Erfassung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung von Kreditinstituten
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Schäfer
- Abgabedatum: Juli 2008
- Umfang: 86 Seiten
- Dateigröße: 479,7 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Siegen Deutschland
- Bibliografie: ca. 97
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1978-3
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schäfer, Christian Juli 2008: Erfassung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung von Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Bankwesen, Kreditinstitut, Risikomangement, Kreditrisiko, Unternehmensbewertung
38,00 €
PDF-eBook Download: 38,00 €
Diplomarbeit von Christian Schäfer
Einleitung:
Im Rahmen der Unternehmensbewertung stellt die Erfassung kreditinstitutsspezifischer Werttreiber und Werthebel eine besondere Herausforderung dar. Gerade die Tatsache, dass Kreditinstitute einen Großteil ihres Ertrages durch die Übernahme vielseitiger Risiken generieren, macht den Unterschied zu Industrie- und Handelsunternehmen deutlich. Vor diesem Hintergrund avanciert das Risikomanagement der Kreditinstitute zum zentralen Moment bei der Betrachtung bankspezifischer Risiken. Mit der Identifikation, Analyse, Quantifizierung, Steuerung und Kontrolle von Risiken, legt es das Fundament zur risikoadäquaten Messung der Werttreiber und ermöglicht Aussagen über die Sensitivität des Unternehmenswertes. Der Fokus einer wertorientierten Unternehmensführung in Kreditinstituten bzw. die Renditeforderung der Anteilseigner, richtet sich damit notwendigerweise auf eine präzise Erfassung bankspezifischer Risiken.
Denn nur die genaue und lückenlose Abbildung der vom Kreditinstitut eingegangenen Risiken kann letztlich auch eine präzise Herleitung der Bewertungskomponenten und damit eine transparente Wertermittlung gewährleisten. Vor diesem Hintergrund soll die vorliegende Arbeit die herausragende Stellung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung und Steuerung von Kreditinstituten ausleuchten, indem geprüft wird, welche Risiken bei der Wertermittlung betrachtet werden müssen und wie diese in den Bewertungskomponenten abgebildet werden können. Auf dieser Basis sollen dann Modelle daraufhin untersucht werden, ob sie den Ansprüchen an eine Bewertung von Kreditinstituten genügen und auf welche Weise die Veränderung der Bewertungskomponenten zu interpretierbaren Werteffekten führen.
Durch eine Eingrenzung der Kreditinstitute wird zunächst der Untersuchungsgegenstand vorliegender Arbeit herausgelöst. Die Analyse wendet sich dann den Anteilseignern, der Triebfeder einer wertorientierten Unternehmensführung, zu. Um die Ansatzpunkte der Werterfassung herauszustellen, wird das Kreditinstitut in seine originären Aufgaben und Segmente zerlegt, bevor erläutert wird, wie sich die aufsichtsrechtlichen Vorschriften auf eine Risikoübernahme respektive den Unternehmenswert auswirken. Im weiteren Verlauf werden die bankspezifischen Risiken betrachtet, indem an eine Risikostrukturierung die Analyse der Einzelrisiken anschließt. Hierbei richtet sich das Augenmerk vor allem darauf, wie aus latenten schlagende Risiken werden und welche risikospezifischen Schnittpunkte mit dem Wert des Institutes entstehen können. Die Gegenüberstellung von regulatorischem und ökonomischem Eigenkapital (EK) prüft die Notwendigkeit der Eigenkapitalunterlegung für Risiken.
