Empowerment im Quartiersmanagement von Berlin - Ideologie und Wirklichkeit eines sozialpolitischen Konzeptes
Empirische Untersuchung am Beispiel der Bürgerbeteiligungsverfahren "Planungszelle" und "Open Space Technology"
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Martin Schönberg
- Abgabedatum: Mai 2000
- Umfang: 138 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2732-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2732-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2732-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schönberg, Martin Mai 2000: Empowerment im Quartiersmanagement von Berlin - Ideologie und Wirklichkeit eines sozialpolitischen Konzeptes, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Open Space Technology, Planungszelle, Empowerment, Bürgerbeteiligung, Quartiersmanagement
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Diplomarbeit von Martin Schönberg
Einleitung:
Thema der Arbeit ist das in Berlin 1999 initiierte Sozialprogramm „Quartiersmanagement“. Quartiersmanagements sind staatlich beauftragte und bezahlte Einrichtungen mitten in Stadtteilen mit großen sozialen Problemen. Die Aufgabe dieser Quartiersmanagements ist es, ihrem Gebiet neue Perspektiven zu verschaffen – und zwar vor allem durch „Empowerment“: Durch Empowerment sollen die Bewohner instand gesetzt werden, die Belange ihres Stadtteils auf der Grundlage eigener Strategien selbst in die Hand zu nehmen. Die Diplomarbeit zeigt auf empirischer und theoretischer Basis, inwieweit die in zwei verschiedenen Quartiersmanagements durchgeführten Bürgerbeteiligungsverfahren „Planungszelle“ und „Open Space Technology“ geeignet sind, in einem Wohnquartier Empowermentprozesse anzustossen.
Die Diplomarbeit fokussiert ein Thema, das immer aktueller wird: Bürgerbeteiligung zur Lösung lokaler Probleme, Eigenverantwortung in der Zivilgesellschaft.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Quartiersmanagement | 3 |
| 2.1 | Allgemein | 3 |
| 2.2 | Quartiersmanagement in Berlin | 7 |
| 3. | Bürgeraktivierung und Empowerment | 13 |
| 4. | Zwei Quartiersmanagements | 21 |
| 4.1 | Wrangelkiez (Kreuzberg) | 21 |
| 4.2 | Boxhagener Platz (Friedrichshain) | 22 |
| 5. | Bürgerbeteiligungsverfahren | 23 |
| 5.1 | Planungszellen (Wrangelkiez) | 23 |
| 5.2 | Open Space Technology (Boxhagener Platz) | 26 |
| 6. | Fragestellung und Zielsetzung der Diplomarbeit | 29 |
| 7. | Methoden der Erhebung | 31 |
| 7.1 | Allgemein | 31 |
| 7.2 | Teilnehmende Beobachtung | 34 |
| 7.3 | Leitfadeninterview | 36 |
| 8. | Zur Auswertung der Leitfadeninterviews | 42 |
| 9. | Zur Organisation der Ergebnisdarstellung | 44 |
| 10. | Erfolg und Misserfolg: Open Space Technology und Planungszellen | 45 |
| 11. | Die Bürgerbeteiligungsverfahren und die Frage nach Empowerment | 48 |
| 11.1 | Theoretische Orientierung | 48 |
| 11.2 | Beschränkung in der Planungszelle | 55 |
| 11.2.1 | Organisatorische Hintergründe | 55 |
| 11.2.2 | Deskription und Bewertung | 56 |
| 11.3 | Entfaltung im Open Space | 65 |
| 11.3.1 | Organisatorische Hintergründe | 65 |
| 11.3.2 | Deskription und Bewertung | 66 |
| 12. | Kritische Perspektiven | 77 |
| 12.1 | Empowerment und Verwaltung: Ideologische Diskrepanzen und ihre Folgen | 77 |
| 12.2 | Empowerment im Quartiersmanagement: Das Paradox und seine Deutung | 84 |
| 13. | Zusammenfassung der Ergebnisse | 97 |
| 14. | Schluss und Anschluss | 102 |
| Literatur | 104 | |
| Anhang: | 107 | |
| 1. | Karten | 107 |
| 2. | Das Projekt für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie (Auszug) | 108 |
| 3. | Ein Interviewleitfaden | 109 |
| 4. | Übersicht zu den interviewten Teilnehmern der Bürgerbeteiligungsverfahren | 112 |
| 4.1 | Planungszellen (Wrangelkiez) | 112 |
| 4.2 | Open Space Technology (Boxhagener Platz) | 115 |
| 5. | Ein Interviewprotokoll | 116 |
Gleich zu Beginn hätte es Anknüpfungspunkte für eine Aktivierung gegeben: Teilnehmer fangen von sich aus an, über bestimmte Themen zu sprechen. Der Moderator unterbindet dies sehr schnell, und die dargelegte Struktur des Verfahrens unterläuft dauernd solche Manifestationen der Selbständigkeit. Auch die Möglichkeit, die aus der Präsenz von fachkundigen Referenten erwächst, kann unter diesen Voraussetzungen nicht genutzt werden: Wäre die Organisation eher auf Empowerment hin angelegt, kämen die Teilnehmer vielleicht auf den Gedanken, die Referenten als Helfer für eigene Projekte zu betrachten und ihr Wissen und ihre Kontakte anzuzapfen. Zur Plausibilisierung einer kritischen Bewertung ist es zweckmäßig, sich kurz in das Geschehen der Kleingruppen einzublenden: Der Umstand, dass jeder über jedes Thema in einem stramm durchgehaltenen Zeitplan sprechen muss, führt (nicht immer, aber immer wieder) zu Phänomenen, die jeder aus der Schulzeit kennt: Leute schalten ab, zeigen Symptome der Müdigkeit. Oder sie bringen sich in Stimmung, machen Faxen, Witze, flirten – hierfür gelingt es ihnen, Gemeinsamkeiten offenzulegen; der Ernst geht verloren. Manchmal können die Leute nicht miteinander ins Gespräch kommen, weil sie sich überhaupt nicht aufeinander beziehen, es bilden sich dann innerhalb der Kleingruppe noch kleinere Subeinheiten, manchmal nur aus einer Person bestehend, deren Kommunikationen nicht füreinander anschlussfähig sind. Beispiel: Bei der Diskussion über Prostitution beklagen zwei deutsche Frauen die sie verachtende Gesellschaft, der Mann neben mir flüstert mir ins Ohr, nirgendwo habe er schönere Frauen als in St. Pauli gesehen, und die beiden libanesischen Frauen, Mutter und Tochter, reden arabisch, während die Tochter den Zettel bemalt, auf dem die Frage formuliert wurde. Wenn eine Diskussion aufkommt, dann verläuft sie oft schleppend. Vereinzelt stehen Leute auf, wohl weil sie es nicht mehr aushalten, und laufen herum. Polemisch gesagt: Die Veranstaltung treibt die Teilnehmer in eine Regression. Für den Vergleich mit dem Verhalten der Schüler spricht neben den Räumlichkeiten auch, dass zu Beginn jeder Kleingruppe diese die Aufgabenstellung jeweils auf zwei Blättern präsentiert bekommt: Das erste Blatt fordert auf, die eigene Betroffenheit darzulegen: „Fühlen [...]
