Elternpartizipation in der Elementarpädagogik
Entwicklung eines zukunftsorientierten Konzeptes mit Bildungschancen für Eltern unter besonderer Berücksichtigung von Familien mit Migrationshintergrund
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Anke Böhme, Thomas Böhme
- Abgabedatum: August 2004
- Umfang: 137 Seiten
- Dateigröße: 694,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8992-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8992-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8992-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Anke Böhme, Thomas Böhme August 2004: Elternpartizipation in der Elementarpädagogik, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Eltern, Elternarbeit, Kindertagesstätte, Kita, interkulturell
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Diplomarbeit von Anke Böhme, Thomas Böhme
Einleitung:
Über Elternpartizipation wurde in der Vergangenheit bereits viel geschrieben, doch ein spezifisches richtungweisendes Konzept zu deren Umsetzung in Kindertagesstätten, insbesondere unter Berücksichtigung von Familien nicht-deutscher Herkunft, fehlt bislang.
Familien mit Migrationshintergrund liegen oft andere kulturelle Werte und Normen zugrunde und eine andere Familiensprache. Häufig haben die Eltern und zum Teil auch deren Kinder Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache, fühlen sich alleingelassen und haben Berührungsängste, auch weil sie zum Teil schlechte Erfahrungen mit anderen Institutionen gemacht haben. Aus diesem Grund ist der kontinuierliche Kontakt zwischen ErzieherIn und Eltern und das Einbeziehen der Eltern in den Kindergartenalltag gerade bei Migrantenfamilien sehr wichtig.
Um in der Gesellschaft zukünftig zurechtzukommen, müssen aber auch Eltern und Kinder der Dominanzgesellschaft lernen, mit Vielfalt umzugehen. In einer Zeit, in der Multikulturalität immer mehr Raum einnimmt, ist es wichtig, auf beiden Seiten die Angst vor dem Fremden zu nehmen. Daher ist das Einbinden aller Eltern in die Prozesse der Kindertageseinrichtung und ihre Fortbildung in Bezug auf Erziehungsfragen von hohem Stellenwert. Beispielsweise sieht Maaz einen Zusammenhang von autoritärer Erziehung und der Angst vor Fremden (latente Angst), die meist auf unbewusster Ebene abläuft.
Wenn Kinder die Werte und Normen ihrer Gesellschaft nicht demokratisch verinnerlichen, erleben sie abweichende Normen und Werte anderer Kulturen als Bedrohung, da ihnen eine solche Abweichung früher verboten wurde. Im Extremfall kann daraus Fremdenfeindlichkeit entstehen.
Die Zusammenarbeit mit Eltern ist daher sowohl ein wechselseitiger Lernprozess zwischen den ErzieherInnen und den Eltern, als auch zwischen den Eltern der verschiedenen Kulturen.
Es wäre für eine Kindertagesstätte vorteilhaft, wenn sie ihre Arbeit transparenter gestaltet und neue kommunikative Formen der Eltern- und Familienarbeit entwickelt, sowie die Kooperation mit bzw. Integration von Sozialen Diensten, wie den Familien- und Erziehungsberatungsstellen, anstrebt. Denn die neuesten Forschungen belegen, dass es sich günstig auf die Entwicklung der Kinder auswirkt, wenn Eltern und Pädagogische Fachkräfte eng zusammenarbeiten.
Daher gehen wir in dieser Arbeit von einer Kindertagesstätte aus, die als Lebensraum nicht nur für Kinder, sondern auch für deren Eltern bestimmt ist, mit der Perspektive, einen Ort zu schaffen, indem sich Kinder, Jugendliche und Eltern ohne Schwellenangst bewegen können. Die Funktion des Kindergartens soll nicht mehr nur eine Familienergänzende sondern auch eine Familienstützende, mit vielfältigen Bildungs- und Beratungsangeboten sein. Dabei gilt unsere besondere Aufmerksamkeit dem interkulturellen Aspekt. Bildung und Beratung soll allen Eltern und Kindern zugute kommen. Somit stehen Eltern und Pädagogen vor einer großen Herausforderung, da es unterschiedliche Sprachen, Religionen und kulturell bedingte Erziehungsstile zu beachten gilt.
Vielfach fehlt den Kitas bei der Umsetzung von Elternzusammenarbeit eine Struktur. Viele ErzieherInnen sind motiviert, haben jedoch Schwierigkeiten, mit den Eltern zusammenzuarbeiten. Zudem mangelt es auch an Fortbildungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Kapitel wird die Rolle der Eltern in der Elementarpädagogik in Deutschland beschrieben. Neben den gesetzlichen Vorgaben werden die historischen Entwicklungen und die Hindernisse von Elternpartizipation näher beleuchtet. Weitere Themen sind die Elternberatung und Fortbildungsmöglichkeiten für Familien.
Da wir der Ansicht sind, dass die Eltern derzeit in Erziehungsfragen nicht genügend Unterstützung erhalten, beschreiben wir Formen der Elternberatung und der Familienbildung. Eltern Hilfestellung beim Erziehen ihrer Kinder zu geben, hat mehrere Vorteile: Einerseits gibt es individuelle Aspekte. Beispielsweise wird die Handlungskompetenz der Eltern gestärkt und sie erhalten mehr Verständnis für das Verhalten ihres Kindes. Andererseits ergeben sich daraus gesellschaftliche Aspekte, wie das Vorbeugen von Fremdenfeindlichkeit durch latente Angst.
Im zweiten Kapitel wird die Kinderbetreuung und Elternpartizipation in verschiedenen europäischen Ländern illustriert. Veranschaulicht werden die Situationen in Großbritannien, Schweden und der Bundesrepublik Deutschland.
