Erfolg oder Krise am Neuen Markt
Möglichkeiten und Grenzen der Beurteilung von Wachstumsunternehmen anhand publizierter Daten
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Frank Dudda
- Abgabedatum: Juli 2001
- Umfang: 163 Seiten
- Dateigröße: 1.001,5 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität - Gesamthochschule Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4716-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4716-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4716-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Dudda, Frank Juli 2001: Erfolg oder Krise am Neuen Markt, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Unternehmensbewertung, Neuer Markt
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Diplomarbeit von Frank Dudda
Einleitung:
Seit der Schaffung des Neuen Marktes existiert in Deutschland nicht nur eine neue Börsenkultur, sondern auch eine neue Unternehmenslandschaft. Jungen, innovativen Unternehmen bietet sich seither über die Aufnahme von Kapital am Neuen Markt die Möglichkeit, ihre Innovationen und Wachstumsbestrebungen zu finanzieren. Nach einer über drei Jahre andauernden Euphorie am Neuen Markt, die durch das Vertrauen der Anleger in die Geschäftsmodelle der Unternehmen getragen wurde, ist seit März 2000 eine zunehmende Skepsis der Anleger zu verzeichnen, die in dramatischen Kursstürzen der Aktien zum Ausdruck kommt. So verlor bspw. der NEMAX50 innerhalb eines Jahres ca. 80 % an Wert. Hauptursache der Kursstürze war die nicht auf Fundamentaldaten der Unternehmen beruhende hohe Bewertung der Aktien. Der Zeitpunkt des Börsencrashs liegt darin begründet, dass Umsatz- und Gewinnprognosen revidiert werden mussten, da die in den Geschäftsmodellen gehegten Erwartungen nicht erfüllt werden konnten. Die daraus resultierende Entwicklung eines rückläufigen Vertrauens der Anleger in den Neuen Markt verstärkte sich mit der zunehmenden Veröffentlichung von Studien, die in sogenannten „Todeslisten“ auf mögliche Bestandsgefährdungen von Neuer Markt Unternehmen hinwiesen.
Mittlerweile droht einigen Neuer Markt Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit. Am 09.03.2001 stellte mit der teamwork information management AG ein zweites Unternehmen nach der Gigabell AG am Neuen Markt einen Insolvenzantrag. Der Ausleseprozess des Marktes wird am Neuen Markt weiter voranschreiten und diejenigen Unternehmen selektieren, deren Geschäftsmodelle oder Management nicht wettbewerbsfähig sind. Hier setzen die hohen Publizitätsanforderungen des Neuen Marktes an, die versuchen, die Chancen- und Risikosituationen der Wachstumsunternehmen bei geringen Informationskosten den Anspruchsgruppen transparent zu vermitteln, damit sie diese im Rahmen ihrer Zielsetzung berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel der Arbeit eine umfassende Analyse der Besonderheiten von Wachstumsunternehmen sowie ihrer Publizitätspraxis, um danach unter Berücksichtigung von Krisen- und Erfolgsprozessen eine kennzahlengestützte Beurteilungsmöglichkeit für Externe anhand von Jahresabschlussdaten auf Basis internationaler Standards zu untersuchen.
Gang der Untersuchung:
Das nachfolgende Kapitel behandelt die wesentlichen Merkmale von Wachstumsunternehmen, wobei insbesondere auf deren Wachstumsfinanzierung und Motive eines Börsengangs eingegangen wird. Um das Ziel dieser Arbeit, die Beurteilung der Wachstumsunternehmen anhand publizierter Daten vornehmen zu können und die möglichen Grenzen aufzuzeigen, zu erreichen, erfolgt anschließend eine Darlegung der Publizitätsinstrumente, die den Wachstumsunternehmen am Neuen Markt im Rahmen der Investor Relations zur Verfügung stehen.
Zuvor wird auf die Konzeption und Zielsetzung des Neuen Marktes sowie auf die Bedeutung und Ausgestaltung der Investor Relations für Wachstumsunternehmen eingegangen. Die Ausführungen zur Eignung der Publizitätsinstrumente berücksichtigen einerseits die aus den speziellen Folgepflichten des Neuen Marktes resultierenden obligatorischen Instrumente, andererseits die von Wachstumsunternehmen freiwillig vorgenommenen Maßnahmen. Eine auf den Ergebnissen des vorangegangenen Kapitels aufbauende Jahresabschlussanalyse als Verfahren zur Beurteilung von Wachstumsunternehmen erfordert zunächst das Aufzeigen spezieller Krisenverlaufsmuster sowie Krisenursachen und Erfolgsfaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung von Wachstumsunternehmen, um ein Verständnis für die Entstehung von Unternehmenskrisen und -erfolgen zu schaffen.
Den Ausgangspunkt einer Jahresabschlussanalyse bilden die die wirtschaftlichen Verhältnisse reflektierenden Rechnungslegungsdaten, die am Neuen Markt nach den Prinzipien der IAS (International Accounting Standards) oder US-GAAP (United States - Generally Accepted Accounting Principles) aufzustellen sind. Für den Aussagegehalt einer Jahresabschlussanalyse sind zunächst die grundlegende Konzeption der Rechungslegungsstandards sowie die einzelnen Elemente darzulegen, um anschließend die rechnungslegungsrelevanten Besonderheiten von Wachstumsunternehmen herauszustellen.
