Erkenntnisse der Behavioral Finance für die Anlageentscheidung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Holger Simon
- Abgabedatum: Juni 2005
- Umfang: 71 Seiten
- Dateigröße: 2,5 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Gießen Deutschland
- Bibliografie: ca. 105
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1282-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Simon, Holger Juni 2005: Erkenntnisse der Behavioral Finance für die Anlageentscheidung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Behavioral Finance, Fundamentalanalyse, Kapitalmarktanomalien, Handelsstrategien, Anlageentscheidung
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Diplomarbeit von Holger Simon
Gang der Untersuchung:
Jeder Anleger steht vor dem Entscheidungsproblem, seine begrenzten Mittel mit dem Ziel der Gewinnmaximierung zu investieren. Eine Vielzahl von einzelnen Investitionsobjekten steht dafür in den verschiedenen Anlageklassen, wie z. Bsp. Aktien, Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, etc., zur Verfügung.
Was beeinflusst den Preis oder die Kursentwicklung der verschiedenen Anlagen? Ist der Preis bzw. Kurs immer identisch mit dem Wert der Anlagen? Wie fließen neue Informationen in die Preisbildung ein?
In Kapitel 2 wird dazu zunächst der grundlegende Begriff der Markt- bzw. Informationseffizienz dargestellt. Vor allem werden die unterschiedlichen Stufen der Informationseffizienz erläutert, sowie die sich daraus ergebenden Folgen für die Nutzungsmöglichkeiten der unterschiedlichen Analyse- und Prognosemethoden.
Diese Methoden sind Instrumente und Hilfsmittel, die der Anleger nutzen kann, um sich eine Meinung über die Vorteilhaftigkeit einer Investition zu verschaffen und eine Entscheidung zu treffen.
Dazu werden in Kapitel 3 und 4 gängige Methoden der Kursprognose einführend erläutert.Sowohl die Fundamentalanalyse als auch die Technische Analyse können dem Anleger zwar nützliche Informationen und Erkenntnisse vermitteln, eine hinreichende genaue Erklärung bzw. Prognose der Preisentwicklungen an den Finanzmärkten bieten beide allerdings nicht.
Gibt es alternative Modelle und Erklärungsansätze, die dem Anleger für seine Anlageentscheidung wichtige Erkenntnisse liefern können?
Die Behavioral Finance ist ein solcher Ansatz. Sie befasst sich mit folgenden Fragen:
Wie agieren Anleger an den Kapitalmärkten? Treffen sie ihre Entscheidungen rational oder gibt es Abweichungen in Form von Irrationalitäten. Welche Rolle spielt dabei der Faktor Mensch? Wie wirken sich „Gier, Massenhysterie, Herdenverhalten, Gruppenzwang, Neid und Selbstbetrug“ auf Anlageentscheidungen aus? Welche „Anlegerfallen“ existieren an den Finanzmärkten und wie können diese Fallen umgangen werden?
Die empirisch gewonnen Erkenntnisse, wie Menschen Informationen aufnehmen und verarbeiten, wie sie Entscheidungen treffen und welche Folgen dies für die Kapitalmärkte hat, werden im Kapitel 5 ausführlich dargestellt.
Dabei wird klar, dass Anleger ihre Entscheidungen oftmals nicht rational treffen und systematisch Fehler begehen. Die Fähigkeiten des Menschen, Informationen vollständig und unverzerrt aufzunehmen und diese objektiv zu verarbeiten, sind begrenzt. Entscheidungen werden nicht anhand einer nüchternen Auswertung von Informationen und Fakten getroffen, sondern durch psychologische Faktoren beeinflusst.
Die Folgen sind schließlich als sog. Anomalien an den Kapitalmärkten zu beobachten. Diese Abweichungen des tatsächlichen Verhaltens der Kapitalmärkte von den theoretischen Modellen stellen diese und die Theorie effizienter Märkte zumindest in Frage.
Welche Erkenntnisse liefert die Behavioral Finance für Anlageentscheidungen?
Zunächst einmal konnten Handelsstrategien entwickelt werden, die in der Vergangenheit höhere Renditen als der Marktdurchschnitt erzielt haben.
Außerdem kann der Anleger wichtige Hinweise hinsichtlich seines eigenen Verhaltens erhalten, um zukünftig weniger Fehler zu begehen. Er kann erkennen, welchen psychologischen Beschränkungen er unterliegt und so sein Anlageverhalten verbessern.
