Entsorgung aus gentechnischen Anlagen in hygienischer Sicht am Beispiel des Landes Berlin
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Norbert Lange
- Abgabedatum: März 1994
- Umfang: 141 Seiten
- Dateigröße: 8,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2704-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2704-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2704-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lange, Norbert März 1994: Entsorgung aus gentechnischen Anlagen in hygienischer Sicht am Beispiel des Landes Berlin, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gentechniksicherheitsverordnung, Sicherheitskonzept, Abfallwirtschaft, Entsorgung, Gentechnik
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Diplomarbeit von Norbert Lange
Einleitung:
Seit Inkrafttreten des Gentechnikgesetzes (GenTG) am 1.7.1990 wurden in Deutschland bis zum 1.10.1993 von den zuständigen Landesbehörden 680 gentechnische Anlagen zugelassen. Zählt man die zur Zeit des Inkrafttretens des GenTG bereits bestehenden Genlabore, Technika und Produktionsanlagen zusammen, die nach einer Übergangsregelung (§ 41 GenTG) keiner neuen Genehmigung bedurften, so existieren in der Bundesrepublik mehr als 1.800 genehmigte gentechnische Anlagen, in denen eine noch größere Anzahl gentechnischer Arbeiten stattfindet.
Die Gentechnik, häufig auch als „Neue Biotechnologie“ bezeichnet, unterscheidet sich von den Gebieten der Mikrobiologie, Zellbiologie oder Biotechnologie dadurch, dass im Gegensatz zu den genannten Wissenschaftsfeldern in der Gentechnik mit Organismen umgegangen wird oder Organismen erzeugt werden, deren genetisches Material in einer Weise verändert worden ist, wie es unter natürlichen Bedingungen durch Kreuzen oder natürliche Rekombination nicht möglich ist. Diese Organismen werden als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) bezeichnet.
Die Begriffe „gentechnische Anlage“ und „gentechnische Arbeit“ sind durch das GenTG eng definiert. Von daher sind gentechnische Anlagen Einrichtungen, in denen gentechnische Arbeiten durchgeführt werden und in denen physikalische, chemische und biologische Sicherheitsvorkehrungen (im GenTG „Schranken“ genannt) existieren, die den Kontakt der verwendeten Organismen mit Mensch und Umwelt begrenzen. Die Definition gentechnischer Arbeiten beinhaltet sowohl Erzeugung, Verwendung, Vermehrung, Lagerung, Zerstörung als auch den innerbetrieblichen Transport und die Entsorgung gentechnisch veränderter Organismen.
Parallel zur zunehmenden Anwendung der Gentechnik in Forschung, Entwicklung, industrieller Produktion, Landwirtschaft und Umweltschutz hat sich auch die Risikoforschung und Risiko-Bewertung dieser „Neuen Biotechnologie“ entwickelt. GVO besitzen künstlich verändertes Erbgut. Als mögliche Gefahr der Gentechnik wird neben der direkten Entstehung von für Mensch und/oder Umwelt gefährlichen Organismen auch die unkontrollierte Übertragung genetischer Informationen der GVO auf andere Organismen gesehen, was so auf indirektem Weg zu unerwünschten Auswirkungen auf Mensch und Umwelt führen kann.
Potentielle Risiken der Gentechnik werden daher vor allem bei Freisetzungsversuchen, d.h. dem gezielten Ausbringen von GVO in die Umwelt, gesehen.
Aber auch bei der Verwendung von GVO in Laboren besteht ein Gefahrenpotential, besonders aufgrund der Tatsache, daß hier häufig mit Organismen umgegangen wird, die hinsichtlich der Gefährdung von Mensch und Umwelt ein höheres Risiko mit sich bringen.
Erkannte Risiken, aber vor allem auch der Vorsorgegedanke, haben zu Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit GVO geführt, die sich am Risikopotential der benutzten Organismen hinsichtlich Mensch und Umwelt orientieren. Daraus hat sich ein vierstufiges Sicherheitskonzept entwickelt, dass für alle Bereiche gentechnischer Anwendungen gilt, so auch für Anlagen zu Forschungszwecken.
In dieser Sicherheitskonzeption ist auch die Entsorgung von Abfällen und Abwässern sowie die Behandlung der Abluft aus gentechnischen Arbeiten berücksichtigt - es existieren allgemeine und spezielle gesetzliche Vorschriften. Behörden sind überwachend tätig.
Problemstellung:
Obwohl in der Bundesrepublik seit fast 20 Jahren auf dem Gebiet der Gentechnik geforscht und gearbeitet wird, gibt es bisher noch keine nationale oder regionale Bestandsaufnahme der Entsorgung von Abfällen und Abwässern aus diesem Bereich. Lediglich zu Abwässern aus gentechnischen Anlagen existiert eine lokale Studie (TAP, 91).