Danach schließen sich Überlegungen zu einer kennzahlengestützten Jahresabschlussanalyse an, die die Spezifika von Wachstumsunternehmen versucht zu berücksichtigen, sowie zu einer möglichen Erweiterung der Verfahren.
Das letzte Kapitel enthält eine Zusammenfassung und einen Ausblick.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Tabellenverzeichnis | VI | |
| Tabellen und Abbildungen im Anhang | VI | |
| A. | Einführung | 1 |
| B. | Wachstumsunternehmen am Neuen Markt | 3 |
| I. | Charakterisierung von Wachstumsunternehmen | 3 |
| II. | Der Kapitalbedarf von Wachstumsunternehmen und die Bedeutung verschiedener Finanzierungsformen | 10 |
| III. | Motive für den Börsengang von Wachstumsunternehmen | 16 |
| C. | Die Konzeption des Neuen Marktes und seine Publizitätsmerkmale | 21 |
| I. | Das neue Marktsegment und seine Zielsetzung | 21 |
| II. | Investor Relations als Informationsbeziehungen zwischen Unternehmen und Adressaten | 25 |
| 1. | Ziele und Grundsätze der Investor Relations als Voraussetzung für eine Beurteilung von Wachstumsunternehmen | 25 |
| 2. | Die Probleme der traditionellen Finanzberichterstattung bei Wachstumsunternehmen als Teil der Unternehmenspublizität | 30 |
| III. | Die Publizitätspraxis von Wachstumsunternehmen am Neuen Markt | 33 |
| 1. | Aktuelle Änderungen des Regelwerkes | 35 |
| 2. | Zulassungsvoraussetzungen | 36 |
| 3. | Instrumente der Investor Relations: Folgepflichten und freiwillige Publizität für Neuer Markt Unternehmen | 40 |
| a. | Publikationen | 40 |
| i) | Obligatorische Instrumente | 40 |
| ii) | Fakultative Instrumente | 48 |
| b. | Events/Veranstaltungen | 50 |
| i) | Obligatorische Instrumente | 51 |
| ii) | Fakultative Instrumente | 52 |
| c. | Kommunikationsinstrumente und sonstige Informationsmittel | 53 |
| IV. | Kritische Würdigung der Publizität am Neuen Markt | 55 |
| D. | Möglichkeiten der Beurteilung von Wachstumsunternehmen | 56 |
| I. | Unternehmenskrise und Erfolg am Neuen Markt | 56 |
| 1. | Krisenarten sowie Phasen und Stadien von Unternehmenskrisen bei Wachstumsunternehmen | 57 |
| 2. | Krisenursachen und Erfolgsfaktoren | 63 |
| II. | Die Jahresabschlussanalyse als Verfahren zur Beurteilung von Wachstumsunternehmen | 70 |
| 1. | Datenbasis und deren Eignung zur Beurteilung von Unternehmen | 74 |
| a. | Jahresabschlussinformationen | 77 |
| i) | Die Rechnungslegungsstandards der publizierten Daten | 77 |
| ii) | Die Teilbereiche des Jahresabschlusses | 82 |
| iii) | Besonderheiten bei der internationalen Rechnungslegung von Wachstumsunternehmen | 90 |
| b. | Die Quartalsberichte | 98 |
| 2. | Kennzahlengestützte Jahresabschlussanalyse als Grundlage der Beurteilung von Wachstumsunternehmen | 99 |
| a. | Besonderheiten und ausgewählte Beispiele der kennzahlengestützten Jahresabschlussanalyse bei Wachstumsunternehmen | 100 |
| i) | Prognoseüberprüfungen und Wachstumsraten | 101 |
| ii) | Finanzwirtschaftliche Jahresabschlussanalyse | 102 |
| iii) | Cash Flow-Betrachtung | 107 |
| iv) | Erfolgswirtschaftliche Jahresabschlussanalyse | 111 |
| b. | Kritische Würdigung der kennzahlengestützten Jahresabschlussanalyse | 115 |
| E. | Zusammenfassung und Ausblick | 120 |
| Anhang | VII | |
| Literaturverzeichnis | XIV |
rung des Geschäftsmodells zum Ausdruck kommt.351 Die nötigen Herausforderungen und Anpassungen zur Überwältigung der kritischen Wachstumsschwellen werden häufig nicht vorgenommen. • Akute Krise: Die Unternehmenskrise tritt offen zu Tage und äußert sich in geringeren Gewinn-, Umsatz- und Rentabilitätszielen. Bei Wachstumsunternehmen treten v.a. zunehmende Liquiditätsprobleme, ein Rückgang des Umsatzwachstums und das Nichtüberschreitung der Gewinnschwelle auf.352 Des Weiteren verursacht der Wachstumsprozess immer noch einen hohen Verbrauch liquider Mittel, dem entsprechende Einzahlungen nicht gegenüberstehen, was insgesamt zu einer Liquiditätsgefährdung führt. Auch erste Mitarbeiterentlassungen aufgrund von revidierten Wachstumsstrategien und Überkapazitäten treten auf. Die Krisenlage manifestiert sich auch in den publizierten Daten, wie bspw. im Jahresabschluss, und schlägt sich zudem in der Revidierung von Prognosen und Erwartungen nieder. Hier bestehen für das Management und häufig auch für herangezogene externe Berater hohe Krisenvermeidungsanforderungen, aber fast keine Früherkennungsanforderungen, da die Krise bereits offensichtlich ist. Für Wachstumsunternehmen entsteht ein hoher Handlungsbedarf, um die Krise abzuwenden: Es müssen weitere Finanzierungsquellen erschlossen werden, die Investor Relations-Abteilung muss die Anforderungen an die Publizierung der Daten erfüllen und Maßnahmen zur Abwendung der Krise müssen ergriffen werden.353 • Insolvenz/nicht beherrschbare Krise:354 In der letzten Phase, die durch fehlgeschlagene Abwehrmaßnahmen und Turn-around-Versuche355 gekennzeichnet ist, zeichnen sich sehr hohe Krisenbewältigungsanforderungen ab. Die Konsequenz ist, dass der Fortbestand des Unternehmens sehr stark gefährdet ist und das Insolvenzverfahren eingeleitet wird. Bei Wachstumsunternehmen ist eine drohende Zahlungsunfähigkeit zu erkennen. [...]
