklagen haben. Für Fußballvereine mit höherer Besucherattraktivität dürfte eine solche Analyse mittel- und langfristig als wesentlich für die Erhaltung der Attraktivität und damit der hohen Nachfrage einzuschätzen sein.
Gang der Untersuchung:
Zur Analyse der Präferenzstruktur von derzeitigen und potentiellen Zuschauern des Fußballzweitligisten Mainz 05 wurden mit Hilfe des multivariaten Verfahrens ACA (Adaptive Conjoint Analyse) 283 computergestützte Interviews durchgeführt. Der Vorteil dieses Verfahrens gegenüber merkmalsspezifischen Einzelurteilen ist sein dekompositioneller Charakter, d.h. der Befragte beurteilt nicht die einzelnen Produktmerkmale, wie z.B. Stimmung, Preis der Eintrittskarte oder Sicherheit im Stadion, sondern immer ein leicht modifiziertes Produkt als Ganzes. Auf Basis von Globalurteilen wird somit der relative Beitrag – der sogenannte Teilnutzenwert – der einzelnen, gestaltbaren Produktmerkmale zum Gesamtnutzen mit Hilfe von multivariaten statistischen Schätzverfahren ermitteln, da es bei der Gestaltung von Objekten wichtig ist zu wissen, welchen Beitrag verschiedene Komponenten zum Gesamtnutzen eines Produktes beitragen. Im Falle des Produktes „Fußballereignis Mainz 05“ wurden mit Hilfe von drei im Vorfeld durchgeführten qualitativen Interviews 16 Produktmerkmale und 81 Merkmalsausprägungen ermittelt, die das Gesamtprodukt „Fußballereignis Mainz 05“ konstituieren sollten.
Vor dem empirischen Teil der Arbeit wurden in der gebotenen Prägnanz und Kürze die theoretischen Grundlagen der Conjoint Analyse, die verschiedenen Untersuchungsansätze sowie ihre vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, aber auch ihre Anwendungsgrenzen dargestellt, die sich insbesondere dort zeigen, wo Kaufentscheidungen eher habitualisierend erfolgen oder vielmehr impulsiv motiviert sind und nicht in hohen Maßen weitreichenden kognitiv gesteuerten Entscheidungsprozessen unterliegen.
Das ACA-Design wurde mit Hilfe von einigen sozioökonomischen Kriterien, die mittels einer speziellen Software (Sawtooth Software Ci3) erhoben wurden, ergänzt, bzw. bei der Analyse als diskriminierende Variablen genutzt.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | VIII | |
| Vorwort | IX | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Stand der Forschung und Zielsetzung der Untersuchung | 5 |
| 1.3 | Vorgehensweise | 8 |
| 2. | Methodik: Konzept der Conjoint Analyse | 11 |
| 2.1 | Grundlagen der Conjoint Analyse | 11 |
| 2.1.1 | Einordnung der Conjoint Analyse | 14 |
| 2.1.2 | Anwendungsbereiche der Conjoint Analyse | 14 |
| 2.1.3 | Grenzen der Conjoint Analyse | 15 |
| 2.1.4 | Die Conjoint Analyse zur Parametrisierung von Präferenzmodellen | 16 |
| 2.2 | Ablauf der Conjoint Analyse | 19 |
| 2.2.1 | Identifikation der Merkmale und Merkmalsausprägungen | 20 |
| 2.2.2 | Entwicklung des Erhebungsdesigns | 22 |
| 2.2.3 | Bewertung der Stimuli | 24 |
| 2.2.4 | Schätzung der Nutzenwerte | 24 |
| 2.2.5 | Aggregation der Nutzenwerte | 25 |
| 2.3 | Conjointanalytische Untersuchungsansätze | 26 |
| 2.3.1 | Hybrid Conjoint Analyse | 27 |
| 2.3.2 | Adaptive Conjoint Analyse | 27 |
| 2.3.2.1 | Eliminierung von nicht akzeptierten Ausprägungen | 30 |
| 2.3.2.2 | Präferenzangabe der verbleibenden Ausprägungen | 31 |
| 2.3.2.3 | „Most likelies“ | 31 |
| 2.3.2.4 | Bestimmung der Wichtigkeit der Ausprägungsunterschiede | 31 |
| 2.3.2.5 | Paarvergleiche - Beurteilung von Produktkonzepten | 32 |
