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Erklärungsansätze für spekulative Blasen auf Aktienmärkten

Ein Vergleich

Erklärungsansätze für spekulative Blasen auf Aktienmärkten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bostjan Godler
  • Abgabedatum: Mai 2004
  • Umfang: 116 Seiten
  • Dateigröße: 685,1 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8567-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8567-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8567-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Godler, Bostjan Mai 2004: Erklärungsansätze für spekulative Blasen auf Aktienmärkten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Crash, rationale Erwartung, irrational, Internetblase, Verhaltensanomalie

Diplomarbeit von Bostjan Godler

Gang der Untersuchung:

Irgendwann führen spekulative Blasen zu einem Crash, der die Wirtschaft eines Landes, einer Region oder gar der Weltökonomie stark beeinträchtigen kann. Deshalb wäre es wichtig, genau herauszufinden, wann sich eine spekulative Blase anbahnt, welche Effekte diese mit sich bringt und warum sie auftritt. Spekulative Blasen bringen eine hohe Schwankungsanfälligkeit der Aktienkurse mit sich, die das Vertrauen der Bürger in die Wirtschaft lähmt und somit das Wachstum und den Wohlstand reduziert.

Die Arbeit wird sich mit spekulativen Blasen auf Finanzmärkten, insbesondere auf Aktienmärkten beschäftigen. Das Ziel ist, den Leser in das Gebiet einzuführen und mehrere Theorieansätze aus der „rationalen“ und „irrationalen“ Perspektive zu präsentieren und zu vergleichen. Der Unterschied der Theorieansätze ist derjenige, dass die Ergebnisse aus einer rationalen und aus einer irrationalen Erwartungsbildung heraus abgeleitet werden können. Die meisten Ansätze der irrationalen Erwartungsbildung haben ihren Ursprung aus der Psychologie.

Deshalb kann man zum Stand der Forschung sagen, dass sich zwei wissenschaftliche Forschungsrichtungen entwickelten, die das Phänomen der spekulativen Blasen auf einer grundlegend verschiedenen Argumentationsbasis aus bearbeiten. Da spekulative Blasen immer von auf Aktienmärkten agierenden Menschen verursacht werden, ergibt sich der Unterschied der beiden Forschungsrichtungen aus der unterschiedlichen Annahme über die Denkweisen der Anleger. Die eine Richtung geht davon aus, dass der Mensch seine Umwelt stets kontrollieren kann, die andere Meinung verneint diese Annahme. In den 70er Jahren entwickelte sich die Forschungsrichtung des Behavioral Finance, die eine Schnittstellenfunktion zwischen den beiden Richtungen einnehmen versucht.

Es soll untersucht werden, ob psychologische Theorien geeigneter sind als rationale Ansätze, spekulative Blasen auf Aktienmärkten zu erklären. Rationale Ansätze nehmen an, dass der Mensch sich wie ein „homo oeconomicus“ verhält und stets die optimale Investitionsentscheidung trifft. Irrationale Ansätze räumen dem Menschen Fehler bei den Entscheidungsprozessen ein.

Diese Arbeit versucht auch einen Beitrag zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Psychologie und Ökonomie zu leisten, indem Denkanstöße für einen interdisziplinären Ansatz geleistet werden sollen.

Zuerst wird ein historischer Überblick über die wichtigsten spekulativen Blasen und Crashs aus der Vergangenheit gezeigt. Ausführlicher wird auf die Interneteuphorie Ende der neunziger Jahre eingegangen. Anschließend werden die allgemeinen Ursachen, Charaktereigenschaften und Wirkungen erläutert. Ausgehend von dem Prinzip der rationalen Erwartungen werden Erklärungsansätze vorgestellt und diskutiert.

Im zweiten Teil der Arbeit werden Ansätze und Theorien vorgestellt, die aus der Sozialpsychologie und Soziologie stammen und das Postulat der rationalen Erwartungen aufgeben. Sie beschäftigen sich mit dem einzelnen Individuum. Es soll gezeigt werden, aus welchen psychologischen Elementen sich irrationale Erwartungen ergeben. Schließlich werden noch einige Vorschläge gezeigt, wie spekulative Blasen verhindert werden können.

