Die Entstehung des Geldes
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Claudia Steinwender
- Abgabedatum: September 2005
- Umfang: 91 Seiten
- Dateigröße: 1,0 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9586-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9586-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9586-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung: Die Diplomarbeit wurde 2005 mit dem "Franz-Weninger-Stipendium der Oesterreichischen Nationalbank 2005" ausgezeichnet.
- Arbeit zitieren: Steinwender, Claudia September 2005: Die Entstehung des Geldes, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kiyotaki, Wright, Suchkostenmodell, Warengeld, Algorithmus
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Diplomarbeit von Claudia Steinwender
Gang der Untersuchung:
Seit ihren Anfängen beschäftigt sich die Ökonomie mit der Frage, wie sich in allen Kulturen ein einheitliches Tausch- und Zahlungsmittel entwickeln konnte. Auf den ersten Blick erscheinen die unmittelbaren Vorteile einleuchtend: Ohne Geld müssten sich immer zwei Personen zufällig treffen, die dann jeweils genau das besitzen, was der andere gern hätte. Offen bleiben jedoch folgende Punkte: Welches Gut entwickelt sich zum Tauschgut und unter welchen Bedingungen? Warum wird auch ein Gut, das selbst keinen intrinsischen Nutzen oder Wert besitzt, von allen als Tauschgut akzeptiert?
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, Erklärungen für diese Fragestellung zu geben, die allgemein als „Hahn-Problem“ bekannt ist, und diese Ergebnisse mit Hilfe von Simulationen und ökonomischen Experimenten zu verifizieren.
In Kapitel 2 beginne ich zur Erläuterung der Problemstellung mit einer Definition von Geld und gehe näher auf das Hahn-Problem ein. Danach stelle ich zwei Modelle vor, das Overlapping Generations Model (OLG-Modell) von Paul Samuelson und das Cash-In-Advance Model (CIA-Modell) von Robert Clower, die teilweise Erklärungsansätze für das beschriebene Problem bieten. Beide Modelle haben Vorteile, aber auch bedeutende Schwächen: So lässt das OLG-Modell die Tauschfunktion des Geldes völlig außer Acht, während es dem CIA-Modell nicht gelingt, die Entstehung des Geldes endogen zu erklären.
Kiyotaki/Wright schafften es 1989 mit ihrem viel beachteten Suchkostenmodell, die meisten Schwächen der vorhandenen Theorien zu überwinden: Sie setzen den Schwerpunkt auf die Tauschfunktion des Geldes und erklären die Entstehung von Geld endogen. Kapitel 3 beschreibt ihr Modell und bildet die theoretische Grundlage für meine Arbeit. Die Autoren gehen zunächst von einer reinen Tauschwirtschaft aus und untersuchen, welches Gut im stationären Gleichgewichtszustand als Warengeld verwendet wird.
Es zeigt sich, dass nicht nur die Lagerkosten, sondern auch die Vermarktbarkeit eines Gutes entscheidend für dessen Einsatz als Tauschmittel ist. Im nächsten Schritt wird „Rechengeld“ in die Tauschwirtschaft eingeführt, dessen Lagerkosten zwar null sind, das aber auch keinen direkten Wert für die Marktteilnehmer darstellt. Wenn die Marktteilnehmer darauf vertrauen, dass die anderen das Rechengeld als Bezahlung für ein Gut annehmen, wird sich Rechengeld zum allgemein akzeptierten Tauschmittel entwickeln. Die Marktteilnehmer bewerten dann den Wert des Rechengeldes mit dem Wert des Gutes, das sie dafür eintauschen können.
In ihren Arbeiten behandeln Kiyotaki und Wright nur den stationären Gleichgewichtszustand, gehen aber nicht darauf ein, ob und wie dieses Gleichgewicht tatsächlich erreicht wird. Mit meiner Arbeit habe ich versucht, diesen Fragestellungen auf den Grund zu gehen und dazu zwei verschiedene Methoden verwendet: ökonomische Experimente mit Studenten und Computersimulationen mit genetischen Algorithmen.
Für das erste Szenario, den Übergang der reinen Tauschwirtschaft zum Warengeld, habe ich in Kapitel 4 der Arbeit versucht, durch Experimente und Computersimulationen die Ergebnisse von Kiyotaki und Wright zu verifizieren und das Verständnis für das Zustandekommen der Nash-Gleichgewichte zu verbessern.
Zunächst habe ich zwei ökonomische Laborexperimente mit Studenten der TU Wien durchgeführt. Die beiden Experimente unterschieden sich in der Wahl der Parameter: Im ersten Experiment legte ich die Versuchsvariable so fest, dass sie ein fundamentales Gleichgewicht vorher sagte, während im zweiten Experiment die Parameterspezifikation ein spekulatives Gleichgewicht induzierte. Außerdem habe versucht, durch meine Erfahrungen des ersten Experiments die Qualität des zweiten zu verbessern und daher die Information der Spieler optimiert, Störungen durch Absprachen der Spieler vermieden und Fragebögen zum besseren Verständnis der Handlungen der Spieler verteilt.
Das erste Experiment kann die Ergebnisse von Kiyotaki und Wright nicht unterstützen, da die Hälfte der Spieler vom Typ I die spekulative Strategie wählt, obwohl die Bedingungen für das spekulative Gleichgewicht nicht erfüllt sind. Möglicherweise kann das Ergebnis dahingehend interpretiert werden, dass die Marktteilnehmer die bessere Vermarktbarkeit von Gut 3 höher gewichten als in der Theorie angenommen.
Im zweiten Experiment weisen die Ergebnisse eine größere Übereinstimmung mit dem von der Theorie prognostizierten Gleichgewicht auf. Die ausgewerteten Fragebögen bestätigen die Erkenntnisse: Die Marktteilnehmer I bemerken alle, die spekulative Strategie zu verfolgen und geben als Gründe dafür die bessere Vermarktbarkeit an. Die anderen Marktteilnehmer entscheiden sich vorwiegend für die fundamentale Strategie und begründen dies mit den geringeren Lagerkosten.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass erst im spekulativen Fall die theoretischen Erkenntnisse bestätigt werden konnten.
Im nächsten Teil der Arbeit versuchte ich, das Modell von Kiyotaki und Wright mit genetischen Algorithmen zu simulieren. Dabei“erlernen“ die nichtrationalen Individuen das optimale Verhalten in Analogie zur biologischen Evolution durch Selektion, Mutation und Crossover. Die Simulationen zeigen eine relativ hohe Übereinstimmung mit dem theoretischen Modell. Untersucht man die Ergebnisse genauer, zeigt sich, dass die Konvergenz zum theoretischen Gleichgewicht von der Entfernung zum kritischen Wert, der Anzahl der Perioden sowie der Anfangsallokation der Güter abhängt. Außerdem ist die Konvergenz zum fundamentalen Gleichgewicht stärker ausgeprägt als jene zum spekulativen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Problemstellung: Warum gibt es Geld? | 7 |
| 2.1 | Funktionen von Geld | 7 |
| 2.2 | Warengeld und Rechengeld | 8 |
| 2.3 | Overlapping Generations Model (OLG-Modell) | 9 |
| 2.4 | Cash-In-Advance Model (CIA-Modell) | 9 |
| 2.5 | Verbesserungsansätze | 10 |
| 3. | Suchkostenmodell von Kiyotaki und Wright | 11 |
| 3.1 | Übergang zu Warengeld | 11 |
| 3.1.1 | Die Wirtschaft | 11 |
| 3.1.2 | Modellspezifikation A | 16 |
| 3.1.3 | Modellspezifikation B | 27 |
| 3.1.4 | Interpretation und Kritik | 31 |
| 3.2 | Übergang zu Rechengeld | 32 |
| 3.2.1 | Einführung von Rechengeld in die Wirtschaft | 32 |
| 3.2.2 | Vertrauen als notwendige Bedingung | 33 |
| 3.2.3 | Nash-Gleichgewichte | 34 |
| 3.2.4 | Geldfähigkeit | 36 |
| 3.2.5 | Wohlfahrtssteigerung | 40 |
| 3.2.6 | Interpretation und Kritik | 40 |
| 4. | Experimente mit Studenten | 42 |
| 4.1 | Verwendung von Experimenten in der Ökonomie | 42 |
| 4.2 | Allgemeines Versuchsdesign | 42 |
| 4.3 | Veränderung des Versuchsdesigns beim zweiten Experiment | 44 |
| 4.3.1 | Parameterwahl | 44 |
| 4.3.2 | Ex ante Festlegung der Strategien | 45 |
| 4.3.3 | Betonung des Diskontfaktors | 45 |
| 4.3.4 | Unabhängigkeit der Experimente | 45 |
| 4.3.5 | Fragebogen | 46 |
| 4.4 | Ergebnisse | 46 |
| 4.4.1 | Erstes Experiment | 47 |
| 4.4.2 | Zweites Experiment | 48 |
| 4.4.3 | Vergleich mit Experimenten von Duffy | 49 |
| 5. | Simulation durch genetische Algorithmen | 52 |
| 5.1 | Optimierung nach dem Vorbild der biologischen Evolution | 52 |
| 5.2 | Anwendung auf Modell von Kiyotaki und Wright | 53 |
| 5.2.1 | Aufbau | 54 |
| 5.2.2 | Verwendete Nutzenfunktion | 55 |
| 5.2.3 | Abgeänderte Version des Programms | 57 |
| 5.3 | Ergebnisse | 57 |
| 5.3.1 | Modell A | 58 |
| 5.3.2 | Modell B | 63 |
| 5.4 | Weiterführende Überlegungen | 65 |
| 6. | Zusammenfassung | 67 |
| 7. | Anhang | 69 |
| 7.1 | Berechnung der stationären Verteilung im fundamentalen Fall mit Mathematica, Modell A | 69 |
| 7.2 | Berechnung der stationären Verteilung im spekulativen Fall mit Mathematica, Modell A | 69 |
| 7.3 | Berechnung der stationären Verteilung im fundamentalen Fall mit Mathematica, Modell B | 70 |
| 7.4 | Berechnung der stationären Verteilung im spekulativen Fallmit Mathematica, Modell B | 70 |
| 7.5 | Ein Tauschexperiment -Spielregeln | 72 |
| 7.6 | Tauschblatt Experiment 1 | 74 |
| 7.7 | Adaptiertes Pascal-Programm für Modell A | 75 |
| 7.8 | Tauschblatt Experiment 2 | 88 |
| Literaturverzeichnis | 89 |
Abbildung 3.9: Transaktionen (gelb: Gut 0, rot: Gut 1, orange: Gut 2, blau: Gut 3) Kehrwert dieser Zahl, erhält man die Zirkulationsgeschwindigkeit vj = xjj . Diese Kennzahl gibt an, wie oft Gut j in einer Periode den Besitzer wechselt.9 Die Zirkulationsgeschwindigkeiten der verschiedenen Güter sind in Abbildung 3.10 in Abhängigkeit von der realen Geldmenge S dargestellt. Intuitiv würde man vermuten, dass die Zirkulationsgeschwindigkeit ein guter Indikator für die Geldtauglichkeit ist: Wäre dem so, wäre Gut 3 aber viel besser als Gut 0 als Geld geeignet, obwohl es nie als Tauschmittel verwendet wird. Der Grund dafür ist der extrem niedrige Bestand von Gut 3 im Gleichgewicht. [...]
Tabelle 3.8: Tauschmatrix, Übergang zu Rechengeld Dieses Ergebnis wirkt nur auf den ersten Blick paradox und illustriert in Wahrheit die wichtigste Bedingung für die Entstehung von Rechengeld: Wenn die Marktteilnehmer nämlich darauf vertrauen, dass die anderen Marktteilnehmer Rechengeld als „Bezahlung“ für Güter mit positivem Nutzen im Tausch akzeptieren werden, dann setzen sie den Wert von Rechengeld nicht mit 0 an, sondern mit dem Wert des Gutes, das sie eintauschen. Unter der Voraussetzung, dass die anderen Marktteilnehmer immer ihr Konsumgut sowie das Rechengeld eintauschen, hat das Rechengeld für Marktteilnehmer I den folgenden Wert: V10 = −ci0 + b · (V10 + p20 V10 + p21 V12 + p23 max(V10 , V13 ) +p30 V10 + p31 V12 + p32 max(V10 , V12 ) > 0 ) Dieser Ausdruck ist strikt positiv wegen Vij > 0, p23 = 0, p31 = 0 (es wird immer Marktteilnehmer mit ihrem Produktionsgut geben) und ci0 = 0. Wie Kiyotaki und Wright zeigen, ist der Wert des Rechengeldes sogar größer als der Wert aller anderen Güter ausgenommen des Konsumgutes. Wir können also schlussfolgern, dass das Vertrauen in das Rechengeld eine notwendige Bedingung für die Entstehung desselben ist. [...]
da für die Lagerkosten von Rechengeld gilt ci0 = 0. Was passiert nun mit dem Rechengeld, für dessen Nutzen Vi0 = 0 gilt? Wird es in der Tauschwirtschaft zirkulieren? Um diese Frage zu beantworten, sehen wir uns den Nutzen der anderen Güter, Vij , an. Die Bedingung zur Teilnahme an der Tauschwirtschaft (Annahme 3.2) formulieren Kiyotaki und Wright noch allgemeiner durch Vij > Di , d.h. der Wert des Produktionsgutes muss die Produktionskosten übersteigen. Da die Produktionskosten natürlich positiv sind, folgt Vij > 0 für alle Produktionsgüter und damit für alle Güter, die von den Marktteilnehmern gehalten werden, d.h. für alle j mit pij > 0. Daraus folgt wiederum, dass niemand Gut 0 annehmen wird, da Vij > Vi0 = 0. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832495862
Arbeit zitieren:
Steinwender, Claudia September 2005: Die Entstehung des Geldes, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kiyotaki, Wright, Suchkostenmodell, Warengeld, Algorithmus