| 2.3.2.6 | Kaufwahrscheinlichkeiten | 32 |
| 2.3.3 | Choice-Based Conjoint Analyse | 33 |
| 2.3.4 | Hierarchische Informationsintegrations-Conjoint Analyse | 34 |
| 2.3.5 | Fazit | 34 |
| 3. | Empirische Anwendung - Einsatz der ACA zur zuschauerorientierten Gestaltung des Produktes „Fußballereignis Mainz 05“ | 37 |
| 3.1 | Überblick über die Entwicklung der Untersuchungsarbeit | 37 |
| 3.1.1 | Definitionsphase: Problemstellung und Zielsetzung | 37 |
| 3.1.2 | Designphase | 38 |
| 3.1.3 | Feldphase | 40 |
| 3.1.4 | Analysephase | 40 |
| 3.1.5 | Kommunikationsphase | 40 |
| 3.2 | Ablauf des Untersuchungsprozesses | 41 |
| 3.2.1 | Identifikation der relevanten Merkmale und Merkmalsausprägungen | 41 |
| 3.2.1.1 | Die Gruppendiskussion als Vorbereitungsverfahren der ACA | 41 |
| 3.2.1.2 | Das Untersuchungsdesign | 42 |
| 3.2.1.3 | Aufbereitung und Auswertung der Gruppendiskussion | 45 |
| 3.2.1.4 | Bestimmung der Merkmale und Merkmalsausprägungen | 45 |
| 3.2.2 | Programmierung und Diskussion des Untersuchungsdesigns | 51 |
| 3.2.3 | Durchführung der Befragung | 56 |
| 3.2.4 | Aufbereitung des Datenmaterials und Darstellung der Ergebnisse | 57 |
| 3.2.4.1 | Darstellung der Probandenstruktur | 58 |
| 3.2.4.2 | Überprüfung der Anwortkonsistenz | 61 |
| Exkurs: Zusammenfassung der Untersuchungsgruppen | 66 | |
| 3.2.4.3 | Teilnutzenwerte und Merkmalswichtigkeit | 69 |
| 3.2.4.4 | Beurteilung der verschiedenen Kartentypen | 81 |
| 3.2.5 | Implikation und Diskussion | 87 |
| 3.2.5.1 | Zentrale Ergebnisse | 87 |
| 3.2.5.2 | Diskussion der Untersuchungsmethodik und der Untersuchungsergebnisse | 90 |
| 4. | Zusammenfassung | 94 |
| Quellen- und Literaturverzeichnis | 97 | |
| Verzeichnis des Anhangs | 101 |
bedingt realisieren. Für ein „normales“126 Fußballerlebnis ergeben sich folgende Werte: 50% (Studenten/Azubis), 40% (Schüler), 27% (SEL/AR)127. Eine weitere Analysemöglichkeit besteht in der Umrechnung der Nutzenwertunterschiede zwischen den einzelnen Merkmalsausprägungen in Preisdifferenzen. Hieraus läßt sich der monetäre Wert einzelner Merkmalsausprägungen bestimmen und somit die maximalen Preisaufschläge für die Modifikation der Produktmerkmale ableiten. Zum Beispiel weist das Merkmal Stehkategorie für die Schülergruppe eine Nutzendifferenz von 9,9 zwischen den Ausprägungen Q-Block (23,60) und R-Block (13,61) auf.128 Dieser Unterschied von 9,9 Nutzeneinheiten entspricht einem monetären Wert von 2.30,- DM.129 Schüler sind offenbar bereit, für eine Q-BlockKarte mehr auszugeben als für eine R-Block-Karte. Somit kann der Frage nachgegangen werden, wieviel dem Zuschauer eine Veränderung der Produktmerkmale in Geldeinheiten Wert ist. Das setzt für einige Merkmale, wie z.B. Service und Rahmenprogramm, voraus, daß Produktmodifikationen vom Zuschauer wahrgenommen und deren Umsetzungen als positiv bewertet werden. Der monetäre Endbetrag ist als grober Richtwert zu verstehen, da dieser von der Höhe des Nutzenbereichs, d.h. von der Wichtigkeit des Preises abhängt. Es ist für die vorliegende Untersuchung anzunehmen, daß aufgrund der hohen Merkmals- und Ausprägungsanzahl der Preis bei der Bewertung in den Hintergrund getreten ist und somit nicht die eigentliche Relevanz im Beurteilungsprozeß widerspiegelt.130 Um möglichst klare Unterschiede zwischen den Merkmalspräferenzen ermitteln zu können, soll nachfolgend das Datenmaterial in Abhängigkeit der Trennkriterien „Fußballinteresse“ und „Besuch bei Mainz 05“ untersucht werden. [...]