Die Einbeziehung der Eltern ist in Schweden ein natürlicher Prozess, wie auch das Durchführen regelmäßiger Entwicklungsgespräche. Während dort das Unterstützen der berufstätigen Eltern im Vordergrund steht, versuchen die Richtlinien der Early Excellence Centres in England insbesondere, den Eltern neue Zukunftsperspektiven zu geben und ihre Handlungskompetenzen zu stärken.
In Deutschland werden dagegen die Familien von politischer Seite immer mehr benachteiligt, was sich auch auf die Situation in den Kindertageseinrichtungen auswirkt.
Im dritten Kapitel wird die Zusammenarbeit von ErzieherInnen und Migrantenfamilien erörtert. Neben der Interkulturellen Pädagogik wird der Anti-Bias-Approach, ein Ansatz gegen Einseitigkeiten und Vorurteile, vorgestellt.
Da die Kooperation mit Migranten nicht nur ein besonderes Einfühlungsvermögen sondern auch spezieller Kriterien bedarf, dürfen eventuelle kommunikative Schwierigkeiten nicht übergangen, sondern müssen gelöst werden. Denn diese Familien bringen als Minderheiten in der deutschen Dominanzgesellschaft andere Erfahrungen, sowohl im Hinblick auf gesellschaftliche Anerkennung, als auch auf andere kulturelle Hintergründe, mit. Unter Beachtung der kulturspezifischen Hintergründe, Interaktions- und Kommunikationssituationen werden des Weiteren besondere Kriterien und praktische Anregungen für die Kindertagesstätte dargelegt.
Aus den Informationen der ersten drei Kapitel wurde im vierten Kapitel schließlich das neue Konzept: „Hand in Hand – Kita und Familie für eine gemeinsame Zukunft“ entwickelt. Die zehn erarbeiteten Grundsätze bieten die Möglichkeit einer ständigen Reflexion. Das Konzept schließt andere Veröffentlichungen über Elternzusammenarbeit nicht aus, sondern soll als übersichtlicher Leitfaden zur praktischen Arbeit dienen.
Um eventuellen Einwänden hinsichtlich der Realisierung vorzubeugen, erörterten wir am Ende der Arbeit Möglichkeiten für Kindertagesstätten, diese kostenintensive Elternzusammenarbeit und -förderung auch finanzieren zu können.
Wir hoffen, dass das vorliegende Konzept der Praxis Anregungen bieten kann, und die Eltern zukünftig in mehr Einrichtungen auf systematische Weise unterstützt und einbezogen werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Die Rolle von Eltern in der Elementarpädagogik in Deutschland | 9 |
| 1.1. | Elternpartizipation | 12 |
| 1.1.1 | Die gesetzliche Regelung von Elternpartizipation | 12 |
| 1.1.2 | Historische Entwicklung der Zusammenarbeit mit Eltern | 16 |
| 1.1.3 | Hindernisse bei der Kooperation von ErzieherInnen und Eltern | 27 |
| 1.2 | Elternberatung und pädagogische Fortbildungsmöglichkeiten für Familien | 33 |
| 1.2.1 | Elternberatung | 33 |
| 1.2.2 | Familienbildung | 39 |
| Literatur | 44 | |
| 2. | Kinderbetreuung und Elternpartizipation in verschiedenen europäischen Ländern | 50 |
| 2.1 | Großbritannien | 52 |
| 2.1.1 | Allgemeiner Überblick | 52 |
| 2.1.2 | Elternpartizipation am Beispiel des Pen Green Centres in Corby | 60 |
| 2.2 | Schweden | 66 |
| 2.2.1 | Allgemeiner Überblick | 66 |
| 2.2.2 | Elternpartizipation am Beispiel der Vorschule Trollberget in Stockholm | 72 |
| 2.3 | Deutschland | 75 |
| 2.3.1 | Allgemeiner Überblick | 75 |
| 2.3.2 | Elternpartizipation am Beispiel der Kita Dresdner Straße in Berlin | 83 |
| Literatur | 85 | |
| 3. | Zusammenarbeit mit Migrantenfamilien | 93 |
| 3.1 | Die Kita als Lernort für den Erwerb Interkultureller Kompetenz | 95 |
| 3.1.1 | Interkulturelle Pädagogik | 95 |
| 3.1.2 | Der Anti-Bias-Approach | 98 |
| 3.2 | Besondere Kriterien und praktische Anregungen für die Kindertagesstätte | 103 |
| 3.2.1 | Beachtung der kulturspezifischen Hintergründe | 103 |
| 3.2.2 | Interaktions- und Kommunikationssituationen | 106 |
| Literatur | 110 | |
| 4. | Das zukunftsorientierte Konzept und Möglichkeiten seiner Finanzierung | 114 |
| 4.1 | Das pädagogische Konzept | 114 |
| 4.1.1 | Die Ziele des Konzepts | 114 |
| 4.1.2 | Die konzeptionellen Grundsätze | 115 |
| 4.2 | Möglichkeiten zur Finanzierung | 119 |
| 4.2.1 | Entrepreneurship | 119 |
| 4.2.2 | Sozial-Sponsoring | 121 |
| 4.2.3 | Fundraising | 123 |
| 4.2.4 | Weitere Einnahmequellen | 125 |
| Literatur | 128 | |
| Zusammenfassung und Ausblick | 130 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832489922
Arbeit zitieren:
Anke Böhme, Thomas Böhme August 2004: Elternpartizipation in der Elementarpädagogik, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Eltern, Elternarbeit, Kindertagesstätte, Kita, interkulturell



