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Ermittlung der Pauschalwertberichtigung von Kreditinstituten nach Maßgabe des Expected Loss Konzeptes

Ermittlung der Pauschalwertberichtigung von Kreditinstituten nach Maßgabe des Expected Loss Konzeptes
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Kammerer
  • Abgabedatum: Juni 2003
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 626,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Mainz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7320-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7320-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7320-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kammerer, Stefan Juni 2003: Ermittlung der Pauschalwertberichtigung von Kreditinstituten nach Maßgabe des Expected Loss Konzeptes, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wertberichtigung, Risikovorsorge, Banken, Kreditgeschäft, Rechnungslegung

Diplomarbeit von Stefan Kammerer

Einleitung:

Angesichts einer stetig steigenden Risikovorsorge, die immer größere Teile des Teilbetriebsergebnisses aufzehrt, wird das Management von Kreditrisiken im klassischen Kreditgeschäft für die Kreditinstitute zunehmend von vitaler Bedeutung.

Nach einem Überblick über verschiedene Aspekte der Kreditrisikovorsorge in Kreditinstituten wird die Pauschalwertberichtigung als zentrales Element zur Abdeckung latenter Risiken im Kreditportfolio und ihre handelsrechtliche Darstellung in den Jahresabschlüssen nach deutschem (HGB, RechKredV) als auch internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS, US-GAAP) erläutert.

Im Anschluss daran wird ausführlich die in Deutschland geltende Berechnungsmethodik nach der Vorgabe des Bundesministeriums der Finanzen erörtert sowie deren Schwachstellen für eine risikoadäquate Bemessung der Risikovorsorge aufgezeigt.

Nach einer Einführung in die Grundlagen des Expected Loss Konzeptes werden detailliert verschiedene Verfahren vorgestellt, wobei der Schwerpunkt auf dem praxisnahen rating-basierten Ermittlungsverfahren auf Basis historischer Ausfallraten liegt.

Ein nachfolgender Exkurs zur Ermittlung und Anwendung des Unexpected Loss als weiterführende Rechnung zum Expected Loss, die beispielsweise als Grundlage für die Allokation von Eigenkapital herangezogen werden kann, rundet den Themenkomplex ab.

Auf Basis der Ausführungen zum Expected Loss werden nun die Voraussetzungen, Einschränkungen sowie steuerliche Implikationen der Übertragung dieses Konzeptes auf eine Ermittlung der Pauschalwertberichtigung aufgezeigt.

Während das Expected Loss Konzept in der Literatur bislang isoliert von der Darstellung von Wertberichtigungen behandelt wird, enthält diese Arbeit erstmals eine Verknüpfung beider Themenbereiche. Insbesondere werden das traditionelle Verfahren sowie das Expected Loss Konzept als mögliche Grundlagen für eine Ermittlung der Pauschalwertberichtigung anhand ausgewählter Charakteristika gegenübergestellt und bewertet.

Abgerundet wird dieser Vergleich durch eine Untersuchung der jeweils zehn größten Kreditinstitute Deutschlands bzw. weltweit im Hinblick auf die konkrete Anwendung verschiedener Methoden zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigungen.

Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der Anwendungsvoraussetzungen unter Berücksichtigung der momentan vorherrschenden Rahmenbedingungen im Bankgewerbe. Hierbei werden auch aktuelle Entwicklungen sowie deren potenzieller Einfluss auf die Wertberichtigungskultur aufgezeigt. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass auf Basis des vorgestellten Expected Loss Konzeptes eine Vorsorge gegen latente Kreditrisiken wesentlich individueller, transparenter und risikoadäquater vorgenommen werden als dies nach den einschlägigen Vorgaben des Bundesministeriums der Finanzen der Fall ist.