Ähnlich dem Teilnutzenverlauf ergeben sich hinsichtlich der Merkmalswichtigkeit für die SSA- und SEL/AR-Gruppe nur geringfügige Unterschiede, wie z.B. der Platzkomfort des Sitzbereichs oder das Polizei- und Ordneraufgebot. Eine daraus abzuleitende Homogenität der gesamten Zuschaugruppe kann allerdings nicht angenommen werden, da sich bei einer detaillierten Betrachtung der Zuschauergruppe für einige Merkmale nicht unwesentliche Differenzen ergeben. So zeigt sich beispielsweise, daß Schüler mehr Wert auf die Pausengestaltung legen (4,6%) als die Studenten- und Azubigruppe (2,4%). Der Vergleich zwischen der SSA- (3,1%) und SEL/AR-Gruppe (3%) ist daher für dieses Merkmal nicht präzise genug. Eine weitere Gruppendifferenzierung ist erforderlich, um Fehlallokationen zu vermeiden. Die Klassifikation der SSA-Gruppe in Schüler und Studenten/Azubis zeigt einen tendenziellen Unterschied123 bezüglich der Merkmale Angebot, Service, Polizeiund Ordneraufgebot, Stehkategorie, Publikum, Pausengestaltung und Bedeutung des Spiels auf. Um weitere wichtige Informationen für einen gezielten Ressourceneinsatz gewinnen zu können, ist eine Untersuchung der Teilnutzenwerte der einzelnen Merkmalsausprägungen nötig. So verdeutlicht Tabelle 12, daß sich die Präferenzbeträge der SSA- und SEL/AR-Gruppe, abgesehen von der Merkmalsausprägung Bustransfer zum Stadion, nur geringfügig voneinander unterscheiden. Vergleicht man jedoch die Gruppe der Selbständigen und Arbeitnehmer, der Schüler sowie der Studenten und Auszubildenden miteinander, so ergeben sich wesentlichere Unterschiede. [...]
Ähnlich wie bei den Merkmalen „Wetter“ und „Sichtverhältnis“ ergibt sich bei der Betrachtung der Teilnutzenwerte der einzelnen Preislevel eine natürliche Reihenfolge. Die Werte der einzelnen Teilpräferenzen folgen einem nahezu linearen Verlauf. Im Hinblick auf die zu beobachtenden Nutzenbereiche läßt sich bereits auf die große Bedeutung des Merkmals „Preis“ schließen. Wie sich zeigt, unterscheiden sich die beiden Gruppen hinsichtlich der Nutzenwerte nur geringfügig voneinander, was zunächst für eine homogene Gesamtzuschauergruppe spricht. Aus den Teilpräferenzwerten der verschiedenen Merkmalsausprägungen läßt sich die relative Wichtigkeit der einzelnen Merkmale bei der Herausbildung eines Präferenzurteils ermitteln. Sie wird bestimmt, indem die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten Nutzenwert eines Merkmals – der sogenannte Nutzenbereich – errechnet und durch die Betragssumme dieser Differenzen dividiert wird. Mit Hilfe der Angaben über die relative Wichtigkeit können Entscheidungen hinsichtlich der Ressourcenverteilung gestützt werden. Somit kann ein „kundenorientierter“ Verein die finanziellen und personellen Ressourcen gezielt einsetzen, [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832445102
Arbeit zitieren:
Hänsler, Norman November 2000: Ermittlung zuschauerorientierter Leistungen im Fußball mittels adaptiver Conjoint Analyse, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Conjoint-Analyse, Fußballzuschauer, Mainz 05, Marketing im Fußball, Präferenz- und Bedürfnisstruktur



