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Entwicklung eines nachhaltigen Lebensmodells für ältere Menschen im Gemeinwesen

Entwicklung eines nachhaltigen Lebensmodells für ältere Menschen im Gemeinwesen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexander Thomas
  • Abgabedatum: Oktober 2003
  • Umfang: 147 Seiten
  • Dateigröße: 695,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7788-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7788-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7788-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Thomas, Alexander Oktober 2003: Entwicklung eines nachhaltigen Lebensmodells für ältere Menschen im Gemeinwesen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Soziale Arbeit, Gemeinwesenarbeit, Genossenschaft, Zivilgesellschaft, Gemeinwesenökonomie

Diplomarbeit von Alexander Thomas

Zusammenfassung:

Die Arbeit gliedert sich grob in vier Gliederungspunkte:

- Im ersten Teil der Arbeit steht das Altern in der Gesellschaft im Vordergrund der Betrachtungen. Es wird auf die demographische Entwicklung beschrieben mit den Auswirkungen auf den Strukturwandel des Alters. Die Einführung der Pflegeversicherung und der im Wandel befindliche Generationenvertrag, werden im Hinblick auf die zunehmende Soziale Ungleichheit und die Erosion der Solidarität, kritisch hinterfragt.

- Im zweiten Teil der Arbeit wird eine Einführung in den sich wandelnden Sozialstaat vorgenommen. Daraus werden Leitlinien für eine nachhaltige Sozialpolitik mit und für ältere Menschen entwickelt. Diese werden auf Lebensbereiche älterer Menschen übertragen. Im Vordergrund stehen bei dieser Betrachtung unter anderem die Entwicklung einer starken Demokratie, bei der die Zivilgesellschaft zum einen mehr Selbstverantwortung übernimmt, aber auch mehr Teilhabe an den gesellschaftlichen Entscheidungen bekommt.

- Drittens wird die Fachlichkeit einer pro-aktiven Sozialen Arbeit dargelegt mit einer Neuverortung des Sozialen im intermediären Bereich zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft. In diesem Kontext wird die Notwendigkeit einer anderen Sichtweise von Ökonomie, der Gemeinwesenökonomie mit dem Steuerungsmedium Solidarität, beschrieben.

- Im vierten Teil wird die genossenschaftliche Selbsthilfe als Möglichkeit der zivilgesellschaftlichen Selbstorganisation sozialer Sicherung dargelegt. Diese wird in Verbindung gebracht mit Komplementärwährungen. Diese zivilgesellschaftliche Selbstorganisation dient der Aktivierung von Gemeinwesenökonomie, Solidarität und Sozialem Kapital.

Es ist ungewiss, wie die zunehmende Zahl älterer Menschen, bei gleichzeitig abnehmender Zahl jüngerer Menschen, gute Lebensbedingungen im Alter haben können. So wird zwar über eine nachhaltige Reform der sozialen Sicherung diskutiert (Rürup-Kommission), aber alleine die Maßnahmen am System der Gesundheits-, Pflege-, und Rentenversicherung werden nicht ausreichen um nachhaltige Lebensmodelle im Alter zu gewährleisten. In einem Artikel im Focus 32/2003 wird dies immerhin klar erörtert und auf die Notwendigkeit des Umdenkens hingewiesen. Es werden Beispiele für eigenständige zivilgesellschaftliche Formen der sozialen Sicherung, wie gemeinschaftliches Wohnen und die Seniorengenossenschaften aufgeführt (Focus Nr. 32/2003).

