Entwicklung eines Konzepts für ein Prüfungsangstseminar für Teilnehmerinnen eines Integrationskurses
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Johanna Schläger
- Abgabedatum: Juni 2010
- Umfang: 149 Seiten
- Dateigröße: 3,2 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 43
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0326-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schläger, Johanna Juni 2010: Entwicklung eines Konzepts für ein Prüfungsangstseminar für Teilnehmerinnen eines Integrationskurses, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Prüfungsangst, Migrantinnen, Erwachsenenbildung, Seminar, Integration
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Bachelorarbeit von Johanna Schläger
Einleitung:
Prüfungsangst ist eine weit verbreitete, unangenehme Nebenwirkung von Prüfungen oder Herausforderungen im Beruf.
‘Für die meisten Menschen sind Prüfungen ein Stress. Sie verlangen, Leistungen und Wissen unter Beweis zu stellen und sich dafür beurteilen zu lassen’.
Bildung und Abschlüsse sind in unserer Gesellschaft sehr wichtig geworden. Wer nicht erfolgreich ist, kann keine Familie ernähren und dessen Ansehen sinkt in seinem Umfeld. Schon Kinder werden von Anfang an zu leistungsorientiertem Verhalten erzogen, was unter anderem auch zu immer mehr ängstlichem Verhalten gegenüber Prüfungen führt.
Umso schwieriger haben es Menschen, die in einer anderen Kultur aufgewachsen sind und nach Deutschland einwandern. Sie müssen sich der erfolgsorientierten Gesellschaft unterordnen und zurecht kommen. 2008 absolvierten über 73.000 MigrantInnen den Deutsch-Sprachkurs (B1), um sich beruflich und sozial integrieren zu können.
Untersuchungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zeigen, dass die Anzahl der Prüflinge, die an der Prüfung teilnehmen, sich zwar in den letzten Jahren stets erhöht hat, dennoch stellen sich noch nicht alle TeilnehmerInnen der Herausforderung.
Speziell Frauen in Integrationskursen haben es nicht leicht: Die Teilnehmerinnen gingen oft nur wenige Jahre zur Schule. Daher kann nicht von einem routinierten Umgang mit Prüfungen ausgegangen werden. Dies trägt natürlich in erheblichem Maße Unsicherheit und Angst vor Prüfungen bei und könnte mit ein Grund sein, warum sich nicht alle Teilnehmerinnen der Prüfung stellen.
In meinen Augen ist es sinnvoll hier auf die Bedürfnisse der Frauen einzugehen und eine Hilfestellung zur Prüfung zu geben, indem Ängste vor Prüfungen angesprochen und möglichst beseitigt werden sollten. Bereits bestehende Seminare zu Prüfungsangst in Integrationskursen gibt es nach Aussagen der Interviewpartnerinnen und Gesprächen mit den Trägern der Kurse nicht. Dies veranlasste mich, ein Konzept für ein Prüfungsangstseminar für Teilnehmerinnen von Integrationskursen zu erstellen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 4 |
| 2. | Überblick: Der Integrationskurs | 6 |
| 2.1 | Definition Frauenintegrationskurs | 6 |
| 2.2 | Rahmenbedingungen | 6 |
| 2.3 | Der Abschlusstest | 8 |
| 2.4 | Verpflichtete und berechtigte TeilnehmerInnen | 10 |
| 2.5 | Kosten | 11 |
| 3. | Prüfungsangst | 12 |
| 3.1 | Angst und Prüfungsangst | 12 |
| 3.2 | Zustand und Eigenschaft als Formen von (Prüfungs-) Angst | 14 |
| 3.3 | Ursachen und Entstehung von Prüfungsangst | 15 |
| 3.3.1 | Grundannahmen von Wolf und Merkle – Das ABC der Gefühle | 16 |
| 3.3.2 | Typen von Prüfungsängsten | 20 |
| 3.4 | Symptome von Prüfungsangst | 22 |
| 3.4.1 | Körperliche Symptome | 22 |
