Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Die Emigration deutscher Wissenschaftler in die Türkei 1933-1945

Voraussetzungen - Bedingungen - Wirkungen

Die Emigration deutscher Wissenschaftler in die Türkei 1933-1945
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Klaus Velten
  • Abgabedatum: Dezember 1998
  • Umfang: 122 Seiten
  • Dateigröße: 901,6 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2121-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2121-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2121-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Velten, Klaus Dezember 1998: Die Emigration deutscher Wissenschaftler in die Türkei 1933-1945, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Nationalsozialismus, Juden, Emigration, Istanbul, Türkei

Magisterarbeit von Klaus Velten

Einleitung:

Heutzutage scheint uns die Türkei nicht mehr so weit, wie im 18. Jahrhundert. In Deutschland leben heute ca. 2 Millionen Türken. Sie stellen damit die größte Gruppe von Ausländern in Deutschland. Obwohl die Türkei ein beliebtes Urlaubsland der Deutschen ist, bleibt ihre Geschichte der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Dies trifft besonders auf die Emigration von deutschen Wissenschaftlern in die Türkei während des "Dritten Reiches" zu, und das obwohl es dazu einige Veröffentlichungen gegeben hat. Erst seit die Türkei Natomitglied ist (1952) und vor allem seit sie die Vollmitgliedschaft zur Europäischen Union im April 1987 beantragt hat, rückt das Land in das Blickfeld Europas.

Schon kurz nach der Ablehnung der Europäischen Union, die Türkei als Vollmitglied aufzunehmen, bestimmten gegenseitiges Mißtrauen und beiderseitige Vorwürfe die zwischenstaatlichen Beziehungen. Das Gefühl der Freundschaft trat immer mehr in den Hintergrund. Die Schlagworte auf deutscher Seite betreffen Menschenrechtsverletzungen in der Türkei sowie die „Kurdenfrage“. Im Gegenzug dazu wirft die Türkei den Deutschen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus vor. An die Stelle der Erinnerungen über den gemeinsamen Waffengang im Ersten Weltkrieg und die freundliche Aufnahme von verfolgten Wissenschaftlern und Künstlern im "Dritten Reich" tritt mehr und mehr die Wahrnehmung einer Bedrohung durch radikale Moslime. Ich sehe diese Arbeit als einen Beitrag dazu, die gegenseitige Wahrnehmung wieder zu öffnen und den Blick auf Gemeinsamkeiten zu lenken.

Die vorliegende Arbeit "Die Emigration von deutschen Wissenschaftlern in die Türkei 1933 - 1945. Voraussetzungen - Bedingungen - Wirkungen" beschäftigt sich mit der Emigration rassisch und politisch verfolgter deutscher Wissenschaftler in die Türkei während der Naziherrschaft in Deutschland. Dabei faßt die Arbeit den Begriff "Wissenschaftler" weiter und versteht darunter nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Musiker, Künstler und Architekten. Bei den Wissenschaftlern, die in die Türkei emigrierten, handelte es sich zumeist um Universitätsprofessoren, denen mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland die Möglichkeit genommen wurde, weiter dort zu arbeiten und zu leben.

Gang der Untersuchung:

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen, wie aus dem Untertitel bereits hervorgeht, die Voraussetzungen, Bedingungen und Wirkungen der Emigration in die Türkei. Es wird sich die Frage stellen, welche Voraussetzungen erfüllt sein mußten, um eine Emigration in die Türkei zu ermöglichen. Im zweiten Abschnitt der Arbeit sollen die Lebens- und Arbeitsbedingungen, denen die Emigranten in der Türkei ausgesetzt waren, näher untersucht werden. Dabei werden Fragen, wie zum Beispiel nach der Höhe des Gehaltes sowie der privaten Lebenssituation der Emigranten von Bedeutung sein. Von besonderem Interesse sind die Beziehungen der Emigranten zu den offiziellen deutschen Stellen in der Türkei, die durch die Botschaft bzw. durch das Konsulat repräsentiert wurden. Es wird sich hierbei die Frage stellen, welche Einflußmöglichkeiten die deutschen Stellen hatten, um die Arbeit der Emigranten zu behindern, und aus welchen Motiven heraus dies geschah. Dazu verwendet die Arbeit autobiographische Berichte der Emigranten sowie den Bericht eines NS-Beamten zur Situation an den wissenschaftlichen Einrichtungen in der Türkei. Des weiteren untersucht die Arbeit die Auswirkungen der Emigration auf das türkische Bildungssystem. Welche Einflußmöglichkeiten und Wirkungen besaßen die Emigranten in Bezug auf die Forschung sowie die Wirtschaft und Politik in der Türkei?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Aufgabenstellung und Aufbau der Arbeit 3
1.2 Quellen- und Literaturlage 7
2. Voraussetzungen für die Emigration in die Türkei 10
2.1 Deutsch-türkische Beziehungen vor der Gründung der Türkischen Republik 10
2.2 Atatürk und die Gründung der Türkischen Republik 1923 16
2.3 Reformen 18
2.3.1 Allgemeine Reformen 18
2.3.2 Der Beginn der Universitätsrefrom 20
2.4 Die Vertreibung deutscher Wissenschaftler aus dem "Dritten Reich" 24
2.5 Die Vermittlung der Wissenschaftler durch die "Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland" 28
2.5.1 Die Entstehung der Organisation 28
2.5.2 Die Vermittlungstätigkeit der Organisation 30
2.5.3 Probleme bei der Vermittlung der Wissenschaftler 32
3. Arbeits- und Lebensbedingungen in der Türkei 36
3.1 Die Anstellungsverträge 36
3.2 Der Beginn der Lehrtätigkeit an der Universität Istanbul 38
3.3 Andere Emigrantengruppen 42
3.4 Probleme der Professoren 46
3.4.1 Das Sprachproblem 46
3.4.2 Soziale und seelische Schwierigkeiten 49
3.4.3 Alltägliche Probleme 52
3.5 Erleichterungen in der Emigration 53
3.6 Die Arbeit von Emigranten in Ankara 55
3.6.1 Das staatliche Konservatorium 55
3.6.2 Die Fakultät für Sprache, Geschichte und Geographie 60
3.6.3 Deutsche Mediziner in Ankara 61
3.6.3.1 Das Musterkrankenhaus 61
3.6.3.2 Das staatliche Hygieneinstitut 63
3.6.4 Das landwirtschaftliche Hochschulinstitut 64
3.6.5 Ernst Reuter in Ankara 66
3.6.5.1 Reuters Private Lebenssituation 68
3.6.5.2 Reuters Kontakte zum offiziellen Deutschland 69
3.7 Emigrierte Architekten 71
3.8 Der Scurla-Bericht 74
3.8.1 Zur Person Scurla 75
3.8.2 Aufbau des Scurla-Berichtes 76
3.8.3 Der Fragebogen von 1938 77
3.8.4 Scurla und die Universität Istanbul 78
3.8.5 Scurlas Aussagen über Emigranten in Ankara 89
4. Wirkungen der Emigranten 91
4.1 Der Weggang der Emigranten 91
4.2 Wirkungen der Emigranten auf das türkische Universitätswesen 94
4.3 Wirkungen der Emigranten auf die Forschung 97
4.4 Weitere Wirkungsformen der Emigration 100
5. Schlußbetrachtung 102
6. Quellen- und Literaturverzeichnis 106
6.1 Quellen und Publikationen mit Quellenwert 106
6.2 Literatur 107

Automatisiert erstellter Textauszug:

„Reichsdeutschen“, und den Emigranten. Eine unsichtbare Trennlinie schien die beiden Gruppen zu teilen. In Istanbul existierte neben dem deutschen Konsulat, der Club „Teutonia“, die deutsche Schule sowie Clubs offizieller deutscher Journalisten. Daneben fanden sich Bereiche, die beide Personengruppen in Anspruch nahmen wie zum Beispiel das Deutsche Archäologische Institut, das deutsche Krankenhaus sowie die deutsche evangelische Gemeinde.183 Nissen beschrieb in seiner Autobiographie dieses Verhältnis zwischen der deutschen Kolonie und den Emigranten. Deutlich wird dabei, daß das Verhältnis in den ersten Jahren des „Dritten Reiches“ zwar nicht unbedingt freundschaftlich gewesen ist, aber auch nicht feindselig. Erst bei Kriegsbeginn änderte sich die Situation, vor allem als Franz von Papen deutscher Botschafter in Ankara wurde. „Auch die deutsche Kolonie widerstand lange Zeit dem Druck, der von Berlin auf sie ausgeübt wurde, obwohl Ribbentrops Schwager, der in Ankara ansässig war, als Aufpasser die Aktivität der Deutschen beobachtete und registrierte. Eine Änderung trat erst ein, als Papen deutscher Botschafter wurde.“184 Papen war von April 1939 bis August 1944 Botschafter in Ankara. Nissen beschrieb ihn als skrupellos. Nach Nissen sah Papen sich selbst „als eine Art Metternich“, der wohl glaubte, „daß Skrupellosigkeit, Doppelzüngigkeit und Verschlagenheit zum Bilde eines großen Diplomaten gehören. Er war schlau, jedoch nicht intelligent und arbeitsam genug, um mehr zu sein als ein Dilettant auf allen Gebieten, auf denen er sich versuchte.“185 Die Isolierung der Emigranten bestand nicht nur in Bezug auf die „Reichsdeutschen“, sondern auch mit Blick auf türkische Freunde und Bekannte, mit Ausnahme von türkischen Fachkollegen. „Bei aller Aufrichtigkeit, Freundlichkeit, ja Herzlichkeit [...]