Die Problematik der wachsenden Altersgruppe und verschiedene Lösungsansätze sind mir auch in meiner persönlichen Biographie auf verschiedenen Ebenen begegnet. Durch meine Arbeit in einem ambulanten Dienst habe ich Möglichkeiten der ganzheitlichen Pflege durch das ressourcenorientierte Handlungskonzept der „Kinästhetik“ kennen gelernt. Ebenso hat sich hier die Wichtigkeit der eigenen Wohnung für ältere Menschen gezeigt. In der ambulanten Pflege steht es auch außer Frage, dass die Wohnung die Privatsphäre der älteren Menschen ist und dementsprechend geachtet werden muss. In der stationären Pflege setzt sich die Notwendigkeit der Achtung der Privatsphäre der Bewohner/Innen nur langsam durch. Im Praktikum bei der Heimleitung eines Altenheims hatte ich die Gelegenheit, mich näher mit Personalentwicklung zu beschäftigen. Ich bin der Ansicht, dass diese daran ausgerichtet sein sollte, die Kinästhetik in den Pflegealltag zu integrieren. So kann die Qualität der Pflege durch eine bewohner/Innenorientiertere Kommunikation verbessert werden. Durch diese Erfahrungen wurde aber auch klar, dass organisationsinterne Verbesserungen nicht ausreichen und die ambulante und stationäre Pflege in das Gemeinwesen integriert werden müssen. Auch die Arbeit des ambulanten Dienstes im örtlichen Arbeitskreis für ältere Menschen, zur Verbesserung der Kooperation und Vernetzung kommt schnell an Grenzen. Im Vordergrund für die Träger der ambulanten und stationären Pflege steht hier die Öffentlichkeitsarbeit und der eigene Vorteil und nicht so sehr bedarfsorientiertes Arbeiten. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der gängigen „Marktökonomie“, die auch zunehmend in der Sozialen Arbeit Einzug hält. Wichtig ist mir ein ganzheitlicher ökonomischer Lösungsansatz, einer Ökonomie, die in die Lebenswelt eingebettet ist und somit auch das Leben und die Betreuung älterer Menschen mit einbezogen wird. Auf der Basis eines gemeinwesenorientierten ökonomischen Verständnisses könnte die Zivilgesellschaft solidarische Lebensentwürfe als nachhaltige Lebensmodelle im Gemeinwesen entwickeln.

Zum Aufbau dieser Arbeit:

Im ersten Teil der Arbeit geht es um die Darstellung der Lebenssituation älterer Menschen und ihres Umfeldes. Anhand der Prognose der künftigen Bevölkerungsentwicklung zeigt sich, dass das zahlenmäßige Verhältnis der jüngeren zur älteren Generation drastisch zugunsten der Anzahl älterer Menschen ändern wird. Dieser demographische Wandel geht einher mit einem gesellschaftlichen und familiären Wandel. Die familiäre Unterstützung im Alter macht zwar nach wie vor einen Grossteil der Unterstützung aus, jedoch ist hier aufgrund des gesellschaftlichen und demographischen Wandels mit einer Abnahme zu rechnen. Hier stellt sich nun die Frage, wie trotz dieser Entwicklungen weiterhin ein selbstbestimmtes Leben im Alter möglich sein kann? Die Antwort hängt davon ab, inwieweit die Gesellschaft der ebenfalls vorhandenen Erosion von Solidarität entgegenwirkt.

Im zweiten Kapitel sollen zunächst Ursachen für den Abbau des Sozialstaats aufgezeigt werden. Etwaige Rechtfertigungen der Notwendigkeit der Verlagerung sozialer Risiken ins Private mit der demographischen Entwicklung sollen hierdurch widerlegt werden. Der Sozialstaatsabbau führt zu einer Exklusion eines wachsenden Teils der erwerbsfähigen Bevölkerung aus dem Arbeitsmarkt, was die Gefahr der Entsolidarisierung der Gesellschaft mit sich bringt. Um gerechte Austauschstrukturen zwischen Staat, Wirtschaft und Bürger/Innen zu ermöglichen, bedarf es einer Orientierung an Leitlinien zur Sozialpolitik, die ich aus verschiedenen theoretischen Ansätzen zusammengestellt habe. Diese Leitlinien können beispielhaft auf die Lebensbereich Gesundheit, Bildung und Kultur, Wohnstrukturen und soziale Netzwerke angewandt werden. Ziel ist eine stärkere Partizipation der Zivilgesellschaft an der Ausgestaltung und Entwicklung gesellschaftlicher Lebensbereiche auf der Basis einer erstarkenden Zivilgesellschaft.

