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Entlohnung in der Sozialarbeit im geschlechtsspezifischen Kontext

Mittelbare Diskriminierung von Frauen in der Sozialarbeit, Ursachen und Lösungsansätze

Entlohnung in der Sozialarbeit im geschlechtsspezifischen Kontext
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Eva Maria Florianschütz
  • Abgabedatum: April 2010
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 398,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: FH Campus Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0682-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Florianschütz, Eva Maria April 2010: Entlohnung in der Sozialarbeit im geschlechtsspezifischen Kontext, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: mittelbare Diskriminierung, Geschlecht, Sozialarbeit, Gleichbehandlung, Entlohnung

Diplomarbeit von Eva Maria Florianschütz

Einleitung:

Geschlechterspezifische Einkommensunterschiede stehen seit einigen Jahren regelmäßig im Blickpunkt der Presse und der Öffentlichkeit. So wurde am 13. April 2010 der sogenannte ‘Equal Pay Day’ begangen. An diesem Tag haben es die Frauen in Österreich geschafft, das durchschnittliche Jahreseinkommen der Männer aus dem Jahr 2009 zu verdienen. Frauen müssen also im Durchschnitt mehr als dreieinhalb Monate länger arbeiten um ein gleich hohes Einkommen wie die Männer zu erreichen.

Österreich als Mitgliedstaat der Europäischen Union liefert, wie alle anderen Mitgliedstaaten, regelmäßig Datenmaterial über die Einkommenssituation von Frauen und Männern an die Europäische Kommission. Daraus wird eine gesamteuropäische Statistik erstellt. In dieser Statistik nimmt Österreich den vorletzten Platz ein. Das bedeutet, dass Österreich den zweithöchsten Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union aufweist.

Die vorliegende Arbeit setzt sich im Allgemeinen mit der Einkommenssituation von Frauen in der Europäischen Union und in Österreich auseinander. Im Speziellen wird die Frage untersucht, ob die Entlohnung in der Sozialarbeit für Frauen eine mittelbare Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts darstellt. Die von der Europäischen Union erhoben Faktoren, die zu einem geschlechtsspezifischen Einkommensunterschied führen, werden vorgestellt und die Ursachen dafür erforscht.

Das Kapitel ‘Vom Ehrenamt zur Profession’ spannt den Bogen mit ausgesuchten, historischen Aspekten der Sozialarbeit bis hin zur aktuellen Situation der in diesem Berufsfeld beschäftigten Personen.

Dem Recht auf ‘gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit’ einst und heute ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Es befasst sich u.a. mit der aktuellen Gesetzeslage und erklärt die wichtigsten rechtlichen Begriffe wie beispielsweise ‘mittelbare Diskriminierung’.

Mittelbare Diskriminierungen verbergen sich hinter vermeintlich objektiven Kriterien und Bestimmungen. Sie sind also auf den ersten Blick nicht erkennbar. Es bedarf detaillierte Erhebungen und eingehender Analysen, um mittelbare Diskriminierungen feststellen zu können. In Österreich bietet dafür der alle zwei Jahre erstellte Einkommensbericht des Rechnungshofes eine gute Grundlage dafür. Im Einkommensbericht werden als mögliche Ursachen der segregierte Arbeitsmarkt sowie die niedrige Entlohnung in den Bereichen, in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, genannt. Sozialarbeit gehört einer solchen ‘Niedriglohnbranche’, dem Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen an. Diese Branche zeichnet sich durch den höchsten Frauenanteil unter allen Branchen und vielen teilzeitbeschäftigten Frauen aus.

Die Sozialarbeit kämpft seit ihrer Entstehung mit der gesellschaftlichen Akzeptanz ihrer Arbeit. Sie leidet unter ihrer ‘Allzuständigkeit’ und ist immer wieder dem Vorwurf des nicht- bzw. semi-’professionellen’ Handelns ausgesetzt. Gleichzeitig wird der Sozialarbeit die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Ausbildung abgesprochen. Geschlechterstereotypen, Normen und Werte tragen ihres dazu bei, dass die Sozialarbeit in unserer Gesellschaft wenig Ansehen genießt.