Problemstellung:

Spekulative Blasen auf Aktien- oder Gütermärkten traten schon im Mittelalter auf. Durch alle Epochen hindurch konnte man sie beobachten. Der Wallstreet Crash 1929 verursachte durch das „Platzen“ einer spekulativen Blase die vielleicht größte finanzielle Katastrophe der Neuzeit. Es wird sogar behauptet, dass der Wallstreet Crash maßgeblichen Einfluss auf die damaligen politischen Umstände hatte, die letztlich zum zweiten Weltkrieg führten. Schon Schumpeter stellte fest, dass das Spekulationsfieber zu einem Ausbruch von Wirtschaftskrisen führen kann. Diese Krisen können zu „Wendepunkten der wirtschaftlichen [und der politischen Entwicklung] werden“. In der Vergangenheit hat man immer wieder beobachtet, dass nach dem Platzen einer spekulativen Blase eine oder mehrere Volkswirtschaften in eine Rezession gerieten. Aufgrund dessen ist es wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Es hat sich gezeigt, dass Anleger nicht fähig ist, von Crashs zu lernen. Immer wieder wurden die Preise von Wertpapieren weit von ihrem fundamental gerechtfertigten Wert getrieben. Dabei ähneln sich die meisten spekulativen Blasen von ihren Charaktereigenschaften her sehr. Schon Petracyzki (1906) entdeckte, dass nicht nur Laien preisliche Über- oder Untertreibungen verursachen, sondern auch die bürgerliche Schicht mit dem höchsten Bildungsniveau. Dies zeigt, dass sich die Anleger durch alle Bildungsschichten hindurch irrational verhalten.

Bis heute ist nicht klar, ob rationales oder irrationales Verhalten der Investoren spekulative Blasen auf Aktienmärkten verursacht. Man kann auch nicht klar sagen, was für Konsequenzen sie hervorbringen, wann sie z.B. platzen und wie hoch das Ausmaß der Kursrückgänge ist. Eine Erklärung ist also immer nur ex post möglich.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS 3
SYMBOLVERZEICHNIS 5
1. EINLEITUNG 7
1.1 Problemdefinition 7
1.2 Ziel der Arbeit 7
1.3 Vorgehensweise 9
2. SPEKULATIVE BLASEN UND CRASHS 9
2.1 Die Geschichte der spekulativen Blasen 9
2.1.1 Das Mittelalter und die Tulpenmanie (1634-1637) 10
2.1.2 Die Mississippi Spekulationsblase und der Crash an der Wallstreet von 1929 11
2.1.3 Der Börsencrash von 1987 und die Japan Euphorie 13
2.1.4 Die Internetblase im Jahre 1999/2000 16
2.2 Spekulative Blasen und Crashs – Definition, Erklärung und Typisierung 19
2.2.1 Definition einer spekulativen Blase 19
2.2.2 Der Begriff der Spekulation 22
2.2.3 Marktteilnehmer 24
2.2.4 Charakteristika, Ursachen und Wirkungen von spekulativen Blasen 27
2.2.5 Positive Effekte von spekulativen Blasen 30
2.2.6 Zwischenfazit 33
3. ÖKONOMISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE 34
3.1 Theorie der rationalen Erwartungen 34
3.2 Effizienzmarkthypothese 36
3.2.1 Definition 36
3.2.2 Schwache Markteffizienz 39
3.2.3 Mittelstarke Markteffizienz 40
3.2.4 Starke Markteffizienz 41
3.2.5 Zwischenfazit 42
3.3 Theorie der rationalen spekulativen Blasen 42
3.3.1 Deterministische und stochastische rationale Blasen 43
3.3.2 Agencyinduzierte rationale Blasen 45
3.3.3 Noise und Positive Feedback Trading 47
3.4 Einfluss von Termingeschäften 51
4. DIE PSYCHOLOGIE DER SPEKULATIVEN BLASEN 53
4.1 Das ökonomische Menschenbild und seine Erwartungen in der Psychologie 54
4.2 Ansätze des Behavioral Finance 57
4.3 Psychologische Erklärungsansätze 59
4.3.1 Verhaltensanomalien 60
4.3.1.1 Overconfidence 60
4.3.1.2 Framing 61
4.3.2 Urteilsheuristiken 65
4.3.2.1 Repräsentativitätsheuristiken 65
4.3.2.2 Verfügbarkeitsheuristiken 66
4.3.2.3 Mental Accounting 66
4.3.3 Konzept der Wahrnehmungsschwellen und Klassifikationsprozesse 67
4.3.4 Konsistenztheorien 70
4.3.4.1 Balancetheorie 70
4.3.4.2 Theorie der kognitiven Dissonanz 72
4.3.5 Gruppentheorien und Herding 75
4.3.6 Lerntheorien 78
4.3.6.1 Klassische Konditionierung 78
4.3.6.2 Operante Konditionierung 79
4.3.6.3 Kognitives Lernen 81
4.3.7 Motivation, Emotion und Stimmungen 82
4.4 Ein Erklärungsansatz für spekulative Blasen mittels Verknüpfung psychologischer Faktoren 86
4.5 QME-Modell der spekulativen Blasen 97
4.6 Zwischenfazit 101
5. ZUSAMMENFASSUNG 101
LITERATURVERZEICHNIS 106
ANHANG 112