Es folgt eine empirische Betrachtung des Value at Risk-Konzeptes, um zu ergründen, ob und wie sich die betrachteten Risiken in quantifizierbare Größen transferieren lassen. Die Grundlagen der Bewertung leiten dann zum Zukunftserfolg über, welcher in seine Elemente aufgespaltet wird. Als Verrechnungsgröße bankspezifischer Risiken werden die einzelnen Ergebniskomponenten und ihre Prognosemöglichkeiten betrachtet. Der Gang der Untersuchung führt zur zweiten und entscheidenden Verrechnungsgröße von Risiken, den kreditinstitutsspezifischen Eigenkapitalkosten (EKK). In einem ersten Schritt wird eruiert, welcher Zusammenhang zwischen EKK und risikoadäquater Renditeforderung der Anteilseigner besteht, was in nächster Instanz zu ausgewählten Ansätzen zur Eigenkapitalkostenermittlung führt. Die Verfahren werden in ihren theoretischen Grundzügen umrissen und anhand einer empirischen Erhebung dahingehend analysiert, ob die Abbildung bankspezifischer Risiken in den EKK zu plausiblen Ergebnissen führt. In einer kritischen Auseinandersetzung mit den Modellen, werden dann die wesentlichen Punkte zusammengefasst und bewertet. An die Bewertungskomponenten knüpfen die Bewertungsverfahren an. Hierbei wird eine Eingrenzung relevanter Modelle vorgenommen, bevor an diesen die essentiellen Aspekte der Wertermittlung abgewickelt werden. Durch die Zusammenführung von Zukunftserfolg und Kapitalkosten wird dann die Implementierung der risikoinduzierten Bewertungskomponenten ausgeforscht. Eine Gegenüberstellung der Verfahren, soll den Nutzen für eine segment- und gesamtbankbezogene Wertermittlung herausstellen. Die gewonnenen Erkenntnisse schließen mit einer finalen Bewertung ab.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| Symbolverzeichnis | V | |
| Tabellenverzeichnis | VII | |
| Abbildungsverzeichnis | VIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Kreditinstitute als Bewertungsobjekt | 3 |
| 2.1 | Abgrenzung von Kreditinstituten | 3 |
| 2.2 | Gegenstand des Shareholder Value-Konzeptes | 4 |
| 2.3 | Komplexitätsreduktion bei der Wertfindung | 5 |
| 2.3.1 | Aufspaltung in originäre Aufgaben als Finanzintermediär | 5 |
| 2.3.2 | Einteilung in strategische Geschäftsfelder | 7 |
| 2.4 | Aufsichtsrechtliche Vorschriften | 9 |
| 3. | Risiken als zentrale Bewertungsdeterminanten in Kreditinstituten | 11 |
| 3.1 | Risikosystematisierung | 11 |
| 3.2 | Bankspezifische Risiken | 12 |
| 3.2.1 | Marktpreisrisiken | 12 |
| 3.2.2 | Adressenausfallrisiken | 14 |
| 3.2.3 | Operationelle Risiken | 16 |
| 3.2.4 | Liquiditätsrisiken | 17 |
| 3.3 | Eigenkapital zur Unterlegung unerwarteter Verluste | 19 |
| 3.4 | Value at Risk zur Risikoquantifizierung | 22 |
| 4. | Berücksichtigung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung | 26 |
| 4.1 | Grundlagen einer Gesamtbankbewertung auf Cashflow-Basis | 26 |
| 4.2 | Bestimmung des Zukunftserfolges | 28 |
| 4.2.1 | Free Cash Flow auf Segment- und Gesamtbankebene | 28 |
| 4.2.2 | Prognose der Einzelkomponenten | 30 |
| 4.2.2.1 | Zinsergebnis | 30 |
| 4.2.2.2 | Provisionsergebnis | 32 |
| 4.2.2.3 | Ergebnis des Eigengeschäftes | 33 |
| 4.2.2.4 | Verwaltungsaufwand | 34 |
| 4.3 | Ermittlung kreditinstitutsspezifischer Eigenkapitalkosten | 35 |
| 4.3.1 | Eigenkapitalkosten als Mindestrendite des Kreditinstitutes | 35 |
| 4.3.2 | Capital Asset Pricing Model zur Eigenkapitalkostenermittlung auf Gesamtbankebene | 37 |
| 4.3.3 | Segmentspezifische Eigenkapitalkosten | 40 |
| 4.3.3.1 | Notwendigkeit differenzierter Eigenkapitalkosten | 40 |
| 4.3.3.2 | Analogieansätze | 42 |
| 4.3.3.3 | Analyseansätze | 44 |
| 4.3.4 | Kritische Würdigung der Verfahren zur Bestimmung von Eigenkapitalkosten | 47 |
| 4.4 | Verfahren zur Bewertung von Kreditinstituten | 49 |
| 4.4.1 | Abgrenzung der Bewertungsverfahren | 49 |
| 4.4.2 | Discounted Cashflow-Methoden | 51 |
| 4.4.2.1 | Entity-Ansatz | 51 |
| 4.4.2.2 | Equity-Ansatz | 54 |
| 4.4.3 | Risikoadjustierte Performance-Kennzahlen als Residualeinkommen | 57 |
| 4.4.4 | Beurteilende Gegenüberstellung der Bewertungsverfahren | 60 |
