Die Entwicklung des Trampolinturnens von den Anfängen bis zur Anerkennung als olympische Sportart
Eine kritische Bestandsaufnahme
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Heidi Huppertz
- Abgabedatum: August 2001
- Umfang: 85 Seiten
- Dateigröße: 1,9 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5775-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5775-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5775-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Huppertz, Heidi August 2001: Die Entwicklung des Trampolinturnens von den Anfängen bis zur Anerkennung als olympische Sportart, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sportgeschichte, Geräteturnen, Trampolinturnen, Wettkampfbestimmungen, Olympische Spiele
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Diplomarbeit von Heidi Huppertz
Einleitung:
Wie populär die Sportart Trampolinturnen in den wenigen Jahrzehnten ihres Bestehens geworden ist, erkennt man alleine daran, daß es zum Stichtag 31.12.1999 53226 Trampolinturner gab, die sich in 519 Vereinen und Sportgruppen in Deutschland dem Trampolinturnen sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport widmen.
Trampolinturnen kommt dem uralten Bestreben des Menschen entgegen zu fliegen. Der Traum vom Fliegen ist so alt wie das Bewußtsein des Menschen, ein erdgebundenes Wesen zu sein. Ikarus, die „Vogelmenschen“ der Azteken und die „Todesspringer“ von Acapulco künden von diesem Traum und dessen sportlicher Verwirklichung. Das Trampolingerät erschloß insofern eine neue Dimension.
Die große Beliebtheit dieser Sportart ergibt sich zum einen aus dem natürlichen Bewegungsdrang des Menschen, der mit Hilfe des Trampolingerätes Bewegungserlebnisse vielfältigster Art erfährt – zum anderen aus dem Erlebnis, die Schwerkraft zu überwinden, frei wirbelnd durch die Luft zu fliegen, was ein gewisses Risiko verspricht. So sind es nicht nur Kinder und Jugendliche, die auch im Sport auf der Suche nach dem Besonderen sind, sondern ebenfalls die Erwachsenen, die die Federkraft des Sprungtuches nutzen, Sprunggeschicklichkeit und -gewandtheit entwickeln, um so die eigene bewußte Körperbeherrschung zu vervollkommnen, also die Feinkoordination zu stabilisieren. Die große Bedeutung des Trampolinturnens besteht darin, daß wie bei keinem anderen Gerät Bewegung und Erlebnis so dicht beieinander liegen und daß durch den Spaß an der Bewegung Freude vermittelt wird.
Da das Trampolinturnen für alle Altersstufen geeignet ist, hat es auch im Schulsport - Primarstufe bis Sekundarstufe II - einen hohen Stellenwert. Durch die Federwirkung und die damit zu erreichende Schwerelosigkeit und das Gefühl des Schwebens und Fliegens besitzt dieses Gerät einen enorm hohen Aufforderungscharakter für alle Schüler – die begabten wie die weniger begabten, die bewegungsunlustigen sowie die behinderten Schüler. Die Bewegungsfreude, die das Trampolinturnen vermittelt, erhöht die intrinsische Motivation, denn der Schüler empfindet das Üben nicht als Einsatz und Aufwand, sondern als lustbetonte Freude, die zum schnellen Erfolg führt.
Auch bei der medizinischen Therapie ist die Anwendung des Trampolingerätes von großer Bedeutung. Es wird zum einen als Physio- und Bewegungstherapie zur Rehabilitation im Gesundheitswesen eingesetzt, zum anderen als Medium zur Förderung und Therapie im Bereich der Heilpädagogik.
Als methodisches Trainingshilfsmittel wird das Trampolingerät insbesondere bei Sportarten, die sich durch Flugphasen und -elemente auszeichnen, wie beispielsweise das Kunstturnen, Wasser- und Skispringen, zum Training verwendet. Aber auch bei Sportarten wie alpiner Skisport oder Eiskunstlauf wird dieses Gerät zur Leistungssteigerung genutzt. Neben dem Einsatz als Hilfsmittel in anderen Sportdisziplinen hat das Trampolingerät auch in der Astronautenausbildung eine zentrale Stellung inne.
Obwohl das Trampolinturnen stetig an Attraktivität und Popularität gewonnen hat, gibt es bedauerlicherweise nur einige - meist veraltete - Zeitschriftenartikel, Lehrbücher oder Skripte und wenig aktuelle Veröffentlichungen in deutscher Sprache. Die meisten Werke beziehen sich überwiegend bzw. ausschließlich auf die Methodik des Trampolinturnens; das Literaturangebot zum Minitrampolin ist weitaus größer.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Entwicklung des Trampolinturnens aufzuzeigen. Nach einer kurzen Darstellung der federnden Vorformen des Trampolingerätes, wird der historische Verlauf des Trampolinturnens durch die Entstehung des Stahlrohrgerätes in den USA und Europa beleuchtet. Die Steigerung der allgemeinen Popularität sowie die Leistungssteigerung werden aufgezeigt, bevor abschließend die internationalen Wettkampfbestimmungen in ihrer Weiterentwicklung bis hin zu den neuesten Wettkampfstrukturen analysiert werden. Dabei erfolgt eine kritische Bestandsaufnahme bezüglich der Leistungsentwicklung sowie der neuesten Wettkampfregeln nach Anerkennung als olympische Sportart.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Historische Entwicklung des Trampolinturnens | 3 |
| 2.1 | Begriffsbetrachtung | 3 |
| 2.1.1 | Zusammenfassung | 5 |
| 2.2 | Federnde Vorformen des Trampolingerätes | 6 |
| 2.2.1 | Vorformen vom Altertum bis zur Neuzeit | 6 |
| 2.2.2 | Vorformen im Zirkus des 18. bis 20. Jahrhunderts | 8 |
| 2.2.3 | Vorformen bei deutschen Leibesübungen | 10 |
| 2.2.4 | Zusammenfassung | 10 |
| 2.3 | Steigerung der Popularität durch die Entstehung des Stahlrohrgerätes | 10 |
| 2.3.1 | In den USA | 10 |
| 2.3.2 | In Europa | 14 |
| 2.3.3 | In Deutschland | 18 |
| 3. | Gebrauch des Trampolingerätes in Deutschland | 28 |
| 3.1 | Das Trampolingerät als Trainingshilfsmittel | 28 |
| 3.1.1 | Das Trampolingerät als Trainingshilfsmittel für andere Sportarten | 28 |
| 3.1.2 | Das Trampolingerät als Trainingshilfsmittel für Berufsgruppen | 33 |
| 3.2 | Das Trampolingerät als Mittel bei der medizinischen Therapie | 33 |
| 4. | Leistungsentwicklung | 36 |
| 4.1 | Leistungsanstieg durch Materialverbesserung | 36 |
| 4.1.1 | Leistungsanstieg durch das veränderte Trampolingerät | 37 |
| 4.1.2 | Leistungsanstieg durch veränderte Hilfsmittel | 39 |
| 4.2 | Leistungsanstieg durch Technikverbesserung | 43 |
| 4.2.1 | Technik der Streckphase | 43 |
| 4.2.2 | Technik der Kopfhaltung | 43 |
| 4.2.3 | Technik der Armhaltung | 44 |
| 4.3 | Leistungsanstieg durch neue Sprünge und Übungen | 45 |
| 4.3.1 | Leistungsanstieg durch veränderte Übungsteile | 46 |
| 4.3.2 | Leistungsanstieg durch ein verändertes Pflicht- und Kürprogramm | 47 |
| 4.4 | Leistungsanstieg durch erhöhte Anforderungen | 51 |
| 4.4.1 | Leistungsanstieg durch Kaderzusatzkriterien | 51 |
| 4.4.2 | Leistungsanstieg durch die Aufnahme in das olympische Programm | 54 |
| 5. | Geänderte Wettkampfbestimmungen - Code of Points Trampoline 2001 | 57 |
| 5.1 | Sinn des neuen Wertungssystems | 57 |
| 5.2 | Die wesentlichen Regeländerungen | 58 |
| 5.2.1 | Allgemeines Wertungssystem | 58 |
| 5.2.2 | Schwierigkeitsgrade | 58 |
| 5.2.3 | Haltungsabzüge | 59 |
| 5.2.4 | Übungsende | 60 |
| 5.2.5 | Finale | 61 |
| 5.2.6 | Finale - Plazierung bei Punktgleichheit | 62 |
| 5.2.7 | Wettkampfkarten | 63 |
| 5.2.8 | Sprungwiederholungen | 64 |
| 5.2.9 | Schiedsgerichte / Proteste | 64 |
| 5.2.10 | Synchronkampfgerichte | 64 |
| 5.2.11 | Wettkampfklassen | 65 |
| 5.2.12 | Gesundheitszeugnisse | 65 |
| 5.2.13 | Wettkampfkleidung | 66 |
| 5.2.14 | Startrecht | 66 |
| 6. | Abschlußbetrachtung | 67 |
| 7. | Verzeichnisse | 70 |
| 7.1 | Literaturverzeichnis | 70 |
| 7.2 | Abbildungsverzeichnis | 77 |
| 7.3 | Abkürzungsverzeichnis | 78 |
| Lebenslauf |
3.1.1 Das Trampolingerät als Trainingshilfsmittel für andere Sportarten In den 70er Jahren wurden nach RIEHLE (1972) das Trampolingerät bereits als Hilfsmittel für andere Sportarten genutzt: So üben Wasserspringer, Geräteturner, Leichtathleten, Skiläufer u.a. nicht nur im Sinne des Ausgleichsports auf dem Trampolin, sondern es dient als regelrechtes Hilfsmittel zum Erwerb einer bestimmten Koordinations- und Konditionsschulung (6). SPONHOLZ (1982: 10) bestätigt die Angaben bezüglich dieser Disziplinen und ergänzt die Aufzählung in Bezug auf die Sportarten Eiskunstlauf, Ski- sowie Fallschirmspringen. Zur Steigerung des Leistungsvermögens durch das verwendete Trampolingerät schreibt er folgendes: Als methodisches Hilfsmittel zum Steigern des Leistungsvermögens unserer Sportler gewann das Springen auf dem Trampolin für viele Sportarten rasch an Bedeutung. Es ist bekannt, daß auf die Vorteile dieses [...]
BRAECKLEIN war auch derjenige, der 1958 den ersten internationalen Trampolinlehrgang in Freiburg am Institut für Leibeserziehung der Universität organisierte (Bächler In: Sport Aktiv 10/92: 18). SCHULZE-BÄING (1961/62) konkretisiert jedoch unter falscher zeitlicher Zuordnung: „Es nahmen 36 Sportler aus 6 Nationen (USA, Belgien, Schweiz, Dänemark, Österreich und Deutschland) daran teil“ (10). Nach BÄCHLER trug Braecklein „ganz Wesentliches zur Weiterentwicklung der Grundschule und Wettkampfbestimmungen sowie zur Entwicklung des Trampolinturnens in Deutschland bei (...)“ (In: Sport Aktiv 10/92: 18). Diese Tatsache lag auch daran, daß der Sportpädagoge BRAECKLEIN neben der Kreation eines eigenen Trampolingerätes auch wesentliche theoretische Ansätze - sportwissenschaftliche und -pädagogische veröffentlichte. CHRISTLIEB (1999: 11) bestätigt, daß seine „Forschungsarbeit (...) entscheidende Impulse in Deutschland (setzte)“, da 1960 das „erste deutschsprachige Standardwerk entstand und (...) in den Handel [kam]“. Den vorgenannten Initiatoren HURTMANNS und GOCKEL ist also - neben BÄCHLER - der Neubeginn und Aufbau der Sportart Trampolinturnen in Deutschland zu verdanken. MICHELS betont bezüglich des Süchtelner und Essener Trampolingerätes (In: TI 3/97), daß trotz der geringen Registrierungen und Veröffentlichungen Hurtmanns und Gockel „dennoch (...) unsere TrampolinPioniere“ waren. Weshalb diesen beiden Initiatoren in der Literatur so wenig Beachtung geschenkt wird, ist unklar. MICHELS (In: TI 3/97, 4/97) berichtet über den weiteren Verlauf des Trampolinturnens in den späten 50er Jahren in Deutschland: Die Studenten der Universität Freiburg gründeten Anfang 1959 die erste Trampolingruppe und bestritten gegen die Studenten der Sporthochschule Köln im April einen Vergleichskampf. In der Freiburger Turnerschaft bildete sich im Juni des gleichen Jahres die erste Vereinsabteilung. Am 1. Mai berief der Deutsche Turnerbund den an der UNI Freiburg tätigen Dr. Heinz Braecklein zum Bundesobmann, er wurde der deutsche Vater der Sportart, die anfangs nur als das „fröhliche Tummeln“ auf dem Trampolin zugelassen werden sollte. An der Deutschen Turnschule in Frankfurt am Main wurden ab 1960 Übungsleiter ausgebildet (42, 11). [...]
Abb. 6: Das selbstgebaute Essener Trampolingerät 1952 im Garten von A. Gockel Die Zeitung Nord-Anzeiger (14. Juli 1986) bestätigt Gockels Engagement bezüglich des Trampolinturnens: „(...) Alfred Gockel ist auch einer der Männer, die das Trampolinturnen im Deutschen Turnerbund begründeten und wettkampffähig machten“. Das erste Essener Trampolingerät wurde also im Jahr 1952 im Garten von Alfred Gockel aufgestellt und nicht wie Heinz-Peter MICHELS, Trampolinbundestrainer in den Jahren 1977 bis 1985 und derzeitiges nationales Trampolin - TK-Mitglied, in seinem Bericht Trampolin, der nationale Weg (In: TI 3/97) angibt - drei Jahre später, im Jahre 1955. Die ersten Initiatoren des Trampolinturnens in Deutschland sind also die Niederrheiner HURTMANNS und GOCKEL, während der Leipziger Sportpädagoge BRAECKLEIN ein Jahr später im Osten Deutschlands das Trockensprunggerät als Hilfsmittel für Grundausbildung und Training im Wasserspringen konstruierte. [...]
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Arbeit zitieren:
Huppertz, Heidi August 2001: Die Entwicklung des Trampolinturnens von den Anfängen bis zur Anerkennung als olympische Sportart, Hamburg: Diplomica Verlag
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Sportgeschichte, Geräteturnen, Trampolinturnen, Wettkampfbestimmungen, Olympische Spiele



