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Erfolgsfaktoren der Markentransferstrategie

Erfolgsfaktoren der Markentransferstrategie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexander Friebel
  • Abgabedatum: April 2002
  • Umfang: 128 Seiten
  • Dateigröße: 745,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5690-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5690-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5690-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Friebel, Alexander April 2002: Erfolgsfaktoren der Markentransferstrategie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Imagetransfer, Marke, Markendehnung, Brand Extension, Markenerweiterung

Diplomarbeit von Alexander Friebel

Einleitung:

Die Kosten für Neuprodukteinführungen und die Anzahl der fehlgeschlagenen Neuprodukteinführungen sind in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen. Die Steigerung der Kosten, insbesondere der Werbekosten, ist dabei auf die Informationsüberflutung der Konsumenten und die steigende Anzahl der Marken, die um die Aufmerksamkeit der Kunden kämpfen, zurückzuführen. Außerdem führen auch gestiegene Listungskosten beim Handel zur Steigerung der Kosten für eine Neuprodukteinführung. Entsprechend den Kostensteigerungen sind auch die Flop-Raten sehr hoch. Sie schwanken je nach Markt zwischen 33% und 90%. Zudem ist das Bewusstsein gewachsen, die Marke als eine Investition zu betrachten und dementsprechend möglichst gewinnbringend einzusetzen. Dies zeigt sich insbesondere auch an der gestiegenen Vergabe von Warenzeichenlizenzen durch bekannte Markenartikelhersteller.

Das veränderte Bewusstsein und der Kosten- bzw. Erfolgsdruck hat die Markentransferstrategie, bei der ein neues Produkt unter einem bereits bekannten Markennamen eingeführt wird, als strategische Alternative zur Markeninnovationsstrategie, bei der ein neues Produkt unter einem neuen Namen eingeführt wird, in vielen Branchen in den Vordergrund gerückt. Dementsprechend hat z.B. der Anteil neuer Marken an den neu eingeführten Lebensmittelprodukten im Handel in Deutschland von 22% 1989 auf 4% 1994 abgenommen.

Die Markentransferstrategie erscheint dabei sowohl in den Augen der Praktiker als auch in den Augen der Theoretiker besonders reizvoll, weil davon ausgegangen wird, dass sie vor allem den Kosten- und Zeitaufwand für die Neuprodukteinführung und auch das Flop-Risiko reduziert und somit die Markteintrittsbarrieren nachhaltig senken kann. Dass diese Einschätzung auch von den Praktikern getragen wird, zeigt eine Befragung unter Entscheidern der deutschen Brauereiwirtschaft, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Marketingkosten für eine Neuprodukteinführung mit Hilfe einer Markentransferstrategie auf durchschnittlich nur ca. 67-70 Mio. DM, hingegen unter Verwendung einer Markeninnovationsstrategie auf durchschnittlich ca. 177 Mio. DM geschätzt werden.

Eine hohe Zahl an Misserfolgen unter den Neuprodukteinführungen auf Basis der Markentransferstrategie zeigt allerdings, dass die Markentransferstrategie nicht unter allen Bedingungen zum Erfolg führt. So zeigt z.B. eine Nielsen-Studie, bei der 115 Neuprodukteinführungen in fünf britischen und US-amerikanischen Märkten untersucht wurden, dass der Marktanteil nach zwei Jahren bei den Produkten, die mit Hilfe einer Markentransferstrategie eingeführt wurden, wesentlich geringer war als bei den Produkten, die mit Hilfe einer Markeninnovationsstrategie eingeführt wurden. Zu ähnlich ernüchternden Ergebnissen bezüglich der Markentransferstrategie kommt auch eine Untersuchung von Sullivan, bei der die Überlebensrate von 95 verschiedenen Marken aus dem Konsumgüterbereich nach sechs Jahren untersucht wurde. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied bezüglich der Überlebensrate zwischen den neuen Produkten, die mit Hilfe einer Markentransferstrategie eingeführt wurden, und denen, die mit Hilfe einer Markeninnovationsstrategie eingeführt wurden.

