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Erleben, Lernen und Begegnen im interkulturellen Kontakt

Erleben, Lernen und Begegnen im interkulturellen Kontakt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andreas Röhr
  • Abgabedatum: August 2001
  • Umfang: 65 Seiten
  • Dateigröße: 737,0 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Merseburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9541-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9541-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9541-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Röhr, Andreas August 2001: Erleben, Lernen und Begegnen im interkulturellen Kontakt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kommunikation, Reise, fremd, Vorurteil, Kulturkompetenz

Diplomarbeit von Andreas Röhr

Einleitung:

Im Rahmen meines Studiums der Sozialarbeit/Sozialpädagogik wollte ich mein 1. Praxissemester in Russland ableisten. Aufgrund von Visumproblemen wurde nichts aus diesem Auslandspraktikum und in den folgenden Recherchen für das 2. Praktikum stieß ich durch Umwege auf Nepal und arbeitete dort auf der Leprastation „Shanti Sewa Griha“. Ich fragte mich bei den Vorbereitungen oft, wie es wohl in der Fremde sein würde, wie man dort lebt, was da passiert. Russland war mir z. T. bekannt - ich interessierte mich seit längerem für die Sprache, das Land, die Kultur. Die asiatische Kultur dagegen war mir unbekannt, das Land Nepal fast mystisch. Trotz intensiver Vorbereitungen stieß ich in Nepal bis an die Grenzen meiner Selbst. Oft stellte ich mich vollkommen in Frage, durchlebte Unmengen an Neuem, jedoch auch Unmengen an Missverständnissen und Krisen. Aufgrund meiner dortigen Tätigkeit arbeitete und lebte ich außerdem für einen Monat in Bangladesch - die Erfahrungen, das Erlebte war kaum mehr zu fassen. Ich lebte mit den verschiedensten Religionen (Hinduismus, Buddhismus, Islam, Christentum) und lernte verschiedenste Menschen bzw. Völker kennen.

Trotz aller Probleme und Entbehrungen war dieser Auslandsaufenthalt sehr produktiv für mich. Ich hatte Zeit, über mein Leben nachzudenken, mich sozusagen „von außen“ zu sehen. Viele Ereignisse zwangen mich, meine eigene Kultur zu hinterfragen und neue Wege zu finden. Auf meiner Landreise von Nepal nach Bangladesch traf ich viele Rucksacktouristen aus allen Teilen der Welt. Sie hatten die verschiedensten Wege und Ziele. Warum ziehen eigentlich so viele Menschen durch die Welt?

Diese Reise ließ einen Teil meiner Fragen offen. Ich möchte sie im Folgenden benennen und in meiner Diplomarbeit versuchen, sie zu beantworten.

- Warum ziehen Menschen in die Ferne?

- Was ist der Reiz des Erlebens?

- Was geschieht, wenn sich Menschen verschiedener Kulturen begegnen?

- Wie entstehen die Missverständnisse im Miteinander der Menschen verschiedener kultureller Herkunft?

- Wie kann ich der Entstehung der Missverständnisse entgegenwirken?

- Kann ich aus meiner Kultur „ausbrechen“ oder ist ein Teil davon untrennbar mit meiner Persönlichkeit verbunden?

Die Entstehung von Missverständnissen in der interkulturellen Begegnung soll der zentrale Punkt meiner Arbeit sein.

In vielen Situationen war ich mir nicht sicher, ob ich meinen Gegenüber verstanden habe oder er mich. Nicht nur die andere Sprache, sondern auch ihre Lautstärke, Mimik, Gestik führten zu manch unangenehmen Ereignissen. Dabei waren Situationen beiderseitig von Unsicherheit geprägt.

Und genau dort möchte ich nachfragen. Im ersten Kapitel betrachte ich das Erleben aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Seiten. Dabei habe ich bewusst die Pädagogik des Erlebens ausgelassen. Über das Thema Erlebnispädagogik sind eine Unmenge an Büchern veröffentlicht wurden. Zur Thematik empfehle ich: Bernd Heckmair/Werner Michl - Erleben und Lernen. Einstieg in die Erlebnispädagogik.

Erleben ist ein besonderes Ereignis, welches nicht alltäglich ist. Genau dieser Reiz des Nichtalltäglichen lässt uns Abenteuer - egal welcher Art - suchen. Dabei ist die Qualität der Erlebnisse entscheidend - nicht die Quantität. Die Suche nach dem überschaubaren Erleben stellt den Gegensatz zu unserer komplexen, nicht überschaubaren Welt dar. Reisen in die Ferne lassen uns außerdem aus unserem gewohnten Leben ausbrechen und vollkommen neue Sichtweisen über das Leben erfahren. Wenn die Suche jedoch zur Sucht geworden ist, dann ist „wahres“ Erleben und Leben nicht mehr möglich.

