Empfehlung zur Strukturierung von Rentenfonds aus der Sicht eines Fondsmanagers
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Marco Thuß
- Abgabedatum: März 2003
- Umfang: 96 Seiten
- Dateigröße: 628,2 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Mittweida (FH) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8271-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8271-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8271-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Thuß, Marco März 2003: Empfehlung zur Strukturierung von Rentenfonds aus der Sicht eines Fondsmanagers, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rentenfonds, Fondsrating, Barbell-Strategie, Bullet-Strategie, Ladder-Strategie
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Diplomarbeit von Marco Thuß
Einleitung:
In den letzten Jahrzehnten zeichnete sich ein klarer Trend im Hinblick auf den Vermögensaufbau von deutschen Privatanlegern ab. Ein entscheidender Fakt dabei war die zunehmende Eigenverantwortlichkeit bei der Absicherung der eigenen zukünftigen Rentenbezüge. Während der Anteil des Sparens mit Investmentfonds, gemessen am jährlichen Aufkommen der privaten Ersparnis, im Jahre 1970 nur ca. 2,5 % betrug, investierten private deutsche Haushalte netto 1999 bereits rund 40 % in diese Anlageform.
Ein ähnlicher Anstieg ist auch für das Fondsvolumen der deutschen Publikumsfonds, also der Fonds, die von Kapitalanlagegesellschaften (KAG) öffentlich angeboten und von jedem erworben werden können, nachvollziehbar. So verzehnfachte sich dieses Volumen im Zeitraum von 1987 bis 2001 von 40,45 Mrd. € auf 417,48 Mrd. €, was die zunehmende Bedeutung des Fonds als Kapitalanlage eindrucksvoll unterstreicht. Diese enorme Zunahme an Vertrauen ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Investmentfonds für den Anleger eine sehr transparente Investition darstellen.
Die Kapitalanlage-gesellschaften sind strikten juristischen Restriktionen durch das Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen (BfK) und das Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften (KAGG) unterlegen. Somit ist gewährleistet, dass dem Anleger alle relevanten Informationen zugänglich sind. Beispielhaft seien hier nur Anlagevorschriften, Aspekte der Risikostreuung, Berechnungsmethoden der Fondspreise oder die Anlagephilosophie erwähnt.
Der Privatanleger hat derzeitig die Auswahl aus mehr als 6000 Fonds mit den unterschiedlichsten Anlagestrategien. In den neunziger Jahren wurde verstärkt auf Aktien- und Branchenfonds gesetzt, da hier überproportionale Gewinnpotenziale möglich waren. Nachdem jedoch die Spekulationsblase Anfang 2000 platzte und die Welt nach den Terroranschlägen des 11.September 2001 erschüttert wurde, flüchteten sich viele Investoren in den weit weniger spekulativen Rentenmarkt.
Doch auch hier hat der Anleger die Qual der Wahl. Mehr als 1000 Rentenfonds bietet der Markt. Dies stellt nicht nur die privaten Investoren vor einige Probleme. Gerade die Manager der Fonds müssen zunehmend versuchen, sich entscheidend von der Konkurrenz abzuheben, um im Wettbewerb bestehen zu können. Hinzu kommt der Erwartungsdruck der Anleger an eine professionellen Portfolioverwaltung. Regelmäßig sollen höchstmögliche Renditen und Kurssteigerungen erzielt werden.
Die Erfüllung dieser berechtigten und doch meist übertriebenen Erwartungshaltung darf, aufgrund der Vielzahl der am Markt vertretenen Fonds, jedoch stark bezweifelt werden. Nicht selten werden die Überschussrenditen von Rentenfonds durch verschiedenste Gebühren gemindert oder gar aufgezehrt. Dies betrifft besonders stark die ausschüttenden Rentenfonds, da die jährlichen Ausschüttungen bei Wiederanlage erneut den Ausgabeaufschlägen der Fonds unterlegen sind. Die Fondsgesellschaften versuchen die Folgen dieser Tatsache mit Hilfe von gesonderten Konditionen und Rabattaktionen zu lindern.
Unbestritten ist, dass es erhebliche Differenzen in der Performance von Rentenfonds gibt. Den Beweis dafür liefern unter anderem Rating- und Rankingagenturen, wie Standard & Poor´s, FERI Trust, Morningstar oder Moody´s, durch ihre Bewertungen. Wo aber genau liegen die Unterschiede zwischen den Fonds? Warum entwickelten sich einige Rentenfonds besser als andere, und weswegen überstanden einige dieser Fonds bestimmte weltwirtschaftliche Gegebenheiten und Zyklen weitaus unbeschadeter als vergleichbare andere?
