Entscheidungs- und Kategorisierungskriterien zur Anlage in ETFs
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Rupert Thiery
- Abgabedatum: April 2009
- Umfang: 241 Seiten
- Dateigröße: 2,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für angewandte Wissenschaften - Fachhochschule München Deutschland
- Bibliografie: ca. 66
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3108-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Thiery, Rupert April 2009: Entscheidungs- und Kategorisierungskriterien zur Anlage in ETFs, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: ETF, Exchange Traded Funds, Fonds, Index, Indexfonds
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Diplomarbeit von Rupert Thiery
Einleitung:
„Was ist ein ETF“? Diese Frage stellen sich die meisten Menschen, die mit diesem speziellen Thema konfrontiert werden. Dabei gelten ETF-Fonds (Exchange Traded Funds) für institutionelle Anleger schon lange als Alternative zu „herkömmlichen“ Investitionsmöglichkeiten. Doch im privaten Bereich hatten gerade einmal 11% von diesem Begriff gehört. Daran hat auch die immer stärker werdende Präsenz der ETFs in der Finanzpresse bislang wenig geändert. Gerade aber für einen langfristig orientierten Investor können ETFs ein interessanter Weg sein, sein Vermögen zu verwalten.
Diese Diplomarbeit soll erläutern, was unter einem ETF zu verstehen ist und wie sich der Markt in den letzten Jahren entwickelt hat. Der Fokus der Arbeit liegt aber darauf, dem Leser eine Übersicht zu geben, wie die Fondsgattung kategorisiert werden kann. Dadurch wird dem Leser geholfen, sich in dem schnell wachsenden Markt der ETF-Fonds zurechtzufinden. Zusätzlich soll die Arbeit ihm eine Orientierungshilfe für eine mögliche Investition sein, deshalb werden abschließend Entscheidungskriterien für eine Anlage in ETF-Fonds betrachtet.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 3 |
| 2. | DEFINITION | 4 |
| 3. | ENTWICKLUNG DES ETF-MARKTES | 5 |
| 4. | KATEGORISIERUNGSMÖGLICHKEITEN | 7 |
| 4.1 | Art der Indexnachbildung | 7 |
| 4.1.1 | Full-Replication-Methode | 8 |
| 4.1.2 | Representative-Sample-Ansatz (= Optimierungsansatz) | 9 |
| 4.1.3 | Swap-Ansatz (=synthetische Replikation) | 10 |
| 4.2 | Passiver oder aktiver ETF | 13 |
| 4.2.1 | Passiver ETF | 13 |
| 4.2.2 | Aktiver ETF | 14 |
| 4.3 | Indexart | 15 |
| 4.3.1 | Kurs- bzw. Preisindex | 15 |
| 4.3.2 | Performanceindex | 16 |
| 4.3.3 | RAFI-Index | 17 |
| 4.4 | Ertragsverwendung | 18 |
| 4.4.1 | Ausschüttender ETF | 18 |
| 4.4.2 | Thesaurierender ETF | 19 |
| 4.5 | Breite des Index | 20 |
| 4.6 | Single- oder Dachfonds | 22 |
| 4.6.1 | Single-ETF | 22 |
| 4.6.2 | ETF-Dachfonds | 22 |
| 4.7 | Fondswährung | 25 |
| 4.8 | Einsatzmöglichkeiten von ETF-Fonds | 26 |
| 4.8.1 | Regelmäßiges Sparen mittels ETFs | 26 |
| 4.8.2 | Taktische Positionierung mittels ETFs | 33 |
| 4.8.3 | Core-Satellite-Strategie | 34 |
| 4.8.4 | ETF als Future-Ersatz | 35 |
| 4.8.5 | ETF als Instrument für diverse Strategien | 35 |
| 4.8.6 | ETF als Cash-Management | 36 |
| 4.9 | Abgebildete Asset-Klassen | 37 |
| 4.9.1 | Aktien-ETFs | 38 |
| 4.9.1.1 | Regionale Indizes | 38 |
| 4.9.1.2 | Länderindizes | 40 |
| 4.9.1.3 | Sektorenindizes | 42 |
| 4.9.2 | Strategie-ETFs | 45 |
| 4.9.3 | Renten-ETFs | 48 |
| 4.9.4 | Rohstoff-ETFs | 50 |
| 4.9.5 | Devisen-ETFs | 51 |
| 4.9.6 | Aktive ETFs | 52 |
