Erlebnispädagogik in Kombination naturtherapeutischer Ansätze
Ein Wegweiser für die jugendliche Sinnsuche
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christina Kasper
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 86 Seiten
- Dateigröße: 2,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Fulda Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9409-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9409-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9409-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kasper, Christina Januar 2006: Erlebnispädagogik in Kombination naturtherapeutischer Ansätze, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Jugendphasen, Lebensbewältigung, Schulsozialarbeit, Prozessgestaltung, Bildung
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Diplomarbeit von Christina Kasper
Problemstellung:
„Das Labyrinth führt den Besucher, im Unterschied zum Irrgarten, auf einen einzigen Weg ins Zentrum. Dieser Weg ist lang und für den, der sich im Labyrinth befindet, höchst unübersichtlich. Doch jeder Besucher weiß, dass er zwangsläufig zum Mittelpunkt führt, dort endet und in eine Umkehr zum Ausgang mündet. Im Unterschied zur Spirale, die mit dem Labyrinth den einen Weg zur Mitte gemeinsam hat, fußt das Labyrinth jedoch viel stärker auf dem Prinzip des Umweges und der ständigen Änderung der Bewegungsrichtung.“ (Schödlbauer).
Im Bezug auf dieses Diplomthema, stellt die Jugend für mich ein Labyrinth dar.
Jugendliche stehen in einer besonders langen und wesentlichen Übergangszeit im menschlichen Leben. Sie sind keine Kinder mehr, aber sie sind auch noch nicht erwachsen. Sie haben eine große Bandbreite von Entwicklungsaufgaben zu bewältigen.
Eine Geschlechtsidentität ist zu gewinnen, ebenso berufliche Identität, von der Fürsorge der Eltern geht es zur selbständigen Lebensführung auf der Basis eigenen Wertebewusstseins mit sozial verantwortlichem Verhalten. Die eigene körperliche Erscheinung muss akzeptiert werden. Affektkontrolle muss erlangt werden. Es drängt die Jugendlichen danach, mit dem neu gewonnenen Energiepotential an die eigenen Grenzen zu gehen, sich intensiv zu spüren und sinnlich-leibhaftige Erfahrungen zu machen. Zu den Altersgenossen, die in dieser Lebensphase eine zentrale Rolle spielen, muss eine neue Art von Beziehung gewonnen werden. Das zu dieser Phase gehörende narzisstische Bedürfnis, sich hervorzuheben und Bestätigung zu erlangen dies alles muss gestillt werden. Und hierbei in einem Gruppengefühl aufzugehen, also gleichzeitig ganz anders und doch ganz gleich wie die anderen zu sein, diese halt gebende Jugendkultur ist zur persönlichen Stabilisierung in dieser labilen Übergangsphase äußerst bedeutend.
„Wer bin ich?“ und „Mit welchen Rollen des Erwachsenenstatus kann ich mich identifizieren?“ und „Wo finde ich meinen Platz auf dieser Welt?“ und „Welchen Sinn sehe ich in meinem Leben?“ sind die zentralen Fragen und stellen heute die Schwelle dar, die überschritten werden muss. Auf den oft auch zu früh beschrittenen Entwicklungspfaden auf der Suche nach sinnvollem Leben und geglückten Beziehungen kann es schwierige Wege mit großen Krisen geben, Wege, die auch ins Abseits führen. Und wie kann ein Jugendlicher trotz oder mit seinen chaotischen, oft total gegensätzlichen inneren Befindlichkeiten die Anforderungen meistern? Ist es doch in unserer Gesellschaft überwiegend ihm selbst überlassen, die Entwicklungsaufgaben in die Hand zu nehmen und die Erfüllung tatkräftig anzustreben. Übergangsrituale, die Rahmen setzen und Unterstützung geben, sind uns weitgehend abhanden gekommen.
In dieser Arbeit habe ich mich zunächst näher mit der Jugend beschäftigt. Dazu werde ich zu Anfang kurz die Jugendarbeit anhand des Jugendrechtes aufzeigen und im Laufe der Arbeit immer wieder darauf zurückkommen. Daraufhin werde ich einen Blick in die Geschichte der Jugendkultur „werfen“, um im Gegensatz dazu eine heute völlig andere „Jugend der Moderne“ näher beleuchten zu können. Anhand einer Studie (Kapitel 1.3) werde ich die Werte der Jugendlichen heute aufzeigen und anschließend auf die Rolle der Gleichaltrigen in der Jugend eingehen, da sie in der Adoleszenz von großer Bedeutung sind.