Im zweiten Kapitel behandele ich das interkulturelle Lernen - die Basis interkultureller Begegnungen. Bei interkulturellen Begegnungen entstehen die verschiedensten Situationen, die erst durch interkulturelles Lernen bewusst gemacht werden können, um in diesen Situationen zu bestehen und handlungsfähig zu sein.

Durch Enkulturation ist jeder Mensch mit seiner Kultur (bzw. Subkultur) verbunden. Kultur ist also immer Teil einer Person. Die kultureigene Sozialisation lässt uns nicht „über den Schatten springen“, d. h., dass wir auch Neues, Fremdkulturelles immer nur aus den Augen der eigenen Kultur sehen. Erst durch ein erlerntes Verständnis ist es möglich, mit der Relativität der eigenen Kultur umgehen zu können.

„Interkulturelles Lernen hat die Aufgabe, eine Grundlage für interkulturelle Begegnungen zu schaffen: interkulturelles Verstehen.“ Ausgehend von einer knappen Darstellung der Lernschritte einer interkulturellen Begegnung befindet sich in Kapitel drei der Hauptteil meiner Arbeit: die Ursachen und die Entstehung der Missverständnisse interkultureller Begegnungen.

Missverständnisse gehören zum Alltag dazu. Somit ist es nicht verwunderlich, dass beim Zusammentreffen verschiedener Kulturen die Chance für Missverständnisse extrem größer ist. Sie entstehen oft so, dass die Interaktionspartner sie nicht bemerken. Differente Enkulturation, verschiedene Sozialisation und oft vollkommen unterschiedliche Wahrnehmung lassen ein Verstehen nicht einfach zu. Es reicht nicht, nur von anderen Kulturen zu lernen. Am wichtigsten ist die Selbstreflexion der eigenen Kultur, um somit die Relativität der Kultur zu verstehen und damit den Missverständnissen erfolgreich zu begegnen.

Dies erfordert ein professionelles Handeln, dass in Kapitel vier angerissen wird. Um interkulturell sozial kompetent zu sein, kann man Fähig- und Fertigkeiten nur erlangen, wenn alle störenden Faktoren durch aktives Training vor dem eigenen kulturellen Hintergrund bewusst gemacht werden und dadurch erst interkulturelles Verstehen ermöglicht wird.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 1
1. Reisen und Erleben 4
1.1 Die Philosophie des Erlebens 4
1.1.1 Die Skizze des Philosophen Georg Simmel 4
1.1.2 „Erlebnis und Wirklichkeit“ nach Harald Schöndorf 5
1.2 Die Erlebnisgesellschaft (Soziologie des Erlebens) 7
1.3 Die Psychologie des Erlebens 9
1.3.1 „Risiko, um Sicherheit zu gewinnen“ nach Felix von Cube 9
1.3.2 Das flow-Erlebnis nach Csikszentmihalyi 10
1.3.3 „Meditatives Laufen“ nach Schleske 12
1.3.4 „Entdecken verschollener Möglichkeiten“ nach Ulrich Aufmuth 13
2. Interkulturelles Lernen 13
2.1 Einleitung 13
2.2 Die Entwicklungsgeschichte 13
2.3 Beschreibung 17
2.3.1 Der enge Kulturbegriff 18
2.3.2 Der erweiterte Kulturbegriff 18
2.3.3 Enkulturation 20
2.3.4 Interkultur 22
2.3.5 Lernen 23
2.3.6 Ethnozentrismus 24
3. Interkulturelle Begegnungen 26
3.1 Die Lernschritte interkultureller Begegnungen 26
3.1.1 Normalisierung 26
3.1.2 Entmythologisierung 27
3.1.3 Individualisierung 28
3.2 Probleme in der interkulturellen Begegnung 28
3.2.1 „Störfall“ Kommunikation 28
3.2.1.1 Die vier Seiten einer Nachricht 29
3.2.1.2 Sprachgebrauch 30
3.2.1.3 Fremdsprache 31
3.2.1.4 Körpersprache 32
3.2.1.5 Soziale Beziehungen 34
3.2.1.6 Zusammenfassung: Verständigung und Verstehen 34
3.2.2 Interaktionsfall/en 36
3.2.2.1 Selektive Wahrnehmung 38
3.2.2.2 Stereotypen und Vorurteile 39
3.2.2.2.1 Stereotypen 39
3.2.2.2.2 Vorurteile 39
3.2.2.2.3 Entstehung der Stereotypen/Vorurteile 40
3.2.2.2.4 Funktionen der Vorurteile 41
3.2.2.3 Weitere Wahrnehmungsverzerrungen 42
3.2.2.4 Angst 43
3.2.2.4.1 Das neurophysiologische Modell 43
3.2.2.4.2 Das kognitive Modell 44
3.2.2.4.3 Psychoanalytische Emotionstheorien 45
3.2.2.4.4 Angstabwehrmechanismen 46
3.2.3 Der Prozess interkultureller Missverständnisse nach Arnold 47
4. Interkulturelle Kompetenz 53
5. Fazit 57
6. Literaturangaben 58