In der vorliegenden Diplomarbeit und den verwendeten Quellen wird im besonderen auf den Aktienmarkt Bezug genommen. Die vorgestellten Analysemethoden können aber auch auf alle anderen Anlage- oder Assetklassen angewendet werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Ziel und Aufbau der Arbeit | 1 |
| 2. | Markteffizienz – Informationseffizienz | 3 |
| 3. | Fundamentalanalyse | 5 |
| 3.1 | Die Suche nach dem inneren Wert | 5 |
| 3.2 | Übersicht der Analyseverfahren | 7 |
| 3.2.1 | Methodik der Fundamentalanalyse | 7 |
| 3.2.2 | Ebenen der Fundamentalanalyse | 8 |
| 3.3 | Schwächen der Fundamentalanalyse | 10 |
| 4. | Technische Analyse | 10 |
| 4.1 | Die Vergangenheit bestimmt die Zukunft | 10 |
| 4.2 | Übersicht der Analyseverfahren | 11 |
| 4.3 | Schwächen der Technischen Analyse | 14 |
| 5. | Behavioral Finance | 14 |
| 5.1 | Der psychologische Blick auf den Anleger | 14 |
| 5.2 | Auswahl, Aufnahme und Verarbeitung von Informationen | 15 |
| 5.3 | Anomalien der Informationswahrnehmung und -verarbeitung | 16 |
| 5.3.1 | Selektive Wahrnehmung (Selective Perception) | 17 |
| 5.3.2 | Verfügbarkeitsheuristik (Availability) | 17 |
| 5.3.3 | Präsentation (Framing) | 19 |
| 5.3.4 | Adaption von Massen- bzw. Autoritätenmeinungen | 19 |
| 5.3.5 | Risikowahrnehmung | 20 |
| 5.3.6 | Vereinfachung von Sachverhalten | 20 |
| 5.3.7 | Geistige Buchhaltung (Mental Accounting) | 21 |
| 5.3.8 | Verankerungseffekte (Anchoring) | 21 |
| 5.3.9 | Referenzpunkteffekt (Effect of Reverence Point) | 22 |
| 5.3.10 | Verlustaversion (Loss Aversion) | 24 |
| 5.4 | Entscheidungsanomalien | 24 |
| 5.4.1 | Repräsentativität | 24 |
| 5.4.2 | Fehleinschätzung von Wahrscheinlichkeiten | 25 |
| 5.4.3 | Ambiguität (Ambiguity Aversion) | 26 |
| 5.4.4 | Selbstüberschätzung / Kontrollillusion (Overconfidence Bias) | 27 |
| 5.4.5 | Kognitive Dissonanzen | 29 |
| 5.4.6 | Dispositionseffekt | 30 |
| 5.4.7 | Sunk-Cost-Effekt | 31 |
| 5.4.8 | Regretaversion | 31 |
| 5.4.9 | Status-Quo Bias | 32 |
| 5.4.10 | Home Bias | 32 |
| 5.5 | Kapitalmarktanomalien | 33 |
| 5.5.1 | Über- und Unterreaktion (Overreaction / Underreaction) | 33 |
| 5.5.2 | Winner-Loser-Effekt | 35 |
| 5.5.3 | Überoptimismus | 36 |
| 5.5.4 | Herding-Effekte / Crowding-Effekte | 36 |
| 5.5.5 | Neglected-Firm-Effekt | 38 |
| 5.5.6 | Gewinnschätzungen | 39 |
| 5.5.7 | Mean Reversion | 40 |
| 5.5.8 | Ankündigungseffekt / Über- und Unterreaktion auf Gewinnankündigungen | 40 |
| 5.5.9 | Index-Effekt | 41 |
| 5.5.10 | Closed-End-Fund-Puzzle | 41 |
| 5.5.11 | Size-Effekt (Small-Firm-Effekt) | 42 |
| 5.5.12 | Value-Effekte | 44 |
| 5.5.13 | Kalenderanomalien | 46 |
| 5.5.14 | Equity Premium Puzzle | 48 |
| 5.6 | Konsequenzen und Anwendungsmöglichkeiten für die Praxis | 49 |
| 5.6.1 | Momentum-Handelsstrategie | 49 |
| 5.6.2 | Value-Strategien | 50 |
| 5.6.3 | Ausnutzen von Prognosefehlern von Finanzanalysten | 52 |
| 5.6.4 | Sentimentindikatoren | 53 |
| 5.6.5 | Minderung des Dispositionseffektes | 54 |
| 5.6.6 | Risikoreduzierung durch Diversifikation | 54 |
| 5.6.7 | Risikoeinstellung und Anlagehorizont abstimmen | 56 |
| 6. | Zusammenfassung und Ausblick | 56 |
| Literaturverzeichnis | 59 |
Textprobe:
Kapitel 5.1, Der psychologische Blick auf den Anleger:
Mitte der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelte sich ein neuer Ansatz der Kapitalmarktforschung in den USA unter dem Begriff „Behavioral Finance“. Behavioral Finance beschäftigt sich mit der Psychologie der Anleger. Es soll gezeigt werden, wie Anlageentscheidungen zustande kommen und welche systematischen Fehler begangen werden.