Im dritten Teil der Arbeit wird die Rolle der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen in diesem gesellschaftlichen Entwicklungsprozess näher beleuchtet. Grundlage ist die professionelle Grundhaltung des Empowerments und die systemische Sichtweise. Darauf aufbauend soll mit dem Arbeitsprinzip der Gemeinwesenarbeit deutlich gemacht werden, dass Altern alle Generationen im Gemeinwesen betrifft. Diese gemeinwesenorientierte Arbeit mit älteren Menschen ist im intermediären Bereich verortet. Hier geht es auch um ein symmetrisches Zusammenspiel von Sozialer Arbeit mit bürgerschaftlichem Engagement. Dies soll zu einer gleichberechtigten Zusammenarbeit zwischen Professionellen und bürgerschaftlich Engagierten führen, um gemeinsame Problemlösungen in einem eigenständigen intermediären Sektor zu entwickeln.

Im vierten Teil der Arbeit wird die Möglichkeit der genossenschaftlichen Selbsthilfe zur Entwicklung eigenständiger zivilgesellschaftlicher Formen sozialer Sicherung dargestellt. Diese stehen in direktem Zusammenhang mit bürgerschaftlichem Engagement. Es geht darum, dass die Bürger/Innen sich nach dem Prinzip der Hilfe auf Gegenseitigkeit selbst organisieren.

In einem Exkurs zu Komplementärwährungen in Form von Zeitdepots sollen die Erfahrungen mit verschiedenen Systemen vorgestellt werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf dem japanischen Fureai-Kippu System. Dieses wird in Japan zunehmend von einer breiten Bevölkerungsgruppe angenommen und ergänzt zusehends die Pflegeversicherung. Diese eigenständige Form zivilgesellschaftlicher sozialer Sicherung fördert das solidarische Wirtschaften in der Gemeinwesenökonomie. Da Komplementärwährungen soziales Kapital und Solidarität fördern können, folgt auf Grundlage dieser Informationen der Vorschlag, wie eine Genossenschaft auch ein solches Zeitdepot organisieren kann. Ein Vorbild gibt es in dem Modell der Seniorengenossenschaften in Baden-Württemberg. An dieser Stelle möchte ich auf die Möglichkeit der Verbindung der Hilfe auf Gegenseitigkeit mit der professionellen Hilfe hinweisen, indem die Genossenschaft als Profitcenter einen ambulanten Dienst betreibt. Hierdurch sind Synergien durch die direkte organisationsinterne Verzahnung der formellen mit der informellen Hilfe möglich.