| 3.4.2 | Kognitive Symptome | 24 |
| 3.5 | Prüfungsangst und Leistung | 25 |
| 3.6 | Frauen und (Prüfungs-) Angst | 27 |
| 3.7 | Migration und (Prüfungs-) Angst | 29 |
| 4. | Prüfungsangstseminar: Vorüberlegungen | 33 |
| 4.1 | Feststellung des Bedarfs eines Prüfungsangstseminars | 33 |
| 4.2 | Organisatorische Vorüberlegungen | 34 |
| 4.2.1 | Räumlichkeiten und Teilnehmerinnenanzahl | 34 |
| 4.2.2 | Medien | 35 |
| 4.2.3 | Prüfungsangstseminar als 2-Tages-Projekt | 35 |
| 4.2.4 | Kosten | 36 |
| 4.3 | Ziele des Seminars | 36 |
| 4.4 | Inhaltliche Vorüberlegungen | 38 |
| 5. | Das Prüfungsangstseminar | 39 |
| 5.1 | Hausaufgabe | 39 |
| 5.2 | Unterrichtseinheit I | 39 |
| 5.2.1 | Einstimmung | 39 |
| 5.2.2 | Einführung in das Thema | 42 |
| 5.2.3 | Besprechung der Hausaufgabe | 42 |
| 5.2.4 | Kann Angst auch nützlich sein? | 44 |
| 5.2.5 | Warum habe ich Prüfungsangst? | 46 |
| 5.2.5.1 | Das Zitronen-Experiment | 47 |
| 5.2.5.2 | Das ABC der Gefühle | 49 |
| 5.2.6 | Umdenken! | 51 |
| 5.3 | Unterrichtseinheit II | 56 |
| 5.3.1 | Prüfungsvorbereitung | 56 |
| 5.3.1.1 | Effektives Lernen | 57 |
| 5.3.1.1.1 | Lern- bzw. Arbeitsplatz | 57 |
| 5.3.1.1.2 | Pausen sind wichtig! | 60 |
| 5.3.1.1.3 | Lernen muss geplant werden! | 63 |
| 5.3.1.1.4 | Lerntypen und Lernmethoden | 66 |
| 5.3.1.1.5 | Merkfähigkeit | 70 |
| 5.3.1.2 | Prüfungstipps | 73 |
| 5.3.1.2.1 | Verhalten kurz vor der Prüfung | 73 |
| 5.3.1.2.2 | Entspannung | 76 |
| 5.3.1.2.3 | Was mache ich bei einem Blackout? | 79 |
| 5.3.1.2.4 | Talisman als Hilfe | 81 |
| 5.3.2 | Positiv vorstellen | 82 |
| 5.3.3 | Feedback von den Teilnehmerinnen | 83 |
| 6. | Schlusswort | 84 |
| 7. | Danksagung | 85 |
| 8. | Quellenverzeichnis | 86 |
| 9. | Abbildungsverzeichnis | 90 |
| 10. | Anhang | 91 |
| 10.1 | Hausaufgabe | 91 |
| 10.2 | Arbeitsblätter | 93 |
| 10.2.1 | Gespräch von Ludmila und Fatma | 93 |
| 10.2.2 | Umdenken! | 96 |
| 10.2.3 | Arbeitsplatz | 97 |
| 10.2.4 | Pausen | 99 |
| 10.2.5 | Wochenplan | 100 |
| 10.2.6 | Verhalten kurz vor der Prüfung | 101 |
| 10.2.7 | Gedankenstopp | 102 |
| 10.2.8 | Progressive Muskelentspannung | 103 |
| 10.2.9 | Fantasiereise | 105 |
| 10.2.10 | Blackout | 107 |
| 10.3 | Karten ‘Umdenken lernen’ | 108 |
| 10.4 | Lerntyp bestimmen | 110 |
| 10.5 | Lernkartei | 111 |
| 10.6 | Übersicht ‘Besser Lernen’ | 112 |
| 10.7 | Übersicht ‘Lerntypen’ | 113 |
| 10.8 | Interviewleitfaden | 114 |
| 10.9 | Interviews | 114 |
| 10.9.1 | Interview mit Frau Inge Mirzabak (18.01.2010) | 114 |
| 10.9.2 | Interview mit Dozentin A (18.01.2010) | 129 |
| 10.9.3 | Interview mit Frau Claudia Böschel (04.02.2010) | 136 |
Textprobe:
Kapitel 3.7, Migration und (Prüfungs-) Angst:
Deutschland ist ein Land mit einer hohen Einwanderungsquote. 2004 liegt der Anteil an ausländischen Mitbürgern bei fast neun Prozent. Gründe, warum diese Menschen ihre Heimat in Deutschland gefunden haben, sind sehr unterschiedlich: MigrantInnen zweiter oder dritter Generation, eingebürgerte AusländerInnen, (Spät-) AussiedlerInnen oder illegal Eingereiste. Migration ist demnach ein sehr ausgedehnter Begriff und hat viele Facetten. Assion definiert:
‘Unter dem Begriff der Migration werden sehr unterschiedliche Lebensschicksale mit äußerst heterogenen Bedingungen, Motivationen und Erfahrungen zusammengefasst, die lediglich als dünne Gemeinsamkeit haben, nicht der Mehrheitsgesellschaft anzugehören, sondern primär aus einer Region, einem anderen Land bzw. einem anderen kulturellen Umfeld zu kommen’.
