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Entwicklung eines Echtzeit-Ausbildungs-Simulators für Fermentationen in Rührkesselreaktoren

Entwicklung eines Echtzeit-Ausbildungs-Simulators für Fermentationen in Rührkesselreaktoren
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bernd C. Bodenschatz
  • Abgabedatum: März 2002
  • Umfang: 141 Seiten
  • Dateigröße: 2,4 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Jena Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5529-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5529-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5529-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bodenschatz, Bernd C. März 2002: Entwicklung eines Echtzeit-Ausbildungs-Simulators für Fermentationen in Rührkesselreaktoren, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Virtueller Bioreaktor, Fermentation, Ausbildungssimulator, Biotechnologie, Saccharomyces Cerevisiae

Diplomarbeit von Bernd C. Bodenschatz

Einleitung:

Ein wesentlicher Bestandteil der biotechnischen Ausbildung sind aufwändige und teure Kultivierungsexperimente. Um Schülern, Auszubildenden und Studierenden den Zugang zu diesen komplexen Experimenten zu erleichtern, können Simulationsexperimente in die Ausbildung integriert werden.

Das Ziel dieser Arbeit war es, einen Simulator zur Echtzeitsimulation von Kultivierungs- und Fermentationsprozessen in begasten Rührkesselreaktoren zu entwickeln.

Das entwickelte modulare mathematische Modell besteht aus verschiedenen Teilmodellen, die auf bereits experimentell verifizierten Gesetzmäßigkeiten basieren. Die Teilmodelle bestehen im wesentlichen aus Bilanzgleichungen, aus phänomenologischen Beziehungen, aus Korrelationen zur Modellierung von Stoffeigenschaften und aus Kinetiken.

Das Gesamtmodell beinhaltet u.a. Wärmedurchgang, mikrobielle Wärmeentwicklung, Stoffeigenschaften als Funktion der Prozesstemperatur, Sauerstoffübergang als Funktion von Begasung und Rührerdrehzahl, Insitu-Sterilisation und Schaumbildung sowie die realistische (verrauschte) Darstellung der Online- und Offline-Daten.

Das biologische Teilmodell basiert auf einem neu entwickelten massenbilanzierten Modell zur Beschreibung des Wachstums von Saccharomyces cerevisiae. Es berücksichtigt das aerobe und anaerobe Wachstum auf Glucose, das aerobe Wachstum auf Ethanol, den Crabtreeeffekt, den Pasteureffekt und die Katabolitrepression unter Anwesenheit von Ethanol.

Um den Entwurf von Regelungs- und Prozessführungskonzepten zu ermöglichen, wurde das Modell in das Prozessleitsystem WinErs implementiert.

Mit dem so entstandenen Simulator können alle wichtigen verfahrenstechnischen und biologischen Effekte einer Fermentation sehr realistisch in Echtzeit abgebildet werden. Der Simulator eignet sich sehr gut, um Lernenden biotechnische Produktionsprozesse näher zu bringen. Wegen seiner Modularität ist es möglich, den Simulator leicht an real existierende Prozesse anzupassen, um z.B. auch Anlagenpersonal zu schulen.