Die Diplomarbeit wurde im Rahmen eines berufsbegleitenden Studiums erstellt. Der Autor ist im Risikocontrolling der Deutsche Bank AG tätig, und hat die Umstellung der Ermittlung von Pauschalwertberichtigungen auf Basis des Expected Loss Konzeptes im Deutsche Bank Konzern koordiniert. Das gesamte Werk ist somit sehr praxisorientiert - quasi aus der Praxis für die Praxis - verfasst. Neben einer umfangreichen Literaturrecherche sind in der Arbeit 11 Tabellen sowie 18 Abbildungen zur Visualisierung der dargestellten Sachverhalte enthalten.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS VI
ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS VIII
1. Einleitung 1
1.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen 1
1.2 Auswirkungen auf Kreditinstitute 2
1.3 Die Risikovorsorge für Kreditrisiken der Kreditinstitute 3
2. Ziel von Pauschalwertberichtigungen 5
3. Darstellung im Jahresabschluss der Kreditinstitute 7
3.1 Rechnungslegung nach HGB / RechKredV 7
3.2 Rechnungslegung nach IAS 8
3.3 Rechnungslegung nach US-GAAP 10
3.4 Empfehlungen der BIZ 12
4. Klassische Berechnungsmethodik in deutschen Kreditinstituten 13
4.1 Handelsrechtliche Grundlagen der Bewertung von Forderungen 13
4.2 Vorgaben zur Ermittlung 14
4.2.1 Vorgaben des BMF 15
4.2.2 Unterschiede zu den Vorgaben des Bankenfachausschusses des IdW 18
4.2.3 Beurteilung der dargestellten Methoden 19
5. Das Expected Loss Konzept 20
5.1 Grundlagen 21
5.2 Traditionelle Ermittlungsverfahren auf Basis historischer Ausfallraten 22
5.2.1 Segmentierung nach verschiedenen Kreditprodukten bzw. -produktgruppen 22
5.2.2 Segmentierung nach Geschäftsfeldern 23
5.2.3 Segmentierung auf Basis einer „Zustandsmatrix” 23
5.3 Rating-basierte Ermittlungsverfahren auf Basis historischer Ausfallraten 24
5.3.1 Kreditäquivalent zum Zeitpunkt des Ausfalls 25
5.3.2 Ausfallwahrscheinlichkeit 27
5.3.3 Ausfall- bzw. Rückzahlungsquote 34
5.4 Alternative Verfahren 36
5.4.1 Kalkulation des Bonitätsrisikos 36
5.4.2 Indikatormodell marktdeduzierter Risikokosten 38
5.4.3 Verwendung von Marktpreisen für Kreditrisiken 39
5.4.4 Anwendung eines Optionspreismodells 40
6. Exkurs: Unexpected Loss 45
6.1 Verhältnis zwischen Expected und Unexpected Loss 45
6.2 Besonderheiten bei der Messung des Unexpected Loss 46
6.2.1 Verteilungsanomalien 47
6.2.2 Interdependenzen zum Expected Loss 48
6.2.3 Portfoliodiversifikation 49
6.2.4 Weitere Unterschiede 50
6.3 Anwendung in der Praxis 51
6.3.1 Verbreitete Simulationsmodelle für Kreditrisiken 51
6.3.2 Berücksichtigung im Rechnungswesen der Kreditinstitute 52
7. Übertragung des Expected Loss Konzeptes auf die Ermittlung der Pauschalwertberichtigung 54
7.1 Einschränkungen 54
7.2 Anwendungsvoraussetzungen 57
7.3 Steuerliche Implikationen 58
8. Vergleichende Betrachtung 60
8.1 Höhe der zu bildenden Pauschalwertberichtigung 60
8.2 Granularität & Transparenz 62
8.3 Reagibilität 63
8.4 Volatilität 67
8.5 Komplexität 68
8.6 Zusammenfassung 69
9. Anwendung in Kreditinstituten 70
9.1 Kreditinstitute in Deutschland 70
9.2 Kreditinstitute international 73
10. Kritische Würdigung & Ausblick 77
10.1 Unterentwickelte Rating-Kultur 77
10.2 Unzureichende Informationstechnologie 79
10.3 Neue Impulse durch Basel II 79
10.4 Vorgaben der MaK (Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute) 80
10.5 Zunehmender Einsatz von Kreditderivaten 81
10.6 Resümee 82
LITERATURVERZEICHNIS 83

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ratings-Based approach) gelten sollen: Es sind mindestens sieben Rating-Klassen für nicht notleidende Kredite sowie mindestens eine Klasse für notleidende Kredite einzuführen.84 Alle relevanten Faktoren des Kreditnehmerrisikos sind bei der Rating-Vergabe zu berücksichtigen.85 Die Zuordnung eines initialen Ratings hat im Rahmen der Kreditgenehmigung zu erfolgen.86 Die vergebenen Ratings sind mindestens einmal jährlich zu überprüfen, bei problembehafteten Engagements entsprechend häufiger.87 Es ist eine Datenhistorie von mindestens drei Jahren vorzuhalten.88 Für eine Abschätzung risikoklassenspezifischer Ausfallraten auf Basis von internen Ratings gelten darüber hinaus folgende Voraussetzungen:89 Für eine zuverlässige Schätzung von Ausfallraten ist eine umfangreiche historische Datenbasis erforderlich, die Angaben zu Kreditvolumina und Insolvenzdaten über mehrere Jahre hinweg umfassen muss. Von den Großbanken abgesehen werden somit die meisten —überwiegend regional aktiven— Institute nicht über die erforderlichen umfangreichen statistischen Unterlagen verfügen. Abhilfe schafft hier die Einführung institutsübergreifender Datenbanken (z.B. das BVR-Rating-System der Genossenschaftsbanken oder das DSGV-RatingSystem der Sparkassen90) sowie ggf. die Inanspruchnahme externer Dienstleistungsunternehmen (z.B. Creditreform oder die bereits erwähnten Rating-Agenturen). Eine anzustrebende möglichst feine Differenzierung der Risikoklassen wird in erheblichen Maße von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Ausfalldaten bestimmt: Insbesondere bei den guten Bonitätsklassen kann es hierbei aufgrund des relativ seltenen Vorkommens von Ausfällen in der Vergangenheit zu statistischen Schätzfehlern bei der Ermittlung von Ausfallraten kommen. [...]

