Neue Energien für Indonesien?
Die Rolle des Palmöls für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Clemens Westendorf
- Abgabedatum: Juli 2008
- Umfang: 68 Seiten
- Dateigröße: 747,2 KB
- Note: 2,7
- Institution / Hochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 63
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3280-5
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Westendorf, Clemens Juli 2008: Neue Energien für Indonesien?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Indonesien, Palmöl, Agrartreibstoff, Biodiesel, Kleinbauern
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Diplomarbeit von Clemens Westendorf
Einleitung:
‘Vieles wird zusehends schlechter, anderes wegsehends nicht besser’.
Die Frage nach der Bedeutung des Palmölsektors für Indonesien blieb bis Ende letzten Jahres für die breite Öffentlichkeit von einem geringen Interesse, lediglich Politikerherzen ließ die Debatte über die großen Potentiale der nachwachsenden Rohstoffe in Bezug auf die Energieversorgung – im Besonderen die Treibstoffe - höher schlagen, da ein ‘sauberer’ Ausweg aus der sich anbahnenden Versorgungskrise samt Klimadebatte möglich schien. Noch im Mai 2007 titelte Das Parlament ‘Äcker werden Allround-Zulieferer’ und im Oktober brachte die Süddeutsche Zeitung eine Sonderbeilage zu alternativen Energien mit der These, dass die Nutzung sogenannter Energiepflanzen, zu der die Ölpalme zählt, eine große Zukunft vor sich hätte. Seit Beginn dieses Jahres jedoch hat sich die anfängliche Euphorie in das Gegenteil verwandelt: Durch die gewaltige öffentliche Aufmerksamkeit, die den Agrartreibstoffen nun zuteil wurde, kamen auch die Kehrseiten dieser mit Vorschlusslorbeeren bedachten Energiealternative ans Licht. Am Ende dieser Arbeit wird daher in einem separaten Kapitel auf das Thema Palmöl als Agrartreibstoff eingegangen.
Eingeteilt ist die Arbeit in einen deskriptiven und analytischen Teil. In ersterem wird zunächst in einem Überblick der gesamte Weltmarkt der pflanzlichen Öle und Fette präsentiert, um dann den Fokus auf das Palmöl zu richten, das zu den wichtigsten Einzelmärkten mit Indonesien als Globalplayer zählt. Anschließend werden die Voraussetzungen für den Anbau der Ölpalme, deren Produktionsbedingungen und Wertschöpfungskette mit Palmöl in seinen unterschiedlichen Anwendungsgebieten erläutert, dabei wird die besondere Position Indonesiens herausgestellt. Den Abschluss dieses Teils bildet ein Überblick der Historie der Ölpalmenkultivierung in Indonesien.
Der zweite, analytische Teil beginnt mit der Frage, ob Landwirtschaft normativ zur Entwicklung eines Landes beitragen kann und wendet sich daraufhin dem indonesischen Palmölsektor zu. Untersucht werden die Veränderungen dieses Sektors anhand verschiedener politischer - direkter wie indirekter - Maßnahmen seitens des indonesischen Staates und deren Auswirkungen hinsichtlich der erwünschten Ziele. Es werden die Folgen der massiven Expansionsstrategie für Mensch und Natur aufgezeigt, die neben den Problemen der Nachhaltigkeit auch Menschenrechtsverletzungen und die unwiderrufliche Zerstörungen der einzigartigen Biodiversität der Regenwälder beinhaltet. An dieser Stelle fügt sich das Kapitel über Palmöl als Agrartreibstoff in die Problematik ein. Abschließend wird ein Ausblick zu den selbst gesetzten Zielen Indonesiens gegeben und in einem Fazit die Fragen dieser Arbeit beantwortet werden, welche Bedeutung das Palmöl für Indonesien momentan spielt und wie es in der Zukunft aussehen könnte.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | 0 | |