| 5. | Fazit | 62 |
| Anhang | 64 | |
| Literaturverzeichnis | 65 |
Textprobe:
Kapitel 3.2, Bankspezifische Risiken:
Marktpreisrisiken:
Einen erheblichen Einfluss auf den Wertbeitrag von Bankgeschäften können Risiken haben, die aus Finanz- oder Warenmarktbewegungen resultieren. Hierunter lassen sich potentielle Verluste durch Aktienkurs-, Wechselkurs-, Zinssatz- und Rohstoffpreisänderungen verstehen. Als Aktienkursrisiken betrachten Kreditinstitute die potentielle Gefahr der Wertänderung von Aktien, die sich im Eigenbestand befinden. Bezüglich der Höhe kann sich für das Institut ein partieller oder vollständiger Verlust der Vermögensposition ergeben. Aktienkursrisiken lassen sich wiederum nach individuellen Bonitätsrisiken der Emittenten und nach allgemeinen Aktienkursrisiken durch Gesamtmarktbewegungen unterscheiden. Risiken, die sich aus der Schwankung von Aktienkursen ergeben, können sich zum einen auf den Wert des Anteilscheins selbst, andererseits auf Derivate und strukturierte Instrumente, denen Aktien zugrunde liegen, auswirken. Wechselkursrisiken entstehen aus den möglichen negativen Wertänderungen von offenen Fremdwährungspositionen des Kreditinstitutes. Signifikante Risikoherde können beispielsweise Unterschiede in der nationalen Zinspolitik, der Leistungsbilanz oder des volkswirtschaftlichen Wachstums sein. Einflussfaktoren dieser Art führen bei Kreditinstituten immer dann zu einem Verlust, wenn bei einer Forderung in Fremdwährung der Wechselkurs steigt bzw. bei Fremdwährungsverbindlichkeiten der Wechselkurs sinkt. Der Risiko- und Gewinnhebel steigt dabei durch die Anzahl der miteinander verknüpften Fremdwährungen.
Zu der dritten Marktpreisrisikokategorie, die den Gesamterfolg des Institutes potenziell beeinträchtigt, gehören Zinsvolatilitäten am Geld- und Kapitalmarkt. Die Verlustgefahr besteht darin, dass die realisierte Bruttozinsspanne negativ von der prognostizierten Bruttozinsspanne abweichen kann. Im Zuge dessen spielen variable Zinsänderungsrisiken eine wichtige Rolle, da aus Inkongruenzen in den Zinsänderungselastizitäten von Aktiv- und Passivpositionen Verschiebungen der Bruttozinsspanne resultieren können. Im Gegensatz dazu entstehen Festzinsrisiken, wenn Festzinspositionen auf der Aktiv- bzw. Passivseite variabel verzinslichen Positionen auf der Passiv- bzw. Aktivseite gegenüberstehen. Festzinspositionen führen zu weiterem Risikopotenzial, wenn sie ungleiche Zinsbindungsfristen oder Tilgungsmodalitäten aufweisen. Das Risiko des Kreditinstitutes resultiert sowohl aus fallenden Marktzinsen, da schmelzende Zinserträge fixen Zinsaufwendungen gegenüberstehen können, als auch aus steigenden Marktzinsen, da es möglich ist, dass fixe Zinserträge mit steigenden Zinsaufwendungen konfrontiert werden.
Die vierte Komponente der vom Markt induzierten Risiken, bezieht sich auf die zum Teil sehr starken Volatilitäten von Rohwarenpreisen. Rohstoffe wie z.B. Metalle, Energieprodukte, Genussmittel oder aber auch Münzen stellen, im Gegensatz zu den anderen drei Risikogruppen, physische Güter dar. Das Gesamtrisiko einer Rohstoffposition kann in vier Partikel zerlegt werden. Ein Teil des Rohwarenrisikos besteht in den Angebots- und Nachfrageschwankungen, also der Veränderung der Spotpreise. Das Basisrisiko, als zweiter Teil des Gesamtrisikos, ergibt sich durch Veränderungen des Preisverhältnisses substituierbarer Rohstoffe. Die dritte Komponente ist auf die Bestandhaltekosten bei Forward-Positionen und Optionen zurückzuführen, während der Forward Gap Risk, als letztes Teilrisiko, Terminpreisänderungen umfasst, die nicht aus Zinssatzänderungen resultieren. Im Zuge der Bewertung muss beachtet werden, dass ein Bankgeschäft möglicherweise mehreren Marktpreisrisiken gleichzeitig ausgesetzt ist. So unterliegen ausländische Aktien beispielsweise einer kombinierten Gefahr aus Aktien- und Währungskursschwankungen. Das Motiv der Kreditinstitute, hohe Marktpreisrisiken einzugehen, liegt in der Chance, mit Eigenhandelsgeschäften hohe Erträge erwirtschaften zu können.
