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Die Entwicklung des separatistischen Gedankens in der Slowakei von 1918 bis zu der Gründung der Slowakischen Republik 1939

Die Entwicklung des separatistischen Gedankens in der Slowakei von 1918 bis zu der Gründung der Slowakischen Republik 1939
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Eliška Hegenscheidt-Nozdrovická
  • Abgabedatum: Juni 2011
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 571,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 50
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-2076-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hegenscheidt-Nozdrovická, Eliška Juni 2011: Die Entwicklung des separatistischen Gedankens in der Slowakei von 1918 bis zu der Gründung der Slowakischen Republik 1939, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nationalisierung, Tschechoslowakische Nation, Separatismus, Zwischenkriegszeit, 1918-1939

Magisterarbeit von Eliška Hegenscheidt-Nozdrovická

Einleitung:

‘Der Tag des 14. März 1939 ist der Geburtstag des unabhängigen slowakischen Staates. Die Sehnsüchte unserer nationalen Ambition, die die Lebenskraft des Volkes dazu vorangetrieben haben, dass das Volk die Lenkung ihrer Angelegenheiten voll und ganz und ohne Ausnahmen in eigenen Händen hielt, wurden erfüllt. Unser unabhängiger slowakischer Staat wurde also aus dem konsequent entwickelten politischen Willen des slowakischen Volkes, über sich selbst zu herrschen, auf der ganzen Linie - von allen unabhängig, geboren. Er ist also aus tiefen, positiven Kräften entstanden, die Begeisterung geweckt und Werte geformt haben, durch Arbeit gebaut wurden und gradlinig der historischen Entwicklung des slowakischen Volkes verfolgten’.

Mit diesen Worten verkündete der neu gewählte Präsident Dr. Jozef Tiso am 14. März 1939 in seiner Radioansprache die Gründung der ersten Slowakischen Republik. Aus der Rede konnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass die Gründung des slowakischen Staates durch eine zielstrebige und einheitliche Politik zustande gekommen ist. Dass die ‘Unabhängigkeit’ der Slowakei, also nach Tisos Worten, die selbstständige Lenkung eigener Angelegenheiten, die eine starke Sehnsucht der Slowaken darstellte, endlich erfüllt werden konnte. Seit wann existierte aber der Gedanke der selbstständigen Slowakei und damit die Trennung von der bestehenden Tschechoslowakischen Republik (CSR)? Kann man hier von einer separatistischen Bewegung sprechen? Wie kam der separatistische Gedanke zustande und von wem wurde er aufgegriffen, protegiert und zuletzt auch durchgesetzt? Welche Rolle spielte dabei die historische Entwicklung der Slowaken und ihre Position in der Tschechoslowakischen Republik? Welche Interessen verfolgten die Nachbarländer Polen und Ungarn und welche Rolle spielten die Slowaken in der Politik des ‘Dritten Reiches’? Alle diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieser Magisterarbeit, die sich mit der Entwicklung des separatistischen Gedankens in der Slowakei im Zeitraum von 1918 bis zu der Gründung der ersten Slowakischen Republik 1939 befasst.

Bevor man zu der Untersuchung der oben gestellten Fragen kommt, wird die Theoriegrundlage dieser Arbeit beschrieben. In der Begriffserklärung, die ein Teil die Einleitung bildet, werden die in der Arbeit benutzten Begriffe, deren klare Definition für die Argumentationsführung dieser Arbeit erforderlich ist, erläutert. Unter anderem werden dabei auch die Theorien des Nationsbildungsforschers Miroslav Hroch, der u.a. die Entstehung kleiner Nationen in Europa und der Entwicklung des Nationalbewusstseins erforscht, dargestellt.

In dem zweiten Kapitel wird die Entstehung der Tschechoslowakischen Republik mit dem Fokus auf den Einfluss der Tschechen und der Slowaken auf die Gründung der CSR untersucht. Im Mittelpunkt stehen außerdem die historischen Gegebenheiten in Bezug auf die Position der Slowaken in der k. u. k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die ersten Anfänge der slowakischen ‘nationalen Erweckung’ und die Grundkonzepte des ‘Panslawismus’ und des ‘Tschechoslowakismus’, die in den zwanzig Jahren des Bestehens der Tschechoslowakischen Republik eine große Rolle spielten.