Automatisiert erstellter Textauszug:

objektive Informationen aufnimmt, und diese in subjektive Interpretationen umwandelt. Es findet also keine „eins-zu-eins Abbildung“ objektiv zu subjektiv statt. Jedes Individuum nimmt Informationen unterschiedlich auf, weil Erwartungen, Werte und Kognitionssysteme individuell sind. Die Wirtschafts- und Sozialpsychologie nimmt also eher einen „homo psychologicus“ an. Man lässt Abweichungen im Gegensatz zur Ökonomie auf aggregierter Ebene zu und konzentriert sich darauf, was der einzelne Mensch macht und wie er mit seiner Umwelt zurechtkommt. Diese Individualanalyse wird von ökonomischen Theorien vernachlässigt. Es ist daher interessant, diese Perspektive zu zeigen, weil dadurch neue Erkenntnisse gesammelt werden könnten. Die Teildisziplin der Psychologie, die sich mit den Geschehnissen an den Börsen beschäftigt, wird als „ökonomische Psychologie“ bezeichnet. Das Verhalten der Individuen wird auf ihre Einstellungen, Erwartungen und Normen untersucht. Die wichtigsten Annahmen über das Verhalten des Menschen sind:160 ◘ ◘ ◘ ◘ ◘ ◘ ◘ eine begrenzte Informationsverarbeitungskapazität Entscheidungen werden durch Urteilsheuristiken gefällt Informationen werden durch kognitive Schemata verarbeitet Entscheidungen werden vorwiegend in Gruppen gefällt Schwankungsanfällige Stimmungen beeinflussen die Entscheidungen Einfluss von Motiven, Normen und Werthaltungen Kausalattributionen für die Erklärung der Umwelt [...]