Wenn auch gesetzliche Vorschriften für die Entsorgung von Abfällen und Abwässern existieren, so sind dennoch einige Fragen offen:
*Welche Arten und Mengen von Abfällen und Abwässern fallen in gentechnischen Anlagen an?
*Was wird alles durch den Begriff der gentechnischen Abfälle erfaßt? Gehören dazu z.B. auch Luftfilter aus Sicherheitswerkbänken? Wie werden diese entsorgt?
*Gibt es bestimmte „Problem“-Abfälle oder -Abwässer hinsichtlich der Entsorgung?
*Welche Erfahrungen und Probleme gibt es mit der praktischen Umsetzung der zuständigen Umgangs- und Entsorgungsvorschriften?
*Haben sich die aus der Medizin und Seuchenhygiene übernommenen Inaktivierungs- und Sterilisationsverfahren für Abfälle und Abwässer bewährt?
Gang der Untersuchung:
Es steht im Vordergrund dieser Arbeit, den derzeitigen qualitativen und quantitativen Zustand der Entsorgungssituation in den gentechnischen Anlagen Berlins zu erfassen. Der besondere Schwerpunkt liegt dabei auf den hygienischen Aspekten der Abfall- und Abwasserentsorgung.
Ausgehend von den Ergebnissen der Bestandsaufnahme soll festgestellt werden, ob, und wenn ja, in welchen Bereichen, offene Fragen oder Schwachstellen existieren und gegebenenfalls Lösungsvorschläge erarbeitet werden.
Ein Überblick über die Entsorgungssituation der gentechnischen Anlagen soll durch eine Berlin-weite Befragung gewonnen werden. Durch die Besichtigung gentechnischer Anlagen sowie die Befragung der Laborleiter und -mitarbeiter sollen zusätzliche Informationen erschlossen werden. Eine Erfassung und Sortierung gentechnischer Abfälle soll die Ergebnisse der Fragebogenaktion und der Besichtigungen ergänzen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemdarstellung | 2 |
| 1.2 | Ziele der Arbeit | 2 |
| 2. | Mögliche Gefahren beim Umgang mit und der Nutzung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) | 4 |
| 2.1 | Risikoforschung | 4 |
| 2.1.1 | Risiken für die Beschäftigten in Laboren und bei der Produktion | 4 |
| 2.1.2 | Risiken bei der Freisetzung | 5 |
| 2.2 | Mechanismen des Gentransfers | 7 |
| 2.2.1 | Horizontaler Gentransfer: Mikroorganismus - Mikroorganismus | 7 |
| 2.2.1.1 | Konjugation | 8 |
| 2.2.1.2 | Transduktion | 9 |
| 2.2.1.3 | Transformation | 10 |
| 2.2.2 | Hoizontaler Gentransfer: Mikroorganismus - Pflanze | 12 |
| 2.2.3 | Horizontaler Gentransfer: Mikroorganismus - Höherer Organismus | 12 |
| 2.2.4 | Vertikaler Gentransfer zwischen Pflanzen | 13 |
| 2.2.5 | „Nackte“ DNA | 13 |
| 2.3 | Die Sicherheitsphilosophie in der Gentechnik | 13 |
| 2.3.1 | Risikomodelle | 13 |
| 2.3.2 | Sicherheitskonzept | 14 |
| 2.3.2.1 | Physikalisches Containment | 14 |
| 2.3.2.2 | Biologisches Containment | 14 |
| 3. | Rechtliche Regelungen | 16 |
| 3.1 | Regelungen hinsichtlich gentechnischer Arbeiten | 16 |
| 3.1.1 | Gen-Richtlinien | 16 |
| 3.1.2 | Gentechnikgesetz | 16 |
| 3.1.3 | Gentechnik-Verordnungen | 17 |
| 3.1.4 | Gentechnik-Sicherheitsverordnung | 18 |
| 3.2 | Regelungen hinsichtlich der Abwässer und Abfälle | 19 |
| 3.2.1 | Anforderungen an die Abwasser und Abfallbehandlung | 20 |
| 3.2.1.1 | Gentechnik-Sicherheitsverordnung | 20 |