Diese Gruppe nimmt besonders in der Freizeitgestaltung der Jugendlichen eine sozialisierende Funktion ein. Die Mitglieder haben gleichwertige Teilnahmechancen und lassen einen Raum entstehen, in dem es den Jugendlichen ermöglicht wird, soziale Verhaltensweisen auszuprobieren.
Nach einem kurzen Einblick in die heutige Problematik der Identitätsentwicklung und der Bildung werde ich zwei Praxisansätze vorstellen und über das Thema der Erlebnisgesellschaft, zum zweiten Teil dieser Arbeit kommen - der Erlebnispädagogik.
„Das Labyrinth ist seinem innersten Wesen nach eine Erlösungsfigur, bei der es letztlich nicht nur darum geht, sich auf dem Weg nach drinnen, wenn auch nur ein wenig von sich selbst zu entfernen und um sich darin zu finden, sondern anschließend den Weg vom Zentrum aus wieder ins Freie zu gehen.“ (Schödlbauer).
Die Jugend stellt den Übergang von der Kindheit in die Erwachsenenwelt dar. Jugendliche suchen während dieser Zeit nach dem Sinn ihres Lebens. So müssen sie sich von dem Kind sein zuerst verabschieden, um für sich zu sehen, wie sie in der Erwachsenenwelt für sich am besten zu Recht kommen.
Die Erlebnispädagogik kann meines Erachtens eine Basis darstellen, die den Jugendlichen in „ihrem verschlungenen Labyrinth“ zur Gestaltung des Erwachsenenlebens verhilft. Sie ist eine gute Reaktion auf die immer stärker durch Defizite gekennzeichnete Welt der Jugendlichen. Jugendliche werden immer perspektivloser, erlebnisärmer und somit auch erfahrungsärmer, da durch die ständigen Reizüberflutungen wie z.B. Medien und Umwelt, sie vieles nicht mehr erleben und unmittelbar erfahren können. Anstelle eigener Abenteuer treten heute immer mehr vorstrukturierte Freizeit- und Konsumangebote.
Wer sich mit dem Thema der Erlebnispädagogik befasst, stößt immer wieder auf Schlagwörter wie „Learning by Doing“, „Ganzheitlichkeit“ oder „Handlungsorientierung“. Dies bedeutet, dass in diesem Fall die Jugendlichen, am besten etwas über; und vor allem von der Erlebnispädagogik lernen, wenn sie – neben der theoretischen Auseinandersetzung- sie selbst erfahren.
„Die Dinge die wir wirklich wissen, sind nicht die Dinge, die wir gehört oder gelesen haben, vielmehr sind es die Dinge, die wir gelebt, erfahren, empfunden haben.“ (Calvin M. Woodward).
Zu Anfang dieses vielseitigen Themas und der Auseinandersetzung des Begriffes habe ich mich für einen kurzen Überblick der Geschichte zur Erlebnispädagogik entschieden, da in ihrer näheren Auseinandersetzung, und somit auch in den folgenden Kapiteln, immer wieder Bezug auf die Geschichte genommen wird.
An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Vielfalt der Veröffentlichungen zum Thema Erlebnispädagogik während meinen Recherchen oft mehr Verwirrung als mir einen Ein- oder Überblick verschafft hat. Diesbezüglich finde ich es wichtig in dieser Arbeit die gegenseitige Abhängigkeit von Theorie und Praxis in bestimmten Punkten anhand von eigenen Erfahrungen und Beispielen mit Jugendlichen aufzuzeigen. Ich werde versuchen ein Gleichgewicht zwischen der wissenschaftliche Auseinandersetzung und der beispielhaften Darstellung bzw. Erläuterung zu finden, ohne der prozesshaften Weiterentwicklung dieser Arbeit im Wege zu stehen.
In der Gegenwart hat die Erlebnispädagogik als eine Methode innerhalb der Pädagogik einen wichtigen Platz eingenommen.
In der Erlebnispädagogik geht es darum Menschen stark zu machen, gerade auch in der Konfrontation mit schwierigen Lebensabschnitten wie der Jugend. Ihr Augenmerk richtet sich auf die Entdeckung und Nutzung von inneren Potentialen mit der sich viele Chancen verbinden. Dies hat mich dazu veranlasst, der Erlebnispädagogik die Basis zur fortlaufenden Arbeit zu geben, welches auch den Aufbau der folgenden Kapitelthemen beinhaltet und zeigen wird.