| 4.9.7 | Übersicht: Kategorisierung der Asset-Klassen | 53 |
| 4.10 | Übersicht: Kategorisierungsmöglichkeiten | 55 |
| 5. | VOR- UND NACHTEILE VON ETF-FONDS | 57 |
| 5.1 | Vorteile | 57 |
| 5.1.1 | Fortlaufender Börsenhandel | 57 |
| 5.1.2 | Hohe Transparenz | 58 |
| 5.1.3 | Breite Diversifikation | 59 |
| 5.1.4 | Sicherheit durch Sondervermögen | 60 |
| 5.1.5 | Geringe Fondskosten | 61 |
| 5.1.6 | Indexrendite schwer schlagbar | 68 |
| 5.2 | Nachteile | 71 |
| 5.2.1 | Tracking Error | 71 |
| 5.2.2 | Prozyklische Anlagestrategie | 74 |
| 5.2.3 | Qualität und Relevanz des Index | 76 |
| 5.2.4 | Starre Anlagepolitik | 78 |
| 6. | ENTSCHEIDUNGSKRITERIEN ZUR ANLAGE IN ETF-FONDS | 80 |
| 6.1 | Entscheidungsschritte zur Anlage in ETF-Fonds | 80 |
| 6.2 | Entscheidungsmatrix zur Anlage in ETF-Fonds | 85 |
| 7. | AUSBLICK | 89 |
| ANLAGE | 90 | |
| LITERATUR- UND MEDIENVERZEICHNIS | 233 |
Textprobe:
Kapitel 5.1.6 Indexrendite schwer schlagbar:
Will ein Anleger sein Geld in Fonds investieren, so steht er am Anfang seiner Auswahl vor einer kaum zu lösenden Aufgabe. Im April 2008 waren im deutschsprachigen Raum allein 11.403 Fonds zugelassen. Hat er für die Investition nach seinen persönlichen Auswahlkriterien (z.B. Risikobereitschaft, Anlagehorizont oder Liquidität) eine Eingrenzung getroffen (z.B. Aktien Europa), stellt sich immer noch die Frage, welcher von den angebotenen Fonds wirklich von guter Qualität ist und welcher nicht.
Wenn ein Manager z.B. eine Rendite von 8% über ein Jahr erzielt hat, ist dies für den Anleger isoliert betrachtet von relativ geringer Aussagekraft, es sei denn, er zieht einen entsprechenden Vergleichsmaßstab heran. Hierfür wird in der Regel als Benchmark ein Index genutzt. So ist z.B. für einen Aktienfonds Europa der MSCI Europe als zu schlagende Messlatte geeignet.
Diese Benchmark versucht nun der Fondsmanager dauerhaft zu schlagen. Dabei muss er durch Analyse von Einzeltiteln, Branchen oder Regionen Unter- und Überbewertungen am Markt aufspüren und diese durch vorteilhafte Ein- und Ausstiegszeitpunkte nutzen, um eine Überrendite zum Vergleichsindex zu generieren.
Gerade das gelingt allerdings 80-90% der aktiven Fondsmanager nicht. Auch viele Fonds, die auf den ersten Blick ihren Index schlagen, schneiden nach Abzug des Ausgabeaufschlags, der jährlichen Verwaltungsgebühren, der Transaktionskosten und weiteren Fondskosten schlechter als dieser ab.
Einen Grund für diese Tatsache zeigen Studien wie die von Brinson, Hood und Beebower auf, welche die Asset-Allocation mit 93,6% als wichtigstes Kriterium für den langfristigen Erfolg eines Portfolios anführen. Aus dieser Überlegung abgeleitet haben neue Studien gezeigt, dass bei aktiven Aktienfonds die Rendite zu 85% von der Benchmark herrührt. Hierbei wurden 46 regionale und internationale ausschüttungsbereinigte Aktienfonds untersucht, die bereits seit über 20 Jahre aufgelegt waren (1987-2007) und für die im selben Zeitraum eine passende Benchmark als Vergleichsmaßstab existiert hatte. In dieser Untersuchung schafften es immerhin elf Fonds ihre Benchmark zu schlagen, also ein echtes Alpha (=marktunabhängige Zusatzrendite) unter Einbeziehung des Beta-Faktors (=marktabhängige Rendite) zu generieren, allerdings nur sehr wenige mit einer gewissen Kontinuität auf Jahresbasis (ein einziger Fonds in 14 von 20 Jahren besser als der Index).
