Entstehung, Entwicklung und Perspektiven der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext gesellschaftlicher Veränderungsprozesse
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Hartmut Wieck
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 115 Seiten
- Dateigröße: 528,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9508-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9508-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9508-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wieck, Hartmut Januar 2006: Entstehung, Entwicklung und Perspektiven der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: erzieherische Hilfe, Erziehung, Hilfe, HzE, KJHG
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Diplomarbeit von Hartmut Wieck
Einleitung:
Die soziale Arbeit, ihre Theorien und Methoden sowie deren Ausrichtung und berufliches Selbstverständnis waren - und sind - aufs Engste verknüpft mit gesellschaftlichen Entwicklungen und den sich aus gesellschaftlichen Veränderungsprozessen ergebenden Anforderungen.
Da sich soziale Arbeit an die Individuen in einer Gesellschaft mit deren charakterisierenden Merkmalen wendet, mag diese Feststellung zunächst als selbstverständlich erscheinen. Eine genauere Betrachtung der Umstände, unter denen soziale Arbeit entsteht und sich entwickelt ist jedoch unerlässlich, schon allein weil eine exakte Standortbestimmung in einem sozialpädagogischen Arbeitsfeld die Kenntnis über dessen Ursprünge im Kontext der jeweiligen gesellschaftlichen Gegebenheiten voraussetzt.
Wesentlich für die Theorie und Praxis in einem sozialpädagogischen Arbeitsfeld sind diese Umstände aber v.a. auch deshalb, weil die Analyse der historischen und gesellschaftlichen Hintergründe wichtige Erkenntnisse über die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Fragestellungen der sozialen Arbeit vermitteln - und so einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Perspektiven für diese ermöglichen können.
Wenngleich zunächst allgemein definierend festgestellt werden kann, dass es sich bei der SPFH um eine an Familien gerichtete, ambulante Maßnahme der Hilfen zur Erziehung handelt, kann sich eine annähernd umfassende Beschreibung insbesondere im Fall der SPFH nur aus der genauen Betrachtung ihrer Entstehung und Entwicklung sowie den dabei bedeutsamen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen ergeben. Hierbei ist zu bedenken, dass es trotz der fachlichen und wissenschaftlichen Aufmerksamkeit, die die SPFH im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten erfahren hat - sowie trotz ihrer gewonnen Bedeutung in der Jugendhilfe - bislang keine Publikation gab, die einen geschlossenen konzeptionellen Rahmen bereitstellt und umfassende Informationen zu den verschiedenen Fragestellungen im Kontext der SPFH gibt.
Während die soziale Arbeit im Allgemeinen - die SPFH aber im Besonderen - zum einen selbst als Gegenstand gesellschaftlicher Veränderungsprozesse betrachtet werden kann, bezieht sich eine zweite Dimension der im o.g. Sinne notwendigen Betrachtung auf die Frage, wie SPFH auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse reagieren kann und muss, um den Anforderungen, die diese an die Individuen in ihren jeweiligen sozialen Bezügen (z.B. Familie) und Lebenssituationen stellt, gerecht werden zu können.
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich beide hier benannten Dimensionen des Arbeitstitels mit jeweils schwerpunktmäßiger Ausrichtung und im Bewusstsein ihrer gegenseitigen Abhängigkeiten verfolgen. Die Auseinandersetzung soll dabei - auf dem Hintergrund von Veränderungsprozessen im Bezug auf die „soziale Frage“ und deren Einflüsse - einerseits ergründen, unter welchen gesellschaftlichen Umständen die SPFH entstanden ist, wie sie sich fachlich weiterentwickelt hat und welche Perspektiven sich aus ihrer Geschichte im Kontext zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen ergeben.