Menschen die mit Jugendlichen zusammenarbeiten, vor allem im sozialen Sektor, wie Jugendarbeit und Schule helfen Jugendlichen dies beizubringen, was sie aus verschiedenen Gründen in der Familie etc. nicht lernen. Des Weiteren sollte sich dies nicht nur ausschließlich auf die Vermittlung von theoretischem Wissen konzentrieren, wodurch die Jugendlichen zwar urteilungsfähiger werden, jedoch nicht handlungsfähiger. Die Jugendlichen leben schon in einer Kultur die reich an Informationen aber arm an Erfahrungen ist. Die Bewegungsspielräume für Jugendliche sind dadurch knapper geworden, doch Jugendliche brauchen solche Erfahrungsräume, die unmittelbare, alltagsrelevante Erfahrungen mit „Ernstcharakter“ anbieten. Ich werde daher im Kapitel 2.3 besonderes Augenmerk auf das „Erlebnis“ und auf das humanistische Menschenbild nehmen. Auch werde ich an dieser Stelle eigene Erfahrungen anhand eines Praxisbeispiels mit Umfrage aufzeigen und anschließend die Lernmethoden ausführlicher behandeln.
Die Erfahrungen, die Jugendliche in der Schule, der Jugendarbeit, oder teilweise auch in der Freizeit machen, sind oft wirklichkeitsfremd und somit fällt es den Jugendlichen schwer, diese mit dem Kopf wahrgenommenen Erfahrungen in ihre Alltagswelt zu übertragen.
Dies gibt mir Anlass den Transfer und die Wirkung von erlebnispädagogischen Lernprozessen näher zu beleuchten und aufbauend darauf zum dritten Teil der Arbeit zu kommen.
Im dritten Teil dieser Diplomarbeit werde ich mit einem Überblick zur „kreativ-rituellen Prozessgestaltung Möglichkeiten aufzeigen, welche „Kraftquellen“ zur Sinnfindung oder Selbstverwirklichung für Jugendliche darstellen können.
In der heutigen schnelllebigen Zeit existiert kaum noch die Möglichkeit den Rückzug zu sich selbst zu finden. Begriffe wie Ausspannen, Entspannen, die Seele baumeln lassen sind für viele Jugendliche Fremdwörter. Was Erwachsene als Vorbilder nicht mehr erklären, lehren und vorleben können, es teilweise auch nicht wollen, ist für die Jugend schwer anzunehmen, zu begreifen und weiterzuentwickeln. Jugendliche die im Zusammenspiel ihrer Seele und ihres Körpers ihr Sozialverhalten nicht kennen lernen und damit umzugehen wissen, haben oft Probleme sich anzupassen.
Dies veranlasste mich nach Methoden zu suchen, die ich mit der Erlebnispädagogik und spiritueller Aspekte verbinden kann.
Die „kreativ-rituelle Prozessgestaltung“ ist eine integrative Weiterentwicklung der Erlebnispädagogik und stellt gleichzeitig eine Verbindung von Erklärbaren und Unerklärlichen, Offensichtlichen und Geheimnisvollen, von Sinnlichem und Übersinnlichen dar.
Um anschließend besser auf die folgende aufbauende Methode der Naturtherapie eingehen zu können (Kapitel 4), werde ich vorher die „Entwicklungsstufen des Selbst“ aufzeigen.
Ich möchte daraufhin weisen, dass ich die zwei ausgewählten Methoden nur vorstellen möchte und sie anhand von Beispielen zur Umsetzung verdeutliche, dies beinhaltet keine nähere theoretische Auseinandersetzung. Mein Wunsch, in dieser Arbeit die Kombination aus erlebnispädagogischen und spirituellen Ansätzen der Jugend in Bezug auf die Ausrichtung ihres Lebensweges aufzuzeigen, eine Hilfestellung zum Klären ihres Lebenswegs, ihrer Sinnfrage und der daraus resultierenden Selbstverwirklichung hat sich damit erfüllt.
Außerdem möchte ich dem Leser mit seiner Urteilsbildung und seiner individuellen Herangehensweise und Fortführung dieser eher spirituellen Themen nicht im Weg stehen. Näheres wird im dritten Teil dieser Arbeit besser ersichtlich werden.
Der „Weg“ (Kapitel 4.1) wird auch meine Vorgehensweise für die Vorstellung der naturtherapeutischen Arbeit sein. Das erwähnte Labyrinth am Anfang der Fragestellung wird wieder auftauchen und der „Kreis des Selbst“ wird neben, dem „Sich-Einfinden“ im Leben zur Sprache kommen. Ich habe diesen eher spirituellen Teil bewusst mit einer Wanderung „begonnen“ und „enden“ lassen.
