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Die Entwicklung des Einzelhandels im Kontext des Ladenschlussgesetzes

Öffnungszeiten und ihre Auswirkungen aus Sicht der verschiedenen Interessengruppen

Die Entwicklung des Einzelhandels im Kontext des Ladenschlussgesetzes
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Gärtner
  • Abgabedatum: April 2004
  • Umfang: 118 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Berufsakademie Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8264-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8264-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8264-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gärtner, Stefan April 2004: Die Entwicklung des Einzelhandels im Kontext des Ladenschlussgesetzes, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Handel, Beschäftigte, Ladenöffnungszeiten, Käuferverhalten, Kunden

Diplomarbeit von Stefan Gärtner

Zusammenfassung:

Das Thema Ladenöffnungszeiten im Einzelhandel ist eines der kontrovers diskutiertesten Themen in der deutschen Öffentlichkeit. Im Unterschied zu anderen Wirtschaftssektoren, wie Industrie, Handwerk und dem Großhandel, ist es dem stationären Einzelhandel in der Bundesrepublik Deutschland verwehrt, frei über seine Geschäftszeiten zu entscheiden.

Wie kaum ein anderer Bereich wird das Ladenschlussgesetz von einer angeregten und nicht selten emotional geführten Diskussion begleitet. Es gibt kaum jemanden, der dieser Thematik gleichgültig gegenübersteht. Dies liegt vor allem daran, weil die betroffenen Interessengruppen, insbesondere Einzelhändler, Verkaufspersonal, Verbraucher und Politiker weite Teile der Bevölkerung repräsentieren. Es ist leicht nachvollziehbar, dass die Befürworter der Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten ebenso wie deren Gegner über ein umfangreiches Reservoir an Erklärungen verfügen, um die jeweilige Position zu untermauern.

Im europäischen Vergleich hat Deutschland, neben Österreich, die starrsten Regelungen. Mit verantwortlich sind neben der Reformträgheit der Bevölkerung und Politik die sehr differenzierten Auffassungen der betroffenen Personengruppen. Die Interessen der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der Verbraucher lassen sich nur schwer auf einen Nenner bringen. Der eine verlangt nach gleichen Wettbewerbschancen, eine andere Gruppe verlangt erweiterte Öffnungszeiten und wieder eine andere Gruppe möchte eine Verringerung der Arbeitszeit durchsetzten.

Gerade die Zielsetzung der Wettbewerbsneutralität durch das Ladenschlussgesetz ist mehr als widersprüchlich. Auf der einen Seite gibt es eine Vielzahl von Ausnahmeregelungen, die auf Landesebene beschlossen werden. Andererseits können alle Betriebsformen des Einzelhandels, die mit den Verkaufsstellen im Sinne des Ladenschlussgesetzes konkurrieren, aber nicht in seinen Geltungsbereich fallen (z. B. der Versandhandel und sämtliche Formen des Electronic Commerce), ihre Angebotszeiten frei und ohne Reglementierung festlegen.

Durch die ständige Weiterentwicklung in der Wirtschaft als auch in der Gesellschaft ist es notwendig, einmal eingegangene Kompromisse von Zeit zu Zeit zu überdenken, um den Fortschritt nicht zu verschlafen. Sowohl Einkommen und Wohlstand als auch die Ansprüche der Menschen wachsen. Das Einkaufen wird immer mehr zu einem Erlebnis, zu einer Art Freizeitbeschäftigung. Viele dieser Wandlungen, die sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite betreffen, waren beim Zustandekommen des Ladenschlussgesetzes 1956 nicht absehbar. Im Laufe der Zeit war es also wiederholt notwendig, die Regelungen dieses Gesetzes auf ihre Sinnhaftigkeit hin zu überprüfen und zu revidieren. Selbst ehemals nützliche Standards erweisen sich als drückendes Korsett, wenn sie sich nicht an neue Gegebenheiten anpassen.

Der Einzelhandel von heute steht nicht nur in einer internen Konkurrenz, sondern daneben im direkten Wettbewerb zu anderen Wirtschaftszweigen. Heute deckt der Einzelhandel nicht mehr nur die Grundbedürfnisse. Vielmehr geht es darum, die Kaufkraft der Bevölkerung zu wecken und zu binden, die ansonsten andere Wirtschafszweige wie etwa Touristik und die sogenannte Freizeitindustrie abschöpfen.