Obwohl der Markentransferstrategie also ein erhebliches Erfolgspotential unterstellt wird und diese Erwartungen auch in der Praxis von einigen herausragenden Beispielen bestätigt werden (z.B. Markentransfers unter der Marke Nivea), weist die Praxis gleichzeitig aber auch eine Vielzahl von Fehlschlägen und Enttäuschungen auf. Es stellt sich also die Frage, welche Faktoren für den Erfolg einer Markentransferstrategie verantwortlich sind.

Die folgende Arbeit geht also der Frage nach, welche Faktoren für den Erfolg einer Markentransferstrategie verantwortlich sind.

Gang der Untersuchung:

Hierzu sollen zunächst im Anschluss an dieses Kapitel einige Grundlagen, die für die Erschließung des Themas erforderlich sind, dargestellt werden. Vereinfacht ausgedrückt wird beim Markentransfer die Marke von einem Produkt auf ein anderes übertragen, um dadurch das Image der Marke durch einen Imagetransfer auf das neue Produkt zu übertragen. Entsprechend dieser stark vereinfachten Darstellung werden die grundlegenden Begriffe Marke, Image, Markentransfer und Imagetransfer erläutert. Dem Imagetransfer, als dem zentralen Prozess im Rahmen eines Markentransfers, wird dabei besondere Beachtung geschenkt. Vor allem weil die Erklärung der hinter dem Imagetransfer stehenden Prozesse für das Verständnis der Wirkungsweise vieler Erfolgsfaktoren besonders wichtig ist. Der Ablauf des Imagetransfers wird deshalb anhand des Informationsverarbeitungsprozesses eingehend erläutert.

Im dritten Kapitel werden dann zunächst die Chancen dargestellt, die sich bieten, wenn die Erfolgsfaktoren sorgfältig beachtet werden, und die Risiken aufgezeigt, die drohen, wenn die Erfolgsfaktoren nicht sorgfältig berücksichtigt werden. Dann werden die Erfolgsfaktoren ausführlich dargestellt. Die Darstellung ist dabei in Haupteffekte und Interaktionseffekte unterteilt. Insgesamt werden 21 verschiedene Erfolgsfaktoren, 14 Haupteffekte und 7 Interaktionseffekte, beschrieben. Im Anschluss daran wird eine Forschungsarbeit vorgestellt, die sich mit der relativen Bedeutung dieser Vielzahl von Erfolgsfaktoren beschäftigt. Das Kapitel wird dann abgeschlossen mit der Darstellung einiger Kritikpunkte an der Forschung zu den Erfolgsfaktoren der Markentransferstrategie.

Im vierten Kapitel werden drei Modelle vorgestellt, die die Betrachtung der Erfolgsfaktoren systematisieren und eine Einschätzung der Erfolgschancen von Markentransfers ermöglichen.

Das fünfte Kapitel beschreibt das erfolgreiche Beispiel der Markentransferstrategie der Marke Nivea und die hierbei beachteten Erfolgsfaktoren.

Im sechsten und letzten Kapitel wird die Arbeit noch mal abschließend zusammengefasst, und es werden Schlussfolgerungen gezogen.

Die Arbeit beschränkt sich auf die Betrachtung von Markentransfers bei Markenartikeln aus dem Konsumgüterbereich; der Investitionsgüterbereich und Dienstleistungen sowie Markentransfers bei Markenware werden nicht betrachtet (zur Unterscheidung von Markenartikeln und Markenware siehe Kapitel 2.1).