Die bisherigen Erkenntnisse widersprechen der These des rational handelnden und Nutzen mehrenden Homo oeconomicus.
Rationales Handeln im ökonomischen Sinn bedeutet, dass bei Entscheidungssituationen für jede Alternative deren Eintrittswahrscheinlichkeit sowie ihr erwarteter Nutzen berechnet werden. Es wird die Alternative gewählt, die den höchsten Nutzenerwartungswert besitzt. Der Nutzenerwartungswert ist der mit der Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtete Nutzen jeder Alternative.
Außerdem sollen Informationen vollständig und ausgewogen und nicht emotional verzerrt aufgenommen und bewertet werden.
Zentraler Gegenstand der Forschung ist der Konflikt zwischen ökonomisch rationalen Entscheidungen und der menschlichen Psyche. Menschliche Verhaltensmuster beeinflussen den Entscheidungsprozess der Anleger an den Finanzmärkten erheblich. Die Behavioral Finance versucht zu erforschen, wo und wie das geschieht. Psychologisch begründete Verhaltensweisen können teilweise zu extremen Fehlentscheidungen der Anleger führen. Es werden sowohl individuelle Verhaltensanomalien, untersucht als auch auftretende Marktanomalien wie zum Beispiel Spekulationsblasen. Die Handlungsmotive und -muster der Marktteilnehmer sollen erklärt und die daraus resultierenden Marktentwicklungen und -anomalien verstanden werden. Berücksichtigt werden ausschließlich Anomalien und Phänomene die systematisch anfallen und sich nicht in ihrer Gesamtheit gegenseitig aufheben, oder durch Marktkräfte verschwinden.
Die Erkenntnisse der Behavioral Finance stellen die Informationseffizienz der Kapitalmärkte in Frage.
Irrationales Verhalten kann sich auch längerfristig auf die Preisbildung an den Kapitalmärkten auswirken und wird nicht durch Arbitragemöglichkeiten verdrängt.
Barberis und Thaler definieren Arbitrage als „an investment strategy that offers riskless profits at no cost“. Arbitragegeschäfte zeichnen sich dadurch aus, dass durch den gleichzeitigen Kauf und Verkauf eines Gutes zu unterschiedlichen Preisen Gewinne ohne Risiko und Kapitaleinsatz generiert werden können.
Auswahl, Aufnahme und Verarbeitung von Informationen:
Anleger werden an den Finanzmärkten täglich mit einer Flut an Informationen konfrontiert, welche nur begrenzt aufgenommen und verarbeitet werden können. Als Hilfsmittel zur Bewältigung der komplexen Entscheidungssituationen an den Finanzmärkten werden sog. Heuristiken verwendet. Dies sind Regeln zur Informationsverarbeitung, die mit geringem Aufwand zu einem schnellen Ergebnis führen sollen, Faustregeln also.
Stephan charakterisiert eine Heuristik als - „eine allgemeine, einfach anwendbare, uns meistens aber nicht bewusste Regel, die es gestattet, Urteile und Entscheidungen auch unter ungünstigen Informationskonstellationen einigermaßen schnell und – unter bestimmten Randbedingungen – hinreichend treffsicher zu fällen.“ Bei ihrer Entscheidungsfindung an den Kapitalmärkten gehen Anleger vereinfachend vor, in dem sie keine oder wenige Hilfsmittel, wie z. Bsp. statistische Auswertungen oder Bilanzanalysen, nutzen. Auswahl und Anwendung dieser Regeln geschehen häufig unbewusst und automatisch. Sowohl ein Informationsmangel als auch ein Überfluss an Informationen führen zu ungünstigen Informationskonstellationen. Dadurch gehen Informationen nicht oder nicht in dem erforderlichen Maße in die Entscheidungsfindung ein, das Ergebnis ist somit nicht optimal.
Anomalien der Informationswahrnehmung und –verarbeitung:
Nachfolgend wird eine einführende Darstellung über Informationswahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsanomalien nach Rossbach erfolgen. „Als Anomalie wird eine Tatsache oder Beobachtung angesehen, wenn sie inkonsistent mit einer Theorie ist.“ Die aufgeführten Anomalien dokumentieren, dass Menschen Informationen nicht fehlerfrei und vollständig verarbeiten. Anzumerken ist, dass die aufgeführten Anomalien allgemeine menschliche Verhaltensmuster darstellen und sich deswegen auch auf das Verhalten der Anleger an den Kapitalmärkten auswirken.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836612821
Arbeit zitieren:
Simon, Holger Juni 2005: Erkenntnisse der Behavioral Finance für die Anlageentscheidung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Behavioral Finance, Fundamentalanalyse, Kapitalmarktanomalien, Handelsstrategien, Anlageentscheidung