Daher befasst sich das letzte Kapitel dieser Arbeit intensiv mit der Frage, welche Lösungsansätze die Sozialarbeit aus diesem Dilemma befreien können. Im Mittelpunkt stehen Entlohnungssysteme und ihr Einfluss auf die Bewertung von Arbeit. Es werden unterschiedliche Arbeitsbewertungsmethoden vorgestellt und ein Arbeitsbewertungssystem präsentiert, welches die Möglichkeit eröffnet, Arbeit diskriminierungsfrei zu bewerten. Anhand von zwei unterschiedlichen Kollektivverträgen wird aufgezeigt, wie sich die jeweils angewandte Arbeitsbewertungsmethode auf die Entlohnung auswirkt.

Abgerundet wird die vorliegende Arbeit mit einem Vergleich zwischen zwei Berufseinsteigerinnen am segregierten Arbeitsmarkt. Es wird dazu der Einstiegslohn eines Technikers und einer Sozialarbeiterin, beide Absolventen einer Fachhochschule, miteinander verglichen.

Am Ende steht ein Fazit, das sich intensiv mit den Ergebnissen zur Fragestellung der mittelbaren Diskriminierung von Frauen in der Sozialarbeit und möglichen Lösungsansätzen auseinandersetzt.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
2. VOM EHRENAMT ZUR PROFESSION 3
2.1 Aktuelle Situation der Sozialarbeit in Österreich 8
2.1.1 Statistische Datenerfassung in Österreich 8
2.1.2 Studierende und Beschäftigte im Bereich der Sozialarbeit in Österreich 9
2.1.3 Handlungsfelder der Sozialarbeit in Österreich 10
2.1.4 Öffentliche und private Träger 10
2.1.5 Beschäftigungsverhältnisse in der Sozialarbeit 10
2.2 Begriffsbestimmungen 11
2.2.1 Sozialarbeit 11
2.2.2 Geschlechtsspezifische Diskriminierung 11
2.2.3 Entlohnung und Entgelt 12
2.2.4 Gleiche, gleichartige und gleichwertige Arbeit 12
2.2.5 Entgeltdiskriminierung – Beschäftigungsdiskriminierung 13
3. DAS RECHT AUF GLEICHEN LOHN FÜR GLEICHWERTIGE ARBEIT 14
3.1 Historische Aspekte des Rechts auf Gleichbehandlung 14
3.1.1 Gleichbehandlungsrecht in Österreich 14
3.1.2 Internationale Verpflichtungen und Gemeinschaftsrechtliche Vorgaben 15
3.1.3 Entwicklung des österreichischen Gleichbehandlungsgesetzes 17
3.2 Der Einfluss des Europäischen Gerichtshofs 19
3.3 Das Gleichbehandlungsgesetz – (GlBG idF 2008/98) 21
3.3.1 Geltungsbereich, Ziel und Gleichbehandlungsgebot 21
3.3.2 Mittelbare Diskriminierung 22
3.3.3 Positive Maßnahmen 23
3.3.4 Entlohnungskriterien 24
3.4 Das Verhältnis des Kollektivvertrages zu anderen Rechtsquellen 26
4. GESCHLECHTERSPEZIFISCHE EINKOMMENSUNTERSCHIEDE IN DER EUROPÄISCHEN UNION 28
4.1 Geschlechtsspezifisches Lohngefälle in der EU 28
4.2 Faktoren - die zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle in der Europäischen Union beitragen 29
4.2.1 Anhaltende geschlechtsspezifische Differenzen 30
4.2.2 Beschäftigungsquote von Frauen in der Europäischen Union 30
4.2.3 Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Frauenbeschäftigungsquote 31
4.2.4 Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben 31
4.2.5 Teilhabe an Entscheidungsprozessen und Führungsaufgaben 32
4.3 Ursachen hinter den Faktoren 33
4.3.1 Ungleichbehandlung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt 34
4.3.2 Segregation oder der geteilte Arbeitsmarkt 34
4.3.3 Wertschätzung und Bewertung von Arbeit 35
4.4 Mittelbare Diskriminierung von Frauen in der EU 36
5. GESCHLECHTERSPEZIFISCHE EINKOMMENSUNTERSCHIEDE IN ÖSTERREICH 38