Die in der Studie erwähnte CD ist nicht im Lieferumfang enthalten, da sie für das Verständnis der Studie nicht notwendig ist.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Zieldefinition 6
3. Realisierung 6
4. Grundlagen 7
4.1 Grundlagen der Simulationstechnik 7
4.1.1 Simulation bioverfahrenstechnischer Prozesse 8
4.1.2 Schulungs- und Trainingssimulatoren 9
4.1.3 Anforderungen an die Echtzeitsimulation 10
4.1.4 Grundlagen zu WinErs 10
4.2 Aufgaben des Rührkesselreaktors 15
4.2.1 Leistungseintrag in homogener Flüssigkeit 16
4.2.1.1 Pneumatischer Leistungseintrag in homogener Flüssigkeit 16
4.2.1.2 Rührleistung in homogener Flüssigkeit 17
4.2.2 Sauerstoffeintrag in Fermentationsbrühen 18
4.2.2.1 Vorgänge an der Phasengrenze gasförmig/flüssig – Zweifilmtheorie 19
4.2.2.2 Stoffaustausch in dispersen Gas/Flüssigsystemen 20
4.2.2.3 Reinsauerstoffbegasung und Erhöhung des Gesamtdruckes im System 21
4.2.3 Grundlagen der Wärmeübertragung 22
4.2.3.1 Wärmeleitung 23
4.2.3.2 Konvektiver Wärmetransport 23
4.2.3.3 Wärmestrahlung 23
4.2.3.4 Wärmedurchgang 23
4.2.4 Schaumentstehung und Schaumbekämpfung am Rührkesselreaktor 24
4.3 Stand des Wissens zu Saccharomyces cerevisiae 25
4.3.1 Physiologie von Saccharomyces cerevisiae 25
4.3.2 Stoffwechsel von Saccharomyces cerevisiae 26
4.3.2.1 Stofftransport durch die Zellmembran 27
4.3.2.2 Oxidativer Stoffwechsel auf Glucose 27
4.3.2.3 Oxidativer Stoffwechsel unter Crabtreeeffekt 27
4.3.2.4 Oxidativer Stoffwechsel auf Ethanol 28
4.3.2.5 Pasteureffekt, reduktiver Stoffwechsel auf Glucose 28
5. Modell 30
5.1 Modell zur Volumenbilanz 31
5.2 Modell zum Leistungseintrag in homogener Flüssigkeit 34
5.2.1 Modell zum pneumatischen Leistungseintrag in homogener Flüssigkeit 34
5.2.2 Modell zum Rührerleistungseintrag in homogener Flüssigkeit 34
5.2.3 Modell zum Rührerleistungseintrag in homogener, begaster Flüssigkeit 36
5.2.4 Rührerleistungseintrag bei Überflutung des Rührwerkes 38
5.3 Modell zum volumenbezogenen Stofftransportkoeffizienten kLa 40
5.3.1 Korrelationsgleichung für den kLa-Wert bei gerührten und begasten Rührkesselreaktoren 41
5.3.2 Korrelationsgleichung für den kLa-Wert bei Blasensäulenbetrieb 42
5.4 Modell zum Wärmehaushalt 43
5.4.1 Wärmebilanz 43
5.4.2 Temperaturverläufe der Medien im Bioreaktor und im Temperiermantel 44
5.4.3 Wärmedurchgang 45
5.4.3.1 Mittlere logarithmische Temperaturdifferenz 45
5.4.3.2 Volumenabhängige Wärmeaustauschfläche 46
5.4.3.3 Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten 46
5.4.3.3.1 Wärmeübergang an die äußere Behälterwand 47
5.4.3.3.2 Wärmeübergang an die innere Behälterwand 48
5.4.4 Verlustwärmeströme 51
5.4.4.1 Verlustwärmestrom über den Reaktordeckel 51
5.4.4.2 Verlustwärmestrom über den Temperieraußenmantel 53
5.4.5 Edukt- und Produktwärmestrom, Wärmeträgerströme 54
5.4.6 Sonstige Wärmeströme 55
5.4.7 Einfluss der Temperatur des Fermentermediums auf das Gesamtmodell 55
5.4.7.1 Temperatureffekte auf das Zellwachstum 55
5.4.7.2 Sauerstofflöslichkeit als Funktion der Temperatur 56
5.4.7.3 kLa-Wert als Funktion der Temperatur 57
5.4.7.4 Physikalische Eigenschaften des wässrigen Mediums als Funktion der Temperatur 57
5.4.7.5 Physikalische Eigenschaften des Wärmeträgers als Funktion der Temperatur 59
5.4.7.6 Physikalische Eigenschaften der Luft als Funktion der Temperatur 60
5.4.7.7 Dampfdruck von Wasser als Funktion der Temperatur 61
5.5 Modell zur Schaumbildung 62
5.6 Modell zum Wachstum von Saccharomyces cerevisiae 65
5.6.1 Biotransformation 66
5.6.2 Energiestoffwechsel 67
5.6.3 Wachstumskinetik 67
5.6.4 Metabolitumsatzraten 70
5.6.5 Stoffbilanzen der Gas- und Flüssigphase 75
5.7 Beschleunigte Berechnung der Differentialgleichungssysteme 77
5.8 Verrauschen der Ausgangssignale, realistische Signaldarstellung 77
6. Simulation und Diskussion der Ergebnisse 78
6.1 Simulation des Rührerleistungseintrages und des Gasleistungseintrages 78
6.1.1 Einfluss der Prozesstemperatur auf den Rührerleistungseintrag 78
6.1.2 Simulation des Rührerleistungseintrages und des Gasleistungseintrages bei Begasung 79
6.1.3 Vergleich zwischen gemessener Antriebsleistung und simulierter Rührerleistung 80
6.2 Simulation des Sauerstoffüberganges 81
6.2.1 Verhalten des kLa bei Überflutung des Rührwerkes 81
6.2.2 Berechnung der Überflutungscharakteristik des 6-Blattscheibenrührers 82
6.2.3 kLa-Wert als Funktion der Rührerdrehzahl und der Begasungsrate 83
6.2.4 Einfluss der Prozesstemperatur auf den Sauerstoffübergang 84
6.3 Simulation des Wärmedurchganges und der Sterilisation 85
6.3.1 Einfluss der Flowrate des Temperiermantels auf den Wärmedurchgang 85
6.3.2 Einfluss der Rührerdrehzahl und der Begasungsrate auf den Wärmedurchgang 86
6.3.3 Sterilisation des Rührkesselreaktors 87
6.3.4 Einfluss verschiedener Eingangsvariablen auf den Temperaturverlauf im Reaktor 89
6.3.5 Wachstumsgeschwindigkeit der Kultur bei Temperaturabweichungen von der Idealtemperatur 90
6.4 Schaumverhalten beim Betrieb 91
6.5 Verifikation des Biologischen Modells 92
6.6 Interaktion zwischen Biologischem Modell und technischen Teilmodellen 93
6.6.1 Einfluss der Prozesstemperatur bei der Batchkultivierung 93
6.6.2 Einfluss der Zufütterungsrate auf den Kultivierungsverlauf bei ungeregelter Prozesstemperatur 95
6.6.3 Einfluss unterschiedlicher Verdünnungsraten auf den Kultivierungsverlauf 96
6.6.4 Vollständige Dokumentation einer (simulierten) Kultivierung 99
6.7 Prozessvisualisierung 103
6.7.1 Ansicht des Rührkesselreaktors während der Simulation 104
6.7.2 Dokumentationsseite 109
7. Zusammenfassung 111
8. Ausblick 113
9. Literaturverzeichnis 115
10. Abbildungsverzeichnis 123
11. Nomenklatur Rührkesselreaktormodell 125
12. Nomenklatur Biologisches Modell 133
13. Antrag auf Ausgabe des Diplomthemas 135
14. Erklärung 136
15. Anhang (auf CD) 137
15.1 Quellcode des Modells 137
15.2 Verwendeter Parametersatz 137

