Erfolgsfaktoren des Venture-Capital-Marktes in Deutschland
Eine kritische Analyse unter besonderer Berücksichtigung junger Technologieunternehmen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Roger Heins
- Abgabedatum: November 2002
- Umfang: 105 Seiten
- Dateigröße: 613,5 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6447-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6447-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6447-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Heins, Roger November 2002: Erfolgsfaktoren des Venture-Capital-Marktes in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Venture Capital, Wagniskapital, Technologieunternehmen, Risikokapital, staatliche Förderung
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Diplomarbeit von Roger Heins
Einleitung:
In Deutschland gibt es einen breiten Konsens über die bedeutende Rolle, die kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Wirtschaftsprozess einnehmen. Ihre Zugangsmöglichkeiten zu ergiebigen Kapitalquellen sind ein wesentlicher Faktor für die Beurteilung der Standortqualität einer Volkswirtschaft. Dabei ist das deutsche System der Unternehmensfinanzierung, im Gegensatz zu dem der angelsächsischen Länder, traditionell stark fremdkapitalorientiert. So operieren deutsche Unternehmen mit einer im internationalen Vergleich extrem niedrigen Eigenkapitalquote (EK-Quote) von 18 - 20%. Diese führt zu einer erhöhten Krisenanfälligkeit, welche sich in der gegenwärtigen Zeit des Abschwungs durch die stark gestiegene Anzahl an Unternehmensinsolvenzen zeigt.
Die Finanzierungsform Venture Capital (VC) als Teil der Eigenkapitalfinanzierung kann die EK-Quoten der Beteiligungsnehmer verbessern. Damit ermöglicht es unter anderem dem Mittelstand die Finanzierung seines Wachstums und die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch nicht bei der Spätphasenfinanzierung bereits etablierter Unternehmen, sondern bei der Beteiligung an jungen Technologieunternehmen (JTU).
Eine exportorientierte und durch Rohstoffarmut gekennzeichnete Industrienation wie die Bundesrepublik Deutschland ist zur Erhaltung und zum Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit in besonderem Maße auf Innovationsleistungen angewiesen. Eine Schlüsselrolle nehmen dabei die JTU ein. Von ihnen gehen eine Steigerung des Innovationspotentials der Wirtschaft, eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und nicht zuletzt Beschäftigungsimpulse aus. Neben den daraus resultierenden Wachstumseffekten ergeben sich durch Innovationen grundlegende strukturelle Veränderungen, in deren Folge neue Wirtschaftszweige entstehen. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und des geringen Wirtschaftswachstums gewinnen Existenzgründungen in Deutschland immer mehr an Bedeutung und stehen zunehmend im Mittelpunkt der politischen Diskussion.
Gründungsunternehmen benötigen für die Umsetzung erfolgversprechender Ideen jedoch zunächst einmal Ressourcen, insbesondere Kapital. Die Finanzierung dieser Unternehmen kann i.d.R. weder von den Gründern allein geleistet werden, noch stellen Fremdkapitalgeber die notwendigen Mittel vollständig zur Verfügung. Ein möglicher Weg zur Lösung des Problems einer mangelnden Kapitalausstattung neugegründeter Unternehmen besteht in der Beteiligung von VC-Gebern. VC ist auf die spezifischen Bedürfnisse von Innovationsfinanzierungen zugeschnitten und kann somit bei der Überwindung von Entwicklungshemmnissen helfen. Die Besonderheit einer solchen Beteiligung an den unternehmerischen Chancen und Risiken besteht im Gegensatz zur Kreditfinanzierung in der Übernahme von Mitspracherechten und einer Managementunterstützung.