Ziel dieser Arbeit ist es, die aus der Problemstellung hervorgehenden Fragestellungen einer Lösung näher zu bringen, mit dem Ergebnis einer Empfehlung zur Strukturierung von Rentenfonds. Dazu bedarf es allerdings einiger Unterziele. Zum Ersten werden aus einem noch zu definierenden Fondsuniversum der „beste“ und der „schlechteste“ Fonds herausgefiltert.
Für diesen Schritt sind einige Auswahlkriterien festzulegen. Nachdem diese gewichtet wurden, können die entsprechenden Fonds benotet und entsprechend der Zielvorgabe ausgewählt werden. Daran anschließend sollen in einem zweiten Schritt Gründe dafür gesucht werden, weshalb sich diese Fonds in der Vergangenheit unter verschiedenen Gegebenheiten so unterschiedlich entwickelten. Um im Ergebnis Unterschiede zwischen den Fonds finden zu können, wird notwendigerweise geklärt, wie ein Rentenfonds in der Theorie strukturiert ist. Daran anknüpfend betrachtet die Arbeit Theorie und Praxis, mit dem Ziel, mögliche Unterscheidungen herauszuarbeiten.
Auf der Grundlage des Fonds, welcher im Vergleich der Kennzahlen und Einflüsse am besten abschnitt, sollen am Ende der Arbeit einige Empfehlungen für Rentenfondsmanager gegeben werden. Ziel dieser Empfehlungen ist es, die Rentenfondsmanager anzuregen, die Anlagephilosophie der eigenen Fonds eventuell neu zu überdenken.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | II | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| 1. | Einführung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Ziel der Arbeit | 2 |
| 1.3 | Methodisches Vorgehen | 3 |
| 2. | Empfehlung zur Strukturierung von Rentenfonds aus der Sicht eines Fondsmanagers | 5 |
| 2.1 | Grundlagen | 5 |
| 2.1.1 | Definitionen | 5 |
| 2.1.2 | Datenbasis | 14 |
| 2.1.3 | Methoden, Verfahren, Instrumente für einen Filter- und Bewertungsansatz | 15 |
| 2.2 | Rentenfondsstrukturen | 20 |
| 2.2.1 | Theoretische Rentenfondsstrukturierung | 20 |
| 2.2.2 | Struktur der ausgewählten Fonds | 25 |
| 2.2.3 | Theorie und Praxis der Portfoliotheorie | 30 |
| 2.3 | Fondsvergleich | 34 |
| 2.3.1 | Statistische Vergleiche | 34 |
| 2.3.2 | Volkswirtschaftliche Untersuchung | 45 |
| 2.3.3 | Fondscharakteristik | 50 |
| 3. | Fazit | 53 |
| 3.1 | Ergebnis | 53 |
| 3.2 | Maßnahmen | 56 |
| 3.3 | Konsequenzen | 60 |
| Anhang | 62 | |
| Anhang A | 63 | |
| Anhang B | 69 | |
| Anhang C | 77 | |
| Literaturverzeichnis | 83 |
Die Zusammensetzung eines Rentenfonds basiert, wie sehr viele Fondsprodukte, auf der modernen Portfoliotheorie. Obwohl diese Theorie schon recht lange besteht, ist sie auch heute noch Basiswerkzeug im Portfoliomanagement. Gerade im institutionellen Asset Management beeinflusst der Kunde sehr stark im Rahmen der Strategischen Asset Allocation und der damit verbundenen Definition des Anlageuniversums und der anzulegenden Benchmark die Basisausrichtung eines Investments.50 Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass durch geschicktes Diversifizieren versucht wird, ein Portfolio so zu positionieren, dass im Vergleich zu einem anderen Portfolio bei gleichem Risiko eine höhere erwartete Rendite erzielt wird. Untrennbar mit der Diversifikation ist dabei der Name Harry Markowitz verbunden. Er wies erstmals mathematisch nach, dass es eine Möglichkeit gibt, Wertpapieranlagen so zu verteilen, dass Anlagen mit gleichem Risiko unterschiedlich hohe Renditen erzielen können. So ist es möglich, mittels dreier Kennzahlen den zu erwartenden Renditen der einzelnen Anlagen, der Standardabweichung (Volatilität) sowie der Korrelation ein optimales (ein sogenanntes effizientes) und risikominimiertes Portefeuille zu konstruieren. Der Begriff der Diversifikation bedeutet unter Markowitz´ Verständnis also nicht nur das einfache Addieren der Einzelrisiken von Anlagealternativen, sondern vielmehr eine Neutralisation dieser Risiken durch eine Mischung der im Portefeuille enthaltenen Wertpapiere. Auf eine Rentenfondsstruktur umgesetzt, besagt diese Theorie, dass der Portfoliomanager zur Diversifikation die Wahl hat zwischen Anleihen verschiedener Laufzeiten und Anleihen unterschiedlichster Qualität und Bonität. Dabei haben Anleihen aus Ländern mit niedriger Bonität häufig hohe Renditechancen, welche jedoch mit höheren Ausfallrisiken verbunden sind. Auch Unternehmensanleihen können zum Beimischen sinnvoll sein. Sie implizieren gegenüber deutschen Staatsanleihen meist einen hohen Renditevorteil. Die Laufzeit dieser Anleihen sowie die Bonität der Unternehmen ist hier genauso entscheidend für den Renditevorteil (Spread). [...]