Das nachfolgende Kapitel beschäftigt sich mit der Problematik des Konzeptes des ‘Tschechoslowakismus’ für das Zusammenleben der Tschechen und der Slowaken in der gemeinsamen Republik. Zu dem Verständnis der slowakischen Politik sollte die Analyse der realen Staatsposition der Slowaken innerhalb der CSR beitragen. Diese untersucht vor allem die Stellung der Slowaken in der Verfassung der CSR, als auch die Darstellung der verfassungsändernden Vorschläge aus der Seite der slowakischen ‘Autonomisten’ in den 1920ern. Die Nichterfüllung der Autonomiegesetzesvorschlägen der Hlinkas Slowakischen Volkspartei, deren Politik in Bezug auf das Hauptthema dieser Arbeit vertieft untersucht wird, führte zu einer Nationalisierung und Militarisierung der slowakischen politischen Szene. Dieses Phänomen wird anhand der Affäre um Vojtech Tuka, der das erste konkrete separatistische Konzept umzusetzen versuchte und damit die Volkspartei in eine tiefe Krise stürzte, verdeutlicht. Der Einfluss der Nachbarländer Polens, Ungarns und Deutschlands auf die Politik der Slowaken in den 1930ern und damit zusammenhängende Genese der separatistischen Konzepte wird in dem fünften Kapitel untersucht. Darauf folgt die Analyse der außen- und innenpolitischen Ereignisse, vor allem die Entwicklung der separatistischen Konzepte nach dem Münchner Abkommen in Oktober 1938. Die Umstände der Ausrufung des ersten Slowakischen Staates und die Rolle der Separatisten bei diesem staatlichen Akt werden in dem letzten Kapitel untersucht. Die Theorie Hrochs über die Genese des Nationalbewusstseins wird im Zusammengang mit der Entwicklung des separatistischen Gedankens innerhalb dieser Arbeit nicht ausführlich diskutiert. Die vorgenommene Analyse ermöglicht aber eine Positionierung der Entwicklung des Separatismus in Hrochs drei Phasen der Entstehung des Nationalismus zu bestimmen. Diese wird daher in dem Fazit vorgenommen. Außerdem werden im Fazit die oben gestellten Fragen beantwortet.

Der in dieser Arbeit untersuchte Zeitraum steht vor allem in den letzten Jahren stärker im Fokus der slowakischen und der internationalen Geschichtswissenschaft. Dabei werden zwei unterschiedliche Forschungsrichtungen angewandt. Die Forschung der Historiker konzentriert sich entweder auf die Persönlichkeiten, politische Parteien oder konkrete historische Ereignisse in der Slowakei, oder auf die transnationalen Aspekte dieses Zeitraumes. Das wachsende Interesse an der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs ist unter anderem durch neue Aufarbeitungsmöglichkeiten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989, wie zum Beispiel durch das Öffnen und die Aufarbeitung der Archive und der Freiheit der Wissenschaften, ermöglicht worden. Auch das Interesse der Öffentlichkeit in Bezug auf die Gründung der ersten Slowakischen Republik, dem ‘Satellitenstaat’ des ‘Dritten Reiches’, und die damit verbundene Frage der Schuld oder Unschuld, wird in den slowakischen Medien kontrovers diskutiert.

Das große Interesse an der Aufarbeitung der Vergangenheit wird an der Vielzahl verschiedener Publikationen zu diesem Thema deutlich. In den letzten Jahren sind mehrere Quellensammlungen mit slowakischen und vor allem deutschen Quellen herausgegeben worden. Diese Quellensammlungen sind aber noch immer nicht vervollständigt, was mit dem großen Aufarbeitungsbedarf der Vergangenheit in der Slowakei, aber auch mit der oft mangelhaften Arbeit der Archive während der kommunistischen Diktatur, zusammenhängt. Ein anderes Problem dieser Quellenreihen ist die Auswahl der angebotenen Quellen, die auf subjektive Weise zusammengestellt wurden. Diese Komplikationen kann man aber in der Weise umgehen, dass man mehrere Quellenreihen zum gleichen Thema benutzt und dadurch die Auswahl der Quellen vergleichen und ergänzen kann. Mit den herausgegebenen Tagebüchern und den Memoiren der Zeitzeugen muss man insbesondere kritisch umgehen, weil sie starke subjektive apologetische Tendenzen aufweisen. Diese Quellen erweisen sich aber als sehr nützlich, wenn man die persönlichen politischen und weltlichen Ansichten und Einstellungen als auch die persönlichen Vernetzungen der Zeitzeugen untersuchen möchte. Selbstverständlich wäre die eigene Quellenrecherche in den slowakischen Archiven die beste Forschungsmethode, wegen der begrenzten Bearbeitungszeit für diese Magisterarbeit, der räumlichen Entfernung der Slowakei sowie wegen des Umfangs des Themas war diese Forschungsmethode nicht umsetzbar.