Andererseits soll aber auch erörtert werden, mit welchen Ansätzen und Methoden sie auf die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Veränderungsprozesse reagiert und dabei auch Einfluss auf diese nehmen kann und muss.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 1 | |
| Einleitung | 2 | |
| 1. | Entstehung der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext der historischen Entwicklung sozialer Arbeit | 4 |
| 1.1 | Historische Vorläufer in England und den USA | 4 |
| 1.2 | Bedeutung der historischen Vorläufer in den USA für die sozialpädagogische Familienhilfe | 8 |
| 1.3 | Entwicklung der sozialen Arbeit in Deutschland | 10 |
| 1.4 | Entwicklung der Jugendhilfe in (West-) Deutschland | 15 |
| 1.5 | Entstehung der sozialpädagogischen Familienhilfe | 17 |
| 1.6 | Resümee | 18 |
| 2. | Entwicklung der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext rechtlicher Veränderungen | 20 |
| 2.1 | Die praktischen Anfänge der sozialpädagogischen Familienhilfe | 20 |
| 2.2 | Rechtsgrundlagen und Grundorientierung der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kinder- und Jugendhilfegesetz | 24 |
| 2.3 | Resümee | 28 |
| 3. | Gesellschaftliche und familiale Veränderungsprozesse | 29 |
| 3.1 | Individualisierung als Grundmerkmal von gesellschaftlichen Veränderungsprozessen | 30 |
| 3.2 | Veränderungsprozesse in Ehe und Familie | 34 |
| 3.2.1 | Veränderung der familiären Beziehungen | 36 |
| 3.2.2 | Veränderungen hinsichtlich des Kinderwunsches | 38 |
| 3.2.3 | Veränderungen in der Erziehung | 39 |
| 3.2.4 | Veränderung familialer Lebensformen | 42 |
| 3.3 | Bedeutung gesellschaftlicher und familialer Veränderungsprozesse für die sozialpädagogische Familienhilfe | 44 |
| 4. | Ansätze und Methoden der sozialpädagogischen Familienhilfe | 48 |
| 4.1 | Lebenswelt, Sozialraum und Ressourcen als Grundorientierungen in der sozialpädagogischen Familienhilfe | 48 |
| 4.2 | Empowerment als Grundhaltung in der sozialpädagogischen Familienhilfe | 52 |
| 4.3 | Systemische Ansätze als Grundverständnis in der sozialpädagogischen Familienhilfe | 56 |
| 4.4 | Sozialpädagogische Familienhilfe als Hilfe zur Erziehung | 62 |
| 4.4.1 | „Nachsozialisierung“ | 64 |
| 4.5 | Resümee | 67 |
| 5. | Organisationsformen und Rahmenbedingungen als Problemfelder der sozialpädagogischen Familienhilfe | 70 |
| 5.1 | Zugangsvoraussetzungen und -bedingungen der sozialpädagogischen Familienhilfe | 71 |
| 5.2 | Differenzierung und Vernetzung in der sozialpädagogischen Familienhilfe | 75 |
| 5.3 | Finanzierungsarten in der sozialpädagogischen Familienhilfe | 78 |
| 6. | Perspektiven der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext aktueller gesellschaftlicher Veränderungsprozesse | 82 |
| 6.1 | Bedeutung der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen | 83 |
| 6.2 | Bedeutung der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext heutiger Familiensituationen | 87 |
| 6.3 | Perspektiven hinsichtlich Organisationsformen und Rahmenbedingungen | 91 |
| 6.3.1 | Niedrigschwelligkeit und Freiwilligkeit | 91 |
| 6.3.2 | Flexibilisierung und Vernetzung | 95 |
| 6.3.3 | Finanzielle Aspekte | 100 |
| 7. | Schlussbetrachtung | 103 |
| Literatur | 106 |
individualistische Vorstellung vom Alleinleben (mit materiellen Vorteilen) kommt ihnen auf die Dauer als egoistisch, vordergründig, sinnlos vor.“ (Wahl u.a. 1980, S. 35) Die anfänglichen Illusionen eines glücklichen Familienlebens scheitern dabei jedoch an der Überforderung durch die frühe Elternrolle, finanziellen Problemen, Wohnraumproblemen usw. und in deren Folge konfliktreichen Beziehungen, sowohl mit den Kindern als auch mit dem Partner. Die unterschiedlichsten Schwierigkeiten vermischen sich dabei zu immer neuen Kombinationen, in denen ein Problem in einem Lebensbereich der Familie sogleich Folgeprobleme in anderen Bereichen auslöst. (ebd., S. 58) Der hierbei festzustellende Teufelskreis von Erwartungen, Hoffnungen, Enttäuschungen, mangelnden materiellen, sozialen und bildungsmäßigen Ressourcen, einem niedrigen Selbstwert und diverse gesellschaftlichen Einschränkungen ist dabei typisch für Familien, die durch SPFH unterstützt werden sollen. Gleichsam geht daraus hervor, dass sich die SPFH an die „Modernisierungsverlierer“ richtet. An die, deren Hoffnungen besonders groß - deren Möglichkeiten jedoch unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen um so begrenzter sind. (Wahl 1990, S. 164): Familien, die den hohen Anforderungen einer modernen Gesellschaft nicht entsprechen (können) oder denen die für die Teilhabe an einer „modernen Welt“ nötige Autonomie und Strukturierung der Lebensführung nicht gelingt, weil sie nicht die entsprechenden bildungsmäßigen -, materiellen -, psychischen und/oder sozialen Zugangsvoraussetzungen haben. Hinsichtlich der beschriebenen gesellschaftlichen Veränderungen ist hierbei festzustellen, dass - mehr denn je - grundsätzlich jede Familie auf die gesellschaftlichen „Ressourcen“ wie Wissen, Rechte, Geld, Liebe, Sinn etc. und in großem Maße auch auf die diversen gesellschaftlichen Institutionen angewiesen und insofern die gesellschaftliche Unterstützung nicht nur „normal“, sondern auch zwingend erforderlich ist. SPFH hat hierbei jedoch den Auftrag und den Anspruch, insbesondere diejenigen Familien in der Bewältigung ihres Lebens zu unterstützen, die sich [...]
In den vorangegangenen Ausführungen wird deutlich, welche immensen Auswirkungen die gesellschaftliche Modernisierung auf die Einzelnen in der Gesellschaft und deren Subsystem Familie hat und welche Anforderungen daraus hervorgehen. Dabei haben sich in den beschriebenen Prozessen der Individualisierung und deren diverse Differenzierungsprozessen für alle Beteiligten völlig neue Standards bezüglich dessen entwickelt, was vom Leben erwartet wird. Diese schichtenübergreifenden Erwartungen, das Streben nach Glück „hier und jetzt“ entgegen aller Verunsicherungen, die die Modernisierung mit sich gebracht hat, hängen mit Vorstellungen zusammen, die von Wahl (1989) als „Mythos der Moderne“ beschrieben werden. Damit verbindet sich die Vorstellung eines neuen Menschenbildes (autonom, selbstbestimmt und mit Menschenwürde ausgestattet) - von einem sich ständig weiterentwickelnden Fortschritt in Wissenschaft, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft - sowie von einem Familienbild, welches sich auf die Liebeszehe gründet und den Sinn des Zusammenlebens im gemeinsamen Familienglück sieht. Die Wirklichkeit zeigt dem entgegen aber bald, dass diese Erwartungen nur teilweise in Erfüllung gehen, und die Teilhabe am materiellen Wohlstand, Bildung, Arbeit etc. nach wie vor äußerst ungleich verteilt ist. Viele wesentliche Institutionen (v.a. Schule) und ständige Auswahlprozesse unserer Gesellschaft führen dazu, dass es viele „Verlierer“ und nur wenige „Gewinner“ gibt. (Wahl 1990, S. 11) Dabei geraten die Individuen in eine Falle zwischen den im Sinne der Individualisierung vermeintlich gewonnenen Freiheiten und Optionen, den Vorstellungen [...]
schaft in Stieffamilien. Darüber hinaus spielt aber auch das Eingehen einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft nach einer geschiedenen Ehe mit Kindern eine bedeutsame Rolle. Weiterhin ist eine deutliche Zunahme der Ein-Eltern-Familie (Alleinerziehende) und der Kinder mit Stiefeltern festzustellen, wobei im Jahr 2000 15,4 % der minderjährigen Kinder in Ein-Eltern-Familien lebte. Weitere 5,5 % lebten mit einem leiblichen und einem Stiefelternteil zusammen, so dass im Jahr 2000 ungefähr 20 % aller minderjährigen Kinder (d.h. jedes fünfte Kind) nicht in der Familie aufwuchsen, in die sie hineingeboren wurden. Nun sagen die hier dargestellten Zahlen zunächst wenig über die Qualität der jeweiligen Lebensformen aus, was überdies sicher auch nicht verallgemeinernd möglich und hier nicht beabsichtigt ist. Auch kann dadurch keineswegs von „Auflösung der Familie“ die Rede sein, wie sie häufig diagnostiziert wird. Dabei müsste auch erst einmal definiert werden, was Familie überhaupt ist. Die Entwicklung hinsichtlich der Einpersonenhaushalte, kinderloser Ehen, Alleinerziehender und Stieffamilien zeigen jedoch, dass diese zahlreicher und somit sozial bedeutsamer geworden sind. Gleichsam zeigen sich in der Entwicklung der Ehescheidungen die beschriebenen Veränderungen - v.a. hinsichtlich der Umbrüche im Verhältnis von Männern und Frauen und deren Rollen - und bekräftigen diese. Dabei bewirkt die Individualisierung von Familienbeziehungen deren größere „Zerbrechlichkeit“ und Unbeständigkeit in Relation zu den institutionell abgesicherten Beziehungen der Vergangenheit. Wo es zudem früher erhebliche ökonomische, religiöse oder auch rechtliche Hindernisse für eine Scheidung gab, sind diese Hindernisse zunehmend überwindbarer geworden und die Wahlmöglichkeiten haben sich ausgeweitet. Beck/Beck-Gernsheim nennen diesen Prozess der Pluralisierung eine „Ausfaltung“ der Kleinfamilie, eine „Verzeitlichung des Bündnisses der Vereinzelten“. „Was aber kommt nach der Familie, dem Ort der häuslich gewordenen Liebe ? Die Familie ! Anders, mehr, besser, die Verhandlungsfamilie, die Wechselfamilie, die Vielfamilie, die aus der Scheidung, [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832495084
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Wieck, Hartmut Januar 2006: Entstehung, Entwicklung und Perspektiven der sozialpädagogischen Familienhilfe im Kontext gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, Hamburg: Diplomica Verlag
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