Im abschließenden Teil (Kapitel 5) werde ich die am Anfang erwähnte Jugendhilfe und Bildung, einer kritischen Auseinandersetzung in Bezug auf „Bildung und Schule“ wieder in das Thema der Erlebnispädagogik mit einfließen lassen, und damit auch gleichzeitig einen Bezug zur sozialen Arbeit (Schulsozialarbeit) herstellen.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 5 | |
| Die Fragestellung | 6 | |
| 1. | Die Jugend | 10 |
| 1.1 | Historischer Überblick | 10 |
| 1.2 | Änderungen der Jugendphasen | 11 |
| 1.3 | Die Zukunft und Werte aus Sicht der Jugend | 12 |
| 1.4 | Jugendliche und ihre Beziehung zur sozialen Umwelt | 15 |
| 1.4.1 | Gleichaltrige als Bezugsgruppe in der Jugend/ Peergroups | 15 |
| 1.4.2 | Identitätsentwicklung | 16 |
| 1.4.3 | Bildung als zentrale Ressource der Lebensbewältigung | 17 |
| 1.5 | Das Internationale Jugendprogramm | 18 |
| 1.6 | bsj-Marburg | 20 |
| 1.7 | Die Erlebnisgesellschaft | 20 |
| 2. | Die Erlebnispädagogik | 21 |
| 2.1 | Definition von Erlebnispädagogik | 21 |
| 2.2 | Zur Geschichte der Erlebnispädagogik | 22 |
| 2.2.1 | Reformpädagogik | 23 |
| 2.2.2 | Kurt Hahns Erlebnistherapie | 24 |
| 2.2.3 | Entwicklungen seit 1945 | 25 |
| 2.3 | Grundpfeiler erlebnispädagogischer Arbeit | 27 |
| 2.3.1 | Die Charakteristika des Erlebens | 27 |
| 2.3.2 | Erleben und Freiheit | 28 |
| 2.3.3 | Das humanistische Menschenbild | 29 |
| 2.3.4 | Praxisbeispiel einer erlebnispädagogischen Jugendfreizeit | 30 |
| 2.4 | Lernmethoden der Erlebnispädagogik | 32 |
| 2.5 | Die Methodik | 36 |
| 2.5.1 | Arrangieren | 37 |
| 2.5.2 | Das Animieren | 38 |
| 2.5.3 | Das Begleiten | 38 |
| 2.5.4 | Das Intervenieren | 38 |
| 2.5.5 | Der zeitliche Rahmen | 39 |
| 2.6 | Der Transfer und die Lernmodelle | 40 |
| 2.7 | Der erlebnispädagogische Lernprozess und seine Wirkung | 42 |
| 3. | Überblick zur kreativ-rituellen Prozessgestaltung | 44 |
| 3.1 | Die Naturerfahrung | 46 |
| 3.2 | Kreativtechniken | 46 |
| 3.3 | Szenisches Arbeiten | 46 |
| 3.4 | Rituelle Gestaltung | 47 |
| 4. | Naturtherapeutische Ansätze | 48 |
| 4.1 | Der Weg | 48 |
| 4.2 | Die Entwicklungsstufen des Selbst | 50 |
| 4.3 | Der Kreis des Selbst | 51 |
| 4.4 | Praxisbeispiele | 52 |
| 4.4.1 | Beispiel 1: Wanderung | 52 |
| 4.4.2 | Beispiel 2: Höhlenweg | 53 |
| 4.4.3 | Beispiel 3: Canyonweg | 54 |
| 4.4.4 | Beispiel 4: Decision-road | 55 |
| 4.4.5 | Beispiel 5: Mirroring | 56 |
| 4.4.6 | Beispiel 6: Das Labyrinth | 56 |
| 4.4.7 | Beispiel 7: „Auf dem Weg“ | 57 |
| 4.5 | Die Grundhaltung in der Natur | 58 |
| 5. | Kritische Auseinandersetzung mit dem Inhalt dieser Arbeit im Bezug auf die Soziale Arbeit (Schulsozialarbeit) | 60 |
| 5.1 | Ausblick: Erlebnispädagogik und Bildung | 62 |
| Antwort | 67 | |
| Nachwort | 72 | |
| Literaturübersicht | 73 | |
| ANHANG | ||
| ERKLÄRUNG |
Die Naturerfahrung, ist wie bereits erwähnt, ein wichtiges verbindenes Element mit der klassischen Erlebnispädagogik. In der kreativ-rituellen Prozessgestaltung wird zwischen konkreter, metaphorischer, energetischer und spiritueller Naturerfahrung unterschieden. Die ersten beiden Formen, beziehen sich auf die Verwendung von Methaphern. „Während die konkrete und auch die metaphorische Naturerfahrung „alltagssinnlich“ erfassbar sind (…) entzieht sich die energetische Naturerfahrung als feinstoffliche Angelegenheit den üblichen Beschreibungsund Beweisverfahren. (…) Wir sind- aus Erfahrung- überzeugt, das die elementaren Kräfte neben ihren materiellen Eigenschaften auch energetische und im Weiteren auch spirituelle Dimensionen in sich bergen. Feuer weckt in uns anders als Wasser, Erde strahlt anders als Luft. Jedes Element erfüllt nicht nur im konkreten sondern auch im energetischen Sinn Funktionen, die sich in zahlreichen Redewendungen, in Mythen und Märchen wieder finden.