Insgesamt kann man feststellen, dass es in den letzten Jahrzehnten zu einem großen Fortschritt bei der Aufarbeitung und Erforschung der oben abgezeichneten Periode gekommen ist und dass diese kein Tabu mehr für die Slowaken darstellt, wie es während der kommunistischen Diktatur gewesen ist. Es scheint aber, dass sich die slowakische Forschung zu stark auf die Person Jozef Tiso konzentriert und zu wenig Aufmerksamkeit anderen aktiven politischen Persönlichkeiten aus anderen politischen Lagern widmet. Dieses Phänomen hängt wahrscheinlich mit der Debatte über die Rolle des Priesters Jozef Tiso in der Geschichte der Slowakei in der Öffentlichkeit zusammen.

Die Aufarbeitung der slowakischen Vergangenheit der letzten zwei Jahrhunderte dient nicht nur der Selbsterkenntnis der Slowaken, sondern auch dem Verständnis der Problematik der nachbarschaftlichen Beziehungen zu Ungarn, Tschechei und Polen als auch den wiederkehrenden Phänomen des wachsenden Nationalismus der post-kommunistischen Länder, die während der Diktatur ihre eigene Geschichte nicht verarbeiten konnten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Begriffserklärung 6
1.1.1 Nation, Nationalstaat, Nationalismus 7
1.1.2 Autonomie und Separatismus 10
1.1.3 Ungarn/ungarisch vs. Magyar/magyarisch 11
2. Die Gründung der Tschechoslowakischen Republik 1918 12
2.1 Die Position der Slowaken in ‘Oberungarn’ 17
2.2 Die Verträge von Cleveland und Pittsburgh 20
2.3 Panslawismus und das Konstrukt der ‘tschechoslowakischen Nation’ 22
3. Die Problematik des Konzeptes des ‘Tschechoslowakismus’ 25
3.1 Die Eingliederung der Slowakei in die CSR 28
3.2 Der ‘Tschechoslowakismus’ und die Verfassung der SR von 1920 31
3.3 Die Verfassungsändernden Vorschläge der ‘Autonomisten’ in den 1920ern 33
4. Nationalisierung und Militarisierung der Politik in der Slowakei in den Jahren1920-1938 37
4.1 Ludaken in der Koalitionsregierung 1927-1929 41
4.2 Die Vojtech Tuka Affäre – der ‘vacuum Juris’ in der Slowakei 45
4.3 Die Radikalisierung der HSL’S in den 1930-ern 49
5. Der Einfluss der Nachbarländer auf die separatistischen Konzepte der slowakischen Radikalen in den 1930ern 55
5.1 Die Rolle der Slowakei in dem Konzept des ‘Dritten Europas’ von Józef Beck 58
5.2 Die slowakischen Irredentisten und die revisionistische Politik Ungarns 62
5.3 Slowaken in dem Konzept der ‘Neuordnung Europas’ des Deutschen Reiches 66
6. Der Weg der Slowaken in die ‘Unabhängigkeit’ 70
6.1 ’Silleiner Abkommen’ und die Autonomie ‘des Landes Slowakei’ 73
6.2 Der separatistische Gedanke und die Strategien der Ludaken nach dem Erlangen der Autonomie am 6. Oktober 1938 78
6.3 Die Absetzung der slowakischen Autonomieregierung am 9. März 1939 83
6.4 Mit Hitler in die ‘Unabhängigkeit’ – Die Gründung des ersten Slowakischen Staates am 14. März 1939 88
7. Fazit 91
8. Verzeichnis der Abkürzungen 95
9. Internetressourcen 96
10. Quellenverzeichnis 97
11. Literaturverzeichnis 98

Textprobe:

Kapitel 4.3, Die Radikalisierung der HSL’S in den 1930ern:

Tukas Verurteilung und die Ausschließung der ‘Oppositionellen’ aus der Partei verursachte bei den Ludaken eine tiefe Krise, die nur durch eine schnelle parteiliche Reorganisation überwunden werden konnte. Ein Vorteil, der diese Konsolidierung erleichterte, war gleichzeitig die Tatsache, dass der Generationskonflikt, der unter anderem ein Grund für die Auseinandersetzungen zwischen Juriga und Tománek und Tuka und Tiso war, beigelegt werden konnte. Die ‘Autonomisten’ konnten sich daher wieder auf ihr politisches Programm, dass die kompromisslose Umsetzung des ‘Pittsburgher Vertrages’ forderte, konzentrieren.

Die zerschlagenen ‘Magyarophilen’, die mit der Haft Vojtech Tuka ihren Einfluss in der Partei verloren hatten, wurden von dem pragmatischen und gemäßigten Lager um Jozef Tiso herausgedrängt. Tiso war bei der Zusammenkunft der HSL’S in Ruzomberok im Januar 1930 zum Stellvertretenden Vorsitzenden Hlinkas slowakische Volkspartei ernannt worden. Während dieser Konferenz wurde auch ein neuer verfassungsändernder Vorschlag über die politische und legislative Autonomie der Slowakei verabschiedet und damit eines der wichtigsten politischen Ziele der Ludaken offiziell wieder aufgenommen. Bei den Wahlen 1929 verlor zwar die Volkspartei bei der Parlamentswahl die Stimmen, sie wurde in der Slowakei bei der Kommunalwahl trotzdem zur stärksten Partei.

Diese neue Stärke zeigte sich in der Causa um Matica slovenská, einer kulturellen Organisation, die die slowakische Sprache, Literatur und Traditionen pflegte. Diese organisierte im Mai 1932 einen Protest gegen die neue Sprachreform der slowakischen Sprache, ausgearbeitet von dem tschechischen Linguisten V. Vázny, deren Ziel es war, die Schriftregeln der beiden Sprachen anzupassen. Auch die HSL’S und die SNS (Slowakische Nationalpartei), schlossen sich diesem Protest an und zeigten gemeinsam eine starke politische Präsenz. Diese zwei Parteien gaben im Oktober 1932 ‘Zvolenský manifest’ (Zvolener Manifest) heraus, indem sie sich für die Zusammenarbeit in der Frage der slowakischen Autonomie und bei der Beilegung der konfessionellen Auseinandersetzungen zwischen den Protestanten und den Katholiken ausgesprochen haben. Dieses Manifest zeigte, dass die nationalen Beweggründe die konfessionellen Spannungen überwunden hatten und dass die Forderung nach der Autonomie auch bei den Protestanten immer mehr Befürworter fand. Die Gründe für diese Entwicklung konnten teils der wachsenden Ungeduld mit der Politik der Prager Regierung, die die Slowakische Frage nicht zufriedenstellend lösen konnte, teils auf die Weltwirtschaftskrise, die die noch immer rückständige slowakische Landbevölkerung hart traf, zugeschrieben werden. Die harte wirtschaftliche Situation in der Slowakei löste wieder eine Auswanderungswelle aus, die nur durch schnelle, auf die Slowakei zugeschnittene Politik, überwunden werden konnte. Die Maßnahmen aus Prag waren durch die zentralistische Bürokratie nicht schnell genug, und die politische und wirtschaftliche Isolation der Tschechoslowakischen Regierung erschwerten noch den Effekt der Weltwirtschaftskrise. Innerhalb der Partei wurden in den 30-ern neue junge Mitglieder aktiv, die eine dynamische und radikale Politik verfolgten. Der radikalen jungen Generation der Volkspartei, die eine neue Zeitung Nástup (Einstieg, Aufmarsch), herausgab, war das gemäßigte politische Programm der HSL’S nicht kämpferisch genug. Sie versuchten daher die Zielsetzungen der Volkspartei mit der Mobilisierung der Parteibasis und Protestdemonstrationen zu erreichen. Diesen neuen Radikalismus konnte man auch bei Andrej Hlinka feststellen. Dieser, enttäuscht von der Politik Prags, die sich nur auf die Versprechungen der Lösung der slowakischen Selbstverwaltung und nicht weit genug gehende Kompromisse in dieser Sache beschränkte, erklärte bei der Tagung der HSL’S und der SNS in Trencín, dass er ‘[…] die Nation sogar auf Kosten der Republik verteidigen[…]’ wird.

