Entwicklung, Ursachen und Interventionsmöglichkeiten agressiven Verhaltens im Vorschulalter
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Susann Leubauer
- Abgabedatum: Dezember 1999
- Umfang: 114 Seiten
- Dateigröße: 4,2 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Lausitz, Standort Cottbus Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2390-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2390-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2390-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Leubauer, Susann Dezember 1999: Entwicklung, Ursachen und Interventionsmöglichkeiten agressiven Verhaltens im Vorschulalter, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Reifeentwicklung, Agression, Agressivität, Vorschulalter
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Diplomarbeit von Susann Leubauer
Einleitung:
Aggressionen sind ein Problem, seit es Menschen gibt. Sie sind allgegenwärtig und jeder hat sie schon einmal verspürt oder erlebt. Somit kann man Aggressionen durchaus als ein Alltagsproblem verstehen.
"Aggression spielt in unserem Leben eine große Rolle, was für uns alle weitgehend sichtbar ist. Aggression ist, zusammen mit Sexualität und der Entwicklung des Selbst, der größte motivierende Faktor menschlichen Verhaltens und trägt bedeutend zur Entstehung innerer und geistiger Konflikte bei. Eltern haben die herausragende Möglichkeit und die große Verantwortung, das kreative und anpassungsfähige Potential von Aggression bei ihren Kindern zu fördern und diesen beizubringen, mit den destruktiven Aspekten möglichst konstruktiv umzugehen." In den Medien werden wir täglich mit Meldungen konfrontiert, die uns das Gewaltpotential junger Menschen, aber auch die Zunahme von Gewalt in unserer Gesellschaft überhaupt, vor Augen führen.
Eine hohe Gewalt- und Aggressionsbereitschaft von Kindern und Jugendlichen wird von allen negativen Verhaltensweisen am häufigsten genannt. Die Ergebnisse aktueller Umfragen belegen, dass im Bundesdurchschnitt bereits 5% der Drei- bis Sechsjährigen als gewalttätig und aggressiv gelten und sich immer mehr Jugendliche offen zur Gewaltanwendung bekennen.
Viele Wissenschaftler sind seit einiger Zeit darum bemüht, Erklärungen für die wachsende Aggressions- und Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen zu finden. Es gibt umfangreiche Veröffentlichungen, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen.
Aggressionen von Kindern werden von Eltern und Erziehern häufig als störend und bedrohlich erlebt. Wenn sich Kinder wütend, zerstörerisch, rücksichtslos, beleidigend und provokant verhalten, wenn sie Schlagen, Kneifen, Beißen, Treten, An-den-Haaren-Ziehen, Kaputtmachen, Wegnehmen usw., dann sind Erwachsene oft verunsichert und stehen diesem Problem hilflos gegenüber. Sie wissen nicht, wie sie mit der Aggressivität ihrer Kinder umgehen sollen. Der Umgang mit kindlicher Aggression stellt somit für Eltern und Erzieher eine der schwierigsten Aufgaben dar.
Gang der Untersuchung:
Mit meiner Diplomarbeit zum Thema: "Entwicklung, Ursachen und Interventionsmöglichkeiten aggressiven Verhaltens im Vorschulalter", möchte ich zu einem besseren Verständnis im Umgang mit diesen Kindern beitragen. Das Ziel meiner Arbeit soll darin bestehen, Möglichkeiten für hilfesuchende Eltern aufzuzeigen, wie sie eine gesunde Aggression fördern und die Probleme verhindern oder abschwächen können, die eine destruktive Aggression für Kinder, Eltern und die Gesellschaft schafft. Auf Möglichkeiten der Erziehungsberatungsstelle, als ein Anlaufpunkt für rat- und hilfesuchende Eltern, werde ich im Pkt. 7 näher eingehen. Um eine professionelle Anleitung der Eltern in der Erziehungsberatungsstelle zu ermöglichen, möchte ich folgenden Fragestellungen nachgehen:
Welche Erkenntnisse gibt es über Interventionsmöglichkeiten bei aggressivem Kindverhalten?
Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für Interventionsmaßnahmen? Wie müssten diese gestaltet sein, damit Familien effektiv geholfen werden kann?
Diesen Fragestellungen soll in den Punkten 2 bis 6 eine umfassende Betrachtung verschiedener Erkenntnisse über Grundlagen zum Thema Aggression (Begriff, Arten, Theorien), sowie über Entwicklung und Ursachen aggressiven Verhaltens vorausgehen. Ich halte es für unumgänglich, sich damit intensiver auseinander zu setzen, um kindliche Aggressionen verstehen und Hilfsangebote aufzeigen zu können. Nur wer begreift, was in einem Kind vorgeht, kann sich bspw. als Elternteil, Erzieher oder Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle vernünftig, konstruktiv und selbstbewusst verhalten und so das Kind "erreichen". Theoretische Kenntnisse und Erklärungswissen sind wichtige Voraussetzungen dafür.
Ich möchte mit meiner Diplomarbeit deutlich machen, dass ein konstruktiver Umgang mit Aggressionen viel zu einer ausgewogenen Entwicklung des Kindes beiträgt. Deshalb halte ich das von mir gewählte Thema für sehr bedeutsam, vielschichtig und diskussionswürdig.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Grundlagen zum Thema | 3 |
| 2.1 | Entwicklungsansätze für aggressives Verhalten im Vorschulalter | 3 |
| 2.1.1 | Zur allgemeinen Kennzeichnung der Reifeentwicklung im Vorschulalter | 3 |
| 2.1.2 | Reifestufen in der frühen Kindheit | 5 |
| 2.2 | Verhaltensstörungen | 18 |
| 3. | Erklärungsmodelle für aggressives Verhalten | 24 |
| 3.1 | Verhältnis von Aggression und Gewalt | 24 |
| 3.2 | Ärger, Wut, Zorn und Hass | 26 |
| 3.3 | Aggressionsarten | 28 |
| 3.4 | Die Aggressionstheorien | 30 |
| 3.4.1 | Triebtheorien | 30 |
| 3.4.2 | Frustrations-Aggressions-Theorie | 33 |
| 3.4.3 | Lerntheoretische Aggressionsmodelle | 34 |
| 4. | Entwicklung aggressiven Verhaltens | 39 |
| 4.1 | Allgemeine Aussagen zur Entwicklung | 39 |
| 4.2 | Erste Präliminarphase der Aggressivität: Phase der aggressionsaffinen Emotionen | 40 |
| 4.3 | Zweite Präliminarphase der Aggressivität: Trotzanfälle und Protoaggressionen | 41 |
| 4.4 | Phase der Aggressivitäts-Etablierung und -Differenzierung | 42 |
| 5. | Ursachen aggressiven Verhaltens im Vorschulalter | 49 |
| 5.1 | Allgemeine Aussagen zu den Ursachen | 49 |
| 5.2 | Physiologische Ursachen | 49 |
| 5.3 | Bedeutung von Familie und Erziehung für die Entwicklung aggressiven Verhaltens | 51 |
| 5.4 | Kindheit im gesellschaftlichen Wandel | 55 |
| 5.4.1 | Kindheit in neuen Lebensformen | 56 |
| 5.4.2 | Kindheit in der Konsumgesellschaft | 58 |
| 5.4.3 | Kindheit unter dem Einfluss von Medien | 59 |
| 6. | Gewalt und Aggression im Kindergarten - eine Herausforderung für Kinder und Pädagogen | 64 |
| 6.1 | Erscheinungsformen von Gewalt und Aggression im Kindergarten | 64 |
| 6.2 | Stellung und Bedeutung der Pädagogen | 66 |