Adressenausfallrisiken:
Der Umgang mit Risiken aus Forderungsausfällen bezeichnet eine ureigene Herausforderung für Kreditinstitute. Verluste dieser Art resultieren vor allem aus dem Kreditgeschäft aber auch aus Finanzkontrakten des Eigenhandels. Bei der Vergabe von Kundenkrediten besteht das Risiko darin, dass der Schuldner seiner Zahlungsverpflichtung aus dem Kreditvertrag nicht nachkommt und Sicherheiten nicht ausreichen, um die unterlassenen Zins- und Tilgungsleistung zu kompensieren. Adressenausfallrisiken im Eigenhandel ergeben sich, wenn das Kreditinstitut außerbörsliche Termingeschäfte mit einem Vertragspartner eingeht, der die vereinbarten Wertpapiere nicht oder nur teilweise per Termin liefern kann. Bei Terminkontrakten, die über die Börse gehandelt werden, genießt das Kreditinstitut hingegen eine Schutzfunktion durch die Clearing-Stelle. Adressenausfallrisiken werden in die beiden Kategorien Bonitäts- und Länderrisiko unterteilt. Das Bonitätsrisiko bildet das der Person oder dem Unternehmen zugrunde liegende individuelle Risiko ab und bezeichnet die Gefahr, ob und in welchem Umfang der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt. Verluste, die aus der Bonitätsverschlechterung des Schuldners resultieren, werden von Kreditinstituten bis zu einer gewissen Höhe erwartet und in Form von Standardrisikokosten auf die Kreditkonditionen umgelegt.
Aus der kundenspezifischen Bonitätsverschlechterung erwachsen also nur dann tatsächliche Risiken respektive unerwartete Risiken, wenn der durchschnittliche Adressenausfall eines Kundensegmentes höher zu Buche schlägt, als der bereits antizipierte Ausfall. Je schlechter die vom Kreditinstitut anfänglich eingestufte Bonität des Schuldners ist, desto höher sind die erzielbaren Margen bei Nichtausfall. Dieser Chance stehen allerdings erhöhte Risiken einer Wertvernichtung und der risikoadäquate Anstieg der Eigenkapitalunterlegung gemäß Basel II gegenüber. Das Länderrisiko, welches bei der Bewertung von Sparkassen und Genossenschaften aufgrund ihrer eher regionalen Ausrichtung in den Hintergrund tritt, bezeichnet mögliche Verluste, die dadurch entstehen, dass Staaten den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr beeinträchtigen. Sowohl bei politischen Motiven, wie auch bei vorsätzlichen Vertragsbrüchen, fehlen den Kreditinstituten oft rechtliche Handhaben, um dem Verzug aus Kreditverträgen oder Termingeschäften entgegenwirken zu können. Um das Bonitäts- und Länderrisiko zu minimieren, sehen sich Kreditinstitute der Herausforderung gegenübergestellt, ihre Gegenparteien eindringlich zu prüfen. Nützlich sind dabei Bonitätsbeurteilungen von renommierten Rating-Agenturen wie Standard and Poor´s, Moody´s oder Fitch. Diese und eine ständige Kontrolle des Geschäftsablaufes führen zwar nicht zur Resistenz gegenüber Adressenausfallrisiken, helfen Kreditinstituten aber potenzielle Verluste einzudämmen, wodurch eine nachhaltige Wertsteigerung erzielt werden kann.
Operationelle Risiken:
Bei der Bewertung von Kreditinstituten sind neben den externen Risiken der Leistungserstellung und des Leistungsabsatzes auch Faktoren des internen Leistungsbereiches zu berücksichtigen. Selbst wenn eine überschneidungsfreie Abgrenzung operationeller Risiken von anderen Risiken nicht einfach erscheint, sind Kreditinstitute daran interessiert, den genauen Einfluss auf den Unternehmenswert zu kennen, zumal die Bankenaufsicht eine pauschale Quantifizierung fordert. Bislang ist noch keine einheitliche Definition operationeller Risiken gefunden. Wegweisend ist deshalb die Begriffsbestimmung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht. Dieser führt operationelle Risiken auf die Unangemessenheit bzw. auf das Versagen interner Verfahren, Menschen und Systeme oder auf externe Ereignisse zurück.
38,00 €
PDF-eBook Download: 38,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836619783
Arbeit zitieren:
Schäfer, Christian Juli 2008: Erfassung bankspezifischer Risiken bei der Bewertung von Kreditinstituten, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Bankwesen, Kreditinstitut, Risikomangement, Kreditrisiko, Unternehmensbewertung