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die physikalischen Eigenschaften des angenommenen Wärmeträgers im Temperiermantel sind ebenfalls temperaturabhängig. Im Gegensatz zu dem häufig in der Bioverfahrenstechnik verwendeten Wärmeträger Wasser, wurde im vorliegenden Modell das Isomerengemisch Dowtherm J verwendet [The Dow Chemical Company; 2001]. Dowtherm J bietet gegenüber Wasser den Vorteil, bis Temperaturen weit über 450 K in flüssiger Form vorzuliegen. Es eignet sich daher auch zur Simulation einer Sterilisation. Gleichzeitig besteht durch die Verwendung von Dowtherm J die Möglichkeit, das vorhandene Teilmodell „Wärmehaushalt“ ohne nennenswerte Änderungen zur Simulation chemischer Verfahrensprozesse (z.B. Polymerisation o.ä.) zu nutzen. Im Gegenteil zu anderen Wärmeträgern zeigt Dowtherm J bei Prozesstemperaturen um 300 K ähnliche Fließeigenschaften wie Wasser, Dowtherm J ist weder toxisch noch wassergefährdend, es eignet sich deshalb als Wärmeträger in biotechnischen Prozessen. Für die Ermittlung der entsprechenden Funktionen wurde wie unter 5.4.7.4 beschrieben verfahren. Die unten aufgeführten Funktionen besitzen Gültigkeit im Intervall von 273,15 K bis 450 K. [...]

Untersuchungen des Wärmeüberganges in gerührten begasten Systemen zeigen, dass bei Vorliegen einer homogenen Blasenströmung nur bei kleinen Rührerdrehzahlen eine wesentliche Erhöhung des Wärmeüberganges mit steigender Leerrohrgeschwindigkeit erreicht werden kann. Bei höheren Rührerdrehzahlen verbessert sich der Wärmeübergang nur noch geringfügig und er kann sich bei sehr hohen Drehzahlen mit steigender Leerrohrgeschwindigkeit sogar verschlechtern. Die gasförmige Phase wird öfter durch einen Gasverteiler, z. B. Begasungsring, unter dem Rührer der Flüssigkeit zugeführt. Bei der Verwendung eines Scheibenblattrührers wird das Gas durch die Scheibe des Rührers in den Bereich hoher Schergeschwindigkeit geleitet und dort in Form von kleinen Blasen dispergiert. Daher sind die Scheibenrührer für das Gasdispergieren sehr geeignet. Nach [Kurpiers, P.; 1985] gilt für den Wärmeübergang an die innere Behälterwand eines Rührbehälters mit vier Strombrechern bei Verwendung eines Scheibenrührers üblicher Ausführung und eines Begasungsringes: [...]

Wird der Rührkesselreaktor begast, gleichzeitig gerührt und wird dabei der Überflutungspunkt nicht erreicht, kann der kLa-Wert wie für Standardrührkesselreaktoren modelliert werden. Weitere Strömungszustände im Reaktor wurden bei der Modellierung des kLa-Wertes nicht berücksichtigt. Die zunächst angedachte Modellierung des volumenbezogenen Stofftransportkoeffizienten bei ausgeschaltetem Rührer oder bei Oberflächenbegasung (Modell der aufgerauten Oberfläche) musste verworfen werden, weil zur Modellierung des pO2-Wertes immer ein definierter Gasvolumenstrom vorliegen muss. Für die Berechnung des kLa bei Trombenbildung konnten in der Literatur keine Gleichungen recherchiert werden. Für die folgenden Korrelationen wird vorausgesetzt, dass die Fermentationsbrühe koaleszenzhemmendes Verhalten aufweist, die Konzentration an Ionen in der Brühe sowie die Konzentration an Antischaummittel wurde vernachlässigt. [...]

Arbeit zitieren:
Bodenschatz, Bernd C. März 2002: Entwicklung eines Echtzeit-Ausbildungs-Simulators für Fermentationen in Rührkesselreaktoren, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Virtueller Bioreaktor, Fermentation, Ausbildungssimulator, Biotechnologie, Saccharomyces Cerevisiae

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