Innerhalb des Krisenprozesses lassen sich folgende Phasen unterscheiden:344 • Normalsituation/Potenzielle Krise:345 Das Wachstumsunternehmen zeichnet sich durch eine normal verlaufende Geschäftstätigkeit aus, die durch hohe Wachstumsraten, durch das Fortführender des Expansionsprozesses sowie durch das Erreichen oder Überschreiten der Gewinnschwelle gekennzeichnet ist.346 Es bestehen keine Signale für eine Krise, obwohl eine Krise möglich wäre. Weiterhin treten keine Wettbewerbsänderungen, keine Rekrutierungsprobleme, keine Publizitäts- und Managementprobleme auf. In dieser Phase existieren hohe Früherkennungsanforderungen bei geringen Krisenbewältigungsanforderungen aufgrund der Frühzeitigkeit des Erkennens von Wachstumsschwellen bzw. einer Krise.347 • Latente Krise:348 In dieser Phase liegen eine kritische Wachstumsschwelle und Unternehmenskrise bereits verdeckt vor, die anhand von Frühwarnsystemen intern festgestellt wird. Es existiert bereits eine Vielzahl von negativen Entwicklungen, die sich aber nur schwach in Jahresabschluss und Quartalsberichten auswirken. Unternehmensexterne können in diesem Stadium anhand der publizierten Daten eine Krisengefährdung kaum feststellen.349 Die Anforderungen an eine Früherkennung nehmen ab, sind aber immer noch sehr hoch, bei gleichzeitigem Anstieg der Krisenbewältigungsanforderungen.350 Anstatt das Unternehmen in dieser Phase bei schwachem Umsatzwachstum und Gewinn strategisch neu auszurichten, erfolgt bei NMU häufig eine strategische Diffusion, die vielmehr eine kurzfristige Fokussierung am Aktienkurs ist und in einer internen Umstrukturierung, einer Akquirierung neuer Geschäftsfelder und einer Verände- [...]
Bei der hier vorgenommenen Betrachtung von wachstumsstarken Unternehmen des Neuen Marktes soll zunächst der Begriff der Wachstumskrise327 von dem der Unternehmenskrise abgegrenzt werden. Nach Albach/Bock/Warncke wird unter einer Wachstumskrise „... eine unternehmensindividuelle Erscheinung verstanden, hervorgerufen durch die geänderten Anforderungen an die Unternehmensführung, -organisation, finanzierung etc., wenn das Unternehmen in eine neue Unternehmensgrößenklasse hineinwächst. Die Diskrepanz zwischen den betrieblichen Anforderungen und realisierten Maßnahmen führt zu negativen Folgen für die Zielerfüllung des Unternehmens.“328 Auslöser von Wachstumskrisen sind sogenannte Wachstumsschranken, Phasen mit schwächerem Wachstum, die entweder durch unternehmensinterne oder in der Umwelt des Unternehmens liegende Ursachen begründet sind und somit zu diskontinuierlichen Wachstumsverläufen im Rahmen der Unternehmensentwicklung führen.329 Beim Auftreten mehrerer Wachstumsschranken können sich sogenannte Wachstumsschwellen330 ergeben, die durch die Kombination mehrerer Krisenarten (bspw. die Finanzierungsund Führungskrise) in einer mit stark zurückgehenden Wachstumsraten gekennzeichneten Wachstumskrise enden können, wenn sich das Unternehmen nicht an die neuen Gegebenheiten anpasst.331 Innerhalb des Wachstums können insbesondere vier kritische [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832447168
Arbeit zitieren:
Dudda, Frank Juli 2001: Erfolg oder Krise am Neuen Markt, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Unternehmensbewertung, Neuer Markt