Die Zivilgesellschaft entwickelt eigenständige nachhaltige Lebensmodelle mit und für ältere Menschen im Gemeinwesen. Lebensmodelle deshalb, weil jedes Gemeinwesen die Lösungsansätze für seine örtlichen Notwendigkeiten entwickeln muss. Diese Modelle können für andere lediglich Vorbilder sein. Die Rolle der Sozialen Arbeit ist, diese eigenständigen zivilgesellschaftlichen Formen sozialer Sicherung aktiv und professionell unterstützend zu begleiten.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Altern in der Gesellschaft 4
1.1 Demographische Entwicklung 4
1.1.1 Dreifaches Altern 5
1.1.2 Von der Pyramide zum Pilz 7
1.2 Altersbilder 9
1.3 Alter, Krankheit und Pflegebedürftigkeit 11
1.4 Ökonomische Situation älterer Menschen 12
1.5 Soziale Netzwerke 13
1.6 Strukturwandel des Alters 17
1.6.1 Konzepte des Altersstrukturwandels 17
1.6.1.1 Verjüngung und Entberuflichung des Alters 17
1.6.1.2 Feminisierung des Alters 18
1.6.1.3 Singularisierung im Alter 18
1.6.1.4 Hochaltrigkeit 18
1.6.2 Soziale Ungleichheit 19
1.6.3 Einführung der Pflegeversicherung 20
1.6.4 Generationenvertrag 23
2. Elemente einer nachhaltigen Sozialpolitik im Kontext der alternden Gesellschaft 25
2.1 Sozialstaat im Wandel 25
2.1.1 Krise des Sozialstaats 26
2.2 Leitlinien für eine nachhaltige Sozialpolitik mit und für ältere Menschen 29
2.2.1 Partizipatorische Entscheidungsdiskurse 30
2.2.2 Gerechter Austausch 31
2.2.3 Marktbegrenzung 32
2.2.4 Solidarität 32
2.2.5 Ethik des Alterns 33
2.3 Lebensbereiche älterer Menschen 35
2.3.1 Gesundheit 35
2.3.2 Bildung und Kultur 36
2.3.3 Wohnstrukturen 38
2.3.4 Soziale Netzwerke 42
3. Neue Ansätze Sozialer Arbeit mit älteren Menschen 44
3.1 Empowerment als professionelle Grundhaltung 45
3.1.1 Der Defizitblickwinkel in der Sozialen Arbeit 46
3.1.2 Die Philosophie der Menschenstärken 46
3.2 Systemische Soziale Arbeit 48
3.3 Gemeinwesenarbeit mit älteren Menschen 49
3.3.1 Sozialräumliche Orientierung 52
3.3.2 Methodenintegration 52
3.4 Koordination, Kooperation und Vernetzung als professionelles Arbeitsprinzip 54
3.4.1 Begriffsklärung von Koordination, Kooperation und Vernetzung 55
3.4.2 Care- und Case Management 55
3.4.3 Leitstelle „Älter werden in Augsburg“ 56
3.4.4 „Netzwerk im Alter“ Berlin Pankow -Prenzlauer Berg - Weißensee 58
3.4.5 Die Düsseldorfer Netzwerkstatt 58
3.4.6 Prinzipien der Netzwerkarbeit 59
3.5 Soziale Arbeit und bürgerschaftliches Engagement 60
3.6 Lokale Ökonomie und Gemeinwesenökonomie 60
3.7 Neuverortung des Sozialen im intermediären Bereich 62
3.7.1 Intermediärer Sektor 63
3.7.1.1 Notwendigkeit eines eigenständigen solidarökonomischen Sektors 65
4. Ansätze zur eigenständigen zivilgesellschaftlichen Organisation sozialer Sicherung 70
4.1 Bürgerschaftliches Engagement 71
4.2 Genossenschaftliche Selbsthilfe als Organisationsform der Gemeinwesenökonomie 73
4.3 Genossenschaftliche Selbsthilfe zur Organisation von Hilfe auf Gegenseitigkeit im Gemeinwesen 75
4.3.1 Kriterien von gemeinwirtschaftlichen Genossenschaften 75
4.3.2 Organisationsstrukturen einer Genossenschaft zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit 76
4.3.2.1 Kommunikative Strukturen 77
4.3.2.2 Die Genossenschaft als lernende Organisation 77
4.3.3 Mögliche Leistungsbereiche einer Genossenschaft zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit 78
4.3.3.1 Ambulante Dienstleistung als Profitcenter der Genossenschaft 80
4.4 Exkurs: „Zeitdepot“ als Komplementärwährung zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit 82
4.4.1 Entstehung der „neuen“ Komplementärwährungen 84
4.4.2 Funktionsweise der Komplementärwährungssysteme 85
4.4.3 Beispielhafte Zeitdepotsysteme zur Förderung von Hilfeleistungen im Gemeinwesen 87
4.4.3.1 Time Dollars 87
4.4.3.2 Seniorengenossenschaften 87
4.4.3.3 Fureai-Kippu System 88
4.4.4 Funktionen einer Komplementärwährung in Form von Zeittausch und Zeitdepot 93
4.4.4.1 Förderung der Solidarität 93
4.4.4.2 Förderung von Reziprozität 93
4.4.4.3 Ansparfunktion 94
4.4.5 Probleme und Erfahrungen mit Zeitdepots 95
4.5 Organisation eines Zeitdepots durch die Genossenschaft 98
4.6 Vernetzung, Koordination und Öffentlichkeitsarbeit 99
4.7 Ziele einer Genossenschaft zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit 101
4.8 Genossenschaftliche Selbsthilfe und professionelle Soziale Arbeit 102
4.9 Einige Worte zu Förderung und Finanzierung 103
Zusammenfassung und Ausblick 107
Quellenangaben 109