Dadurch ist es in der Migrationsforschung schwer, generelle Aussagen über MigrantInnen vorzunehmen, denn Einwanderungsmotive, Erwartungen und individuelle Ressourcen sind sehr unterschiedlich. Zwar gibt es Untersuchungen und allgemeine Ergebnisse, dennoch wäre es zusätzlich sinnvoll jede dieser Migrantengruppen zu erforschen. Auch im Hinblick auf Migration und Angst gibt es dieses Problem. Eine allgemeine Erkenntnis, welche kulturellen Einflüsse (Prüfungs-) Angst fördern oder verringern, gestaltet sich schwer.
Kirkcaldy et al. schreiben, dass Migration als ein kritisches Lebensereignis gilt. Die neuen Lebensbedingungen überfordern die bisher erlernten Anpassungsfähigkeiten, Bewältigungs- und Problemlösungsstrategien. Es können dabei Angstzustände, somatoforme und depressive bzw. dissoziative Symptome entstehen. Es ist nachvollziehbar, wenn MigrantInnen vermehrt Angst vor Neuem haben würden und einer Deutschprüfung ängstlicher als Nicht-MigrantInnen entgegenblicken. Vielleicht sind einige MigrantInnen auch bereits mit ihrem Migrationshintergrund überfordert und empfinden die Prüfung als zusätzlichen Stressfaktor, der vermehrt Angst bewirken könnte. Kirkcaldy et al. sind sich einig, dass Stress in Verbindung mit Migration häufig auf wirtschaftliche und berufliche Belastungen zurückgeht.
Angst kann viele Ursachen haben. Alleine das Herkunftsland und die jeweiligen Normen und Werte können Charaktereigenschaften wie Ängstlichkeit beeinflussen. Prahl und Weiß weisen darauf hin, dass nicht nur die Prüfungssituation, sondern auch die Sozialisation und die Erziehung Prüfungsangst beeinflussen können.
‘Leistungsmotivation und Angst als entscheidende Determinanten von Prüfungsangst sind im hohen Maße von den frühkindlichen erfahrenen Sozialisationsprozessen (…) abhängig’.
Erziehungsstile und Sozialisation sind je nach sozioökonomischem Status der Eltern unterschiedlich. Folglich ist (Prüfungs-) Angst nicht nur von persönlichen Charaktereigenschaften, sondern auch von der sozialen Herkunft der Familie geprägt. Die unterschiedlichen Herkunftsländer und somit die verschiedenen Kulturen mit ihren Erziehungsstilen, Werten und Normen, sind demnach unumgängliche und bedeutsame Gesichtspunkte, die mit der Prüfungsangst zusammenhängen. In der westlichen Gesellschaft ist es zum Beispiel eher akzeptiert, wenn Mädchen Angst zeigen – Jungen dagegen sollen mutig sein und die Beschützerrolle einnehmen. Mädchen werden daher eher zu Ängstlichkeit erzogen. Das heißt, in welcher Gesellschaft und in welcher Schicht eine Person aufgewachsen ist, wird sich stets auf Denken und Handeln auswirken.