5.1 Zahlen und Daten zum geschlechtspezifischen Lohngefälle in Österreich 38
5.1.1 Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger 39
5.1.2 Mikrozensuserhebung 39
5.1.3 Verdienststrukturerhebung 40
5.1.4 Lohn- und Einkommenssteuerstatistik der STATISTIK AUSTRIA 40
5.1.5 Bericht des Rechnungshofes gemäß Bezügebegrenzungsgesetz 41
5.2 Einkommensbericht des Österreichischen Rechnungshofes 41
5.2.1 Unselbstständig Erwerbstätige und Bruttojahreseinkommen 42
5.2.2 Einkommensunterschiede bei vollzeitbeschäftigten Personen 42
5.2.3 Teilzeit - ein weibliches Phänomen 43
5.2.4 Betriebszugehörigkeit und Einkommensunterschiede 43
5.2.5 Bildung und Einkommensunterschiede 44
5.2.6 Frauenanteil in Berufen und Branchen 44
5.2.7 Mittelbare Diskriminierung von erwerbstätigen Frauen in Österreich 45
5.3 Geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede in der Sozialarbeit 46
5.3.1 Teilzeit und prekäre Beschäftigung in der Sozialarbeit 47
5.3.2 Analyse der Auswertung des Jobverteilers 47
6. URSACHEN DER MITTELBAREN DISKRIMINIERUNG IN DER SOZIALARBEIT 49
6.1 Geschlechterrollen, Normen, Werte und Stereotypen 49
6.1.1 Geschlechterrollen und -stereotypen 50
6.1.2 Normen 51
6.1.3 Werte und Arbeitswert 51
6.2 Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung 51
6.2.1 Wechselwirkung zwischen Einkommen und Erwerbsunterbrechung 52
6.2.2 Europäische Vorgaben versus staatliche Anreizsysteme 52
6.2.3 Das Selbstverständnisder Frau als Zuverdienerin 53
6.3 Sozialarbeit in Österreich im geschlechtsspezifischen Blickwinkel 53
6.3.1 Wissen und Kompetenzen der Sozialarbeit 53
6.3.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Sozialarbeit 54
6.3.3 Mehr Männer in die Soziale Arbeit 55
7. GLEICHWERTIGKEIT, ENTLOHNUNGSSYSTEME UND ARBEITSBEWERTUNG 57
7.1 Nationaler Aktionsplan zur Gleichstellung der Geschlechter in Österreich 57
7.1.1 Gleichwertigkeit von Arbeitsplätzen 58
7.1.2 Wie kann Gleichwertigkeit festgestellt werden? 59
7.1.3 Anforderungen an Entgeltsysteme – gegen eine Unterbewertung von frauendominierten Berufen 59
7.1.4 Anforderungskatalog an Entgeltsysteme 60
7.2 Arbeit neu bewerten 61
7.2.1 Kriterien der Lohnfindung in Österreich 61
7.2.2 Focus auf Unterbewertung von Tätigkeiten und Anforderungen 63
7.2.3 Arbeitsbewertung als Gestaltungselement gegen mittelbare Diskriminierung 63
7.2.4 Arbeitsbewertung in Kollektivverträgen und in Betrieben 64
7.2.5 Logik der Arbeitsbewertung 64
7.3 Konzepte der Arbeitsbewertung 64
7.3.1 Summarische Arbeitsbewertung 65
7.3.2 Analytische Arbeitsbewertung 65
7.3.3 Reihung und Stufung im Arbeitsbewertungsverfahren 66
7.3.4 Diskriminierungsproblematiken der analytischen Arbeitsbewertung 67
7.3.5 ABAKABA – ein diskriminierungsfreies Arbeitsbewertungssystem 68
7.4 Arbeitsbewertung in Kollektivverträgen 71
7.4.1 Kollektivvertrag der Eisen-/Metallerzeugenden und –verarbeitenden Industrie 71
7.4.2 Kollektivvertrag für Arbeitnehmerinnen, die bei Mitgliedern der Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheit- und Sozialberufe (BAGS) beschäftigt sind 73
7.4.3 Vergleich zweier Berufseinsteiger/innen am segregierten Arbeitsmarkt 75
8. FAZIT 77
9. LITERATURVERZEICHNIS 79
10. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 84
11. ANHANG 85
11.1 Lebenslauf 85

