Entwicklungskooperationen in der Automobilindustrie
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Franz Steinberger
- Abgabedatum: Oktober 2005
- Umfang: 83 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9737-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9737-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9737-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Steinberger, Franz Oktober 2005: Entwicklungskooperationen in der Automobilindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Fahrzeug, Zusammenarbeit, Forschung, Entwicklung, FuE
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MA-Thesis / Master von Franz Steinberger
Einleitung:
Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für die Wohlfahrt ist heutzutage in der Ökonomie unbestritten. Innovationen gelten als ausschlaggebender Faktor für die Produktivität, Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigungssicherung. Das Interesse an forschungsintensiven Gütern gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die verschiedenen Länder bemühen sich daher auf vielfältige Weise darum, die Position ihrer Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung zu stärken.
Neben der traditionellen Forschungspolitik gewinnt dabei die Förderung von FuE- Kooperationen in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Die Automobilbranche befindet sich im Umbruch. In den Bereichen der Produktion, der Forschung und Entwicklung (FuE) findet derzeit ein Strukturwandel statt, der vor allem für die Automobil-Zulieferer folgenreich war, ist und voraussichtlich auch bleiben wird. Zulieferer und Dienstleister werden künftig Ihre prozentualen Anteile der Wertschöpfungskette von derzeit 65% auf künftig 77% erhöhen. Damit geben die OEMs mehr als zehn Prozent ihrer heutigen Eigenleistung ab. Sie konzentrieren sich künftig mehr denn je auf markenprägende Module und Komponenten.
Das Markenmanagement rückt immer stärker in den Vordergrund. Automobile werden mehr und mehr zum Markenprodukt. Deshalb konzentrieren sich OEMs auf Kernelemente wie Fahrzeugkonzepts, Funktionsintegration, Markenerlebnis, Servicestrategien sowie alle Funktionen und Technologien des Automobils, die das Markenprofil schärfen. Nur so lassen sich Marken und Automobile langfristig und erfolgreich vom Wettbewerb differenzieren. Automobilhersteller werden also zu Hightech-Markenartiklern, während Zulieferer und Dienstleister schrittweise alle nicht markenprägenden Entwicklungs- und Produktionsumfänge übernehmen.
Zusammenarbeit wird zum Erfolgsfaktor Nummer eins werden und neue Geschäftsmodelle bieten attraktive Wachstums- und Ertragschancen für OEMs, Zulieferer und Dienstleister. Eine enge Vernetzung mit Schlüssellieferanten, strategische Partnerschaften und eine weitere Konsolidierung der Zulieferlandschaft kennzeichnen die zukünftigen Wertschöpfungsstrukturen der Automobilindustrie. Dabei kann man davon ausgehen, dass die weitreichenden Veränderungen der Bedingungen, unter denen Zulieferer Heute agieren müssen nicht ohne Auswirkungen auf die interne sowie externe Strukturen der Zulieferbetriebe bleiben. So nahe und unproblematisch diese Hypothese ist, so schwierig ist es Richtung und Reichweite der sich abzeichnenden Veränderungen genauer zu dokumentieren.
Die steigende Häufigkeit von Kooperationen als Antwort auf die strategische Frage nach der geeigneten Koordinationsform bei sich verändernden Wettbewerbsbedingungen ergibt sich aus dem theoretischen Anspruch, dass Kooperationen einen schnelleren und gezielteren Zugriff auf genau die Ressourcen ermöglichen, welche die jeweilige Umweltsituation erfordert. Gleichzeitig können Kosten und Risiko durch Verteilung auf alle Beteiligten und der prinzipiellen Möglichkeit einer alternativen Neuorientierung bei sich verändernden Rahmenbedingungen gesenkt werden.