Die Teilnehmer der Planungszelle sind eingepfercht in eine unablässig kontrollierte ZeitThema-Relation, die, zusammen mit einer kleinen Kontakt-Freiheit und einer vollständigen Themadetermination, Empowermentprozesse kaum aufkeimen lässt: Die schnelle, geradezu stakkatohafte Abfolge verschiedenster Themen, der rasche Wechsel der Kleingruppenpopulation und die oben beschriebene sehr kurzatmige Abfolge der Arbeitsschritte (Referat, Fragen, Übergang, Kleingruppe, Übergang, Präsentation der Ergebnisse) – all das korrespondiert strukturell mit dem schnellen Wechsel optischer Eindrücke, den Simmel beschreibt. Daher werden auch die Folgen dieser Überforderung der Sinne reproduziert. Und diese Folgen lähmen, sie stehen dem Anspruch, Empowerment zu organisieren, durchaus entgegen: Reserviertheit zwischen den Meschen verhindert eine Qualität von Kennenlernen, auf deren Basis wechselweise an die für eine Kiezaktivität notwendigen thematischen Gemeinsamkeiten appelliert werden könnte. Im Plenum beherrscht die Auseinandersetzung mit dem Referenten die Szene. In der Kleingruppe ist zu wenig Zeit. Hier unterliegt die Chance, sich über die Gemeinsamkeit eines Themas kennenzulernen oder gar zu vernetzen, dem Zufall: Da weder Kontakt-Freiheit noch Thema-Freiheit gegeben sind, besteht auch nicht die Möglichkeit, sich mit den Leuten zusammenzutun, die sich für das gleiche Thema interessieren. Auch in der gleichfalls kurzen Zeit abseits der strukturierten Phasen (Plenum und Kleingruppe) kommt es nicht zu einer gegenstandsbezogenen Annäherung, weil sich die Teilnehmer durch SmallTalk von der anstrengenden Hektik der Veranstaltung erholen müssen. Blasiertheit, das Abstumpfen der Sinne, heißt hier: Die Teilnehmer sind außerstande, sich auf die Probleme richtig einzustellen, sie in ihrer Schärfe zu würdigen. Sie können, so distanziert von den Themen, keine emotionale Betroffenheit entwickeln, die doch so wichtig wäre für eine Aktivität. Intellektualisierung schließlich bedeutet zufolge der extremen Zeit-Thema-Relation keineswegs die Kompetenz, sich den Problemen analytisch zu nähern. Wendet man diese Überlegungen ins Positive, kann man Bedingungen der Möglichkeit für Empowerment in der Großstadt formulieren: Es bedarf eines geschützten Raumes, in dem es möglich ist, das zu tun, was man im Alltag nicht tun kann: sich (thematisch und personell) zu konzentrieren und zu besinnen. [...]
Auch Erik reflektiert das Zeitproblem ausführlich: Die Veranstaltung sei „straff“ durchgezogen worden, wobei die Teilnehmer von den “spröde-rigorose(n)“ Studentinnen, den Assistenten des Moderators, mitunter „ruppig zur Ordnung gerufen“ worden seien. Und wenn man gerade versucht habe, etwas zu verstehen, habe es schon wieder „weiter, weiter“ geheißen. Hinzu komme, dass man erst einmal Zeit gebraucht habe, um die Präsentation der Themen durch die Fachleute zu verstehen. Demgegenüber zeigt die vergleichende Analyse der beiden Teilnehmenden Beobachtungen, dass die Zeit gemessen am Anspruch, Empowerment zu organisieren, nicht in einem absoluten, sondern in einem bestimmten relativen Sinn zu knapp war: Sie war zu knapp in Relation zur Menge der zu verarbeitenden Themen. Von den befragten Teilnehmern der Open Space Konferenz wurde auf das Thema Zeit überhaupt nicht Bezug genommen, obwohl sie insgesamt viel weniger Zeit zur Verfügung hatten (s.u.). [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832427320
Arbeit zitieren:
Schönberg, Martin Mai 2000: Empowerment im Quartiersmanagement von Berlin - Ideologie und Wirklichkeit eines sozialpolitischen Konzeptes, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Open Space Technology, Planungszelle, Empowerment, Bürgerbeteiligung, Quartiersmanagement