Auch die Besonderheiten des Markentransfers über die Unternehmensgrenzen hinweg, also die Vergabe von Warenzeichenlizenzen, werden trotz ihrer stetig wachsenden Bedeutung nicht explizit dargestellt.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Grundlagen 4
2.1 Der Begriff der Marke 4
2.2 Der Begriff des Images 6
2.2.1 Die Darstellung der Imagestruktur mit Hilfe des semantischen Netzwerkmodells 8
2.3 Der Begriff des Markentransfers 10
2.3.1 Veränderung der Muttermarke 11
2.3.2 Verschiedenartigkeit von Stamm- und Transferprodukt 15
2.4 Der Begriff des Imagetransfers 18
2.4.1 Die Bedeutung des Imagetransfers im Rahmen des Markentransfers 19
2.4.2 Abgrenzung der Begriffe Imagetransfer und Markentransfer 19
2.4.3 Der Informationsverarbeitungsprozess 21
2.4.3.1 Informationsaufnahme 22
2.4.3.2 Wahrnehmung und Beurteilung 24
2.4.3.3 Lernen und Gedächtnis 28
2.4.3.4 Produktwahl und Kaufentscheidung 32
3. Erfolgsfaktoren der Markentransferstrategie 40
3.1 Die Begriffe Erfolg, Erfolgsfaktor und Transferpotential 40
3.2 Chancen und Risiken der Markentransferstrategie 41
3.2.1 Chancen der Markentransferstrategie 42
3.2.2 Risiken der Markentransferstrategie 45
3.2.3 Zusammenfassung 47
3.3 Die Erfolgsfaktoren im Einzelnen 48
3.3.1 Haupteffekte 49
3.3.1.1 Wahrgenommene Ähnlichkeit zwischen Muttermarke und Transferprodukt (Fit) 49
3.3.1.2 Wahrgenommene Qualität der Muttermarke 56
3.3.1.3 Anzahl vorangegangener Markentransfers 57
3.3.1.4 Richtung und Reihenfolge vorangegangener Markentransfers 59
3.3.1.5 Varianz der Qualitätseinschätzung innerhalb der Muttermarke 61
3.3.1.6 Wahrgenommene Breite der Muttermarke 62
3.3.1.7 Wahrgenommene Qualitätsunterschiede in der Transferproduktkategorie 64
3.3.1.8 Kenntnisstand der Konsumenten 65
3.3.1.9 Wahrgenommene Schwierigkeit der Herstellung 66
3.3.1.10 Relevanz der transferierten Assoziationen 67
3.3.1.11 Imagestrukturtyp der Muttermarke 68
3.3.1.12 Zeitpunkt der Markteinführung des Transferprodukts im Lebenszyklus der Transferproduktkategorie 71
3.3.1.13 Art der Produktbeurteilung 72
3.3.1.14 Bekanntheit der Muttermarke 73
3.3.2 Interaktionseffekte 74
3.3.2.1 Interaktion zwischen der wahrgenommenen Qualität der Muttermarke und der wahrgenommenen Ähnlichkeit zwischen Muttermarke und Transferprodukt 74
3.3.2.2 Interaktion zwischen der wahrgenommenen Qualität der Muttermarke und dem Erfolg vorangegangener Markentransfers 76
3.3.2.3 Interaktion zwischen der wahrgenommenen Breite der Muttermarke und der wahrgenommenen Ähnlichkeit zwischen Muttermarke und Transferprodukt 77
3.3.2.4 Interaktion zwischen der wahrgenommenen Breite der Muttermarke und der wahrgenommenen Qualität der Muttermarke 79
3.3.2.5 Interaktion zwischen der wahrgenommenen Anzahl vorangegangener Markentransfers und der Qualitätsvarianz innerhalb der Muttermarke 80
3.3.2.6 Interaktion zwischen der Relevanz der transferierten Assoziationen und der wahrgenommenen Ähnlichkeit zwischen Muttermarke und Transferprodukt 81
3.3.2.7 Interaktion zwischen dem Kenntnisstand der Konsumenten und der wahrgenommenen Ähnlichkeit zwischen der Muttermarke und dem Transferprodukt 81
3.3.3 Zusammenfassung 83
3.4 Die relative Bedeutung der Erfolgsfaktoren 85
3.5 Kritik an der Forschung zu den Erfolgsfaktoren der Markentransferstrategie 88
4. Operationalisierung der Markentransferentscheidung 89
4.1 Das Modell von Schweiger 89
4.2 Das Modell von Esch, Fuchs, Bräutigam und Redler 94
4.3 Das Modell von Sattler 102
5. Praxisbeispiel: Markentransfers der Marke Nivea 106
6. Schlussfolgerungen 110
Literaturverzeichnis I
Eidesstattliche Erklärung VII

Automatisiert erstellter Textauszug:

Das produktgeprägte Image zeichnet sich dadurch aus, dass die stärksten Assoziationen zwischen der Produktkategorie und der Marke bestehen. Die Marke wird also vor allem durch das physische Produkt geprägt, z.B. Marke XY ist ein 5mm Stahlbohrer oder Tempo ist ein Papiertaschentuch. Je stärker dabei die assoziative Verbindung der Marke mit dem jeweiligen Produkt ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit der Markenwahl. Das Ziel einer produktorientierten Positionierungsstrategie ist also der Aufbau einer engen Produkt-Markenbindung. Aber gerade eine enge Produkt-Markenbindung ist eine schlechte Grundlage für einen Markentransfer. Erstens führt die starke Produktprägung dazu, dass die Konsumenten der Marke zwar eine sehr spezifische, aber gleichzeitig auch eindimensionale Kompetenz beimessen, die nur schwer auf andere Produktkategorien übertragen werden kann. Zweitens bedeutet ein Markentransfer bei einem produktgeprägten Image immer auch eine Abkehr vom prägenden Stammprodukt und damit von der tragenden Imagekomponente. Um der Abkehr von der tragenden Imagekomponente und damit einem Verlust an Prägnanz des Markenimages entgegenzuwirken, gilt es, einen möglichst hohen Fit im Sinne übereinstimmender objektiver Produkteigenschaften zwischen der Stammprodukt- und der Transferproduktkategorie zu gewährleisten. Der Fit spielt also nach Hätty bei Markentransfers unter Muttermarken mit produktgeprägtem Markenimage eine besonders wichtige Rolle. Die Produkt-Markenbindung beeinflusst nach Hätty das Transferpotential einer Marke. Marken, die einen Markennamen mit Eigenbedeutung besitzen (z.B. Abflußfrei, Spüli, Königs-Pilsner) oder deren Markenname zu einem Gattungsnamen geworden ist (z.B. Tesa für Klebeband, Maggi für Suppenwürze, Tempo für Taschentücher), sind dabei aufgrund ihrer sehr hohen Produkt-Markenbindung besonders schlecht für einen Markentransfer geeignet. Ein nutzengeprägtes Image zeichnet sich dadurch aus, dass es vor allem durch den Nutzen der Produkte der Marke bzw. durch die versprochene Problemlösung geprägt wird. Das eigentliche Produkt verliert an Bedeutung und ist nur noch Mittel zum Zweck. Bezogen auf das bereits erwähnte Beispiel würde die Marke XY also nicht 5mm Stahlbohrer anbieten, sondern 5mm Löcher. Ein reales Beispiel ist die Marke Nivea, die nicht [...]

Hätty (1989) geht davon aus, dass das Markenimage die wesentliche Determinante für das Transferpotential einer Marke ist. Um trotz der unendlichen Vielzahl möglicher Markenimages eine Aussage über den Einfluss des Markenimages auf das Transferpotential treffen zu können, fasst Hätty Images vergleichbarer Struktur zu Imagestrukturtypen zusammen. Die Abgrenzung der Imagestrukturtypen voneinander erfolgt dabei anhand der primären Markenassoziationen. Die zwei wichtigsten Imagestrukturtypen sind seines Erachtens das produktgeprägte Markenimage und das nutzengeprägte Markenimage (siehe Abb. 11). Welcher der beiden Imagestrukturtypen sich im Einzelfall herausbildet, ist vor allem abhängig von der jeweiligen entweder produkt- oder nutzenorientierten Positionierungsstrategie und den daraus abgeleiteten Kommunikationsmaßnahmen. Abb. 11: Gedächtnisstrukturen produktgeprägter und nutzengeprägter Images am Beispiel NIVEA [...]

sehr fragwürdig. In der Befragung wurde nur die Höhe des Kenntnisstands erfragt, nicht aber der Inhalt der Kenntnisse kontrolliert. Wenn beispielsweise die in der Transferproduktkategorie vorherrschenden Fakten zu einer positiven Beurteilung des Transferprodukts beitragen können, dann führt ein hoher Kenntnisstand entgegen der Annahme von Smith und Park wahrscheinlich zu einem höheren Marktanteil des Transferprodukts. Wenn andererseits der Kenntnisstand der Konsumenten gering ist, der Inhalt aber das Transferprodukt diskreditiert, kann dies auch entgegen der Annahme von Smith und Park zu einer schlechteren Beurteilung des Transferprodukts und damit zu einem geringeren Marktanteil führen. Bei einer solchen Untersuchung gilt es also meines Erachtens, auch den Inhalt der Kenntnisse zu kontrollieren um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. [...]

Arbeit zitieren:
Friebel, Alexander April 2002: Erfolgsfaktoren der Markentransferstrategie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Imagetransfer, Marke, Markendehnung, Brand Extension, Markenerweiterung

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