Aus Sicht der Risikokapitalgeber sind JTU geeignete Investitionsobjekte, um eine überdurchschnittliche Rendite bzw. überdurchschnittliches Wachstum zu erzielen, die auf etablierten Märkten mit etablierten Preisen nicht erreicht werden können. Obwohl der deutsche VC-Markt in den neunziger Jahren stark gewachsen ist, liegt er jedoch, gemessen an der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft, weit hinter den USA und Großbritannien.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Rahmenbedingungen und deren Folgen für den deutschen VC-Markt kritisch zu analysieren. Denn nur, wenn diese bekannt sind und verstanden werden, können aus ihnen auch wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen gezogen werden. Hilfreich können dabei auch die Erfahrungen anderer Länder mit besser entwickelten VC-Märkten sein, auf die an geeigneter Stelle eingegangen wird. Ziel einer jeden Volkswirtschaft sollte ein eigenständiger Beteiligungsmarkt sein, der weitgehend auf staatliche Eingriffe verzichten kann.
Gang der Untersuchung:
Im zweiten Kapitel wird zunächst die Finanzierungsform VC dargestellt und die relevanten Begriffe erläutert. Das dritte Kapitel beschreibt die Bedeutung von VC für JTU und deren Relevanz für die Volkswirtschaft. In Kapitel vier werden die Erfolgsfaktoren und die Problemfelder des wirtschaftlichen, rechtlichen und des soziokulturellen Umfeldes herausgearbeitet. Dieses geschieht aus der Sicht der Kapitalnachfrager, der Kapitalanbieter und der Finanzintermediäre. In diesem Zusammenhang haben sich im Umfeld des VC-Marktes gerade in jüngster Zeit durch die Steuerreform und die Baisse an den Börsen erhebliche Veränderungen ergeben. In Kapitel fünf erfolgt eine Schlussbetrachtung und ein Ausblick auf mögliche künftige Entwicklungen.
Im Folgenden basieren die Zahlenangaben zum deutschen VC-Markt oder zu dessen einzelnen Segmenten auf den aggregierten Volumina der Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Venture Capital Association e.V. (BVK). Der Anteil der BVK-Mitglieder liegt nach dessen eigenen Angaben bei über 90% des Gesamtmarktes. Daher dürfte die Einschränkung der Aussagekraft der verwendeten Daten in einem akzeptablen Rahmen liegen.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung und Darstellung des Themas | 1 |
| 2. | Grundlagen von Venture Capital-Konzepten | 4 |
| 2.2 | Historische Entwicklung | 4 |
| 2.3 | Akteure auf dem Venture Capital-Markt | 6 |
| 2.3.1 | Nachfrager nach Venture Capital | 8 |
| 2.3.2 | Investoren | 9 |
| 2.3.3 | Die Venture Capital-Gesellschaft als Finanzintermediär | 12 |
| 2.4 | Zum Wesen von Venture Capital-Beteiligungen | 14 |
| 2.4.1 | Idealtypischer Verlauf | 14 |
| 2.4.2 | Das Lebenszykluskonzept als Indikator für den Kapitalbedarf | 16 |
| 2.4.2.1 | Early Stage | 17 |
| 2.4.2.2 | Later Stage | 18 |
| 3. | Bedeutung von Venture Capital für junge Technologieunternehmen | 19 |
| 3.1 | Finanzierungsmöglichkeiten von jungen Technologieunternehmen | 19 |
| 3.1.1 | Innenfinanzierung | 19 |
| 3.1.2 | Außenfinanzierung | 19 |
| 3.2 | Venture Capital aus Sicht der Finanztheorie | 23 |
| 3.3 | Betriebswirtschaftliche Bedeutung von Venture Capital | 26 |
| 3.4 | Volkswirtschaftliche Bedeutung von Venture Capital | 28 |
| 3.4.1 | Bedeutung von jungen Technologieunternehmen für Innovation und internationale Wettbewerbsfähigkeit | 28 |
| 3.4.2 | Junge Technologieunternehmen als Motor für den Strukturwandel | 30 |
| 3.4.3 | Der Einfluss von jungen Technologieunternehmen auf den Arbeitsmarkt | 30 |
| 4. | Evaluation ausgewählter Rahmenbedingungen als Erfolgsfaktoren für den deutschen Venture Capital-Markt | 32 |