| Abbildungen und Tabellen | 1 | |
| 1. | Einleitung | 2 |
| Deskriptiver Teil | 3 | |
| 2. | Die Welt der Öle und Fette | 3 |
| 2.1 | Weltmarkt | 3 |
| 2.1.1 | Handel | 4 |
| 2.1.2 | Der Konsum | 6 |
| 2.1.3 | Das Angebot auf dem Palmölmarkt | 7 |
| 2.1.4 | Der Handel und Konsum auf dem Palmölmarkt | 8 |
| 2.1.5 | Die Wettbewerbsfähigkeit des Palmölmarktes | 9 |
| 2.1.6 | Indonesien - der Weltmarktführer | 9 |
| 3. | Eine Einführung zum Palmöl | 11 |
| 3.1 | Anbaubedingungen | 11 |
| 3.1.1 | Anbaugebiete: Weltweit | 12 |
| 3.1.2 | Anbaugebiete: Indonesien | 12 |
| 3.2 | Produktionssysteme | 14 |
| 3.3 | Produktionsphasen und -aktivitäten | 14 |
| 3.4 | Ertrag | 15 |
| 3.5 | Wertschöpfungskette | 15 |
| 3.5.1 | Palmöl als Lebensmittel | 16 |
| 3.5.2 | Palmöl als Nicht-Lebensmittel | 16 |
| 3.5.3 | Palmöl als Treibstoff | 16 |
| 3.6 | Die Anfänge der Palmölproduktion in Indonesien | 17 |
| 3.7 | Die Zeit der ‘New Order’ | 18 |
| 3.8 | Nach ‘New Order’ bis heute | 20 |
| Analytischer Teil: | 20 | |
| 4. | Ist die Landwirtschaft ein geeigneter Motor für die Entwicklung eines Landes? | 21 |
| 4.1 | Effektivität der Landwirtschaftspolitik | 23 |
| 4.1.1 | Ausgangslage | 23 |
| 4.1.2 | Ziel | 23 |
| 4.2 | Indonesien im Spannungsfeld von Fortschritt und Entwicklung | 24 |
| 5. | Erfüllt die Palmölwirtschaft die Hoffnungen der indonesischen Regierung? | 30 |
| 5.1 | Direkte Instrumente der Förderung | 31 |
| 5.1.1 | Kleinbäuerliche Strukturen | 31 |
| 5.1.1.1 | Das Modell der sogenannten Nucleus Estates | 31 |
| 5.1.1.2 | Die KKPA-Programme | 35 |
| 5.1.1.3 | Joint Venture Modelle | 35 |
| 5.1.2 | Ergebnisse der staatlichen Programme zwischen 1978 und 2001 | 36 |
| 5.1.3 | Unabhängige, nicht unterstützte Kleinbauern | 38 |
| 5.1.4 | Vergleich der Vor- und Nachteile unterstützter sowie individueller Kleinbauern | 39 |
| 5.1.4.1 | Staatsbetriebe | 40 |
| 5.1.4.2 | Privatunternehmen | 41 |
| 5.1.5 | Indirekte Instrumente der Förderung | 42 |
| 5.1.5.1 | Exportsteuern | 45 |
| 5.1.5.2 | Direktverkauf | 46 |
| 5.1.5.3 | BULOG Operationen | 47 |
| 5.1.5.4 | Subventionen | 48 |
| 5.1.5.4.1 | Marktkonzentration in der Raffinationsindustrie als ungelöstes Problem | 48 |
| 5.2 | Stand der Dinge | 48 |
| 5.2.1 | Palmölwirtschaft | 49 |
| 6. | Was sind die Folgen der massiven Expansionsstrategien? | 50 |
| 6.1 | Soziale Auswirkungen | 51 |
| 6.2 | Ökologische Auswirkungen | 53 |
| 6.3 | Wirtschaftliche Auswirkungen | 55 |
| 7. | Agrarsprit - das grüne Gold ? | 55 |
| 8. | Ausblick | 58 |
| 9. | Fazit | 60 |
| 10. | Literaturverzeichnis | 62 |
Textprobe:
Kapitel 4.2, Indonesien im Spannungsfeld von Fortschritt und Entwicklung:
Aus den Ausführungen zur historischen Entwicklung der Palmölwirtschaft zu Beginn der Arbeit ist ersichtlich geworden, dass seit der Politik der sogenannten ‘New Order’ die Landwirtschaft allgemein und später im Besonderen der Anbau der Ölpalme als Entwicklungsvehikel erkannt und in den verschiedenen Repelitas auch genutzt wurde. An dieser Stelle soll sich jedoch weniger mit historischen Daten beschäftigt werden als vielmehr mit dem aktuellen Stand. Wie hat die Landwirtschaft Indonesien verändert, wo steht es heute? Und welche anderen wichtigen Prozesse und Entwicklungen gab es in der wirtschaftlichen Entwicklung Indonesiens, die das Land und die Lage der Menschen veränderten?