| 7. | Interventionsmöglichkeiten bei aggressivem Kindverhalten in der Erziehungsberatungsstelle | 68 |
| 7.1 | Vorbetrachtung | 68 |
| 7.1.1 | Die Erziehungsberatungsstelle | 68 |
| 7.1.2 | Allgemeine Probleme | 69 |
| 7.1.3 | Kennzeichnung des Verhaltens aggressiver Kinder | 70 |
| 7.2 | Erziehung zur Friedfertigkeit - Förderung sozial angemessenen Verhaltens bzw. Minderung aggressiven Verhaltens in der Familie | 72 |
| 7.2.1 | Zum Begriff Friedenserziehung | 72 |
| 7.2.2 | Möglichkeiten der Erziehungsberatungsstelle | 74 |
| 7.3 | Aggressive Kinder in der Therapie | 79 |
| 7.3.1 | Allgemeine Aussagen zur Therapie | 79 |
| 7.3.2 | Training mit aggressiven Kindern | 81 |
| 8. | Schlussbetrachtung | 90 |
| Literaturverzeichnis | 93 | |
| Selbständigkeitserklärung | 96 | |
| Anlagen |
In der Familie, als primäre Sozialisationsinstanz, wird der Mensch zuerst und am eindringlichsten mit den Wert- und Normvorstellungen einer Gruppe von Menschen konfrontiert. Sie ist die erste soziale Gruppe mit der ein Kind in Berührung kommt, in die es hineingeboren wird und die sich das Kind nicht aussuchen kann. Das Kind erhält in der Familie eine Grundorientierung für das spätere Leben und es erfolgt eine Grundlegung seiner Persönlichkeit. Hier machen Kinder die prägendsten Erfahrungen ihres Lebens und die Erziehung hat hier ihre intensivste und dauerhafteste Wirkung. Wenn in den ersten Lebensjahren keine sichere Bindung (Urvertrauen) zwischen Kind und Eltern aufgebaut wird, dann kann dies Auswirkungen auf die weitere Entwicklung des Kindes haben (ausführlicher s. Pkt. 2.1.2). „Die Eltern beeinflussen die Einstellungen und das Verhalten ihrer Kinder im wesentlichen auf folgende Art und Weise: Sie bestimmen durch ihre Zuwendung oder Ablehnung die emotionale Grundorientierung ihres Kindes. Sie dienen als Modelle für die Nachahmung (Identifizierung), so daß die Kinder von ihnen Werte, Einstellungen, Verhaltensweisen übernehmen. Sie vermitteln den Kindern einen sozialen, ethischen und nationalen Kontext für ihr Denken und Handeln. Sie prägen durch ihre Beziehungen zueinander und zu den Kindern deren weitere Persönlichkeit. Nahezu alle Untersuchungen über die Ursachen von auffälligem, delinquentem, aggressivem Verhalten weisen auf die schwierigen Familienverhältnisse und die enormen Defizite dieser Kinder und Jugendlichen hin.“1 Ulrike Petermann fasst drei Bedingungen zusammen, die in der Erziehung für aggressives Verhalten eine Rolle spielen. So wird es 1.) vom Kind als stillschweigende Zustimmung aufgefasst und als Verstärkung erlebt, wenn Eltern aggressives Verhalten bei ihrem Kind dulden. Mit erhöhter Wahrscheinlichkeit führt die Verstärkung zu dem gleichen Verhalten. Zeigen Eltern 2.) selbst aggressives Verhalten, dann geben sie damit für ihr Kind ein Modell ab, das mit hoher Wahr1 [...]