Automatisiert erstellter Textauszug:

feststellen. Migranten wurden nun differenziert betrachtet - einerseits sind sie fremd in der neuen Kultur; andererseits sind sie auch der Kultur des Heimatlandes entfernt. Man brachte Migranten ein größeres Verständnis entgegen, jedoch wurden sie immer noch als minderwertig und zweitklassig angesehen und behandelt. Die Ausländer wurden als Problemgruppe gesehen, die extra behandelt werden muss. Somit wird ihnen die Gleichberechtigung verwehrt. Die Beschäftigung mit fremden Kulturen bleibt in der Kolonialzeit verwurzelt. „Woher stammen diese Bilder und Weltsichten, wenn nicht aus der Gesellschaft und Kultur, in der das Subjekt, das diese Bilder reproduziert und produziert, sozialisiert wurde?“ (Nestvogel 1994; S. 5) Man erlag dem Fehler, die eigene Sozialisation in der eigenen Kultur nicht zu reflektieren. [...]

.Die erste Auffassung bezieht sich auf den Lernbedarf von MigrantInnen bzw. Ausländern. Sie spiegelt sich in der Ausländerpädagogik wider, da sie davon ausgeht, dass sich die „Fremden“ in unserer Kultur zurechtfinden sollen. Leider wird interkulturelles Lernen auch heute noch zu einem großen Teil so verstanden. „Fremde“ werden als Menschen mit (sprachlichen, sozialen, kulturellen ...) Defiziten bezeichnet. Das Ziel soll sein, dass sie sich in unsere Kultur zu integrieren haben und sich anpassen soll(t)en. Die historischen Wurzeln gehen bis in die Kolonialzeit zurück, wo z. B. die Schwarzen in Afrika zu gläubigen Christen erzogen werden sollten. Die Enwicklungsländer wurden in ihrer Entwicklung im Bezug zu den Industrieländern als rückständig angesehen - und sie wurden dafür verantwortlich gemacht (aufgrund angeblich fehlenden Wissens). Gesellschaftliche Probleme wurden oft als pädagogische angesehen und somit falsch angepasst. Einzig allein war dies der Aufwertung der Pädagogik dienlich. Die meisten Pädagogikmodelle der Ausländerpädagogik sind mittlerweile als überholt und falsch abgelehnt worden. Trotzdem sollte sich weiterhin mit diesem Thema auseinandergesetzt werden, da seine Vorstellungen tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind. [...]

Wichtig ist es jedoch, zu unterscheiden, wenn die Suche zur Sucht geworden ist. Menschen, die immer wieder zu Extremsituationen in die Berge gehen (oder entsprechend zu Erlebnissen in fremde Kulturen rastlos reisen) müssen, brauchen therapeutische Hilfe nicht von innen (also den Bergen, der anderen Kultur), sondern von außen - also einer anderen Person. „Derartige heilmachende Selbstbegegnung ist im ‘Alleingang’ so gut wie unmöglich. Sie ist praktisch immer ein kommunikativer Prozess. Man braucht dazu Menschen, die einem als Spiegel, als Zuhörer und als verlässliche Begleiter zur Seite stehen, Menschen, die alles, was auftaucht, ohne Verurteilung und ohne Furcht mitzutragen bereit sind. Man muss willens sein, sich dem guten Begleiter ganz zu öffnen und mitzuteilen.“ (Ebd. S. 83) Es bleibt also wichtig zu beachten, aus welchen Gründen (oder Zwiespälten) ein Mensch in die Ferne zieht, um Neues und sich selbst zu erfahren. [...]

Arbeit zitieren:
Röhr, Andreas August 2001: Erleben, Lernen und Begegnen im interkulturellen Kontakt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kommunikation, Reise, fremd, Vorurteil, Kulturkompetenz

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