Bei der Verwendung externer Ratings zur Bestimmung des Expected Loss sind jedoch folgende Restriktionen zu beachten:82 Zentrale Voraussetzung ist naturgemäß, dass die Kreditnehmer überhaupt durch eine anerkannte Rating-Agentur bewertet wurden. In Europa fehlt es zumeist noch an einer entsprechenden „Rating-Kultur”: Selbst die am Kapitalmarkt aktiven Großunternehmen können nicht alle ein extern vergebenes Rating aufweisen, für das gesamte Mittelstands- und Privatkundengeschäft existieren praktisch überhaupt keine externen Ratings. Darüber hinaus muss ein Rating bei den Agenturen separat beauftragt werden, und ist abhängig von der Unternehmensgröße und -komplexität mit z.T. nicht unerheblichen Kosten für das zu ratende Unternehmen verbunden. Bei der Vergabe von (primär Emissions- und Emittenten-)Ratings durch die RatingAgenturen wird nicht nur das Kriterium der Ausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners herangezogen, sondern es fließen auch eine Reihe weitere Faktoren wie z.B. Art und Ausstattung der begebenen Anleihen, Sicherheitenstellung und Rangordnung der Verbindlichkeiten in die entsprechende Risikoklasse ein. Diese weiteren Faktoren müssten für eine Ermittlung des Expected Loss separiert und eliminiert werden. Insbesondere aufgrund der fehlenden externen Rating-Informationen für das Gros der Kreditnehmer ist daher die Verwendung institutseigener (interner) Ratings angezeigt. (c) Interne Ratings Im Rahmen eines institutsinternen Rating-Systems werden Kreditnehmer auf der Basis einer entsprechenden Bonitätsanalyse bzw. Kreditwürdigkeitsprüfung in von der Bank selbst zu definierende, möglichst homogene Risikoklassen eingestuft. Die Ermittlung von Ausfallraten innerhalb dieser Risikoklassen erfolgt anschließend mittels Rückgriff auf historische Kreditvolumina und Insolvenzdaten.83 Die Anforderungen an interne Rating-Systeme sind zahlreich. Exemplarisch seien an dieser Stelle die vom Basel Committee on Banking Supervision der BIZ veröffentlichten Kriterien aufgeführt, die für eine Anerkennung der internen Ratings für die zukünftige Eigenkapitalunterlegung der Kreditinstitute im Rahmen des IRB-Ansatzes (Internal [...]

Es ist also erforderlich, im Sinne einer Prognose über die Fähigkeit des Kreditnehmers, zukünftige Zahlungsverpflichtungen aus dem Kreditverhältnis erfüllen zu können, die Bonität des Schuldners einzuschätzen. Zu diesem Zweck wird ein Klassifizierungssystem mit verschiedenen Risikoklassen (Ratings) eingeführt, auf dessen Basis zumindest eine ordinale Skalierung der Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer vorgenommen werden kann. Pro gebildeter Rating-Stufe können nun Ausfallquoten auf der Basis historischer Daten kalkuliert werden, mit der alle Kreditnehmer innerhalb einer bestimmten Rating-Stufe einheitlich belegt werden. Um hierbei eine verursachungsgerechte Kalkulation von Risikoprämien zu erreichen, sollten die einem bestimmten Rating zugeordnete Kreditnehmer hinsichtlich ihres Risikogehaltes möglichst homogen sein.76 Grundsätzlich können Rating-Informationen aus externen Quellen stammen oder auf der Basis eigenentwickelter (interner) Klassifizierungssysteme ermittelt werden. (a) Der Rating-Begriff Ratings wurden ursprünglich entwickelt, um die Güte festverzinslicher Wertpapiere zu bewerten.77 Vor diesem Hintergrund werden Ratings daher definiert als „Meinungen über die künftige Fähigkeit und rechtliche Verpflichtung eines Emittenten, Zahlungen von Zins und Tilgung einer von ihm begebenen Schuldverschreibung termingerecht und vollständig zu erfüllen. Sie bestimmen die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsstörungen einer Schuldverschreibung über ihre gesamte Laufzeit.”78 Dieses Konzept gilt jedoch nicht nur für Verbindlichkeiten gegenüber dem Kapitalmarkt, sondern lässt sich auch analog für aufgenommene Kredite anwenden. (b) Externe Ratings Der Begriff des externen Ratings bezieht sich im Bank- und Börsenwesen in erster Linie auf das kommerzielle Kredit-Rating der Rating-Agenturen. Von besonderer Relevanz sind hierbei die Rating-Einstufungen der marktführenden Agenturen Moody's Investors Service Inc. (Moody's), Standard & Poor's Corp. (S&P) 79 sowie Fitch IBCA. [...]

Arbeit zitieren:
Kammerer, Stefan Juni 2003: Ermittlung der Pauschalwertberichtigung von Kreditinstituten nach Maßgabe des Expected Loss Konzeptes, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wertberichtigung, Risikovorsorge, Banken, Kreditgeschäft, Rechnungslegung

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