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Entwicklung deterministischer Handelssysteme

Entwicklung deterministischer Handelssysteme
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Ochsenkühn
  • Abgabedatum: Dezember 2001
  • Umfang: 142 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Ingolstadt Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5029-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5029-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5029-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ochsenkühn, Stefan Dezember 2001: Entwicklung deterministischer Handelssysteme, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Moneymanagement, Risikomanagement, Technische Analyse, Markteffizienz, Optimierung

Diplomarbeit von Stefan Ochsenkühn

Einleitung:

Das Spiel der Spiele erfreut sich in den vergangenen Jahren einer immer größeren Beliebtheit und Massentauglichkeit. Das Spiel der Spiele macht dabei viele der Spieler von einem Tag auf den anderen zu reichen Leuten. Das Spiel der Spiele führt aber auf der anderen Seite auch bei unzähligen Teilnehmern zu existenzgefährdenden Verlusten. Es nennt sich Börse, das Spiel, und verbreitete sich im vergangenen Jahrzehnt wie ein Virus in allen sozialen Schichten.

Neue Medien, die Angst um die Altersvorsorge, der Börsenboom der späten 90er-Jahre, und ein erfolgreiche Vermarktung durch die Börsenindustrie waren der Nährboden für diesen Hype. Meist „zocken“ die Marktteilnehmer jedoch ohne jegliches Konzept und ohne jegliche Disziplin und folgen dabei überwiegend ihrem „Bauch“. Angst und Gier sind die schlechten Ratgeber und diese führen zu irrationalen Entscheidungen. Von modernen Kapitalmarktmodellen oder komplexen Tradingstrategien haben die wenigsten Spekulanten Kenntnis. Sie sind geblendet von den scheinbar auf der Strasse liegenden Dollarscheinen und können kaum abschätzen, wie schwierig es ist - sollte es überhaupt längerfristig möglich sein - durch Stock-Picking und Timing den Markt zu schlagen.

In dieser Arbeit wird versucht, eine mögliche Art des systematischen Spekulierens vorzustellen, bei der Angst und Gier weitgehend ausgeschaltet werden und so eventuell ein Weg zur Gewinnung von Überrenditen an Märkten geebnet wird. Es werden Konzepte zur Entwicklung eines deterministischen Handelssystems vorgestellt. Dies ist ein Regelwerk, das Kauf- und Verkaufsempfehlungen für ein Wertpapier liefert. Eine solche automatische Strategie bewegt sich demnach auf der stark umstrittenen Dimension der Timingentscheidung bei Investitionsvorhaben.

So widmet sich diese Arbeit zu Beginn dem Diskussionspunkt der Markteffizienz. Ausgehend von der nur schwer zu überprüfenden These, dass die Preisentwicklungen an Märkten nicht zufällig zustande kommen, sondern sich - zumindest partiell - einer ausnutzbaren Systematik unterziehen, macht die Entwicklung eines mechanischen Handelssystems Sinn. Auch in der Praxis hat sich der Einsatz von mechanischen Handelssystem in den letzten Jahren mehr und mehr etabliert. Dem von der Wissenschaft meist propagierten Random-Walk Gedanken werden die Feststellung von Marktanomalien, die Ineffizienz der Märkte und Behavioral-Finance-Ansätze gegenübergestellt. Diese Ideen bilden das Fundament der technischen Analyse und somit auch der mechanischen Handelssysteme.

In der Arbeit wird die Unterscheidung zwischen diskretionärem und strikt mechanischem Handelsansatz besprochen und damit intensiv auf die Vorteile des Systemhandels eingegangen. Bei der Konzeption eines Tradingsystems wird in einem ersten Schritt die Handelsregel definiert. Nach Wahl eines grundlegenden Systemansatzes wird die Handelsregel durch Set-Up und Entry geformt. Ersteres bringt das System in eine Wartestellung, zweiteres gibt den „Startschuss“ für eine Order. Wichtige Komponenten stellen in einem System neben der Handelsregel das Risiko- und Money-Management dar. Das Risiko-Management fungiert als eine Art Versicherung vor zu großen Verlusten. Neben diversen Stopp-Ansätzen werden Auswirkungen auf die verschiedenen Systemkennzahlen aufgezeigt. Mit dem Money-Management wird letztendlich bestimmt, wie viel Kapital in einem Trade eingesetzt wird. Die Abhandlung fokussiert sich auf Vor- und Nachteile der Fixed-Fractional-Ansätze (darunter auch Optimal f und Secure f) und Fixed-Ratio-Ansätze.

Während des gesamten Entwicklungsprozesses müssen die Charaktereigenschaften des Systems mit den Charaktereigenschaften des Händlers abgeglichen werden. Der Prozess der Optimierung kann an einem profitablen Rohsystem begonnen werden. Der Optimierungsprozess ist ein sehr kritischer Punkt bei der Entwicklung eines Systems. Denn die Gefahr des Over-Fitting ist akut. Ein System wird demnach so stark optimiert, dass es an die vergangene Datenmenge optimal angepasst, in Zukunft aber nicht mehr mit den Eigenschaften des Marktes fertig wird. Kritiker gehen davon aus, dass jede Art der Systemerstellung in irgendeiner Form ein Curve-Fitting darstellt.

In der Arbeit werden Lösungsansätze mit verschiedenen Testreihen und verschiedenen Optimierungsparametern besprochen. Zudem wird die Aufgabe des Back-Testings, ein System über möglichst viele Marktsituation zu testen, behandelt. Verschiedene Konzepte zur Generierung unbekannter Daten werden in diesem Zusammenhang diskutiert. Zur Bewertung und zum Vergleich von Handelssystemen werden verschiedene Methoden behandelt, die als Grundlage meist einen Risk-to-Reward-Gedanken pflegen. Dabei wird der Begriff Risiko unter einer Vielzahl von Aspekten beleuchtet und auch mit verschiedenen Definitionen belegt. Aber auch Kennzahlen, die den repräsentativen Charakter des Systems untersuchen, werden vorgestellt. Auf der Basis der behandelten theoretischen Grundlagen wird durch die chronologische Entwicklung eines Muster-Systems die Anwendung in der Praxis verdeutlicht. Alle eigenen Systeme und Grafiken entstammen den Softwareprogrammen Supercharts 4.0 und Tradestation 2000 von OmegaResearch.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Vorüberlegungen zum systematischen Handel 2
2.1 Definitionen von Markteffizienz und Random-Walk 2
2.2 Studien zur Hypothese des Random-Walks und der Markteffizienz 4
2.3 Erklärungsansätze für ein Fehlen von Markteffizienz 7
2.4 Definition eines Handelssystems 9
2.5 Vergleich diskretionärer Handel mit mechanisch systematischem Handel 11
3. Handelsregel eines Systems 13
3.1 Vergleich von verschiedenen System-Konzepten 13
3.2 Handelbarkeit 16
3.3 Verbreitung von Trendfolgesystemen 17
3.4 RMI-Trendfolgesystem als Beispiel 17
3.5 Festlegen eines Zeithorizonts 20
3.6 Das Set-Up-Signal 22
3.7 Einschub zur Systembewertung 25
3.8 Das Entry-Signal 29
4. Risk-Management 32
4.1 Beziehung zwischen Risiko und Stopp 32
4.2 Rechtfertigung von Stoppkursen 34
4.3 Festlegen der Stoppweite 36
4.4 Stoppkonzept Initial-Risk 37
4.5 Auswirkung auf die Systemkennzahlen 37
4.6 Das Re-Entry-Problem 42
4.7 Maximum-Adverse-Excursion 43
4.8 Trailing-Stop-Konzepte 47
4.9 Überblick zu weiteren Stopp-Ansätzen 49
4.10 Parabolic-Stop als Kombination verschiedener Stoppsysteme 51
4.11 Stopps in der Praxis 52
4.12 RMI-Beispielsystem mit %-Initial-Risk 53
5. Money-Management 54
5.1 Bedeutung von Money-Management 54
5.2 Definition, Zweck und Anwendung von Money-Management 55
5.3 Definitionen von Tradingkapital 56
5.4 Martingale-, Anti-Martingale-, und Small-Anti-Martingale-Strategie 58
5.5 Überblick zu Money-Management-Konzepten 59
5.6 Gewinner- und Verlierer-Serien 60
5.7 Fixed-Fractional-Familie 61
5.8 Fixer-Delta-Betrag-Modell 62
5.9 Risikobezogene Methoden 63
5.10 Volatilitätsbezogene Modelle 65
5.11 Optimal f und Secure f 65
5.12 Fixed-Ratio 72
5.13 Crossing-Equity-Curve 74
5.14 Problemgebiete des Money-Managements 75
5.15 Money-Management-Ansätze am RMI-System 77
6. Optimierung und Stabilitätstests 78
6.1 Auswahl der historischen Datenreihe 78
6.2 Data-Scrambling 79
6.3 Adjustierung von Futures-Kursreihen 80
6.4 Optimierung: Definition und Fallstricke 82
6.5 Verteilung der Parameter 86
6.6 Konstanz bei naheliegenden Parametern 86
6.7 Optimierung mit genetischen Algorithmen 87
6.8 Fortlaufende Optimierung 88
6.9 Kumulatives Forward-Testing 88
6.10 Best-Choice-Index 89
6.11 Markowitz/Xu-Korrektur 89
6.12 Systemtests (Back-Testing) 91
6.13 Out-of-Sample-Test 93
6.14 Walk-Forward-Test und Step- Forward-Testing 95
6.15 Leave-One-Out-Testing 97
6.16 Marktdiversifikationsanalyse 98
6.17 Test von verschiedenen Systemkomponenten 100
7. Weiterführende Problempunkte und Zusammenfassung 101
Anlagen 103
Literaturverzeichnis 126

Automatisiert erstellter Textauszug:

99 und ein System deshalb auf diesen Teilbereich zugeschnitten werden darf. Ein System, das gute Kennzahlen in Währungsmärkten an den Tag legt darf auch mit abgeänderten Parametern im Getreide-Markt bestehen. Allerdings sollte es bei den meisten Währungen gute Ergebnisse bringen.306 Oft geht man in der Fachwelt davon aus, dass jeder Markt seinen eigenständigen Charakter hat. Allerdings glaubt man auch, dass sich Märkte verändern. Kann sich ein System über mehrere Märkte als profitabel erweisen, so wird es beiden Argumenten gerecht. Ein gutes System sollte mit verschiedensten Markkonditionen fertig werden.307 Goldberg ist der Meinung, dass bei diesem Verfahren überprüft werden soll, ob sich das Handelssystem auch in anderen Märkten des gleichen Segments als robust erweist. Dementsprechend nicht unbedingt in völlig verschiedenen Märkten. Die optimalen Parameter können dabei nach der Auffassung von Goldberg dem Volatilitätsprofil des jeweiligen Marktes angepasst werden, während die reinen Handelsregeln nicht modifiziert werden dürfen. So sollte ein Handelssystem, das beim Währungspaar GBP/USD erfolgreich war, bei EUR/JPY zu gleichartigen Ergebnissen führen.308 Auch LeBeau argumentiert ähnlich. "Ein gutes System muss nicht historisch in allen Märkten funktionieren, um erfolgreich zu sein, aber es sollte in den meisten Märkten funktionieren, mit nur wenigen, wenn überhaupt, Änderungen von Markt zu Markt."309 Ewald sieht dies ähnlich. „Ein System, das nur in einem Markt funktioniert, ist suspekt und deutet in höchstem Maße auf Curve-Fitting hin. Wissend, dass Märkte sich ständig ändern, sollten zumindest verwandte Märkte mit dem gleichen System ebenfalls positive Resultate zeigen. [...] Ein stabiles Handelssystem muss beinahe unverändert auch in ähnlichen Märkten funktionieren (Beispiele: Bund – Bobl - US-Bonds, Euro – SwissFranc – Jap.Yen, Corn – Wheat – Soybeans). Die einzige erlaubte Änderung von Parametern liegt in kursabhängigen Größen, wie z.B. ein fester $-Stop.“310 Ewald betont jedoch auch, dass ein System nur dann über eine Vielzahl von Märkten funktionieren kann, wenn alle eine ähnliche Gesamtcharakteristik aufweisen. So kommt es, dass sogar vordergründig verwandte Märkte zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Z.B. Gold mit langen Trends auf der einen Seite und Silber mit langen Seitwärtsbewegungen auf der anderen Seite. Kakao mit Trends, Kaffee dagegen kaum. Die Anforderung sollte also viel eher auf „ähnliche“ als auf „verwandte“ Märkte abzielen.311Wright empfiehlt, dass ein System über eine Vielzahl von Commodities oder Aktien profitable Resultate zeigen sollte, dass es aber nicht das optimale System für all diese Märkte darstellen muss. Nach seiner Auffassung besteht das Ziel darin, ein Handelssystem über eine große Menge unterschiedlicher Märkte zu testen, so dass der Entwickler beruhigt darüber sein darf, dass das System gut genug ist, um verschiedenste Anlagegruppen zu meistern.312 [...]

Die Marktdiversifikationsanalyse trifft man in der Fachwelt auch unter den Begriffen Überkreuztest oder Walk-Across-Test an. Sie stellt eine weitere Möglichkeit dar, um den Grad des Curve-Fittings auf einen bestimmten Markt zu messen. Diese Art der Systemevaluierung besteht darin, eine Handelsregel auf verschiedenen Underlyings zu testen. Grundthese ist, dass eine robuste Handelsstrategie nicht nur auf einem spezifischen Markt gute Kennzahlen aufweisen darf, sondern auch andere Anlagen handeln können muss. Strittig ist, ob das System in einem völlig unterschiedlichen Markt bestehen muss, oder ob es schon ausreicht, wenn eine Strategie in einem ähnlichen Underlying gut performt. Der erste Gedanke impliziert, dass ein System auf einer breiten Vielzahl von Währungsmärkten, Bonds, Futures (beispielsweise Commodities, Index-Futures) und Aktien (New Economy, Old Economy, unterschiedliche Branchen) funktionieren muss. Erst dann ist eine Strategie robust. Die zweite Denkart unterstellt, dass jede Wertpapier-Familie einzigartige Eigenschaften vorweist [...]

Das Beispiel in Abbildung 44 veranschaulicht den LOOT-Ansatz. Eine historische Datenreihe von zehn Jahren wird in fünf verschiedene Datengruppen zu jeweils zwei Jahren unterteilt. Im ersten Test werden die Gruppen 1,2,3 und 4 zur Entwicklung des Systems und die Datengruppe 5 zur finalen Verifikation des Handelssystems heran gezogen. Im zweiten Test wird die Gruppe 4 als Out-of-Sample-Set deklariert und die Gruppen 1,2,3 und 5 dienen als Basis für die Weiterentwicklung. Dieser Prozess wird viermal wiederholt. Kurssprünge, die durch die Kombination unterschiedlicher Datengruppen entstehen, könnten durch die in Kapitel 6.3 beschriebene Adjustierung oder durch das Indexing eliminiert werden. Vorteil dieser Methode ist, dass verschiedene Marktverhaltensweisen zusammengewürfelt und an mehreren Out-of-Sample-Daten getestet werden. Nachteil dieses Konzeptes ist, dass durch die Kurssprünge eventuell Verzerrungen bei den Systemergebnissen entstehen. [...]

Arbeit zitieren:
Ochsenkühn, Stefan Dezember 2001: Entwicklung deterministischer Handelssysteme, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Moneymanagement, Risikomanagement, Technische Analyse, Markteffizienz, Optimierung

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