Im Gegensatz dazu versucht ein ETF genau diese Benchmark möglichst exakt nachzubilden. Je geringer der in Abschnitt 5.2.1 beschriebene „Tracking Error“ ausfällt, desto genauer bildet der ETF den Index nach. Da der Anleger so auf Dauer immer mit dem Markt geht, schlägt er eben die 80-90% der aktiven Fonds, welche ihren Index nicht übertreffen. Der große Zuwachs der letzten Jahre im ETF-Bereich ist fast ausschließlich den Großanlegern geschuldet, welche durch ihr höheres Fachwissen und dem Zwang, mindestens so gut wie der Markt zu sein, genau diesen Vorteil nutzen wollen.
Oft wird dem (wie auch später im Abschnitt 5.2.4 beschrieben) der Erfolg mancher aktiver Fonds entgegengehalten, die es dauerhaft schaffen, ihre Benchmark zu übertreffen. Was in diesem Zusammenhang von der Presse allerdings wenig verbreitet wird, ist, dass eine Anlage in einen aktiven Fonds nicht eine Anlage in den Fonds selbst ist, sondern in die Qualität seines Managements. Zwar grenzt die festgelegte Anlagepolitik eines Fonds den Investitionsspielraum des Managers ein, wann und welche Titel er allerdings innerhalb dieser Vorgaben kauft und verkauft, bleibt allein ihm und seinem Team überlassen (unter Umständen mithilfe von quantitativen Modellen). Gerade bei neu aufgelegten Fonds ist daher zu prüfen, welche Qualitäten die Führungsebene vorweisen kann und ob sie sich schon, z.B. bei anderen Fonds, in diesen Märkten bewegt hat. Hat ein Manager bereits langjährige Erfahrungen sowohl in Auf- als auch in Abschwungphasen gemacht, kann er unter Umständen durch sein Wissen den Vergleichsindex schlagen. Dies garantiert allerdings nicht den dauerhaften Erhalt dieses Fondsmanagements für den Fonds. So kann es durchaus infolge von Ruhestand oder Abwerben der Konkurrenz zu einem Führungswechsel im Management kommen. Wird dann nicht rechtzeitig oder gar kein qualifizierter Nachfolger gefunden, leidet unter Umständen die Performance des Fonds erheblich darunter, obwohl sich dessen Anlagepolitik nicht verändert hat. Konsequenterweise muss deshalb permanent das Fortbestehen einer qualifizierten Führungsebene beobachtet und gegebenenfalls der Fonds gewechselt werden. Dies ist allerdings mit einem hohem zeitlichem Aufwand und erneuten Transaktionskosten verbunden und birgt auch das Problem, ob überhaupt ein zweiter überdurchschnittlicher Fonds im selben Anlagesegment vorhanden ist.
Diese Problematik eines Managementwechsels stellt sich bei einem ETF-Fonds nicht. Da dieser nur starr den Index nachbildet, braucht es kein Management, das über langjährige Erfahrung verfügt, weil die zu ergreifenden Maßnahmen wie eine Anpassung der Indexgewichtung Parameter darstellen, die vorgegeben und gleichzeitig zwingend umzusetzen sind. Deshalb ist ein Managementwechsel auch kein erheblicher Einschnitt für den Fonds, weil die klaren Ziele auch von dessen Nachfolger kongruent weitergeführt werden müssen.
Allerdings sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass es bestimmte Anlagesegmente gibt, in denen es deutlich mehr als 10-20% der aktiven Fondsmanager schaffen, ihren Index zu schlagen. Das gilt vor allem für wenig entwickelte Märkte und solche, in denen sich ein Manager durch Fachwissen, zusätzliche Informationen mittels Recherche und Erfahrung einen Vorteil erarbeiten kann. So konnte beispielsweise Friedrich Erhardt mit seinem Fonds Pioneer Invest Austria Stock (ISIN: AT0000857412) seinen Vergleichsindex, den österreichischen ATX, 18 Jahre in Folge outperformen.
Aber auch gegenüber Indizes, die einen sehr breiten und damit unterschiedlichen Markt abbilden, wie z.B. globale Aktienindizes (z.B. MSCI World), haben aktive Fondsmanager einen Vorteil. So sind Indexfonds bei der Gruppe „Aktienfonds Welt“ meist nur Mittelmaß. Dagegen sind bei übersichtlicheren und effizienteren Märkten, wie Aktienfonds Euroland oder Deutschland, ETFs nur schwer zu schlagen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836631082
Arbeit zitieren:
Thiery, Rupert April 2009: Entscheidungs- und Kategorisierungskriterien zur Anlage in ETFs, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
ETF, Exchange Traded Funds, Fonds, Index, Indexfonds