Dong et al. untersuchten im Jahre 1994 Kinder und Jugendliche aus China und den westlichen Ländern auf Angst. Sie stellten fest, dass eine größere Angst bei Kindern aus China vorherrschte. Als denkbarer Grund für die erhöhte Angst vor sozialen Beurteilungen wurde der Erziehungsstil genannt.
Eng im Zusammenhang mit der Prüfungsangst, steht auch das Selbstwertgefühl des Prüflings. Menschen, die ihre bisherigen Misserfolge mit einer persönlichen Niederlage verbinden, haben es schwer an sich und ihre Fähigkeiten zu glauben. Die Angst davor, Prüfungen nicht zu schaffen vergrößert sich. Ein Ansatz für mögliche Erkennt-nisse, ob MigrantInnen mehr oder weniger Prüfungsangst ‘erlernt haben’, könnte mit dem Zusammenhang von Selbstwertgefühl und dem Migrationshintergrund herausgefunden werden. Dabei darf das jetzige Umfeld mit seinen Einflüssen nicht außer acht gelassen werden.
Kirkcaldy et al. stellen noch eine andere interessante Theorie vor. Ein Phänomen, das ‘healthy migrant effect’ (Gesunde-Einwanderer-Effekt) genannt wird. Menschen, die stark genug sind auszuwandern (Migration aus eignem Willen), sind von Grund auf robuster und körperlich sowie psychisch widerstandsfähiger. Das würde bedeuten, dass sie vielleicht doch keinen Nachteil aus der Migration ziehen würden.
Einige Untersuchungen zeigten, dass Migranten sogar in einem besseren gesundheitlichen Zustand waren, als die nicht-eingewanderte Bevölkerung. Andere Forschungen ergaben, dass der Grund für die gute gesundheitliche Verfassung, auch die Migration in bessere Lebensverhältnisse sein kann. Doch das Befinden verändert sich im Laufe des Aufenthalts. Der psychische Gesundheitszustand verschlechtert sich mit steigenden Aufenthaltsjahren. Risikoverhalten, Angst und Depressionen nehmen nach Aussagen von Untersuchungen zu.
Wiederum andere Forschungen zeigten eine Verbesserung der gesundheitlichen Verfassung bei einer sehr langen Aufenthaltsdauer, da sich der/die MigrantIn in die neuen Lebensverhältnisse eingelebt hat. Ein genauer Phasenverlauf konnte empirisch nicht nachgewiesen werden.
Da dies ein komplexes Thema ist, bei dem unterschiedlichste Faktoren eine Rolle spielen, kann im Rahmen dieses Konzeptes nicht präziser darauf eingegangen werden. Bei einer Untersuchung zur Prüfungsangst würden unter anderen folgende Faktoren wichtig sein:
- Herkunftsland; - Alter; Geschlecht; - Lebenslauf; - Aufenthaltszeit in Deutschland; - Gesellschaftliche Sozialisation; - Kulturelle Sozialisation; - Bildungssozialisation; - Lernpotenzial; Lernvoraussetzungen; Lerntraditionen; Motivation; - (Sprach-) Lernerfahrung; Prüfungserfahrungen; - Schulbildung/Berufsausbildung (Berufswunsch, Zugang zur Bildung); - Rolle, die in der aufnehmenden Gesellschaft eingenommen wird und Erwartungen des Umfeld (Familie, Freunde, Bekannte…); familiäre Situation; soziales Netzwerk; - Psychische Belastung und Probleme auf Grund der Migration; Problembewältigungsstrategien; - Elterliche Erziehung/Elterliche Einstellungen zu Leistung; - Religion; - Selbstkonzept; Persönlichkeitsmerkmale; - Gesundheitliche Verfassung; Zugang zur medizinischen Versorgung.
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http://www.diplom.de/ean/9783842803268
Arbeit zitieren:
Schläger, Johanna Juni 2010: Entwicklung eines Konzepts für ein Prüfungsangstseminar für Teilnehmerinnen eines Integrationskurses, Hamburg: Diplomica Verlag
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Prüfungsangst, Migrantinnen, Erwachsenenbildung, Seminar, Integration