Die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für das Allgemeinwohl ist heutzutage, wie bereits erwähnt, in der Ökonomie unbestritten. Innovationen und damit der Bereich FuE als Keimzelle für Innovationen gelten als ausschlaggebender Faktor für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in einer Volkswirtschaft. Kooperationen bieten Unternehmen eine Möglichkeit, um auf den sich immer schneller wandelnden Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben.
Gang der Untersuchung:
Zunächst sollte erwähnt werden, dass sich der Begriff FuE-Kooperation in der Literatur uneinheitlich darstellt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Konstrukt der horizontalen und vertikalen FuE-Kooperation darzustellen, aus wettbewerbspolitischer Sicht zu beurteilen, dabei aber die Kooperationspraxis nicht aus dem Auge zu verlieren. Festzustellen ist zunächst noch, dass es hier ausschließlich um Unternehmenskooperationen geht, d.h. um Kooperationen zwischen Unternehmen und nicht um Kooperationen zwischen Unternehmen und Universitäten oder Forschungseinrichtungen.
Die vorliegende Arbeit zeigt die Entwicklung von Kooperationen in der Wertschöpfungskette in der Automobilbranche der letzten und künftigen Jahre auf. Durch die momentan klar erkennbare Richtungsvorgabe der Automobil-Hersteller in stark segmentierte Märkte zu investieren, wird sich der Weg für alle Beteiligten der Kette beginnend vom Dienstleister, Entwicklungspartner über Zulieferer bis zum OEM ändern.
Die vorliegende Master-Thesis vermittelt einen detaillierten Blick in die Zukunft, basierend auf eigenen Erfahrung, Teilnahmen an Fachdiskussionen und unterstützend ausgewählten Studien. Hauptaugenmerk und erklärtes Ziel dieser Arbeit ist die Anforderungen der Märkte, die wachsende Komplexität der Produkte und die Bedeutung für das Zusammenspiel für Automobilhersteller und Zulieferer aufzuzeigen. Hier gilt es die neuen, stark vernetzten und vor allem engeren Formen der Zusammenarbeit darzustellen und verständlich zu erklären.
Abschließend werden notwendige strukturelle Änderungen nochmals zusammengefasst und als Fazit Handlungsempfehlungen für Hersteller (OEM), Zulieferer und Dienstleister gegeben.
Im ersten Teil, d.h. in Kapitel 3 der Arbeit wird die Situation der Automobilindustrie analysiert. Betrachtet werden traditionellen Formen der Zusammenarbeit, Wertschöpfungsketten der Gegenwart bis hin zu erforderlichen Geschäftsmodellen der Zukunft.
Aufbauend in Kapitel 4 eine Synthese der daraus resultierenden Zukunftsstrategien für die Automobilbranche. Hier wird besonders auf das Thema Outsourcing eingegangen. Networking und Qualitätsansprüche an Zusammenarbeit ergänzen die Betrachtung.
Kapitel 5 geht detailliert auf Unternehmens-Kooperationen ein. Hauptaugenmerk ist hier die Zweiteilung in horizontalen- und vertikalen Kooperationsformen.
Im darauf folgenden Kapitel 6 werden Erklärungsmodelle für FuE-Kooperationen vorgestellt, Chancen – Risiken gegenübergestellt und Erfolgsfaktoren benannt.
Im Fall eines Zustandekommens einer Kooperation wird in Kaptitel 7 über die einzelwirtschaftliche und gesamtwirtschaftliche Betrachtung der Zusammenarbeit Aufschluss gegeben.
Über Kooperationen in der Praxis werden im 8. Kapitel rechtliche Rahmenbedingungen, Rechtssicherheiten und im Wesentlichen relevante Maßnahmen zum Know-how-Schutz aus der Praxis für die Praxis anschaulich dargestellt.
Kapitel 9 resümiert auf Basis vorangegangener Erklärungsmodelle und leitet Konsequenzen und Handlungsempfehlungen für Hersteller und Zulieferer ab.