Zu Beginn der Betrachtung ist es ratsam, sich zu verdeutlichen, dass Indonesien ein Land der extremen Kontraste ist. Der Inselstaat Indonesien besteht aus mehr als 17.000 Inseln, von denen 6.000 unbewohnt sind. Über drei Zeitzonen erstrecken sich Regenwälder, Agrarprärien und alpine Berge. In Indonesien werden von 300 verschiedenen Ethnien gut 250 Sprachen gesprochen. Auf der einen Seite gehört die Insel Java zu den dicht besiedelsten Orten der Welt, auf der anderen Seite ist Papua eine der am geringsten besiedelten Regionen dieses Planeten. So befinden sich einige Teile Indonesiens auf dem Weg zur Klassifizierung sogenannten HIC-Länder, während sich andere Teile auf dem Stand sogenannten LIC-Länder befinden. Die Versorgung mit den elementaren öffentlichen Gütern wie Bildung und Gesundheitseinrichtungen ist in den großen Städten wie Jakarta genauso gut wie in den Industrieländern, während sie außerhalb und besonders im Osten des Landes auf dem Stand armer Entwicklungsländer wie z.B. in Afrika verharren. Diese offensichtlichen Zustände decken sich auch mit den Berechnungen der Weltbank, dass Armut in Indonesien von der Landwirtschaft abhängt: Armut ist positiv korreliert mit dem Anteil des BIPs, der im Agrarsektor erwirtschaftet wird und negativ abhängig vom Anteil des verarbeitenden Sektors. Zusätzlich wird ein großer Dienstleistungssektor mit einer geringeren Pro-Kopf-Armut assoziiert.
Gründe für diesen Entwicklungsprozess bis zum Jahr 2000 lassen sich an verschiedenen Phasen, d.h. Veränderungen der indonesischen Politik verdeutlichen.
Die Rehabilitierungs- und Stabilisierungsphase 1966-1970: Es folgte ein Wechsel von einer geschlossenen Wirtschaft und dem System interventionistischer Wirtschaftspolitik hin zu einer mehr marktorientierten Wirtschaft. Die Makropolitik war gekennzeichnet durch eine straffe Geld- und Fiskalpolitik; die Regierung installierte ein System fester Wechselkurse, was die bisher verschiedenen Wechselkurssysteme vereinheitlichte, den Beginn der Entwertung der Währung bedeutete und der Staatsverschuldung wieder auf die Beine half. Die Handelspolitik wurde 1967 liberalisiert, d.h. das Importlizenzsystem wurde zugunsten eines neuen ‘Export-Bonus’-Schematas aufgegeben, und 1970 erließ die indonesische Regierung ein großes Paket neuer Handelsbestimmungen, um die Import- wie auch Exportgeschäfte zu erleichtern. Zugleich eliminierte sie die internationalen Finanzkontrollen. Auch die Investitionspolitik wurde 1967 mit einem Gesetz für ausländische Investoren liberalisiert: Es enthielt die Garantie auf eine 30jährige Nichtverstaatlichung, zwei Jahre Steuerfreiheit, die Befreiung von Importzöllen und Verkaufssteuern bei der Einfuhr von Maschinen und Ausrüstung, beschleunigte Abschreibungen, garantierte Repatrierung von Kapital, Gewinnen und Provisionen für den steuerlichen Vortrag von Verlusten. 1968 wurden auch inländische Investoren durch ein solches Gesetz begünstigt. Zur selben Zeit wurden die finanziellen Institutionen allen voran die Staatsbank durch neue Gesetze grundlegend reformiert. In dieser Zeit wird ein rascher struktureller Wandel angestrebt, der die wachsende Rolle industrieller Produktion hervorhebt: Der Anteil der Landwirtschaft am BIP sinkt, während das produzierende Gewerbe sich anschickt, den Agrarsektor als dominierenden Sektor abzulösen. Belastbare Zahlen zur Armut in dieser Zeit sind nur schwer zu finden: Schätzungen gehen davon aus, dass Mitte der 1960er 50 Prozent der Gesamtbevölkerung unterhalb einer sehr bescheidenen Armutsgrenze lebten.