| 3.2.1.2 | Wasserrecht | 21 |
| 3.2.1.3 | Abfallrecht | 22 |
| 3.3 | Regelungen hinsichtlich der Abluft | 25 |
| 3.3.1 | Anforderungen an die Lüftungstechnik | 25 |
| 3.3.1.1 | Sicherheitswerkbänke | 27 |
| 3.3.1.2 | Luftfilter | 30 |
| 3.3.1.3 | Luftfilterwechsel | 30 |
| 3.3.1.4 | Filterentsorgung | 32 |
| 3.4 | Regelungen hinsichtlich des Umgangs mit gentechnischen Abwässern und Abfällen | 33 |
| 3.4.1 | Chemikaliengesetz | 33 |
| 3.4.2 | Gefahrstoff-Verordnung | 33 |
| 3.4.3 | Arbeitsschutzrecht | 34 |
| 3.5 | Regelungen hinsichtlich des Transports von GVO | 34 |
| 3.5.1 | Innerbetrieblicher Transport | 34 |
| 3.5.2 | Transport über öffentliche Straßen | 35 |
| 4. | Behandlungsmethoden für Abfälle und Abwässer | 37 |
| 4.1 | Kontaminationen mit GVO | 37 |
| 4.1.1 | Allgemeines | 37 |
| 4.1.2 | Begriffe | 38 |
| 4.1.3 | Behandlungsmethoden für Abfälle und Abwässer | 39 |
| 4.1.3.1 | Verbrennung | 40 |
| 4.1.3.2 | Dampfsterilisation | 41 |
| 4.1.3.3 | Einsatz von Chemikalien | 43 |
| 4.1.3.4 | Inaktivierung rekombinanter DNA | 45 |
| 4.2 | Behandlung von Abluftfiltern | 47 |
| 4.2.1 | Formaldehyd / Ammoniak-Verfahren | 47 |
| 4.2.2 | UV / Ozon-Verfahren | 49 |
| 4.3 | Doppelkontaminationen | 50 |
| 4.3.1 | GVO und Chemikalien | 50 |
| 4.3.2 | GVO und radioaktive Stoffe | 51 |
| 4.4 | Tierkörper | 52 |
| 5. | Methodik | 53 |
| 5.1 | Fragebogenaktion | 53 |
| 5.1.1 | Erfassungsgrad und Rücklauf | 53 |
| 5.1.2 | Inhalt | 53 |
| 5.1.3 | Datenschutz | 54 |
| 5.1.4 | Didaktik | 54 |
| 5.2 | Abfallerfassung und -sortierung | 56 |
| 5.2.1 | Feuchtigkeit | 56 |
| 5.2.2 | Gewichte | 57 |
| 5.2.3 | Volumen | 57 |
| 5.2.4 | Materialzusammensetzung | 57 |
| 6. | Ergebnisse der Fragebogenaktion | 58 |
| 6.1 | Allgemeines | 58 |
| 6.2 | Beantwortung der Fragen | 58 |
| 6.2.1 | Sicherheitseinstufung und Art der gentechnischen Arbeit | 58 |
| 6.2.2 | Abluft | 61 |
| 6.2.2.1 | Sicherheitswerkbänke | 61 |
| 6.2.2.2 | Dampfsterilisatoren | 73 |
| 6.2.3 | Abfall / Abwasser | 74 |
| 6.2.4 | Auslastung von Dampfsterilisatoren durch Abfälle und Abwässer | 84 |
| 6.2.5 | Entwicklung der Gentechnik | 85 |
| 7. | Ergebnisse der Abfallsortierung | 87 |
| 7.1 | Allgemeines | 87 |
| 7.2 | Volumen | 87 |
| 7.3 | Dichte | 89 |
| 7.4 | Abfallzusammensetzung nach Artikel | 89 |
| 7.5 | Abfallzusammensetzung nach Material | 90 |
| 8. | Diskussion der Ergebnisse | 92 |
| 8.1 | Allgemeines | 92 |
| 8.1.1 | Erfaßte Anlagen | 93 |
| 8.2.2 | Standzeit der Filterelemente | 93 |
| 8.2.3 | Zytostatika-Kontamination der Filterelemente | 94 |
| 8.2.4 | Entsorgung der Filterelemente | 96 |
| 8.3 | Abwasser | 99 |
| 8.4 | Abfall | 100 |
| 8.4.1 | Mengen | 100 |
| 8.4.2 | Qualität | 101 |
| 9. | Zusammenfassung | 106 |
| Anhang | 108 | |
| Literaturverzeichnis | 129 |
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http://www.diplom.de/ean/9783832427047
Arbeit zitieren:
Lange, Norbert März 1994: Entsorgung aus gentechnischen Anlagen in hygienischer Sicht am Beispiel des Landes Berlin, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Gentechniksicherheitsverordnung, Sicherheitskonzept, Abfallwirtschaft, Entsorgung, Gentechnik