29 ganzzahligen Laufzeiten von 1 bis 10 Jahren und je drei Kupontypen (6%, 7,5% und 9%).48 Jede der 30 Anleihen wird ihrem Marktanteil entsprechend gewichtet, wobei sich dieser nach der Anzahl der Emissionen in jeder der 30 Laufzeit-/ Kuponklassen in den letzten 20 Jahren bemisst. Die Überprüfung der Gewichtung erfolgt jährlich. Die Grundgesamtheit bilden alle Anleihen, Obligationen und Schatzanweisungen der Bundesrepublik Deutschland mit fester Verzinsung und einer Restlaufzeit von mindestens 0,5 Jahren. Der REX ist ein reiner Preisindex, der einer Bundesanleihe mit dem Kupon von 7,44% sowie einer stetigen Laufzeit von 5,49 Jahren entspricht und nur die Kursentwicklung wiedergibt.49 Der REX-P unterscheidet sich vom REX dadurch, dass neben der Kursentwicklung auch die anfallenden Zinserträge in die Berechnung einbezogen werden. Aufgrund dieser Tatsache besitzt der REX-P für die ausgewählten Fonds nur unter der Einschränkung der Wiederanlage der ausgeschütteten Erträge Aussagekraft. Ganz ähnlich ist die Zusammensetzung des PEX Kursindex. Er besteht im Gegensatz zum REX nicht aus 30 fiktiven Anleihen, sondern aus 30 repräsentativen Pfandbriefen mit Laufzeiten von 1 bis 10 Jahren. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene andere Benchmarks herausgebildet, an denen sich alle Fonds der betreffenden Asset Allocation messen lassen müssen. Dazu gehören folgende Benchmarks: Lehman Euro Aggregate von Lehman Brothers, JP Morgan EMU Government Bond Index von JP Morgan, Salomon Germany Government Bond Index von Salomon Smith Barney. Hervorzuheben ist außerdem noch der SSSB Euroland Government Bond Index von Schroder Salomon Smith Barney. Zusätzlich vergleicht man Fonds häufig mit sogenannten Peer-GroupIndizes. Beim Peer-Group-Vergleich werden verschiedene gleichartige Anbieter gegenübergestellt. Die Benchmark ist in diesem Fall kein Index. Die Zusammensetzungen der erwähnten Government Bond Indizes unterscheiden sich nur unwesentlich voneinander, so dass beispielhaft der Salomon German Government Bond EUR Index, der Salomon European World Government Bond Index (WGBI) EUR und der Lehman Euro Aggregate für weitere Vergleiche verwendet werden. Die Frage, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Fonds und den erwähnten Benchmarks bestehen, wird in Kapitel 2.3. geklärt. [...]
Ebenfalls deutliche Unterschiede sind bei der Art der verwendeten Anleihen festzustellen. Während der Fonds von BB-INVEST ausschließlich in Wertpapiere von Emittenten höchster Bonität, also Obligationen und Schatzanweisungen des Bundes, investiert, mischt das Management von Gerling INVEST seinem Fonds verschiedene hochverzinsliche Anleihen des In- und Auslands sowie derivate Finanzinstrumente bei. Im Vordergrund stehen dabei hochverzinsliche osteuropäische Anleihen. Interessant erscheint die Frage, wie die Fonds im Vergleich zu den angelegten Benchmarks aufgestellt sind. Dazu muss zunächst geklärt werden, welche Benchmarks angelegt werden können. In Betracht kommen hierfür Benchmarks für die Regionen Deutschland und unter Umständen für Europa, da teilweise auch in Anleihen des Auslands investiert wird. Die für Deutschland repräsentativsten Vergleichsmaßstäbe sind der REX, der REX-P sowie der PEX (Deutscher Pfandbriefindex). Der Deutsche Rentenindex REX ist im Gegensatz zum Deutschen Aktienindex DAX ein synthetischer Index. Das heißt, er ist von seinem Konzept her ein gewichteter Durchschnittskurs aus synthetischen Anleihen mit konstanter Laufzeit. Die Bildung erfolgt durch die Einbeziehung 30 idealtypischer Anleihen mit [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832482718
Arbeit zitieren:
Thuß, Marco März 2003: Empfehlung zur Strukturierung von Rentenfonds aus der Sicht eines Fondsmanagers, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Rentenfonds, Fondsrating, Barbell-Strategie, Bullet-Strategie, Ladder-Strategie