Neben den Schwierigkeiten mit der Sprache trat die Isolierung der Wissenschaftler, die auf internationalen Kontakt angewiesen waren. Die Möglichkeiten des Bezugs von wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften waren begrenzt. Nissen berichtete über eine Fachtagung in Genf, die die Möglichkeit bot, die Isolierung der Wissenschaftler in der Türkei etwas abzubauen: „Eine besondere Attraktion war für uns - wissenschaftlich etwas ausgehungerte - Mediziner die „Woche der Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift“, die von A. Gigon und meinem Freund P. Wolff - Genf vorbereitet und geleitet wurde. Wahrscheinlich ist sich Gigon kaum bewußt geworden, wie viel er mit diesen Symposien für die getan hat, die Deutschland verlassen mußten und jetzt glücklich waren, in ihrer Muttersprache vortragen zu hören oder selbst vorzutragen ...“180 Von einer anderen Möglichkeit, mit Kollegen in Verbindung zu bleiben, berichtete Hirsch. Er hatte auf Wunsch des Direktors des Instituto di Studi Legislativi in Rom die Aufgabe übernommen, Jahresberichte über die türkische Gesetzgebung anzufertigen und in der Zeitschrift des Instituts zu veröffentlichen: „Auf diesem Wege war es mir möglich, trotz der nationalsozialistischen Maßnahmen, die mir Publikationen im Bereich des Deutschen Reiches unmöglich machten, in deutscher Sprache weiterhin in den Kreisen der mit Rechtsvergleichung beschäftigten Kollegen auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben.“181 Für andere Wissenschaftler beschränkte sich der von Deutschland her gewohnte rege wissenschaftliche Austausch auf die Mitemigranten. Die Professoren versuchten wissenschaftliche Zirkel zu gründen, um wenigstens innerhalb der Emigrantengruppe einen wissenschaftlichen Austausch zu fördern: „Wir hatten, um der geistigen Isolierung zu entgehen, eine Art Privatakademie eingerichtet, der jeweils 12 - 15 aus allen Disziplinen angehörten. Leiter waren der Kulturhistoriker Alexander Rüstow und der Jurist Andreas Schwarz; dazu gehörten u.a. die Nationalökonomen Neumark, Kessler, Isaac, der Archäologe Bittel, die Botaniker Heilbronn und Brauner, der Zoologe [...]

zwischen Professoren und Studenten zu beseitigen oder jedenfalls zu überwinden.“174 Hirsch erklärte weiter, daß die im Jahre 1928 durchgeführte Sprachreform die türkische Sprache in Bewegung geraten ließ. Dies bewirkte, daß sich das, was sich die deutschen Professoren „zwischen 1933 bis 1936 als türkische Sprache einprägten, zum Absterben verurteilt war und durch völlig neue Wortbildungen ersetzt wurde, die immer wieder neu erlernt werden mußten.“175 Diejenigen, die mit der Sprache nicht zurecht kamen oder andere Anpassungsschwierigkeiten hatten, verließen die Türkei nach Ablauf ihres ersten Vertrages wieder. Die meisten emigrierten weiter in die USA.176 Hirsch berichtete über den Nationalökonomen Röpke, den der Rektor der Universität nach Ablauf seines Vertrages 1936 dahingehend zur Rede stellte, warum er sich keine Mühe gebe, seine Vorlesungen in türkisch zu halten: „In meiner Muttersprache kann ich ausdrücken, was ich sagen will, in türkischer Sprache nur das, was ich türkisch zu sagen gelernt habe; und dies ist , selbst wenn ich mir sehr große Mühe gebe, für eine wissenschaftliche Vorlesung nicht ausreichend.“177 Wilhelm Röpke studierte in Göttingen, Tübingen und Marburg, wo er bis 1924 Privatdozent war. Von 1924 bis 1928 arbeitete er als außerordentlicher Professor in Jena, bevor er wieder bis zu seiner Emigration aus politischen Gründen an die Universität Marburg zurückging. Röpke blieb nur bis 1937 in der Türkei. Danach ging er als Professor für internationale Wirtschaftsfragen an das Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales in Genf.178 In einem Brief an Professor Karl Brandt schrieb Röpke: „Der Unterschied zwischen Ihnen allen und uns in Stambul liegt ja auf der Hand. Sie arbeiten in einem wesensverwandten zum Teil ja außerordentlich anziehenden Milieu, an das Sie sich assimilieren müssen und auch rasch assimilieren werden, zumal ja die sprachliche Umschaltung keine Schwierigkeiten macht. ... Wir hingegen bilden natürlich in jeder Beziehung einen Fremdkörper, und weder in die Sprache noch in das Wesen dieses Landes werden wir eindringen können.“179 [...]

Arbeit zitieren:
Velten, Klaus Dezember 1998: Die Emigration deutscher Wissenschaftler in die Türkei 1933-1945, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Nationalsozialismus, Juden, Emigration, Istanbul, Türkei

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren