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Entwicklung eines Sicherheitstrainings zur Unfallminimierung beim Fallschirmspringen

Theoretische Überlegungen und empirische Untersuchungen an Fallschirmspringern und Fallschirmspringerinnen mit mehr als 250 Sprüngen

Entwicklung eines Sicherheitstrainings zur Unfallminimierung beim Fallschirmspringen
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Volker Manz
  • Abgabedatum: Dezember 2004
  • Umfang: 312 Seiten
  • Dateigröße: 19,0 MB
  • Note: 3,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9430-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9430-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9430-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Manz, Volker Dezember 2004: Entwicklung eines Sicherheitstrainings zur Unfallminimierung beim Fallschirmspringen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sportpsychologie, Extremsport, Simulation, Stress, Unfall

Dissertation / Doktorarbeit von Volker Manz

Zusammenfassung:

Die Entstehung von Fehlverhalten beim Fallschirmspringen ist meistens sehr komplex. Daher ist es notwendig, Bedingungen und Ursachen näher zu bestimmen, um daraus Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung von Fallschirmspringern und Fallschirmspringerinnen ziehen zu können.

Um die Unfallstatistik im Fallschirmsport, insbesondere die der erfahrenen Springer und Springerinnen zu durchleuchten, wurde in dieser Arbeit die Frage gestellt, warum die Unfallzahlen bei erfahrenen Springern und Springerinnen mit mehr als 250 Sprüngen so hoch liegen.

In der vorliegenden Studie wurden drei Probandengruppen (n=39) (Sprung-Sim/PC-Sim/Kontrollgruppe) miteinander verglichen. Die Sprung-Sim Gruppe durchlief ein Training an einem speziell auf die Bedürfnisse der SpringerInnen entwickelten Fallschirmsimulator. Die Zusätze bestanden aus einer individuellen Betreuung und einem verbesserten Simulationsverfahren. Die Auswertung der Messparameter erfolgte anhand einer Videoanalyse und Herzfrequenzmessungen.

Die PC-Sim Gruppe machte ein Training an einem Laptop mit externem Bildschirm. Sie musste auf Bildeinblendungen einer sprungspezifischen Situation verschiedene Lösungsmöglichkeiten durch Mausklick bejahen oder verneinen. Die Auswertung der Messparameter erfolgte anhand einer Videoanalyse, Computerauswertung und Herzfrequenzmessungen.

Die Kontrollgruppe hatte keinerlei Trainingsmöglichkeiten durch angebotene Simulationstechniken erfahren.

Des weiteren wurde mit den Teilnehmern (Sprung-Sim und PC-Sim) eine Interviewstudie vorgenommen, um auch den Bereich der „Beinahe-Unfälle“ zu erfassen und dementsprechend gezielt die ermittelten Unfallursachen zu bekämpfen. Die Angaben der Springer und Springerinnen bei den geführten Interviews machten deutlich, dass die beobachteten und tatsächlich erlebten kritischen Situationen, schwerwiegende Defizite bei der Ausführung von Lösungsmöglichkeiten widerspiegeln.

Die Vergleichsdurchgänge der drei Untersuchungsgruppen fanden an einem virtuellen Sprungsimulator der Fa. Autoflug statt. Die Vergleichsdurchgänge am Autoflug-Simulator sollten einen Erklärungsansatz der Trainingseffektivität, der zwei verschiedenen Simulationsverfahren, darstellen. Von den verschiedenen Simulationsverfahren wurde in dieser Untersuchung ein besonderes Augenmerk auf den selbst entwickelten und konstruierten Sprung-Simulator gelegt.

Die Sprung-Sim Gruppe hatte in den Vergleichsdurchgängen mit 265 richtigen Handlungen (97 %) deutlich bessere Ergebnisse als die beiden anderen Gruppen erzielt. Die PC-Sim Gruppe hatte mit 211 richtigen Handlungen (77,3 %) weniger korrekte Lösungen erzielt. Die Kontrollgruppe hatte mit 200 richtigen Handlungen (73,3 %) am schlechtesten abgeschnitten.

Es zeigt sich hier sehr deutlich, dass das Simulationstraining am selbst entwickelten Sprung-Simulator, eine bestehende Lücke geschlossen hat. Es liegt sehr nahe, dass durch das entwickelte Trainingsverfahren, insbesondere durch die Kombination von zeitlichen Aspekten (Stresserzeugung), Testen des vorhandenen Ist-Wertes (u.U. ein Erzeugen einer notwendigen Betroffenheit), realistische Trainingsbedingungen, kognitiven und motorischen Anforderungen, anschließenden Korrekturmaßnahmen und erneutem Testen der verbesserten Handlung, das Sicherheitserhaltungsziel mit einer verbesserten Qualität erreicht wird.

Der Sprung-Simulator dient der Auffrischung gelernter Handlungen, z.B. nach einer längeren Sprungpause, der Schulung, zu Trainingszwecken einer Sprungdisziplin oder der Tandemgast-Sprungeinweisung. Die durchgeführten und zukünftig geplanten Maßnahmen haben eine große Bedeutung bei der Verbesserung der Sprungvorbereitung und Sprungdurchführung.

Als Fazit der Untersuchung gilt, dass unfallträchtige Situationen und die dazu angemessenen korrekten Handlungen im Fallschirmsport regelmäßig kontrolliert und trainiert werden müssen, um Fehlverhalten und die daraus hervorgebrachten hohen Unfallzahlen zu reduzieren.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Fallschirmsprung und Unfallursachen 4
2.1 Ablauf eines Fallschirmsprungs 4
2.2 Unfallproblematik 12
3. Stress 26
3.1 Stress - Entstehungsbedingungen, Symptome, Maßnahmen 26
3.1.1 Stresstheoretische Grundlagen 26
3.1.2 Arbeitsspeicher und Informationsumsatz 34
3.1.3 Bewertung und Gefühle 41
3.1.4 Zusammenhang von Stress, Wahrnehmung und Handeln 55
3.2 Ergebnisse aus anderen und eigenen Fallschirmspringerstudien 58
3.2.1 Die Sportfallschirmspringerstudien von S. Epstein, Ursin, Baade, Levine und Schedlowski 58
3.2.2 Eigene Studien (Diplomarbeit) 62
3.3 Zusammenfassung 64
4. Untersuchungskonzeption 65
4.1 Fragestellung 65
4.2 Untersuchungsplan 67
4.3 Untersuchungsverfahren 70
4.3.1 Apparative Verfahren 70
4.3.2 Selbstaussageverfahren 72
4.3.3 Interview 73
4.3.4 Fragebögen 73
4.4 Untersuchungsteilnehmer 74
5. Trainingsbedingungen 1: PC-Simulator 77
5.1 Grundlagen der Entwicklung und Aufbau des PC-Simulators 77
5.2 Trainingsdurchführung 78
5.3 Ergebnisse 84
5.3.1 Herzfrequenz 84
5.3.2 Zeitmessung 88
5.3.3 Fehlerhäufigkeit beim Kappencheck, bei der Schirmfahrt und bei der Landung 91
5.3.4 Anzahl der zu wiederholenden Anforderung 94
5.4 Zusammenfassung 95
6. Trainingsbedingungen 2: Sprung-Simulator 96
6.1 Grundlagen der Entwicklung und Funktion des Sprung-Simulators 96
6.2 Trainingsdurchführung 110
6.3 Ergebnisse 129
6.3.1 Herzfrequenz 130
6.3.2 Öffnungs-, Abtrenn- und Entfaltungshöhe der Durchgänge 1-5 135
6.3.3 Cypresauslösung 137
6.3.4 Fehlerhäufigkeit beim Kappencheck, bei der Schirmfahrt und bei der Landung 138
6.3.5 Anzahl der zu wiederholenden Anforderung 141
6.4 Zusammenfassung 142
7. Vergleich der Trainingseffekte am Autoflug-Simulator 143
7.1 Auswahl und Funktion des Autoflug-Simulators 143
7.2 Versuchsdurchführung 146
7.3 Ergebnisse 154
7.3.1 Herzfrequenz 154
7.3.2 Öffnungs-, Abtrenn- und Entfaltungshöhe der Durchgänge 1-7 159
7.3.3 Cypresauslösung 163
7.3.4 Fehlerhäufigkeit beim Kappencheck 166
7.3.5 Fehlerhäufigkeit bei der Schirmfahrt 172
7.3.6 Fehlerhäufigkeit bei der Landung 175
7.3.7 Gesamtergebnis aller Anforderungen 180
7.3.8 Auswertung der Interviewdaten 183
7.4 Diskussion 195
7.4.1 Diskussion der Ergebnisse des Autoflug-Simulators 196
7.4.2 Weitere Möglichkeiten der Ausbildungsverbesserung 217
7.4.3 Ausblick 221
8. Zusammenfassung 223
Literaturverzeichnis 231

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Auswertung der Cypresauslösung ist von entscheidender Bedeutung. Die Anwendung, der Nutzen, die Vorteile aber auch die Gefahren von Cypres wurden im Kapitel 2.2 ausführlich beschrieben. Das Auslösen des Reservefallschirms durch den Öffnungsautomaten Cypres deutet auf ein gravierendes Defizit bei der zeitlichen Anwendung einer Handlung durch den Probanden hin. Die größte Gefahr einer Cypresauslösung besteht darin, dass der Hauptschirm zu spät aktiviert wird und es gleichzeitig zu einer Cypresauslösung kommt. Die Gefahr einer Kappenverwicklung ist enorm hoch, begünstigt dadurch, dass der Reservefallschirm nicht abgetrennt werden kann. Es werden nur die Fälle dargestellt (siehe Abbildung 49), wo das Cypres tatsächlich hätte aktiviert werden müssen. [...]

Es mussten fünf unterschiedliche Kappenkontrollen und drei unterschiedliche Schirmfahrtund Landesituationen bewältigt werden. Die unterschiedlichen Kappenkontrollen, Schirmfahrt- und Landesituationen wurden per Bildeinblendung präsentiert. Die Herzfrequenzen wurden bei der Ausführung des Kappenchecks und der Reserveöffnung protokolliert. Die Ergebnisse beim Kappencheck (siehe Abbildung 46) sehen wie folgt aus: • • Den höchsten HF-Wert zeigte die Sprung-Sim Gruppe bei der Anforderung „Fangleinenverdrehung“. Den zweit höchsten HF-Wert zeigte die Sprung-Sim Gruppe bei der Anforderung „BagLock“. Die höheren HF-Werte der o.g. beiden Anforderungen lassen darauf schließen, dass diese Anforderungen den/die SpringerIn besonders fordern. Man muss hier als SpringerIn beachten, in welchem Stadium sich die Fehlöffnung befindet. Besonders bei der Anforderung „Bag-Lock“ muss man sehr schnell und richtig reagieren, da man sich ungebremst im Freifall befindet. Der Überraschungseffekt wirkte hier besonders intensiv auf den/die SpringerIn. Die Ergebnisse bei der Reserveaktivierung (siehe Abbildung 46) sehen wie folgt aus: • Den höchsten HF-Wert zeigte die Sprung-Sim Gruppe bei der Anforderung „Fangleinenüberwurf“. Es mussten jeweils drei Schirmfahrt- und Landeanforderungen bewältigt werden. Die unterschiedlichen Schirmfahrtsituationen wurden per Bildeinblendung und die Landeszenarien wurden per Video präsentiert. Die Herzfrequenzen wurden einmal bei der Bildeinblendung und bei der Ausführung der Landung protokolliert. [...]

Abbildung 33. Eine vollständig geöffneten Reservekappe. Wird eine Anforderung ohne Kappentrennung korrekt gelöst, erscheint anschließend ein schwarzer Bildschirm. Nach dem Testdurchlauf wurden gemachte Fehler gemeinsam besprochen und in weiteren Korrekturdurchgängen erneut abgefragt. Es wurde so lange trainiert, bis die Anforderungen zu 100% erfüllt wurden. Besonderheiten der Trainingsdurchgänge Nach der Sprungsimulatoreinweisung wurde jedem Probanden ein visueller und akustischer Höhenmesser und ein Herzfrequenzmonitor angelegt. Weiterhin gab es eine Verlaufsüberwachung per Videoaufzeichnung. Herzfrequenzmonitor und Videokamera wurden zeitgleich gestartet. Da die Uhren beider Geräte auf Null justiert waren, konnte man in der Auswertung exakt ausmachen, welche Herzfrequenz bei einer jeweiligen Aktion vorlag. Zum besseren Verständnis sind die wichtigsten Stationen eines Simulatordurchgangs im folgenden Verlauf abgebildet (siehe Abbildung 34 bis 45): [...]

Arbeit zitieren:
Manz, Volker Dezember 2004: Entwicklung eines Sicherheitstrainings zur Unfallminimierung beim Fallschirmspringen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sportpsychologie, Extremsport, Simulation, Stress, Unfall

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