“ (Kreszmeier und Hufenus 2000, zit. nach Diemer in Schödlbauer 2002, S. 49) Die kreativ-rituelle Prozessgestaltung versucht, diesen Aspekt der Naturerfahrung Rechnung zu tragen, ebenso wie spirituellen Erfahrungen in der Natur. Die spirituelle Naturerfahrung ist jedoch kein erklärtes Ziel der kreativ-rituellen Prozessgestaltung, „sondern vielmehr ein dankbar entgegen genommenes Geschenk. Elemente wie der Solo und die Visionssuche dienen dem ganzheitlichen Erleben eines Ichs, das in ein größeres Ganzes eingebettet ist.“ (Kreszmeier und Hufenus 2000, zit. nach Diemer in Schödlbauer 2002, S. 49) [...]
Ausgangspunkt dieser Handlungsform ist die Annahme, dass zwar sichtbare und manifeste Problemlagen, überwiegend der Selbststeuerung der Gruppe überlassen werden können, dass aber bei latenten Problemstellungen, wie zum Beispiel Ängsten und Spannungen, ein Eingreifen des Teamers nötig wird. Weitere Fälle der Intervention des Teamers sind dann gegeben, wenn sich Gruppenmitglieder nicht mehr an vereinbarte Rahmenbedingungen halten, sich durch Risikoverhalten gefährden oder Naturzerstörung droht. Generell kann man sagen, dass die Selbststeuerung der Gruppe dann an ihre Grenzen stößt, wenn Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen oder unüberschaubare Aspekte dies gebieten, so dass der Teamer hier gezielt intervenieren muss. Die hier dargestellten Handlungsformen der Betreuer während erlebnispädagogischer Maßnahmen beanspruchen keine Vollständigkeit und festzuhalten bleibt, dass die einzelnen Handlungsweisen durchaus ineinander übergehen können und keine abgegrenzten Formen darstellen. [...]
Methodisch gesehen orientiert sich die Handlungsform des Begleitens an dem Modell des entdeckenden Lernens und stellt somit eine Ergänzung dar zu den meisten schulischen Veranstaltungen. In Form des Begleitens findet eine begleitende Unterstützung von Erfahrungsprozessen auf kognitiver, motorischer, interaktionaler und emotionaler Ebene statt. Experimentelles Lernen ersetzt hier autoratives Lernen und das Schlagwort dieser Methode ist die Selbständigkeit der Teilnehmer. Beispiele hierfür wären etwa die Selbstversorgung durch die Teilnehmer im Laufe einer Maßnahme oder die selbständige Durchführung von handwerklichen Projekten. Indem der Teamer die Teilnehmer in sämtlichen Fragen und Konfliktsituationen begleitet und gemeinsam mit ihnen Lösungen erarbeitet, werden die Teilnehmer ermutigt, sich mit schwierigen Aufgaben und Situationen auseinanderzusetzen. Der Teamer ist demzufolge nicht Wissensquelle, sondern Lernhelfer, der auch dafür verantwortlich ist, dass Lerneffekte erkannt, artikuliert und ausgewertet werden. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832494094
Arbeit zitieren:
Kasper, Christina Januar 2006: Erlebnispädagogik in Kombination naturtherapeutischer Ansätze, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Jugendphasen, Lebensbewältigung, Schulsozialarbeit, Prozessgestaltung, Bildung