Abschließend wird im letzten Kapitel 10 ein Fazit mit Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 4 | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS: | 5 | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS: | 6 | |
| 1. | Einleitung | 7 |
| 2. | Zielsetzung und Aufbau der vorliegenden Arbeit -Abgrenzung | 9 |
| 3. | Situationsanalyse: Automobil-Zulieferindustrie | 11 |
| 3.1 | Traditionelle und neue Formen der Zusammenarbeit Zulieferer-Abnehmer | 11 |
| 3.2 | Zulieferer als Schrittmacher | 15 |
| 3.3 | Wertschöpfung als Zentrale Herausforderung | 17 |
| 3.4 | Innovative Geschäftsmodelle | 19 |
| 4. | Zukunftsstrategien der Automobilhersteller (OEM) | 23 |
| 4.1 | Neue Arbeitsteilung - Outsourcing | 24 |
| 4.2 | Qualität der Zusammenarbeit | 28 |
| 4.3 | Network Excellence | 30 |
| 5. | Einführung in das Thema FuE-Kooperationen | 32 |
| 5.1 | Begriffsdefinitionen | 32 |
| 5.2 | Unternehmenskooperation | 34 |
| 5.2 | Kooperationsarten und -formen | 35 |
| 5.3 | Horizontale Kooperationen | 38 |
| 5.4 | Vertikale Kooperationen | 40 |
| 6. | Zustandekommen von FuE-Kooperationen | 42 |
| 6.1 | Erklärungsmodelle für FuEKooperationen | 42 |
| 6.2 | Kooperationsmotive | 45 |
| 6.3 | Kooperationshemmnisse und Risiken | 48 |
| 6.4 | Erfolgsfaktoren | 49 |
| 7. | Beurteilung der Kooperationen bei FuE | 51 |
| 7.1 | Einzelwirtschaftliche Beurteilung | 51 |
| 7.2 | Gesamtwirtschaftliche Beurteilung | 53 |
| 8. | Kooperationen in der Praxis | 55 |
| 8.1 | Wettbewerbsrecht | 55 |
| 8.1.1 | Deutsches Recht | 55 |
| 8.1.2 | Europäisches Recht | 56 |
| 8.2 | Wettbewerbspolitik | 57 |
| 8.4 | Rechtssicherheit bei FuE-Kooperationen | 59 |
| 8.5 | Ideen- und Konzeptwettbewerbe | 63 |
| 8.6 | Schutz des kritischen Know-how | 68 |
| 8.6.1 | Welche Maßnahmen des Know-how-Schutzes sind erfolgskritisch? | 70 |
| 8.6.2 | Welche Know-how-Schutzmaßnahmen sind erfolgreich? | 71 |
| 9. | Konsequenz für Hersteller und Zulieferer | 74 |
| 10. | Fazit und Ausblick | 74 |
| 11. | LITERATURVERZEICHNIS | 78 |
| Erklärung | 83 |
lieferanten. Die Koordination, Steuerung und Überwachung aller Aktivitäten sind vom Hersteller somit verlagert und im Verantwortungsbereich des Auftragnehmers. Abweichungen und beobachtbare Varianten dieser Konstellation sind in der Kooperationspraxis gang und gäbe. Beispiel hierfür ist die sogenannten TANDEM Kooperation von Daimler Chrysler im Projekt A-Klasse gewesen. Die TANDEM Kooperation ist ein typisches AutomobilZuliefer-Programm, das die vertikale Ausprägung in der Zulieferindustrie unterstreicht.37 Ausgehend von einer kritisch, konstruktiv sachlichen Auseinandersetzung mit dem Unternehmen und seinen Produkten (und ihrer Entstehung) wurde zum Anfang der 90er Jahre bei Mercedes-Benz erkannt, dass die Formel für den Markterfolg nicht in der Macht eines großen Unternehmens liegen kann, sondern alleine in der zielgerichteten Bündelung der Kräfte von Hersteller und Zulieferpartner. Diese Bündelung sollte sich nicht nur auf die technischen Lösungen beziehen, sondern auch die zentralen Wettbewerbsfaktoren Kosten, Qualität und Zeit berücksichtigen. Die bis dahin pilothaft ausgeführte enge Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Zulieferpartnern im Rahmen der Entwicklung der C-Klasse wurde in einem projektübergreifenden Konzept dokumentiert und auf dem ersten TANDEM Plenum (am 2. März 1993 in Berlin) vorgestellt.36 Das Ziel von TANDEM ist es, die Zulieferer frühestmöglich in den Produktentstehungsprozess einbeziehen, kooperative Kräfte zu nutzen und so miteinander aktiv die Zukunft zu gestalten. Als Basis für eine funktionsfähige Partnerschaft dienen gegenseitiges Vertrauen, offene Kommunikation und die frühe Einbindung. TANDEM hat die Erwartungen, mit denen es gestartete ist quantitativ und qualitativ erfüllt. Seit dem Start der Kooperation wurden acht TANDEM Plenen und mehr als 40 [...]