Aggressives Verhalten kann viele Ursachen haben. Man geht heute davon aus, dass es keine einfachen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gibt, sondern dass sich mehrere Faktoren gegenseitig beeinflussen. Viele Wissenschaftler ziehen eine „systemische Sichtweise“ zur Erklärung heran. Andauerndes aggressives Verhalten kann danach auf Beziehungsstörungen oder unbefriedigte Bedürfnisse in der Familie und im weiteren Umfeld des Kindes aufmerksam machen. Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln weist ein aggressives Kind seine Umwelt darauf hin, dass etwas nicht in Ordnung ist.1 Nach Kusch und Petermann scheinen frühe Verhaltensstörungen primär in Abhängigkeit von Störungen der bio-psycho-sozialen Transaktionen zwischen Kind und sozialer Umwelt zu entstehen und weniger von spezifischen Ursachenfaktoren. Eine wichtige Rolle spielen hierbei bestimmte elterliche Erziehungspraktiken und insbesondere spezifische Interaktionsmuster.1 Aus einer Vielzahl von Faktoren, die sich als verantwortlich für die Herausbildung von Aggressionen gezeigt haben und die in Wechselwirkung stehen, möchte ich nun eine Auswahl treffen, die mir im Zusammenhang mit dem Vorschulalter als bedeutsam erscheint. [...]
Die individuellen Aggressivitäten scheinen nach dem 25. Lebensjahr allmählich abzunehmen und die Aggressionshemmungen zu steigen (geht unter anderem aus Kriminalstatistiken, auch dem Freiburger Persönlichkeitsinventar hervor). Gründe hierfür sind spekulativ. Nachlassende Kraft und Beweglichkeit können für die Reduzierung großer körperlicher Aggressionen mitverantwortlich sein. Aber vielleicht reicht ganz allgemein bei vielen Menschen erst im Erwachsenenalter die Summe der Erfahrungen zur Einsicht in die Dysfunktionalität der Aggression aus. Da Lernen nie endet, endet auch nicht das Lernen von Alternativen für Aggressionen. Zitieren möchte ich noch einmal Herbert Selg, der treffend sagt: „Reif ist wohl erst, wer sich in nichtaggressiver Weise durchzusetzen vermag und nur dort aggressiv wird, wo es keine sinnvollen Alternativen gibt.“1 2 (s. Pkt. 2.1.2) Ich möchte nun abschließend kurz auf die Aktualgenese eingehen, also wie eine Aggression aktuell zustande kommt. Jede Situation ruft Menschen zu einer mehr oder weniger reflektierten Beurteilung und Zielbildung auf. Aggressionen sind in den meisten Fällen nicht der beste Weg zum Ziel, aber es gibt auch den hier interessierenden Fall aggressiven Handelns. Bei allen Entscheidungen spielen die in der eigenen Entwicklung gesammelten Erfahrungen eine Rolle. Bei einer expressiven Aggression (heftiger Ärger/ WutAffekt) kann eine Reflexion über das Ziel stark in den Hintergrund treten. Gegebenenfalls drängt der Organismus zur sofortigen aggressiven Abreaktion des Affekts. Aber auch im Affekt besteht die Chance, nichtaggressiv zu handeln. Aggressionen nehmen eine bestimmte Zeit in Anspruch und während der Dauer aggressiver Handlungen gibt es ständig Rückmeldungen über das Tun, so besteht unter anderem die Möglichkeit, das Aggressionsängste und Aggressionshemmungen so stark werden, dass die Handlung abgebrochen wird. Wird die Handlung zu Ende geführt, so darf man eine abschließende Handlungsbeurteilung annehmen. Wurde das Ziel erreicht? Wurde bei der expressiven Aggression die unangenehme Spannung abgebaut? Allein das Gefühl der Spannungsreduktion kann das aggressive Verhalten genügend bekräftigen – egal, was sonst erreicht worden ist. Das zukünftige Verhalten wird von Erfolg und Misserfolg beeinflusst, wobei ein einziger Misserfolg selten die Wirkung hat, dass ähnliches Verhalten künftig unter1 2 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832423902
Arbeit zitieren:
Leubauer, Susann Dezember 1999: Entwicklung, Ursachen und Interventionsmöglichkeiten agressiven Verhaltens im Vorschulalter, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Reifeentwicklung, Agression, Agressivität, Vorschulalter