| 4.1 | Gesellschaftliche Einflüsse | 32 |
| 4.1.1 | Mentalität und Gründerkultur | 32 |
| 4.1.2 | Aktienkultur | 38 |
| 4.1.3 | Regulierung und Bürokratie | 39 |
| 4.2 | Wirtschaftliche Rahmenbedingungen | 41 |
| 4.2.1 | Konjunktur und Zinsniveau | 41 |
| 4.2.2 | Staatliche Förderung | 44 |
| 4.2.3 | Exit-Möglichkeiten im Börsenumfeld | 56 |
| 4.3 | Rechtliche Rahmenbedingungen | 66 |
| 4.3.1 | Besteuerung der Marktteilnehmer | 66 |
| 4.3.2 | Anlagebeschränkungen für institutionelle Anleger | 79 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 86 |
| Literaturverzeichnis | 91 |
Förderungswürdig ist dabei grundsätzlich die Finanzierung innovativer Vorhaben der F&E-Phase bis zur Aufnahme der Produktion sowie die Markteinführung. 156 Nicht gefördert werden demgegenüber die Aufwendungen für die Konzepterstellung, die einen Teil der Kosten der Seed-Phase ausmachen. Trotz dieser Einschränkung hat das Programm erheblich zur erfolgreichen Entwicklung der Bruttoinvestitionen im Bereich der Frühphasenfinanzierungen beigetragen. 157 So erhöhte sich das durch die Koinvestmentvariante der tbg bereitgestellte Kapital von 54 Mio. DM in 1995 auf 240 Mio. DM im Jahre 1998. Da die Koinvestmentvariante private Mittelzuflüsse in mindestens der gleichen Höhe voraussetzt, hatte sie einen positiven Einfluss auf die Bereitstellung von privatem Risikokapital. [...]
Der Umstand, dass der Modellversuch bei seiner Förderung so wenig Einfluss wie möglich auf die Vertragsgestaltung zwischen Beteiligungsnehmer und Beteiligungsgeber nahm, hat sich als erfolgreiche Veränderung gegenüber TOU herausgestellt. 150 Insgesamt hat BJTU bis zu seinem Auslaufen 1994 zu einer deutlichen Stimulierung der Frühphasenfinanzierung geführt. Denn neben der Verbesserung der Eigenkapitalquote hatte der Einstieg eines privaten Koinvestors eine positive Signalwirkung auf andere Kapitalgeber, was den Zugang zu Fremdkapital erleichterte. 151 In einer Befragung von 118 geförderten JTU hielten diese bis auf wenige Ausnahmen die indirekte Förderung über eine Beteiligungsgesellschaft für geeignet. 152 Noch posit iver fiel die Beurteilung von BJTU durch die Vertreter der Beteiligungsgesellschaften aus. Diese betonten in zahlreichen Gesprächen mit dem BMBF die Eignung des Modellversuchs BJTU für eine Beteiligungsfinanzierung. 153 [...]
Die erste nennenswerte staatliche Förderung erfolgte mit der Gründung der Deutsche Wagnisfinanzierungsgesellschaft mbH (WFG) durch ca. 30 Kreditinstitute im Jahre 1975.136 Der Bund leistete umfangreiche Gründungshilfe und sicherte eine 75%ige Verlustübernahme zu. Seine Zielsetzung war primär die Finanzierung junger Unternehmen, um den Innovationsprozess innerhalb der Volkswirtschaft zu beschleunigen. Darüber hinaus sollten Erfahrungen im Bereich der Beteiligungsfinanzierung gesammelt werden, um die Basis für die weitere Entwicklung des deutschen Beteiligungsmarktes bilden. Der bis 1981 aufgelaufene Verlust von 32,4 Mio. DM war ein Indiz dafür, dass sich das Beteiligungsmodell der WFG nicht bewährt hat. Dieses konnte zum Teil auf die Restriktionen zurückgeführt werden, denen die WFG aufgrund ihres Förderauftrages unterlag. 137 Daraufhin wurden wesentliche Elemente des Beteiligungskonzeptes geändert: [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832464479
Arbeit zitieren:
Heins, Roger November 2002: Erfolgsfaktoren des Venture-Capital-Marktes in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Venture Capital, Wagniskapital, Technologieunternehmen, Risikokapital, staatliche Förderung