Im Rahmen dieser Arbeit wird dargestellt, wie sich der Einzelhandel entwickelt hat und welchen Einfluss die Novellierungen des Ladenschlussgesetzes in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft auf die betroffen Gruppen hat.

Eingangs, im allgemeinen Teil der Arbeit, stellt der Autor die Grundlagen und Geschichte des Ladenschlussgesetzes dar. Seine Entwicklung, Widersprüchlichkeit und die Rahmenbedingungen für den deutschen Einzelhandel werden erörtert. Nach der Einführung und Sensibilisierung für das Thema werden die verschiedenen Interessengruppen näher beleuchtet.

Als erstes stehen die Beschäftigten im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Arbeitsbedingungen, Strukturen und Veränderungen für die Arbeitnehmer im Zusammenhang mit der Gesetzesnovellierung werden geschichtlich und aktuell vorgestellt und beurteilt. Die gesammelten Ergebnisse werden am Beispiel der Extra-Verbrauchermärkte belegt.

Die zweite Interessengruppe stellt der Einzelhandel selbst dar. Seine Struktur, Branchenentwicklungen und unterschiedlichen Interessen stehen hier im Vordergrund. Wie sich der Einzelhandel seit 1950 und speziell in den 90er Jahren bis heute entwickelt hat und welche Rolle die Öffnungszeiten dabei spielen wird sachlich analysiert. Am Exempel der Extra-Verbrauchermärkte werden Veränderungen durch die letzte Liberalisierung dargestellt.

Die Verbraucher bilden die dritte große Interessengemeinschaft. Auf das Ausgabeverhalten, die Einkaufsgewohnheiten und die Einstellung der Kunden zu geänderten Öffnungszeiten wird primär eingegangen.

Der Darstellung, welcher Zusammenhang zwischen dem Ladenschlussgesetz und den Anforderungen an den heutigen Städtebau bestehen, folgt ein Vergleich mit den Ladenöffnungszeiten im europäischen Ausland.

Im Resümee fasst der Autor die aufgezeigten Entwicklungen und Forderungen zusammen. Unter Berücksichtigung aller Interessengruppen werden Schlussfolgerungen für die Entwicklung des Einzelhandels in Deutschland gezogen, sowie Erwartungen für die Zukunft formuliert.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis V
1. EINLEITUNG 1
2. Geschichte und Meilensteine des Ladenschlussgesetzes 4
3. Die Kaufhof Klage 8
4. Rahmenbedingungen in Deutschland 9
5. Die Interessengruppe Beschäftigte 11
5.1 Der generelle Trend der Beschäftigungsentwicklung 12
5.2 Die Beschäftigungsentwicklung nach der Ladenschlussänderung 1996 13
5.3 Die Entwicklung von 1999 bis Heute 14
5.4 Veränderungen für die Beschäftigten des Einzelhandels 15
5.5 Die Mitarbeiterstruktur der Extra-Verbrauchermärkte 17
5.6 Änderungen der Arbeitszeit und Arbeitszeitsysteme 19
5.7 Der Verlust von Zeitsouveränität und Lebensqualität 21
5.8 Zwischenfazit für die Beschäftigten 23
6. DIE INTERESSENGRUPPE EINZELHANDELSBRANCHE 24
6.1 Geschichte und Strukturwandel des Einzelhandels 24
6.2 Entwicklungen der letzten 10 Jahre 27
6.3 Die Einzelhandelsentwicklung nach der Ladenschlussänderung 1996 29
6.4 Entwicklungen nach der Ladenschlussänderung 2003 32
6.5 Die Auswirkungen am Beispiel der Extra-Verbrauchermärkte 36
6.6 Zwischenfazit für den Einzelhandel 39
7. DIE INTERESSENGRUPPE VERBRAUCHER 41
7.1 Die Meinung der Verbraucher zu liberalen Öffnungszeiten 41
7.2 Meinung der Verbraucher zum längeren Samstag und dem Sonntag als Einkaufstag 44
7.3 Der Wandel der Konsumgewohnheiten 46
7.4 Zwischenfazit für die Verbraucher und die Anforderungen an den Handel 47
8. DER ZUSAMMENHANG VON STADTENTWICKLUNG UND LADENSCHLUSS 52
9. Die Ladenöffnungszeiten im Vergleich zum Ausland 55
10. Fazit und Konsequenzen für die Zukunft des Ladenschlussgesetzes 59
Literaturverzeichnis VI
Internetverzeichnis XI
Ehrenwörtliche Erklärung XV