Die Ölboomjahre zwischen 1971 und 1981: Wirtschaftspolitisch steuerte das Land Ende der 1970er eine interventionistischere Politik an, indem die Regierung eine Importsubstitutionsstrategie wählte, wie sie Mitte der 1960er in Brasilien oder auch Mexiko zu erstaunlichen Ergebnissen führte, die sich beginnend mit Endprodukten hin zu Zwischen- und Kapitalgütern wendete. Dazu verwendete die Regierung vier Hauptkanäle: Die Staatsbank vergab subventionierte Kredite an bevorzugte Klienten, der Staat selbst schuf Unternehmen in strategischen wie kapitalintensiven Industrien wie der Ölraffinade, der Zement-, Stahl-, Flugzeug- sowie Düngemittelindustrie, die Importbeschränkungen wurden in Form einzelner maßgeschneiderter Tarife sowie nicht tarifierter Beschränkungen wie etwa in der Schwerindustrie als auch ad hoc Maßnahmen verhängt. Um die industriepolitischen Ziele zu erreichen wurde auch in die Raumverteilung eingegriffen, um damit die Entwicklung kleinerer Industrien und der heimischen Wirtschaft zu beeinflussen. Während des Ölbooms wuchs die Beschäftigung im Agrarsektor sehr langsam: Im Vergleich zum Wachstum der gesamten Wirtschaft mit 2,8 Prozent, wuchs die Beschäftigung jedes Jahr nur um ein Prozent. Als Konsequenz daraus fiel der Beschäftigungsanteil der Landwirtschaft von 64 Prozent 1971 auf 56 Prozent im Jahr 1980. Daraus darf aber nicht gefolgert werden, dass das langsame Wachstum auf einer relativen Vernachlässigung des Agrarsektors beruhte, vielmehr resultierte es aus einer wachsenden Produktivität und der Einführung neuer Technologien, der sogenannten ‘grünen Revolution’. Die Armutswahrscheinlichkeit in urbanen Gebieten sank im Jahr 1976 von 54 auf 38,8 Prozent, während sie auf dem Land von 39 auf 40,4 Prozent stieg. Dieser Erfolg beruhte auf den wirtschaftlichen Liberalisierungen und der Stabilisierung durch die Verringerung der Inflation, dabei sollte man jedoch berücksichtigen, dass weiterhin circa 54 Millionen unterhalb der Armutsgrenze lebten und der Verdacht nahe lag, dass die große Mehrheit der Indonesier immer noch arm war. Die höchst unterschiedliche Geschwindigkeit der Armutsreduktion zwischen dem Land und den Städten führte zu großen Disparitäten in den frühen 1970ern: Die schnelle Aufwertung der heimischen Währung hatte schwere negative Auswirkungen für die Produzenten und Exporteure von Nicht-Öl-Produkten zur Folge. Die Kleinbauern im landwirtschaftlichen Sektor litten besonders unter diesem Terms of Trade – Effekt. Ende der 1970er fiel dann aber die Armutswahrscheinlichkeit auf dem Land schneller als in der Stadt: Der Anteil der ländlichen Bevölkerung unterhalb der Armutslinie sank von 40 auf 26,5 Prozent, während der Anteil in der Stadt von 39 auf 28 Prozent sank. Unterstützt wurde diese Entwicklung einerseits durch eine Stabilisierung der Lebensmittelpreise durch die Regierung. Andererseits sorgten neue landwirtschaftliche Technologien für neue Produktionsmöglichkeiten bei der Veredelung und für neue Vertriebsmöglichkeiten und damit für steigende Einkommen. Letztendlich wirkte der Ölboom aber auch auf dem Land, indem die Sektoren außerhalb des Agrarsektors wachsen konnten und sich dadurch zusätzlich eine Binnenmigration entwickelte (sobald die Arbeitsmärkte in den Städten anfingen zu boomen, kam es zu Land-Stadt-Bewegungen).
Die ambivalente Periode zwischen 1982 und 1986: Während der finanzielle Sektor weitestgehend liberalisiert war und blieb, wurde die Industrie- und Handelspolitik immer interventionistischer; ein 1982 eingeführtes Importregulationssystem und weitere Importrestriktionen ergänzten ein kompliziertes System von Importlizenzen. Das Niveau absoluter Armut sank von 33,4 Prozent 1978 auf 21,2 Prozent 1984 und 16,4 Prozent 1987, die relative Armut sank ebenfalls signifikant von 22,6 auf 18,1 Prozent in den Städten und von 16,7 auf 10 Prozent auf dem Land (im Zeitraum von 1980 bis 1987) und auch der Ginikoeffizient ging von 0,36 auf 0,32 in den Städten und von 0,31 auf 0,26 auf dem Land zurück. Trotz der Rezession in den 1980ern stiegen die Löhne auf dem Land aufgrund der gestiegenen Produktivität in der Landwirtschaft und den substantiellen ökonomischen Aktivitäten im nicht-landwirtschaftlichen Bereich. Es gab eine große Beteiligung ländlicher Haushalte im sogenannten informellen Sektor in den städtischen Ökonomien Javas als Folge der verbesserten Infrastruktur und Transportmöglichkeiten, die die Kosten des Pendelns und der Migration bedeutend gesenkt haben.
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Indonesien, Palmöl, Agrartreibstoff, Biodiesel, Kleinbauern