Das Wachstum des Radikalismus in der slowakischen politischen Szene zeigte sich vor allem bei den Feierlichkeiten zum Gedenken des Großmährischen Fürstens Pribina in Nitra im August 1933. Diese Gedenkfeier wurde zu einer propagandistischen Demonstration für die absolute Autonomie der Slowakei und gegen die tschechisch-deutsche Regierung. Die Vertreter der Rechtsradikalen haben ein Manifest verfasst, das gegen die Prager Regierung hetzte und das Konzept des Panslawismus wieder ergriff. Das Hauptargument gegen die Regierung war, dass sich ‘ein Teil der tschechischen Parteien mit den Deutschen zur Herrschaft über die slawische Bevölkerung verbunden hat’, die den Staat ‘in der Außen – und Innenpolitik von einer Niederlage zur anderen’ geführt hatte. Diese sollte für die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Republik verantwortlich sein. Die rhetorische Aggressivität wird insbesondere bei den Aufforderungen der Sympathisanten der Volkspartei deutlich:

‘Der Kampf gegen diese Regierung ist daher erste Pflicht aller Nationalisten und Patrioten. […] Das jetzige Regime muss in allernächster Zeit gestürzt werden, falls der Staat nicht einen nicht gutzumachenden Schaden erleiden soll’.

Die Prager Regierung wurde weiter eines Verrates an den nationalen Interessen beschuldigt, weil sie sich für die ‘Gewinnung der Deutschen bemüht’, die die Verfasser des Manifestes für vergebens erklärten. Stattdessen sollte die tschechoslowakische Regierung eine slawische Union anstreben:

‘Gegen eine Neuausgabe von Österreich-Ungarn in einer Donauföderation stellen wir [als Alternative] eine Föderation der slawischen Nationalstaaten. […] Verbündet Euch alle zu einer einheitlichen Front der slawischen nationalen Opposition gegen das gegenwärtige tschechisch-deutsche Regierungsregime! In den Kampf für das Slawentum, für die Nation, für Freiheit und Brot!’.

Diese Zusammenarbeit wurde von Ludaken in einem begrenzten Format bei der Parlamentswahl im Jahr 1935 vorgelebt. Die Parteien HSL’S und SNS schlossen sich mit ruthenischen und polnischen Minderheitsparteien (Polskie stronnictvo v Cechoslowacji und Rusínsky autonomni zemnedelsky sojuz) in einem autonomistischen Block zusammen und gewannen 22 Parlamentsmandate, die von der HSL’S vor allem mit den jüngeren ‘Autonomisten’ besetzt wurden. Nach den Erfahrungen, gewonnen durch die Teilnahme an der Regierung in den Jahren 1927-1929, gingen die Ludaken bei den Gesprächen mit dem Ministerpräsidenten Jan Malypetr sehr vorsichtig vor. Sie haben ein Programm mit 32 Forderungen aus dem kulturellen, administrativen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich vorbereitet, die erfüllt werden mussten, wenn die Volkspartei in die Regierung eintreten sollte. Eine dieser Forderungen war die sofortige Umsetzung des ‘Pittsburgher Vertrages’ an deren Erfüllung die HSL’S beharrte. Die neue Regierung wurde daher ohne die Ludaken gebildet. Im November trat Malypetr zurück und übergab sein Amt Milan Hodza, der der erste und einzige slowakische Premierminister der Tschechoslowakischen Republik wurde. Er nahm auch Verhandlungen mit der HSL’S auf, nachdem er aber nicht bereit war, ihre Forderungen nach der Autonomie und der Wiedereinführung des Ministeriums für die Slowakei zu erfüllen, entschied sich die Hlinkas slowakische Volkspartei endgültig, in der Opposition zu bleiben.

Arbeit zitieren:
Hegenscheidt-Nozdrovická, Eliška Juni 2011: Die Entwicklung des separatistischen Gedankens in der Slowakei von 1918 bis zu der Gründung der Slowakischen Republik 1939, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Nationalisierung, Tschechoslowakische Nation, Separatismus, Zwischenkriegszeit, 1918-1939

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