Automatisiert erstellter Textauszug:

48 2002 bereits ein Umsatzverlust von 2% zu verzeichnen war. Während die Gesamtverkaufsfläche um einen weiteren Prozentpunkt auf ca. 111 Millionen m² ausgeweitet wurde, sank die Zahl der Beschäftigten um ca. 60.000 Personen.172 Die Unternehmensgröße hat im ersten Halbjahr 2003 keine maßgebliche Rolle für den Unternehmenserfolg gespielt. Unternehmen in der niedrigsten Umsatzgrößenklasse gehörten genau so häufig zu den Umsatzgewinnern und Umsatzverlierern wie die der nachfolgenden Größenklassen. Lediglich Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz haben signifikant besser abgeschnitten als die übrigen Gruppen.173 Die verlängerte Ladenöffnungszeit stieß im Sommer auf unterschiedliche Resonanz. Obwohl sich fast die Vertreter von für Handelseine und Wirtschaftsverbänden Mitglieder.174 Viele Einzelhändler standen der Ausweitung der Samstagsöffnung sehr skeptisch gegenüber. Sie befürchteten, wie schon durch die Änderungen im Jahr 1996, lediglich Mit Mehrbelastungen der durch Betriebsdie und Personalkosten. Wie bei den Umsatzsteigerungen Änderungen des längere ausnahmslos erweiterte [...]

47 Neben diesen Trends ist in den Citylagen der Großstädte ein Substitutionsprozess von traditionellen Fachgeschäften zu filialisierten Betrieben mit zunehmender Uniformität des Angebotes zu beobachten. Die Individualität der Stadtzentren geht auf Kosten der Rentabilität und Homogenität des Angebotes verloren.169 Diese genannten Substitutionsprozesse tragen verstärkt zum Abbau von Arbeitsplätzen bei. Der Verlagerungsprozess von kleinen Fachgeschäften hin zu großflächigen Märkten ist auch eine Verlagerung von personalintensiven zu weniger personalintensiven Betriebsformen. Der Personalkostenanteil am Umsatz beträgt im traditionellen Fachhandel rund 20%. Großflächige Betriebsformen liegen bei 7 bis 10% Personalkosten.170 Hier wird deutlich, das im Verdrängungswettbewerb der Branche Personal durch Fläche substituiert wird. Dadurch sinkt auch die Beratungsqualität und Dienstleistungsintensität in den Geschäften. [...]

Öffnungszeiten setzte sich der wettbewerbsbedingte Entwicklungstrend der Branche fort.166 In der Folge sind Wechselwirkungen zwischen der Begünstigung von Betriebsformen und regionalen Lagen zu erkennen. Von der Umsatzverlagerung an den Stadtrand werden ausschließlich großflächige Betriebsformen begünstigt. Die eindeutigen Verlierer waren in der Kombination kleine Fachhandelsgeschäfte in dezentralen Stadtlagen, kleinen Städten und Gemeinden.167 Generell ist die Inanspruchnahme verlängerter Öffnungszeiten von immer den gleichen Faktoren bestimmt: • • • • • • je größer die Stadt desto größer der Anteil der Geschäfte in den Citylagen, welche die neuen Öffnungszeiten nutzten; je größer die Stadt desto größer der Anteil der Kunden, welche die längeren Öffnungszeiten in Anspruch nahmen; je größer die Zahl der Beschäftigten desto länger öffneten die Geschäfte; je größer die Zahl der Beschäftigten desto häufiger waren Umsatzgewinne und je seltener Umsatzverluste zu verzeichnen; je näher die Geschäfte am Stadtkern lagen desto länger öffneten sie; je größer die Verkaufsfläche desto höher die Bereitschaft länger zu öffnen.168 [...]

Arbeit zitieren:
Gärtner, Stefan April 2004: Die Entwicklung des Einzelhandels im Kontext des Ladenschlussgesetzes, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Handel, Beschäftigte, Ladenöffnungszeiten, Käuferverhalten, Kunden

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