Das Rationalprinzip jedoch kann aber nur gelten, wenn Ressourcen wirklich knapp sind und man unter sozialem Druck steht, rational zu handeln.155 Zwar kann man sagen, dass an den Finanzmärkten Knappheit an Ressourcen (Zeit, Informationen) vorliegt und das Verhalten relativ zu anderen Lebensbereichen rational ist, dennoch können Phänomene an Börsen nur unzureichend mit dem Rationalprinzip erklärt werden. Was für ein Mensch agiert in der Realität an den Börsen? Hierzu wurden in der Vergangenheit viele aus dem homo oeconomicus abgeleitete Begriffe wie homo ludens, homo psychologicus, homo criminalis, homo emotionalis, homo irrationalis oder homo heuristicus vorgeschlagen.156 Es gibt eine Reihe von psychologischen Theorien, Thesen und sonstigen Ansätzen, die alle einen möglichen Beitrag zur Erklärung und Vermeidung von SB liefern. Die meisten psychologischen Ansätze sind miteinander verschachtelt und könnten theoretisch zusammen in einem interaktiven Modell die höchste Erklärungskraft haben. Die Darstellung eines solchen Modells würde aber einen zu hohen Komplexitätsgrad erfordern. Hier sollen einzelne Ansätze dargestellt und teilweise Abhängigkeiten und Verbindungslinien dargelegt werden. Die subjektiv wichtigsten Ansätze werden ausführlich erläutert und bzgl. der Themenrelevanz diskutiert. Verwendet man die Kenntnisse der Sozial- und Finanzpsychologie, dann […] „[muss man] auch gesellschaftliche Prozesse aller Art in die Überlegungen mit einbeziehen“.157 Die Finanzpsychologie versucht, „[…] Grundhaltungen, Einstellungen, Emotionen und Motive menschlichen Verhaltens im Zusammenhang mit finanzwirtschaftlichen Aktivitäten [zu untersuchen]“.158 In klassischen Finanztheorien werden kognitive- und motivationale Einflussfaktoren vernachlässigt. Noch viel entscheidender ist, dass Gruppenprozesse nicht berücksichtigt werden. Diese Defizite kann die Psychologie reduzieren. Irrationales Verhalten erkennen auch Ökonomen an, sie glauben jedoch an die Neutralisierung durch das Gesetz der großen Zahlen. Die Ökonomie befasst sich mit dem einzelnen Individuum im Zusammenhang mit dem Wirtschaften von knappen Gütern. Die Psychologie befasst sich mit dem Verhalten und Erleben von Einzelnen Individuen und Gruppen ohne das Postulat der knappen Güter. Man geht nicht von objektiven Daten aus, die in den Wert-Erwartungstheorien der Ökonomie relevant sind. Subjektive Interpretationen [...]

Hier werden psychologische und soziologische Ansätze erklärt, diskutiert und mit dem Thema der Arbeit in Verbindung gebracht. Ziel ist es, dass Problem aus neuen Perspektiven darzustellen, um möglicherweise neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Forschungsrichtung des „Behavioral Finance“ wird ebenfalls kurz vorgestellt. Nach Aussage von Kostolany besteht das Börsengeschehen kurz- und mittelfristig zu 90% aus Psychologie und die Kurse entsprechen nie dem wahren Wert.152 Je kurzfristiger der Fokus auf das Börsengeschehen ist, desto wichtiger werden psychologische Aspekte.153 Wie sich Kurse kurzfristig entwickeln, hängt mehr von dem Meinungsbild und von den Stimmungen ab als von Fundamentaldaten. Die Stimmung eines Anlegers setzt sich aus vielen psychologischen Faktoren zusammen, die in einem komplizierten interaktiven Prozess in eine Erwartung und schließlich in ein Verhalten transformiert werden. Die Wirtschaftstheorie gerät deshalb in die Kritik, bei der Erklärungsqualität der ökonomischen Wirklichkeit zu versagen.154 Die psychologischen Ansätze werden von der Ökonomie nicht kritikfrei angenommen. Rationale Theoretiker kritisieren, dass sie Minitheorien mit geringem Komplexitätsgrad seien und die Realität unzutreffend abbilden würden. Sie seien ex post Erklärungen, die nicht falsifizierbar sind und daher den Grundvoraussetzungen einer Theorie nicht gerecht werden. [...]

Arbeit zitieren:
Godler, Bostjan Mai 2004: Erklärungsansätze für spekulative Blasen auf Aktienmärkten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Crash, rationale Erwartung, irrational, Internetblase, Verhaltensanomalie

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