Einzelne Unternehmen besitzen schon jetzt umfangreiche Kooperationsvereinbarungen mit anderen Herstellern. So kooperiert beispielweise GM mit Fiat Automobil, auch nach dem Ausstieg von GM bei Fiat, weiterhin im Bereich Powertrain (Antriebsstrang) miteinander. Durch horizontale Kooperationsvereinbarungen sollen insbesondere Kosten im Entwicklungsbereich und Fertigungsbereich reduziert werden. Bedenkt man, dass für die serienreife Entwicklung eines Volumenfahrzeuges Aufwendungen von teilweise 800 Mio. Euro notwendig sind, wird verständlich, dass die drastisch gestiegenen Kosten für FuE für einen Hersteller alleine oftmals nicht mehr finanzierbar sind. Als Fazit lässt sich hier schließen, dass die horizontale Kooperation auch Heute noch zahlenmäßig den größeren Anteil ausmacht. Inwieweit das Verhältnis von ca. 70% horizontalen zu 30% vertikalen Kooperationen noch Gültigkeit hat ist abzuwägen. Meiner Einschätzung werden sich die vertikalen Kooperationen verstärken. Diese [...]
Fragen offen wie sich die das Verhältnis in KMU und Großkonzernen darstellt. Eine Evaluation von EU-Forschungsförderungsprogrammen ergab, dass in der Gruppe Großunternehmen 40% der Kooperationen zwischen Wettbewerbern stattfanden (horizontal), während dies in der Gruppe der KMUs nur bei 27,7% der Kooperationen der Fall war.33 Mit dem Ziel des Risikoausgleichs und der Erzielung von Skaleneffekten haben die Unternehmen in den letzten Jahren vielfältige horizontale Kooperationen gebildet, um den neuen Marktanforderungen zu entsprechen. Dies trifft insbesondere auf Kooperationen einer Produktionsebene zu, also zwischen Fahrzeugherstellern (OEMs) aber auch zwischen Unternehmen der Zulieferindustrie. So wurde Rover durch BMW übernommen und Chrysler durch Daimler Benz. Im Zulieferbereich wurden Moto Meter und Signalbau Huber von Bosch übernommen.34 Eine Verdrängung mit der Folge eines endgültigen Marktaustritts von Unternehmen ist jedoch weitgehend abgeschlossen, da eine Auslese der sehr schwachen Unternehmen bereits stattgefunden hat. Insofern werden in Zukunft verstärkt finanzielle Beteiligungen, kurzfristige Allianzen und auf einzelne Unternehmensbereiche begrenzte Kooperationen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832497378
Arbeit zitieren:
Steinberger, Franz Oktober 2005: Entwicklungskooperationen in der Automobilindustrie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Fahrzeug, Zusammenarbeit, Forschung, Entwicklung, FuE