Automatisiert erstellter Textauszug:

det und beim Handeln in Rechnung gestellt werden (Staub-Bernasconi; 1995; S. 137). Silvia Staub Bernasconi verweist auch auf die Notwendigkeit eines weltweiten Bewusstseinsbildungsprozesses für soziale Probleme, anlog für ökologische Probleme. Für diesen Bewusstseinsbildungsprozess für soziale Probleme hat die „Sozialarbeitsprofession einen eigenbestimmten, selbstdefinierten Auftrag “...“ zu übernehmen“ (Staub-Bernasconi; 1995; S. 414). Dieser steht in direktem Zusammenhang mit der Notwendigkeit einer universellen Ethik Sozialer Arbeit. Rolf Depner und Achim Trube verweisen im Kontext der Ökonomisierung des Sozialen45 auf die Notwendigkeit extrafunktionaler Qualitätskriterien der Sozialen Arbeit (Depner/Trube; 2001; S. 234ff). Die Qualitätskriterien sollten anhand universeller ethischer Qualitätsstandards auf der Grundlage der reziproken Anerkennung von Hilfebedürftigen und HelferInnen festgelegt werden, „um mit dem jeweiligen ‘Gegenüber’ gemeinschaftlich soziale Wirkungen in Gang zu setzen“ (Depner/Trube; 2001; S. 235). Diese ethischen Qualitätsstandards sind extrafunktional, das heißt „jenseits von Fachstandards für konkrete Handlungsfelder“, wie zum Beispiel der Altenhilfe (Depner/Trube; 2001; S. 236). Solche Qualitätskriterien sind notwendig, um der drohenden Bestenauslese in Folge der zunehmenden Konkurrenz sozialer Dienstleister46 (Depner/Trube; 2001; S. 218) entgegenzuwirken. Basis dieses dauernden Prozesses können die ethischen Grundlagen der Sozialen Arbeit sein, die von der International Federation of Social Workers (IFSW) 1994 herausgegeben wurden (IFSW; 1994). Diese wurden mittels eines Diskurses vom Deutschen Berufsverband für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Heilpädagogik e.V. (DBSH) für die nationale Ebene konkretisiert und unterliegen einer kontinuierlichen Revision und Aktualisierung (DBSH; 1997). [...]

Silvia Staub-Bernasconi folgt in ihrer systemischen Theorie Sozialer Arbeit den metatheoretischen Grundlagen von Werner Obrecht und Martin Bunge (StaubBernasconi; 1995; S. 117ff; Maja Heiner u.a.; 1998; 12ff; kurze Einführung in Ernst Engelke; 1998; S. 369ff; Einführung in die metatheoretischen Grundlagen: Obrecht; 2000; S. 207ff; Silvia Staub-Bernasconi; 2000; S. 740ff). „In der Sicht einer solchen systemischen Erkenntnis- und Bedürfnistheorie besteht menschliches Leben darin, Problemen der Bedürfnisbefriedigung und Wunscherfüllung gegenüberzustehen und zu lernen, innerhalb der Struktur sozialer Systeme und in Kooperation und Konflikt mit anderen Menschen Lösungen hierfür zu suchen“ (Staub-Bernasconi; 1995; S.130). Gegenstandsbereich der Sozialen Arbeit sind die soziale Probleme von Menschen „mit unerfüllten biologischen, psychischen, sozialen und kulturellen Bedürfnissen“ (Staub-Bernasconi; 1995; S.13134). Die Ziele der Sozialen Arbeit verbinden nach Silvia Staub-Bernasconi individuelle und soziale Werte, das heißt: „a) individuelle Bedürfnis- und Wunscherfüllung im Zusammenhang mit der Erweiterung des Wissens- und Handlungsspektrums als auch der verfügbaren physischen, sozio-materiellen und kulturellen Ressourcen und b) fairer Ausgleich von Pflichten und Rechten zwischen Menschen und sozialen Gruppen, ferner Regeln der Machtbegrenzung wie der gerechten Machtverteilung als Bedingung für sozialen (familiären, organisationellen, gesellschaftlichen) Frieden“ (Staub-Bernasconi; 1995; S.135f). Mit Hilfe der Systemtheorie als metatheoretischem Bezugsrahmen können die verschiedenen Aspekte akademischen Wissens in einen Zusammenhang gebracht werden. So können die Verknüpfungen der verschiedenen Disziplinen erkannt, begrün48 [...]

3. Das Respektieren der ‘eigenen Wege’ und der ‘eigenen Zeit’ des Klienten und der Verzicht auf strukturierte Hilfepläne und eng gefasste Zeithorizonte. 4. Der Verzicht auf entmündigende Expertenurteile über die Definition von Lebensproblemen, Problemlösungen und wünschenswerten Lebenszukünften. 5. Die Orientierung an der Lebenszukunft des Klienten. 6. Die Orientierung an einer „Rechte-Perspektive“ und ein parteiliches Eintreten für Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit“ (Herriger; 2002; S. 72ff). Durch das Empowerment als professionelle Grundhaltung werden die AdressatInnen auf „Augenhöhe“ mit den HelferInnen „gerückt“. Die AdressatInnen werden zu Experten ihrer Selbst und die Professionellen der Sozialen Arbeit zu deren WegbegleiterInnen. Konrad Hummel beschreibt in seinem gemeinwesenorientierten Konzept der Altenarbeit die Einbettung der Altenarbeit in politische und gesellschaftliche Zusammenhänge (Hummel; 1986; S. 1): „Im hohen Alter greifen viele wichtige Errungenschaften wissenschaftlichen Fortschrittes offenkundig nur, indem sie mühsam uminterpretiert werden. Die eindeutige Diagnostik eines Krankheitsherdes weicht im hohen Alter dem verschleiernden Begriff der Multimorbidität. Vergleichbar der neueren Psychosomatik- und Familientherapie reicht es nicht einmal aus, die gegenseitige Beeinflussung medizinisch-klinischer mit psychosozial oder sozioökonomischen Faktoren zu akzeptieren, sondern es wird notwendig, ihre fortgesetzte, nicht mehr in ihrem Ursprung und Entstehung präzis zu bestimmende Wechselwirkungskette bei der Krankheitsgeschichte zu sehen. Die alterspsychiatrischen Krankheitsbilder machen vermutlich am deutlichsten, was dies für Folgen hat. Der Streit um die richtige Diagnostik, die Frage, ob Demenz überhaupt heilbar ist oder nicht, wird im hohen Alter nahezu hinfällig. Alle medizinischen, pflegerischen, sozialpädagogischen Möglichkeiten müssen zusammenfließen, die Krankheit selbst als eine Ausdrucksform, als eine Verhaltens- und Bewältigungstechnik des Erkrankten mit ins Kalkül genommen werden. In der Altenhilfe wird deutlich, dass wir es nicht mit Krankheiten, Leiden und Sterben zu tun haben, sondern mit kranken, leidenden und sterbenden Menschen. Die genannten Probleme haben immer auch weiterführende soziale Di47 [...]

Arbeit zitieren:
Thomas, Alexander Oktober 2003: Entwicklung eines nachhaltigen Lebensmodells für ältere Menschen im Gemeinwesen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Soziale Arbeit, Gemeinwesenarbeit, Genossenschaft, Zivilgesellschaft, Gemeinwesenökonomie

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