Textprobe:

Kapitel 4.2, Faktoren - die zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle in der Europäischen Union beitragen:

Die Ergebnisse der Erhebung von Eurostat zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle wurden auf ihre Ursachen hin untersucht. In der Analyse wurde unter anderem festgestellt, dass sich im Lohngefälle die unterschiedlichen Beschäftigungsmodelle von Frauen in den einzelnen Mitgliedsstaaten widerspiegeln. Ein unterdurchschnittliches Lohngefälle in der Mehrzahl der Länder mit niedriger Frauenerwerbsquote (z. B. Malta, Italien) ist signifikant. Dies ist wiederum ein Indiz dafür, dass gering qualifizierte oder unqualifizierte Frauen auf dem Arbeitsmarkt kaum in Erscheinung treten. In Ländern mit einer ausgeprägten geschlechtsspezifischen Segregation auf dem Arbeitsmarkt (z. B. in Zypern, Finnland, Slowakei) oder einem hohen Anteil von Teilzeit arbeitenden Frauen (z. B. in Österreich, Deutschland, Niederlande) besteht ein überdurchschnittliches Lohngefälle. Darüber hinaus können auch die Systeme und institutionelle Mechanismen der Festsetzung des Gehalts das Lohngefälle beeinflussen.

In Unternehmen in der Privatwirtschaft (25 Prozent) gibt es ein überdurchschnittliches Lohngefälle. Dieses fällt im Einzelfall je nach Unternehmen bzw. Beschäftigung sehr unterschiedlich aus. So nimmt das Lohngefälle beispielsweise mit der Größe des Unternehmens und steigendem Alter und Bildungs- und Qualifikationsniveau zu. Daraus lässt sich ableiten, dass sich Qualifikation und Erfahrung bei Frauen weniger stark im Gehalt niederschlagen als dies bei Männern der Fall ist. Die stärksten Lohngefälle in den Mitgliedsländern gibt es in der Industrie, bei Unternehmensdienstleistungen und im Finanzwesen.

4.2.1, Anhaltende geschlechtsspezifische Differenzen:

Im kürzlich erschienenen Bericht der Europäischen Kommission zur ‘Gleichstellung von Frauen und Männern 2010’ sind die Änderungen der letzten Jahre im Bereich der Geschlechtergleichstellung und der weitere Handlungsbedarf nachzulesen. So gibt es trotz einiger Fortschritte noch immer geschlechtsspezifische Differenzen in den unterschiedlichsten Bereichen. Unter anderem ist es wichtig, die Beschäftigungsquote von Frauen weiterhin zu forcieren. Die Entgeltbedingungen, Arbeitszeitmodelle und Karrierechancen für Frauen müssen verbessert werden. Die Übernahme von Betreuungsaufgaben und Pflichten im Haushalt dürfen nicht länger als ‘Frauenangelegenheiten’ betrachtet werden.

4.2.2, Beschäftigungsquote von Frauen in der Europäischen Union:

Die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt und damit zu einem wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in der EU beigetragen. Die Beschäftigungsquote von Frauen hat sich in den letzten 10 Jahren, um 7,1 Prozentpunkte erhöht und lag im Jahr 2008 bei 59 Prozent. Allerdings ist zu beachten, dass es Mitgliedstaaten gibt, deren Frauenbeschäftigungsquote unter 40 Prozent liegt - im Gegenzug dazu gibt es Mitgliedstaaten mit einer Frauenerwerbsquote von über 70 Prozent. Im Durchschnitt waren im Jahr 2008 um 13,7 Prozent mehr Männer beschäftigt als Frauen.

Arbeit zitieren:
Florianschütz, Eva Maria April 2010: Entlohnung in der Sozialarbeit im geschlechtsspezifischen Kontext, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
mittelbare Diskriminierung, Geschlecht, Sozialarbeit, Gleichbehandlung, Entlohnung

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